Rieger Pelze war eine Kürschnerei mit Pelzeinzelhandel am Isartor in München, gegründet von Hertz Rieger (geb. 1918, gest. 19. Oktober 2001). In seiner Branche galt es über Jahre hinweg als das weltweit größte der Unternehmen, die nur ein Ladenlokal betrieben.Munich: Hertz Rieger died at 83. In: Winckelmann International Sales Report 678, Fur Bulletin 2549, 28. Oktober 2001, S. 2 (englisch).
Geschichte mini|Webetikett Rieger in einem Pelzmantel mini|Hertz Rieger (Mitte) in einem Messestand der Frankfurter Pelzmesse (1983) Hertz Rieger überlebte den Holocaust in Russland und ergriff als Kürschner den Beruf seines Vaters.
Im Jahr 1948 gründete er, aus Lemberg in Galizien kommend,, zusammen mit seiner Frau ein kleines Atelier in der Nibelungenstraße 24/2 in Neuhausen-Nymphenburg, einem Stadtteil von München.In: Winckelmann, Fachadressbuch der Rauchwaren- u. Pelzwirtschaft für Deutschland, 59. Ausgabe, 1950/51, S. 188. Das Startkapital waren laut seiner Aussage zwei Bund Persianerfelle.
Das Fachadressbuch der Pelzbranche des Jahres 1953 verzeichnet „Rieger-Herz“ auf der Frauenstraße 44 sowie „Rieger-Pelze“ Am Isartorplatz.In: Winckelmann, Fachadressbuch der Rauchwaren- u. Pelzwirtschaft für Deutschland, 61. Ausgabe, 1953, S. 178. In einer Preisliste zur Saison 1957/58 teilte Rieger mit, trotz eines Umbaus geht der Verkauf am gleichen Platz weiter. Angeboten wurden, auch mit langfristiger Teilzahlung durch Eigenfinanzierung, vor allem Pelze im untersten Preissegment, Mäntel ab 190 Mark (zum Beispiel Donkali, Persianerklaue, Persianer-Kopf, Persianer-Stücken) bis zu Nerzmänteln für 9900 Mark, daneben auch Felle, beginnend mit Besatzfellen ab 6 Mark.Rieger Pelze am Isartor, Modelle 1957/58.
Der Anstieg der Nachfrage ermöglichte es Rieger, sein Geschäft ab dem Jahr 1951 am Isartor stufenweise auf bis zu 2500 Quadratmeter zu erweitern (Rieger City) und es mit 80 Mitarbeitern (davon 60 Kürschner) zu einem der größten Pelzgeschäfte auszubauen.
mini|Leuchtschrift „Echte Rieger Pelze“, Glaspavillon am Isartor, Frauenstraße 42-44 (1988)
Seit etwa Ende des 20. Jahrhunderts ging der Pelzumsatz in Deutschland stetig zurück. Der Markt war durch Billigangebote weitgehend gesättigt, es folgten eine Reihe warme Winter und Pelzgegneraktionen. Am 1. Oktober 1993 eröffnete Rieger am Münchener Isartor ein neues Pelzgeschäft, „Isar-City“. Außer Pelzen wurden im neuen Geschäft jetzt auch Textilmode, Accessoires und Designerschmuck angeboten. Noch hieß es in einer Fachzeitschrift: „Rieger-Pelz ist seit vielen Jahren das größte einzelne Pelzdetailgeschäft Deutschlands und einer der größten Europas“.Neu-Eröffnung von Rieger City in München am 1. Oktober. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 1207, Frankfurt/Main, 24. Oktober 1993.
Insolvenz Durch Fehlentscheidungen bei Immobiliengeschäften musste Rieger herbe Verluste hinnehmen. Letztendlich führte dies dazu, dass die Erben aufgrund des zu hohen Risikos die Erbschaft ausschlugen. Das Geschäft am Isartor wurde an einen US-amerikanischen Investor veräußert und in eine Filiale von Globetrotter umgewandelt.
Der Versuch Bernhard Riegers, eines Sohns von Hertz Rieger, die Geschäfte im Juli 2009 in der Residenzstraße mit seiner 1999 gegründeten Bernhard Rieger Pelzmoden GmbH zur früheren Bedeutung zurückzuführen, gelang nicht. Die Geschäftsräume dort entstanden durch die Übernahme und die Zusammenlegung von drei Geschäften: Der Antik-Schmuck-Laden Serapis, das Damenwäsche-Geschäft Roberta und der Strumpfladen Fogal. Der Umbau kostete das Unternehmen 350.000 Euro. Mit rund 700 Quadratmetern fiel die Verkaufsfläche um rund 1/3 kleiner aus als das Ladengeschäft am Isartorplatz.
Im Jahr 2010 musste das Unternehmen letztendlich Insolvenz anmelden. Als Insolvenzverwalter wurde Rolf G. Pohlmann eingesetzt, gemäß dessen Analyse die Ursache für die Insolvenz sei, dass „es Rieger zuletzt wohl nicht mehr im erforderlichen Maße gelungen war, sich auch einer jüngeren, modisch interessierten Kundschaft zu präsentieren.“
Siehe auch Isartor City (vormals Rieger City)
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