Das Mineral- und Moorbad Bad Rippoldsau war ein Thermalbad mit angeschlossener Rehaklinik (Schwarzwaldklinik Bad Rippoldsau) in Bad Rippoldsau im Landkreis Freudenstadt in Baden-Württemberg.
Geschichte Die Geschichte des Bades reicht bis ins späte Mittelalter zurück. Bereits 1490 ist ein „Badhaus“ belegt, das dem Kloster gehörte. 1579 untersuchte der Naturwissenschaftler Jacob Theodor aus Bergzabern die dortigen Mineralquellen und veröffentlichte die positiven Ergebnisse in seinem Werk „Neuw Wasserschatz“ (1581). Unter der Förderung von Abt Georg Gaisser und Graf Friedrich Rudolf von Fürstenberg entwickelte sich das Bad zu einem kulturellen Zentrum, das zahlreiche hochrangige Gäste anzog. Doch die Blütezeit wurde 1643 durch die Verwüstungen schwedischer und Weimarer Soldaten jäh unterbrochen. Graf Friedrich Rudolf leitete ab 1648 den Wiederaufbau, was zur Errichtung des „alten Fürstenbaus“ (1658). In den folgenden Jahrzehnten wechselte das Bad mehrfach den Besitzer, wurde modernisiert und durch neue Gebäude wie den „Gengenbacher Bau“ (1672/73) und die St. Magdalena Kapelle erweitert. Finanzielle Schwierigkeiten führten jedoch dazu, dass die Fürstenberger 1687 das Bad wieder übernahmen und es an mehrere Pächter überließen.
Eine neue Epoche begann 1777 mit der Familie Goeringer, die das Bad zunächst pachtete und 1824 in Eigenbesitz übernahm. Unter ihrer Leitung erlebte Rippoldsau eine erneute Blüte: Spielhallen, modernisierte Gebäude und der „neue Fürstenbau“ im Renaissancestil (1864/65) verliehen dem Ort Glanz. Ab 1887 wurden Konversationsräume, ein Damensalon und ein Orchesterraum eröffnet. 1903 wurde der Brunnenbau aufgestockt, und 1909 wurde das erste Hallenbad Deutschlands sowie die luxuriöse „Villa Sommerberg“ mit modernen Annehmlichkeiten fertiggestellt.
mini|Rippoldsau in den 1930er Jahren (neue Fürstenbau und Villa Sommerberg rechts im Bild) Der Erste Weltkrieg brachte einen drastischen Rückgang der Zahl der Gäste aus dem Ausland, und nach dem Tod Otto Goeringers 1920 geriet das Bad in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Zwar verzeichnete man 1928 noch 20.000 Übernachtungen, doch die große Zeit war vorbei. In den 1930er Jahren sorgte die nationalsozialistische Kraft durch Freude für einen erneuten Aufschwung, bevor der Zweite Weltkrieg 1941 zur Schließung führte. Zwischen 1941 und 1947 nutzte eine Pädagogischen Akademie die Gebäude.Spurensuche in Bad Rippoldsau von Heinz Nienhaus
Nach dem Krieg übernahm 1947 der Deutsche Caritasverband die Anlage, um eine Heim- und Heilstätte für JugendlicheVerzeichnis der Kinder- und Jugendheime in Baden-Württemberg 1949-1975 des Landesarchiv Baden-Württemberg auf Leo-BW sowie eine Lungenheilstätte für Flüchtlinge einzurichten. 1948 kamen der Orden der Schwestern der Liebe vom Kostbaren Blut, die unter schwierigen Bedingungen den Wiederaufbau begannen. Im „Badbau“ wurde Flüchtlingskinder aufgenommen und im „Fürstenbau“ erholungssuchende Kinder aufgenommen. Auf den Tennisplätzen des Bads wurde 1948 bis 1953 von den Franzosen Sägewerk betrieben, für das der Staatswald rund um das Bad und die alte Lindenallee unter dem Bad auf weiten Flächen kahl geschlagen wurde. In den 1950er Jahren wurde das Bad weiter ausgebaut: der „Fürstenbau“ erhielt Etagen für Kurgäste, das Haus „Sommerberg“ diente als Lungenheilstätte, der „Brunnenbau“ als Altersheim. 1952 wurde der „Fürstenbau“ in ein klinisches Sanatorium mit Mineralbädern umgebaut. 1956 erwarben die Schwestern das gesamte Anwesen. 1956 erwarben die Schwestern das gesamte Anwesen.Rippoldsau-Schapbach St. Luitgardstift, Bad Rippoldsau-Schapbach auf LEO-BW Mit der Eröffnung des Kurmittelhauses 1958 und weiteren Einrichtungen wie einer Haushaltsschule für Mädchen entwickelte sich Rippoldsau erneut zu einem bedeutenden Kurort.
In den 1970er Jahren stiegen die Übernachtungszahlen auf über 200.000, doch die hohen Betriebskosten und der Rückgang des Ordensnachwuchses führten zu einer Umstrukturierung. Die Schwestern gründeten zusammen mit der Gemeinde ein gemeinsames UnternehmenHandelsregister: Kurklinik und Sanatorien Bad Rippoldsau GmbH & Co. KG Kurklinik Bad Rippoldsau GmbH, verkauften die Grundstücke und behielten nur den „Fürstenbau“. Ein Gutachten bescheinigte die Unwirtschaftlichkeit einer Renovierung, sodass fast alle historischen Gebäude abgerissen wurden. Erhalten blieben lediglich der „neue Fürstenbau“ (1865) und die „Villa Sommerberg“ (1909). Im Dezember 1977 wurde ein neues Kurzentrum, bestehend aus der 300 Betten fassenden Schwarzwaldklinik Bad Rippoldsau mit Thermalbad und Kurmittelhaus, eingeweiht. 1981 wurde die Villa Sommerberg modernisiert und umgebaut.https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.bad-rippoldsau-schapbach-jugendstil-villa-im-dornroeschenschlaf.559a0edd-c96d-44be-8033-bb5930f76c73.html Doch wirtschaftliche Probleme führten 2004 und 2011 zur Insolvenz, und die Klinik wechselte mehrfach den Besitzer.Handelsregister: Klinik Bad Rippoldsau Verwaltungs-GmbH, Klinik Bad Rippoldsau GmbH & Co. KG, Klinik am Park Betriebs-GmbH und Schwarzwaldklinik Bad Rippoldsau Trägergesellschaft mbH 2011 wurde die Klinik erneut insolvent und, wie auch das Bad, im Sommer 2011 geschlossen.
mini|Fürstenbau, 2025 leerstehend mini|Thermalbad, Kurmittelhaus und Schwarzwaldklinik, 2025 leerstehend 2012 beendeten die Schwestern ihre Tätigkeit in Rippoldsau und zogen ins Provinzhaus nach Würselen. Am 14. Oktober 2012 fand eine offizielle Verabschiedung in der Pfarr- und Wallfahrtskirche von Bad Rippoldsau statt. Der „Fürstenbau“ wurde verkauft und bleibt erhalten. Die Schwarzwaldklinik ging an chinesische Investoren, die eine Umgestaltung in ein Vier-Sterne-Hotel planen. Am 19. März 2026 wurden bei einem Brand die Tiefgarage sowie angrenzende Gebäudeteile der leerstehenden Klinik beschädigt. Auch der „Fürstenbau“ steht seit über einem Jahrzehnt leer.
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