Die Endlösung der tschechischen Frage () war ein Plan Nazi-Deutschlands für die komplette Germanisierung des nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei entstandenen Protektorats Böhmen und Mährens.

Grundlagen Der Soziologe und Rassenanthropologe im Dritten Reich Karl Valentin Müller stellte die Behauptung auf, dass mindestens 50 % der tschechischen Bevölkerung der „nordischen (arischen) Rasse“ angehören würden und germanisiert werden könnten. Dies steht im starken Kontrast zur „Endlösung der Judenfrage“ (Holocaust), welche die kompletten Auslöschung des jüdischen Volkes zum Ziel hatte. Müller behauptete, dass eine Germanisierung der Tschechen zunächst ohne Zwang erfolgen könne; stattdessen schlug er ein System von sozialen Anreizen vor.

Am 31. August 1940 stimmte Hitler zu, dass ungefähr die Hälfte der tschechischen Bevölkerung für eine Germanisierung „geeignet“ sei, inklusive der Entführung von Kindern, während die andere Hälfte es „rassisch nicht wert“ („Untermenschen“) sei. Letzteres schloss auch die tschechische Intelligenzija mit ein, welche mit allen möglichen Mitteln ihrer Macht beraubt, außer Landes und eliminiert werden sollte. Im Generalplan Ost sahen die Nazis vor, die nicht germanisierbare Bevölkerung nach Sibirien zu deportieren. Dieser Plan wurde jedoch aufgrund der für den Krieg benötigten Zwangsarbeit nicht umgesetzt.

Unter Reichsprotektor Konstantin von Neurath, stv. Reichsprotektor Reinhard Heydrich, Karl Hermann Frank und Walther Darré wurde die „Böhmisch–Mährische Landgesellschaft“ gegründet, um das Gebiet unter Deutschen aufzuteilen, die sich nach und nach hier ansiedeln sollten. Zwischen 1941 und 1944 waren dies jedoch nur ca. 6.000 Deutsche.

Heydrich als stellvertretender Reichsprotektor Am 27. September 1941 wurde Reinhard Heydrich zum stellvertretenden Reichsprotektor ernannt und übernahm die Kontrolle über das Protektorat Böhmen und Mähren, den Teil der Tschechoslowakei, welcher am 15. März 1939 dem Deutschen Reich einverleibt wurde. Dieser tschechische Teil des Landes umfasste nicht das Sudetenland, in welchem mehrheitlich Deutsche wohnten und das nach dem Münchner Abkommen am 1. Oktober 1938 direkt vom Reich annektiert wurde. Der Reichsprotektor Konstantin von Neurath verblieb nominell im Amt, wurde „beurlaubt“, da er nach Ansicht Hitlers, Himmlers und Heydrichs durch seinen zu „sanften“ Ansatz gegenüber den Tschechen angeblich anti-deutsche Stimmungen förderte und den Widerstand in Form von Streiks und Sabotage begünstige. Bei seiner Ernennung sagte Heydrich seinen Gehilfen:

Heydrich kam nach Prag und setze diese Politik durch und bekämpfte den Widerstand gegen das Nazi-Regime, um so die Produktion von tschechischen Motoren- und Waffenfirmen hoch zu halten, welche „extrem wichtig für die deutsche Kriegsanstrengungen“ waren.Williams, 2003, S. 82 Er sah das Gebiet als ein Bollwerk des Deutschtums und verurteilte den tschechischen Widerstand als „Stich in den Rücken“. In Sinne dieses Ziels befahl Heydrich eine rassische Klassifikation danach, wer germanisiert werden könne und wer nicht. Er erklärte hierzu: „Diesen tschechischen Müll in Deutsche zu verwandeln, muss sich Methoden bedienen, die auf rassischen Gedanken fußen.“Bryant, 2007, S. 140

Bei einem Attentat des tschechischen Widerstandes (Operation Anthropoid) wurde Heydrich am 27. Mai 1942 so schwer verletzt, dass er verstarb. Dies führte zu einer Welle an Vergeltungsmaßnahmen der SS, welche die Zerstörung von Dörfern und Massenmorde an der Zivilbevölkerung mit einschloss. Insbesondere die Massaker von Lidice und Ležákys sind zu erwähnen.Mastný, The Czechs under Nazi Rule, p. 131.

Juristische Aufarbeitung Bei den Nürnberger Prozessen war dieser Punkt ein Anklagepunkt. Dieser betraf jedoch nicht von Neurath und Darré, sondern untergeordnete Beamte.

Siehe auch Antislawismus Zerschlagung der Tschechoslowakei Verbrechen der Wehrmacht Sōshi-kaimei (Politik zur Japanisierung Koreas im Zweiten Weltkrieg)

Quellen

Einzelnachweise

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