Aufstellung, Gliederung, Bezeichnungen Bereits ab Herbst 1941 gab es Pläne, eine auf Gebirgseinsätze spezialisierten Polizeitruppe aufzustellen,Ralph Klein, Das Polizei-Gebirgsjägerregiment 18: Massaker, Deportation, Traditionspflege, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Jg. 55/41, 2007, S. 43 denn das NS-Reich wollte den Kaukasus erobern (Unternehmen Edelweiss), um an die dringend benötigten Ölvorkommen in Baku zu kommen. Zur Sicherung der dafür notwendigen Transporte über Bahnrouten sollten Polizeieinheiten in das gebirgige Kaukasus-Gebiet geschickt werden. Die Anordnung des Hauptamt Ordnungspolizei zur Aufstellung eines Polizei-Gebirgsjäger-Regimentes erfolgte am 23. Mai 1942,Erlass O-Kdo.I O (3) 1 Nr. 102/42 als Kommandeur wurde Pol.Oberst Hermann Franz bestimmt. Die für das Regiment ausgewählten drei Bataillone waren für den Spezialeinsatz geeignet: Das PB 302/München und das PB 312/Innsbruck waren bereits seit Herbst 1940 in Mittelnorwegen als Sicherungstruppe stationiert und das erst 1941 aufgestellte PB 325/Dresden hatte sich in der gebirgigen Oberkrain Praxis geholt. Jedes Bataillon sollte mit einer Kraftfahrzeug-Staffel, einem Nachrichten-Zug und einem schweren Granatwerfer-Zug ausgestattet sein, das Regiment erhielt zudem eine Schwere Pol.Geb.Jäg.Komp., einen Pol.-Pionierzug, einen Polizei-Reiterzug, eine Pol.Nachr.-Abt. und eine Pol.Pzkw.-Abteilung. Als Hilfspersonal wurden „Volksdeutsche“ eingestellt, insgesamt ca. 2000 Mann sollen die Stärke des Regiments erreicht haben. Mitte Juni 1942 trafen die Bataillone im Grenzgebiet Bayern/Tirol zur Aufstellung/zum Gebirgs-Spezialtraining ein. Sie waren bereitsRMBliV S. 1370 und wurden weiter als Gebirgstruppe gekennzeichnet: An ihren Uniformen war bei den Feldmützen und am Unterärmel auf schwarzem Grund ein Edelweiß aufgenäht – jeweils links und damit unterscheidbar von der 1. Gebirgs-Division der Wehrmacht.
Wenige Wochen nach der Aufstellung des Polizei-Gebirgsjäger-Regimentes wurden alle bestehenden und einige neu zu bildenden Res.Pol.Batl. in Regimenter à drei Bataillone zusammengefasst, das Gebirgsjägerregiment erhielt die Nr. 18 der insgesamt 28 aufgestellten Polizei-Regimenter, es wurde zum „Pol.Geb.Rgt.18“ umbenannt.Erlass O.Kdo. I O (3) Nr. 184/42 vom 9. Juli 1942 Weitere Folge war eine Anpassung an die militärischen Bezeichnungen, die Bataillone 302, 312 und 325 wurden zu den I./, II./ und III./ Batl. des Regiments, die Kompanien durchnummeriert zu 1. – 12. Kompanie.
Eine weitere Änderung erfolgte im März 1943: Alle 28 Polizeiregimenter – und damit deren Bataillone – erhielten nominell zur Unterscheidung zu den Pol-Schützen-Regimentern einen SS-Zusatz, damit war aber weder eine Abgabe an die Waffen-SS oder eine Unterstellung in die SS-Administration verbunden, die Regimenter und ihre Bataillone und Sondereinheiten und -abteilungen „blieben unverändert Bestandteile der Ordnungspolizei“.Georg Tessin, Die Stäbe und Truppeneinheiten der Ordnungspolizei im 2. WK in: Neufeldt, Huck, Tessin, Zur Geschichte der Ordnungspolizei 1936 – 1945, Schriftenreihe des Bundesarchivs 3, Teil II, Koblenz 1957, Seite 31.
Das Pol.Geb.Rgt.18 kam aufgrund des beginnenden Rückzugs der Wehrmacht nicht in die Kakasusregion, sondern wurde in den Norden umgeleitet und im Dezember bei Danzig von Wehrmachtoffizieren für einen Fronteinsatz vorbereitet. Ab 1943 war das Regiment diversen Armeekorps unterstellt: In Finnland der 20. Gebirgs-Armee, in Griechenland der Heeresgruppe E,Georg Tessin, Norbert Kannapin, Brün Meyer, Waffen-SS und Ordnungspolizei im Kriegseinsatz 1939–1945: ein Überblick anhand der Feldpostübersicht, Osnabrück 2000, Jeweilige Unterstellungen, Seite 624 ebenso in den letzten Kriegsmonaten bis zur Auflösung am 9. Mai 1945 im Osten Sloweniens.
Es wurde nur dieses eine auf Gebirgsregionen spezialisierte Polizei-Regiment aufgestellt. Eine weitere Besonderheit ist die 1963 vom ersten Kommandeur (Sommer 1942 – Sommer 1943) und Offizieren des Regiments verfasste Regimentschronik mit einem ausführlichen Textteil inkl. Kriegsskizzen, Fotos und zudem in der Anlage übersichtlich die Kriegsgliederung, die Regiments- und Bataillons-Kommandeure, die Stellenbesetzung der Bataillone sowie eine chronologische Zeittafel.Hermann Franz, Gebirgsjäger der Polizei. Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18 und Polizei-Gebirgs-Artillerieabteilung, 1942 bis 1945, Bad Nauheim 1963 Diese optimale Ausgangslage für Recherchen generell und auch im Vergleich zu allen anderen Polizeitruppen verleitete in der Folge immer wieder dazu, auch ohne konkrete Nachweise das Regiment für Kriegsverbrechen verantwortlich zu machen, die im näheren und weiteren zeitlich/räumlichen Umfeld erfolgten.
Einsätze Slowenien, Oberkrain (August/September 1942) Als Folge der Aussiedlungen in den seit Frühjahr 1941 dem „Reich“ angeschlossenen nördlichen Gebieten Sloweniens hatten sich Partisanenverbände gebildet. Den in Oberkrain stationierten Pol.Bataillonen, mot. Gendarmerie-Kompanien, Landesschützenbataillonen u. a. gelang es trotz Übermacht nicht, die relativ kleinen Partisanengruppen zu stellen. Im Frühjahr 1942 wurden die Überfälle auf Infrastruktur und Besatzer so stark, dass „militärische“ Hilfe angefordert wurde. Die Italiener schickten weitere Soldaten in die von ihnen besetzten südwestlichen Teile Sloweniens, in Oberkrain wurde das Gebirgsjägerregiment eingesetzt.Josef Rausch, Der Partisanenkampf in Kärnten im Zweiten Weltkrieg, Militärhistorische Schriftenreihe, Heft 39/40, dritte Auflage, Wien 1994, Seite 8 Der Beschluss dazu erfolgte bereits Ende Mai,Ralph Klein, Das SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18, in: Wolfgang Schulte (Hg.), Die Polizei im NS-Staat. Beiträge eines internationalen Symposiums an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster, Frankfurt 2009, Seite 206. das Regiment musste aber erst zusammengeführt und trainiert werden.
Ende Juni 1942 wurde der Ausnahmezustand über Oberkrain verhängt. Bei den im Juli von Sicherheitspolizei/SD angeordneten Vergeltungsaktionen und Vertreibungen war das Regiment noch nicht in Oberkrain: Das III. Bataillon (vormals PB 325) kehrte am 21. Juli 1942 in die Oberkrain zurück, das I. Bataillon (vormals PB 302) kam am 27. Juli 1942 nach Kranj/Krainburg, das II. Bataillon (vormals PB 312) und der Stab erst am 29. Juli 1942. Mit dem Eintreffen der „militärischen Hilfe“ („Regiment Franz“) und dem Beginn einer „Sonderpropagandaaktion“Tone Ferenc, Quellen zur nationalsozialistischen Entnationalisierungspolitik in Slowenien 1941 bis 1945, Maribor 1980 (https://www.karawankengrenze.at/), Dokument 264. erfolgte ein Strategiewechsel der Besatzer, die Sühneexekutionen wurden ab August (bis Frühjahr 1943) ausgesetzt.Stane Sinkovec, Das Gestapo-Gefängnis von Begunje/Vigaun in Oberkrain 1941 – 1945, Klagenfurt/Celovec-Ljublana/Laibach 2014, Seite 332, 349/350 Man brauchte ein sicheres Umfeld für Ansiedlungen von „Volksdeutschen“ und man wollte die Slowenen als Soldaten und Arbeiter ausbeuten. Bei der Beauftragung der „Aktion Enzian“ wurde daher auch angegeben: „Das andere Ziel ist, die gutwillige Bevölkerung vom Druck der Banden zu befreien und ihnen das Gefühl der Sicherheit im Deutschen Reich zu geben.“„Richtlinien für die Durchführung der Aktion gegen Partisanen und sonstige Banditen in Oberkrain und in der Untersteiermark“ vom 25. Juni 1942 Der erste Einsatz des Regiments (und weiterer Pol.Batl.) startete in der Nacht vom 2./3. August 1942, die 13 Einsatzbefehle für August/September liegen vor. Das Regiment hatte jedoch zuerst ebenfalls keinen Erfolg, bei neun Einsätzen wurden schwere Waffen verwendet,Werner Regenberg, Panzerfahrzeuge und Panzereinheiten der Ordnungspolizei: 1936 – 1945, Seite 60 diese waren im Gebirge eher hinderlich. Die Partisanen erspähten die Truppen und konnten sich zumeist rechtzeitig in unwegsame Wälder zurückziehen. Erst im September (Jelovka, 8.–10. September 1942; Udin borst/Herzogswald, 13./14. September 1942) gelang es, zwei Partisanengruppen zu stellen – dies feierte die Zivilverwaltung (Gauleiter Friedrich Rainer) mit einem Festakt am 29. September 1942 in Kranj/Krain, er bot den Slowenen in Oberkrain die „Staatsangehörigkeit auf Widerruf“ an.Alpenländische Rundschau vom 3. Oktober 1942: „Oberkrain bekennt sich zum Reich“ Das Regiment kehrte Anfang Oktober zurück zum Gebirgstraining.
Finnland (Jänner – Juli 1943) Nach einem einmonatigen Vorbereitungstraining bei Danzig wurde das Regiment Anfang 1943 nach Nordfinnland verschifft und zuerst im Raum Rovaniemi weiter für einen Einsatz an der Front vorbereitet.Wolfgang CURILLA, Die deutsche Ordnungspolizei im westlichen Europa 1940 – 1945, Paderborn 2019, Seite 120 Das III. Bataillon stellte die Reserve und sicherte das XVIII. Geb. Armeekommando. Erst ab April wurden dem I. und das II. Bataillon ein wenige Kilometer breiter Verteidigungsbereich zwischen der 6. SS-Gebirgsdivision Nord und der 6. Gebirgs-Division zugewiesen. Sie bauten Verbindungswege und Bunker aus. Es blieb mehrheitlich ruhig, nur im Mai gab es an ihrem Frontabschnitt einige Vorstoßversuche der Roten Armee, sie wurden unter Verlusten auf beiden Seiten abgewehrt. Die fallweise in der Literatur angegebene Exekution von 100 Partisanen beruht auf einer Datumsverwechslung, zudem war das Regiment an der Frontlinie auf der Höhe des nördlichen Polarkreises stationiert.
Im Frühsommer 1943 versuchte Gauleiter Rainer beim Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Himmler erneut um Entsendung des Regiments nach Oberkrain. Da die Wehrmacht den baldigen Absprung der italienischen Verbündeten (Fall Achse) erwartete und zudem von einer Landung der Alliierten in Griechenland ausging (Täuschungsmanöver „Operation Animals“), wurde das Regiment ohne Abwarten eines Ersatzes „zur Bandenbekämpfung und Bahnsicherung“ nach Griechenland geschickt.Percy Ernst Schramm (Hrsg.), Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, 1943, Teilband 2, Seite 764
Griechenland (Mitte August – Herbst 1943) Der Transport des Regiments von Finnland mit Schiff und Bahn endete in Griechenland Mitte August im Bahnhof Lianokladi/Lamia. Der gesamten Bahn-Nachschub Richtung Athen war seit 21. Juni 1943 unterbrochen, eine kleine Gruppe von der SOE (Special Operation Executive) hatte die Asopos-Brücke in den Bergen („Operation Washing“) gesprengt. Das Regiment wurde bei Ankunft beauftragt, die Straßenverbindungen ab Lamia Richtung Athen abzusichern, bereits im September gab es größere Verluste (Arachowa/II. Bataillon, Lidoriki/I. Bataillon). Im Oktober wurde Hermann Franz zum Befehlshaber der Ordnungspolizei (BdO) in Griechenland ernannt und das I. Bataillon nach Athen beordert, es blieb dort bis zum Abzug.
Hans Hösel übernahm das Kommando des Regiments, es erhielt eine Pol.Art.Abteilung zugewiesen, die drei Gefechtsbatterien wurden in ihrer Nummerierung auf die drei Bataillone aufgeteilt. Das II. Bataillon blieb in Mittelgriechenland, das III. Bataillon wurde Ende September der 12. Küstenschutzflotille zur Entwaffnung der Italiener auf einigen Kykladeninseln zugeteilt und kehrte erst im Laufe des Dezember auf das Festland mit Sitz in Livadia zurück.Wolfgang Curilla, Deutsche Ordnungspolizei in Griechenland, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 71 (2023) 6, Seite 549 Hauptaufgabe des Regiments war und blieb die Sicherung der Nord-Süd-Transportroute. Teile des Regiments kamen aber auch bei Durchkämmungsaktionen in abgelegenen Berggebieten zum Einsatz, sie wurden der bereits seit Frühjahr bei Athen stationierten 11. Luftwaffen-Felddivision oder dem in Livadia stationierten Regiment der Division Brandenburg oder der nördlich angrenzenden 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division zugeteilt.