mini|Ein Pookie im Einsatz, 1979 Das gepanzerte Minensuchfahrzeug Pookie wurde in den 1970er Jahren entwickelt, um der verbreiteten Gefahr durch Landminen während des rhodesischen Unabhängigkeitskriegs „Buschkrieg“ entgegenzuwirken.

Beschreibung Der Pookie war ein kleines, einsitziges geschütztes Fahrzeug. Mit ihm wurden während der Fahrt Landminen aufgespürt, während der Fahrer möglichst wenig gefährdet sein sollte. Der Pookie hatte zwei herunterklappbare Metalldetektoren zwischen den Achsen, die rechteckigen Flügeln ähnelten. Sie konnten für den Transport oder die Fahrt auf der Straße in einem Winkel von 45 Grad hochgezogen werden. Zur Minensuche wurden sie heruntergelassen und befanden sich dann parallel zum Boden. Spätere Versionen des Pookie hatten statt der pfannenförmigen Minendetektoren runde, tonnenförmige Detektoren, um Schwingungen zu verhindern.

Rhodesien unterlag einem Handelsembargo, Importgüter waren nach dem Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft im benachbarten Mosambik nur noch über Südafrika zu beschaffen. So musste man sich mit dem behelfen, was da war: Achsen und Antrieb stammten von alten VW Kombis, der brasilianischen Version des VW-Bus (Typ 2). Der nach oben gekröpfte Zentralrohrrahmen und die Kabine wurden aus Stahl lokal hergestellt. Vorder- und Hinterachse mit Motor wurden mit Scherbolzen am Rahmen befestigt. So sollte die freigesetzte Energie einer Explosion nur die Achse wegschleudern und den Rest des Fahrzeugs nicht weiter beschädigen. Die oben offene Kabine aus ebenen Blechplatten mit Fenstern aus Panzerglas schützte vor Geschossen aus Handfeuerwaffen und Splittern, das Dach aus Stoff vor der Sonne und dem Hineinwerfen von Handgranaten. Zum Ein- und Aussteigen ließ es sich nach hinten abklappen. Die Kabine lief nach unten keilförmig aus, um die Wucht einer Minenexplosion zur Seite abzulenken. Der Tank wurde – ebenfalls aus Gründen des Explosionsschutzes – am Heck des Pookie angebracht, möglichst weit entfernt von einer etwaigen Explosion. Um die Minen gar nicht erst auszulösen, war der Pookie mit breiten Formel-1-Reifen ausgestattet. Beim Großen Preis von Südafrika auf dem Kyalami Grand Prix Circuit fielen diese Reifen in großer Menge an und konnten dort günstig gebraucht gekauft werden. Die Reifen lösten die Detonation vergrabener Minen nicht aus, da sie weniger Bodendruck ausübten als ein menschlicher Fuß und ihre Reifenaufstandsfläche breiter war als der Durchmesser der Löcher, in denen die Minen vergraben wurden.

Der Pookie konnte mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h Minen aufspüren und wurde daher häufig als erstes Fahrzeug in Konvois eingesetzt. Dabei handelte es sich sowohl um zivile Konvois mit Polizeischutz, die während des Buschkriegs verkehrten, als auch um militärische Konvois außerhalb befestigter Straßen.

Wenn der Pookie über eine vergrabene Mine fuhr, ertönte über die Kopfhörer des Fahrers ein kurzer Signalton. Um die genaue Position der Mine zu bestimmen, lenkte der Fahrer das Fahrzeug wiederholt über dieselbe Stelle. Die Tonhöhe des Signals variierte dabei in Abhängigkeit von der Entfernung zur Mine und ermöglichte eine präzise Ortung. Anschließend oblag es häufig dem Fahrer selbst, das Fahrzeug zu verlassen und die Mine manuell zu entschärfen.

Der Name Pookie leitet sich von Galagos (Bushbabies) ab, nachtaktiven kleinen Feuchtnasenaffen mit großen Augen.

Laut Trevor Davies Engineering, dem Hersteller des Pookie, „[…] hat keines der 76 zwischen 1976 und 1980 gebauten Fahrzeuge jemals eine Mine gezündet, obwohl 12 verloren gingen und zwei Fahrer getötet wurden“ (“[…] of the 76 vehicles built between 1976 and 1980 none ever detonated a mine, though 12 were lost and two drivers were killed”). Ferngezündete Minen waren für den Verlust der zwölf Fahrzeuge und einen der Todesfälle verantwortlich.

Im Jahr 1999 wurde eine unbekannte Anzahl von Pookies von MineTech genutzt, einem britischen Unternehmen, das sich auf Minenbekämpfung spezialisiert hat. Der MineTech-Pookie war dem rhodesischen Pookie ähnlich, hatte aber einen anderen Motor sowie Verbesserungen wie eine hydraulische Lenkung. Der größte Unterschied jedoch war der Einbau eines Bodenradars an einem Ausleger vor dem Fahrzeug statt der Metalldetektoren. So konnte dieses Fahrzeug auch Plastikminen aufspüren.

Nutzer – Rhodesische Streitkräfte – South African Police

Erhaltene Fahrzeuge Der einzige noch erhaltene Pookie befindet sich im Polizeimuseum von Pretoria, Südafrika.

Literatur Laurent Touchard, Guerre dans le bush! Les blindés de l’Armée rhodésienne au combat (1964–1979), Batailles & Blindés Magazine Nr. 72, April–Mai 2016, S. 64–75, (französisch). Peter Gerard Locke & Peter David Farquharson Cooke, Fighting Vehicles and Weapons of Rhodesia 1965-80, P&P Publishing, Wellington 1995 (englisch). Peter Stiff, Taming the Landmine, Galago Publishing Pty Ltd., Alberton (South Africa) 1986, ISBN 0-947020-04-7 (englisch).

Quellen Lawrence, Willie (2002) Pookie Rides Again, in Journal of Mine Action: Vol. 6: Iss. 2, Article 32. (Online; englisch) The Pookie: A History of the World’s first successful Landmine Detector Carrier, J.R.T. Wood (Online; englisch)

Weblinks The Pookie - A History of the World's first successful Landmine Detector Carrier (englisch) tanks-encyclopedia.com/pookie-light-landmine-detection-vehicle (englisch) www.tde.co.za/Pookie.asp (englisch) Bilder des letztverbliebenen Fahrzeugs. Fotos: John Wynne Hopkins Artist, 2015 (englisch).

Einzelnachweise

Kategorie:Geschütztes Fahrzeug Kategorie:Polizei (Südafrika) Kategorie:Rhodesien Kategorie:Gerät zur Kampfmittelräumung und -beseitigung