Der Tränendrüsentumor ist eine gut- oder bösartige Erkrankung der Tränendrüse und macht etwa 5–8 % aller Tumoren der Augenhöhle (Orbitatumor) aus, zählt damit zu den seltenen Erkrankungen der Orbita. Meist fällt eine einseitige Schwellung auf.Ulrich Kisser, Jens Heichel, Alexander Glien: Seltene Erkrankungen der Orbita. In: Laryngo-Rhino-Otologie. 2021, Band 100, Nummer S 01, S. S1–S79 doi:10.1055/a-1384-4641.Ch. López Yang: Lacrimal Gland Tumors. Eye Wiki
Verbreitung Das Vorkommen wird mit 1 zu 1 Million pro Jahr angegeben, Tränendrüsentumoren machen 10 % der Raumforderungen der Orbita aus. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu, bei Kindern sind Tränendrüsentumoren sehr selten.
Einteilung Je nach Dignität ist folgende Einteilung gebräuchlich:Via MediciArten von Tränendrüsentumoren Gutartige Neoplasien Gutartige epitheliale Neoplasien der Tränendrüse Pleomorphes Adenom, mit über 50 % häufigste epitheliale Neoplasie, etwa 20 % aller Tränendrüsentumoren Warthin-Tumor (Zystadenolymphom), extrem selten in der Tränendrüse Onkozytom, Myoepitheliom und Zystadenom, jeweils extrem selten Sklerosierende polyzystische Adenose (SPA), Synonym: Sklerosierendes polyzystisches Adenom Gutartige nicht-epitheliale Neoplasien der Tränendrüse Solitärer fibröser Tumor, sehr selten Myxom (mesenchymalen Ursprungs), extrem selten Fibröses Histiozytom, extrem selten Gutartige Tumoren lymphoiden Ursprungs – Reaktive lymphoide Hyperplasie, etwa 6 % der Tränendrüsentumoren Bösartige Neoplasien Bösartige Tumoren der Tränendrüse epithelialen Ursprungs Adenoid-zystisches Karzinom (ACC), zweithäufigster epithelialer Tränendrüsentumor, mit 20–30 % häufigster bösartiger Tumor und zweithäufigster Tumor der Tränendrüse, Erkrankungsalter meist im 4. Lebensjahrzehnt, Karzinom im pleomorphen Adenom, mit 4–18 % zweithäufigster bösartiger epithelialer Tränendrüsentumor (4–18 %), tritt meist im 6. oder 7. Lebensjahrzehnt auf Adenokarzinom (not otherwise specified, NOS), mit 5–10 % dritthäufigster bösartiger epithelialer Tränendrüsentumor Duktales Adenokarzinom, sehr selten, 2 % aller epithelialen Tränendrüsentumore Myoepitheliales Karzinom, < 1 % aller Tränendrüsentumoren Plattenepithelkarzinom, sehr selten Primäres Talgdrüsenkarzinom, Onkozytisches Karzinom, Polymorphes Adenokarzinom, Sekretorisches Karzinom, Azinuszellkarzinom, jeweils extrem selten Bösartige Tumoren der Tränendrüse nicht epithelialen Ursprungs Synovialsarkom, häufiger bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, extrem selten granulozytisches Sarkom (myeloides Sarkom) maligner peripherer Nervenscheidentumor maligner rhabdoider Tumor, äußerst selten, im Kindesalter Maligne lymphoproliferative Erkrankungen – Lymphome der Tränendrüse, 37 % aller malignen Tumoren der Tränendrüse, meist 60 Jahre oder älter, weibliches Geschlecht 2,4:1 häufiger betroffen
Metastasen in der Tränendrüse Meist ist eine bösartige Grunderkrankung bereits bekannt, meist einseitig bei etwa 2–3 % in der Orbita, in der Tränendrüse sehr selten.
Klinische Erscheinungen Klinische Kriterien sind: umschriebene Schwellung am inneren Augenwinkel im Oberlid lokaler Druckschmerz Schmerzen Verlagerung des Augapfels mit Gesichtsasymmetrie auch Exophthalmus eventuell Doppelbilder und Sehverlust
Diagnose Die Diagnose ergibt sich aus der Anamnese, der augenärztlichen und neuroradiologischen Untersuchung. Oft ist eine Biopsie erforderlich.
Differentialdiagnostik Abzugrenzen sind: Tränendrüsenzyste (Dacryops) Tränendrüsenentzündung (Dacryoadenitis) Autoimmunerkrankungen wie Sjögren-Syndrom
Therapie Die Behandlung richtet sich nach der Art der Erkrankung, siehe jeweils dort.
Literatur R. C. Allen: Tumore der Orbita. MSD Manuals W. A. Lagrèze: Orbitatumoren und chirurgische Zugangswege. emedpedia A. A. McNab, C. J. Lyons: Metastatic, secondary, and lacrimal gland tumors. In: C. J. Lyons, S. R. Lambert (Hrsg.): Taylor and Hoyt's Pediatric Ophthalmology and Strabismus. 6. Auflage, 2023, Kapitel 24 J. S. Kim, J. Liss: Masses of the lacrimal gland: evaluation and treatment. In: Journal of Neurological Surgery Part B: Skull Base, Band 82, Heft 1, S. 100–106, 2021, PMID 33777623
Einzelnachweise
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