Das Castello di Mercato San Severino ist eine Burgruine aus dem 11. Jahrhundert in Mercato San Severino in der italienischen Region Kampanien. Sie liegt in der Via Emilio Coppola.
Geschichte und Beschreibung Das Castello di Mercato San Severino ist die zweitgrößte Burg in Italien und wurde 1067 im Auftrag des normannischen Ritters Turgisio Sanseverino errichtet, nachdem Herzog Robert Guiskard ihm das Lehen Rota (der alte Name der Stadt) überantwortet hatte. Das Aussehen der heutigen Burgruine ist teilweise in der Zeit der Herrschaft des Hauses Anjou beeinflusst worden. Die Siedlung ist durch drei Mauerringe gekennzeichnet. Der erste umschließt einen Kernbereich der das „Palatium“, den sogenannten „Waffenplatz“ weitere Räumlichkeiten umschließt; er verläuft nach Süden, umschließt ein Franziskanerkloster, das Dorf und die zugehörige Kirche. Der zweite Mauerring mit runden Halbtürmen verläuft nach Osten und an ihn schließt sich der dritte Mauerring aus der Herrschaft der Häuser Anjou und Aragón an, der eine dreieckige Form mit einem Rundturm als Eckpunkt hat. Die ursprüngliche Ausdehnung der Anlage betrug etwa 350 Meter × 450 Meter und hatte eine Oberfläche von 157.500 Quadratmeter, entsprechend etwa drei Fußballfeldern. Zunächst gehörte die Burg der Familie Sanseverino, musste dann aber wegen der Teilnahme eines Familienmitgliedes an der Verschwörung der Barone gegen Ferrante im 15. Jahrhundert aufgegeben werden. Der König konfiszierte nach der Verschwörung die Burg von den Eigentümern und gab sie erst Jahre später, als sie ihre militärische Bedeutung fast vollständig verloren hatte, zurück. Die Burgruine enthält heute noch in Teilen eine Kapelle und die Kirche. Der Heilige Thomas von Aquin begab sich in diese Burg, um seiner Schwester Teodora, die mit einem Sanseverino verheiratet war, einen Besuch abzustatten. Der spätere Heilige weilte im Dominikanerkloster. Im Inneren der Burg wurden Geldstücke, Keramiken, Pfeilspitzen und etliche weitere Dinge gefunden. Ab 2018 sind einige davon im MIMU (Ministruttura Museale del Castello di Mercato San Severino) zu sehen.
Der Palast und der erste Mauerring Der erste Kern stammt aus der Zeit der Normannen. Er besteht aus einem rechteckigen Donjon, also dem Gebäude, in dem die Familie residierte. In der Nähe befand sich die Kirche Santa Maria de Castro und verschiedene Wohngebäude des Hofes. Nördlich davon gab es die größte Zisterne der Burg, in der man einen Bronzekrug, der noch an einer Metallkette befestigt war.
Weiter nördlich befand sich der sogenannte „Waffenplatz“, eine Fläche mit einer trapezförmigen Einfriedung, die mit einem Ausfalltor und einem Eckturm bewehrt war. Im Inneren dieser Einfriedung gab es niedrigere, interne Mauertürmchen, deren Ursprung vielleicht im 12. Jahrhundert lag. Man nimmt an, dass dort Kriegsmaschinen gelagert waren. Solche Gelände wurden höchstwahrscheinlich für Militärmanöver genutzt. Zwischen dem Palast und dem Waffenplatz wurden bei den Ausgrabungen in den Jahren 2003–2005 Spuren einer metallurgischen Werkstatt gefunden, unter den Fundstücken befanden sich eine Schere und ein Meißelhammer, die aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen können. Teilweise erhalten sind auch noch ein Wehrgang zwischen zwei Türmchen und die originalen Zinnen.
Der zweite Mauerring und die Siedlung Der zweite Mauerring erstreckt sich weiter nach Süden als der erste und schließt die Reste einer Siedlung ein. An südöstlichsten Punkt endet der Mauerring mit einem Tor, das durch zwei Halbtürme geschützt ist, die im Allgemeinen der normannischen Zeit zugerechnet werden; in der Nähe des Turms weiter südlich gibt es Reste einer einzigen Halle mit drei Apsiden, die vielleicht eine Kirche San Nicola de Castro war. Diese diente nicht nur den Bewohnern der Siedlung, sondern auch den Soldaten, die in der Nähe ihre Patrouillen machten.
Der dritte Mauerring aus der Zeit der Häuser Anjou und Aragón Der dritte Mauerring ist der mit der geringsten Höhe und erstreckt sich nach Osten mit einer spornförmigen Ausbildung, deren Eckpunkt ein Rundturm mit drei Kanonenständen war, wie er typisch für das Ende der Periode des Hauses Anjou war. Die Südmauer des Rings hat sieben Türme zur Angriffsbrechung, d. h., sie nutzten Flankenfeuer. Das Gelände, das von dieser letztgenannten Mauer umgeben war, hatte ausschließlich militärischen Wert.
Das Territorium In der Umgebung des Territoriums von San Severino gab es verschiedene Häuser und weitere, kleinere Befestigungen, die sich in das dichte Netz der Burgen einfügten, die so angeordnet waren, dass sie untereinander zu sehen waren. Im Einzelnen gab es nach Westen hin die Burgen von Castel San Giorgio und Roccapiemonte, im Norden das Castello di Solofra, im Süden das Castello di Monte Bastiglia auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Baronissi, das einen visuellen Verbindungspunkt mit der Burg von Salerno bot.
Bildergalerie
Einzelnachweise
Quellen G. Portanova: Il Castello di S. Severino nel secolo XIII e S.Tommaso d’Aquino. Badia di Cava 1924. P. Natella: I Sanseverino di Marsico. Una terra un regno. Salerno 1980. P. Peduto: Mercato San Severino nel Medioevo. Il castello e il suo territorio. Florenz 2008. M. Cerrato: Il Castello di Mercato S. Severino, Storia, Archeologia, Ricostruzioni. Salerno 2013. M. Cerrato: Il castello normanno di San Severino. Castro qui dicitur Sancto Severino de loco Rota (1076–1596). Mercato San Severino 2024. G. Rescigno: Guida al Castello di Mercato S. Severino. Fisciano 2013. P. Natella: I Sanseverino di Marsico. Una terra un regno. Band 2: Dalle Signorie alle Contee, ai Principati (1081–1568). Salerno 2018.
Weblinks
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