Das Biographische Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 ist ein dreibändiges bio-bibliografisches Werk, das in Zusammenarbeit von Herbert A. Strauss und Werner Röder entstand und 1980/1983 vom Institut für Zeitgeschichte (IfZ) und dem Research Foundation for Jewish Immigration herausgegeben wurde. In dem Werk ist eine Auswahl biografischer Einträge zu Personen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft enthalten, die infolge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten aus Deutschland, aus Österreich und der Tschechoslowakei emigriert sind, wobei ein Teil von ihnen in Folge der deutschen Eroberungspolitik erneut in den Herrschaftsbereich des NS-Staates geriet. Das Werk basiert auf umfangreicher Quellenforschung und ist wichtiger Bestandteil der Exilforschung nach 1933.
Entstehung, Gestaltung und Bedeutung Martin Broszat, der frühere Leiter des IfZ, zählt Werner Röders Dissertation neben den Untersuchungen von Hans-Albert Walter und Helmut Müssener zu den Pionierarbeiten, auf deren Basis Anfang der 1970er Jahre die Exilforschung in der Bundesrepublik aufbaute.
Ebenfalls früh in die Planungen eingebunden war Herbert A. Strauss und die von ihm gegründete Research Foundation for Jewish Immigration. Ende 1971 gab es erste Gespräche zwischen Strauss und Broszat, die dann in das von Strauss und Röder angestoßene Handbuch-Projekt mündeten.Center for Jewish History: The research files for the biographical dictionary of the Research Foundation for Jewish Immigration. In: archives.cjh.org, abgerufen am 2. August 2025 (AR 25939).
In dem von 1972 bis 1974 vom Bundesministerium für Forschung und Technologie und anschließend von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten ProjektMartin Broszat: Geleitworte. In: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1, S. IX ff. entstand ein riesiger Bestand biografischer Akten.
Aus den 25.000 Akten wurden die Biografien von etwa 8.700 Emigranten ausgewählt, die schließlich in das dreibändige Biographische Handbuch der deutschsprachigen Emigration Eingang fanden. Über die Auswahlkriterien schrieb Broszat: mini|Beispiel eines Handbuch-Eintrags aus Band 2
Nach Broszat waren sich die Beteiligten aber klar darüber, dass der Auswahl der Personen auch als „elitär“ aufgefasst werden könnte. Dem sei dadurch vorgebeugt worden, dass nicht Statuskriterien maßgeblich gewesen seien, sondern emigrationsspezifische Kriterien, die geeignet waren, einen sozialgeschichtlichen Quer- und Durchschnitt der Emigration abzubilden. „Die oft besonders tragischen Schicksale in der breiten sozialen ‚Unterschicht‘ der politischen Emigration konnten damit zumindest exemplarisch beleuchtet, im Vergleich zu ihrem Anteil am Gesamtexil freilich nicht in ihren vollen Ausmaßen dargestellt werden.“
Die Abfassung der Handbuchbeiträge begann im Jahr 1976 und war für Band 1 im Sommer 1978 abgeschlossen. Die Einteilung der Bände war bewusst thematisch vorgenommen worden, wobei die einzelnen Bände auch in unterschiedlichen Arbeitsgruppen entstanden. Für den Band 1 zeichnete das IfZ verantwortlich, für Teil 2 die Research Foundation.
Diese Verteilung der Verantwortlichkeiten bedeutete aber keinen Ausschluss der bandübergreifenden Zusammenarbeit. „Von den knapp 4.000 Biographien des ersten Bandes wurden 2.497 beim Institut für Zeitgeschichte München (IfZ) und 1.498 bei der Research Foundation for Jewish Immigration, New York (RFJI) verfaßt.“Werner Röder, Herbert A. Strauss: Einleitung. In: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1, S. XIII. Die Artikel selber haben durchgängig ein einheitliches Schema, basierend auf einer dreifachen Gliederung: „1. die wichtigsten Personal-, Familien- und Wanderungsdaten, 2. die Lebens- und Tätigkeitsbeschreibung mit besonderem Gewicht bei der Emigrations- und Exilgeschichte und 3. Angaben zu Bibliographie, Literatur und ungedruckten Quellen.“
Ausgaben Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 – International biographical dictionary of Central European émigrés 1933–1945. Band 1: Politik, Wirtschaft, öffentliches Leben. De Gruyter, Berlin / Boston 1980, ISBN 0-89664-101-5. Band 2: The arts, sciences, and literature. Saur, München 1983, ISBN 3-598-10089-2; Band 2 besteht aus zwei Teilbänden: Part 1 (A–K) und Part 2 (L–Z). Band 3: Gesamtregister. Saur, München 1983, ISBN 3-598-10090-6. Die Handbücher stehen inzwischen – ergänzt um weitere biographische Nachschlagewerke und Dokumente – in der Datenbank Biographische Handbücher der deutschsprachigen Emigration nach 1933 zur Verfügung. Ein Zugriff ist nur über autorisierte Institutionen möglich, unter anderem auch über die Wikipedia Library.
Weblinks Center for Jewish History: The research files for the biographical dictionary of the Research Foundation for Jewish Immigration. In: archives.cjh.org
Einzelnachweise
Kategorie:Nachschlagewerk zum Nationalsozialismus Kategorie:Biografisches Nachschlagewerk Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Emigration aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus