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Die Moschee al-Dschuraina oder al-Dscharina (, ) in Haifa, Israel, ist eine sunnitische Moschee im alten Geschäftsviertel der Stadt nahe dem Hafen. Sie ist die zweitälteste Moschee in der 1761/1762 verlegten Stadt und in den 1790er Jahren errichtet worden. Als Hauptgebetsstätte der Sunniten Haifas nennen diese sie auch Große Moschee Haifa. Ihr Uhrturm von 1898/1899 ist eine Landmarke des historischen Gründungsviertels der Stadt.
Namen Die osmanischen Bauherren benannten die Moschee nach der Unterwerfung des autonomistischen Regionalpotentaten Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidanis Masdschid an-Naṣr (), welcher Name jedoch außer Gebrauch kam. Weder ist den Sprechern dieser Sieg vom August 1774 wirklich präsent, noch wird die Unterwerfung al-ʿUmar al-Zaidanis, dessen Wirken Vielen Wohlfahrt und Sicherheit gab, heute unumwunden als Errungenschaft angesehen. Als muslimische Hauptgebetsstätte im Stadtzentrum wird sie auch Große Moschee genannt (, ).
Die heute gängige Bezeichnung rührt aber von der Lage an der Dschurainah (, gemäß Aussprache im levantinisch-arabischen Dialekt), her. Die Dschurainah (oder dialektal Dschrejneh, ) ist ein Platz, einst ein Markt unweit des Hafens Haifas, wo seinerzeit Getreide vor dem Export gedroschen wurde. Über dem Portal im Uhrturm, findet sich eine moderne arabische Namenstafel, die alle drei Namen zusammenfasst: .
Lage Die Moschee al-Ǧurainah liegt im Stadtteil ʿIr Tachtit () an der Qirjat haMemschalah haMchosit (Bezirkliches Regierungsquartier) südwestlich vom Hafen Haifa.David Bar On (), “” (15. Oktober 2021), auf: ; abgerufen am 22. August 2025. Bei Neuanlage Haifas ließ der Regionalpotentat Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidani hier 1761 das Serail (, ), den Sitz seiner Regierung für Orts-, Hafen- und Justizangelegenheiten, errichten, in dessen Fortsetzung der auf demselben Grundstück erbaute Migdal haMifras (Offiziell trägt der Bau die langatmige Bezeichnung Gebäude B - Bezirkliches Regierungsquartier ‹Jizchaq-Rabin› ().) steht, der mit seinen 25 Etagen die nordwestlich benachbarte Moschee buchstäblich überragt. Der Migdal haMifras, 1999–2002 erbaut für die Regierung des Bezirks Haifa, bildet mit dem Justizpalast () und der Dependence Haifa der Behörde für Bevölkerung und Migration () beiderseits des Rechov Nathanson die Qirjat haMemschalah haMchosit ().
Den Komplex der Moschee begrenzen an drei Seiten Straßen, die Derech haʿAtzmaʾut () im Nordosten, der Rechov haSarajah () im Südosten und der Rechov Nathanson im Südwesten (, ehemals ). Die Nordwestseite nimmt ein Parkplatz ein, eine Verlegenheitslösung im abgerissenen einstigen Geschäftszentrum, das Schaden nahm erst im Bürgerkrieg der Mandatszeit und dann im ziellosen Wunsch ֽֽ(, Juli 1948), die Spuren der Geschichte aus dem Stadtbild zu tilgen, Kirchen und Moscheen ausgenommen.Israel, Theodor Friedrich Meysels (1899–1963) et al., (=Nagels Enzyklopädie-Reiseführer. Deutsche Reihe), verb. Ausg., überarb. von S.F.G. Nathan, Genf: Nagel, 21967, S. 208. Die gesamte Bebauung zwischen der Moschee und dem ältesten christlichen Gotteshaus Haifas, der Karmelitenkirche Elias des Propheten fehlt.Yaʿel Bar-Maʾor (), “The Missile” (21. Juni 2025), auf: H1H2 landscape, politics, and the everyday; abgerufen am 22. August 2025.
Geschichte Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidani übernahm nach dem Tod seines Vaters die Aufgabe des Multasims (Steuerpächters im Osmanischen Reich), wobei er kaufmännisch denkend auf regelmäßige kontinuierliche Steuereingänge setzte, statt auf einmalige Höchstbeträge, die Steuerpflichtige ruinierten. Sein Konzept schloss auch ein, Steuerpflichtige seines Einzugsbezirks, darunter viele bäuerliche Landpächter, vor Räubern zu schützen.Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), Seite wie gesondert angegeben, ISBN 0-231-12327-2.
mini|200px|Blick von Süden über den Platz al-Dschurainah mit Moschee, wo der Rechov haSarajah (von rechts) in den Rechov Nathanson einmündet, 2011 Nachdem al-ʿUmar al-Zaidani 1761/1762 das alte Haifa niederreißen und zwei bis drei Kilometer südöstlich an einem neuen Ankerplatz im Golf von Haifa neu anlegen ließ,Alex Carmel (), Geschichte Haifas in der türkischen Zeit 1516-1918 [תּוֹלְדֹוֹֹת חֵיפָה בִּיְמֵי הַתּוּרְכִּים, Haifa: , 1969; dt.], Clara Zellermeyer (Übs.), Wiesbaden: Harrassowitz, 1975, (=Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins; Bd. 3), Seite wie gesondert angegeben. ISBN 3-447-01636-1. ließ er im Gebiet der heutigen ʿIr Tachtit eine rechteckige Fläche von einer Stadtmauer umschließen, binnen deren 250 Bewohner Alt-Haifas eine Siedlung gründeten. Neben der seinerzeitigen regionalen Hauptstadt Akkon, das an Verlandung seines natürlichen Hafens in seiner Bucht litt, etablierte das neue Haifa sich als Wettbewerber, wobei zunächst eine Kartellabsprache beiden Städten einen Anteil des Frachtaufkommens sicherte. Anfangs wurde ab Haifa als einzige Exportware Getreide aus der Jesreelebene verschifft, das vor Verladung am Hafen auf einer kleinen Tenne gedroschen wurde. Auf Arabisch ist dieser Dreschplatz als al-Dschurainah (, Diminutiv von ) namensgebend für den Platz vor der Moschee.Jehudah Levanoni (; 1945–2022), “” (Mai 2004), auf: ; abgerufen am 23. August 2025.
Wegen seiner regionalen de-facto-Autonomie war al-ʿUmar al-Zaidani der Hohen Pforte als Hüterin der Einheit des Reichs grundsätzlich ein Dorn im Auge, seine wirtschaftlichen Erfolge hin oder her. Nach gescheiterten Versuchen, den aus eigenem Willen und Können aufgestiegenen, unabhängigen al-ʿUmar al-Zaidani abzusetzen, fügte sich die Hohe Pforte 1768 schließlich jedoch ins Unvermeidliche und verlieh ihm den neu geschaffenen, seinen aus eigener Kraft errungenen Machtbereich spiegelnden Rang eines Scheichs von Akko und ganz Galiläa. Doch als die Gelegenheit sich 1771 bot, al-ʿUmar al-Zaidani hatte einem Freund (ʿAli Bey al-Kabir) beigestanden, der bei ʿAbdülhamid I. in Ungnade gefallen war, zielte eine osmanische Intervention auf den Regionalpotentaten, die Kapudan Cezayirli Gazi Hasan Pascha im August 1774 mit der Gefangennahme al-ʿUmar al-Zaidanis zu Ende brachte, bevor er ein Jahr später bei einem Fluchtversuch erschossen wurde.
Die Moschee wurde in den 1780er/1790er Jahren erbaut“” (2014), in: Website der ; abgerufen am 21. August 2025. und Cezayirli Gazi Hasan Pascha benannte sie zur Feier, dass er al-ʿUmar al-Zaidani unterworfen und gefangen hatte, als Masdschid an-Naṣr (), wie Prof. Mahmoud Yazbak (; Hebräische Universität) beschreibt.Wadiʿ ʿAwawdeh (), “” (16. Mai 2019), auf: al-Quds al-ʿarabi; abgerufen am 22. August 2025. Der Standort war wohl gewählt gleich gegenüber des Serails und an einem belebten Platz namens al-Dschurainah. Der Kapudan Pascha Cezayirli Gazi Hasan stiftete für den Waqf zum Unterhalt der Moschee ein großes, angrenzendes Haus. Cezayirli Gazi Hasan Pascha setzte die Familie al-Sahli aus Balad al-Scheich (heute zu Nescher) als Treuhänder des Waqfs ein, die über die folgenden anderthalb Jahrhunderte Gelehrte, Scheichs und Imame der Moschee hervorbrachte. Die al-Sahlis nahmen später al-Chatīb () als Nachname an, zu Ehren der Familie ist 300 Meter westlich der Moschee eine Seitenstraße Rechov al-Chatib benannt.
Der Platz al-Dschurainah entwickelte sich zum Zentrum des kommerziellen und öffentlichen muslimischen Lebens Haifas, in dem sich viele Geschäfte und Handelsfirmen niederließen.Menachem Kapeliuk (; 1900–1988), “”, in: Davar, 29. Dezember 1937, S. 4; abgerufen am 22. August 2025. Zwischen der Moschee al-Ǧurainah und der westlich davon gelegenen (, seit 1954 Kikkar Paris [], bis 1948 Zentrum des Christenviertels extra muros westlich vor der einstigen StadtmauerSeʾev Ben Arjeh (), “” (2022), auf: ; abgerufen am 23. August 2025.) verlief die Hauptgeschäftsstraße ,Daphna Berger-Sperling (), Tamir Harʾel (), Itziq Herman (), Walīd Karkabī (, Leiter der Baudenkmalpflege der Stadt Haifa), ʿAdi Roitenberg (), , Stadt Haifa / (Hrsg.), Tl. B ‘’, Haifa: , 2019, S. 11. später wurde sie in die Derech Jafo namentlich einbezogen und 1964 der südöstliche Abschnitt umbenannt in Rechov Nathanson (Benannt nach (1889–1963), Bankier, Präsident der Handelskammer Haifa (1928–1953), einer der Gründer der Anglo Palestine Company (APC), einer Keimzelle der Bank Leʾummi, Filialdirektor der Anglo-Palestine Bank in Haifa (1928–1954) und Honorarkonsul Schwedens in Haifa und Galiläa ab 1937.).
Zeitig vor dem 25. Amtsjubiläum des allislamischen Kalifen und osmanischen Sultans ʿAbdülhamids II. (1842–1918; reg. 1876–1909) erließ die Hohe Pforte Dekrete, ihm zu Ehren Uhrtürme zu errichten, denn er sah darin Symbole seiner Modernisierungspolitik des Reichs.Ekrem Buğra Ekinci, “The voice of the rule: Ottoman clock towers” (23. Dezember 2021), in: Daily Sabah; abgerufen am 22. August 2025. Der Sultan-Kalif (vgl. Cäsaropapismus) hatte selber bereits viele Uhrtürme erbauen lassen und der Aufruf ließ Patrioten und Royalisten reichsweit 144 weitere Uhrtürme initiieren. Sieben der neuen Uhrtürme entstanden an Orten im Gebiet des heutigen Israels, wobei der Uhrturm der Moschee al-Ǧurainah der älteste im Lande ist. Initiator war Mustafa Pascha al-Chalil, Haifas vierter Bürgermeister seit Beginn kommunaler Selbstverwaltung 1873.
Der osmanische Versuch im Ersten Weltkrieg auf Seiten der Mittelmächte, den Suezkanal zu blockieren endete schließlich mit der Niederlage und Auflösung des Osmanischen Reiches. Den osmanisch eröffneten Sinaifeldzug trieben siegreiche Gegenvorstöße der Egyptian Expeditionary Force (EEF) der Triple Entente vom ägyptischen Sinai immer weiter nordostwärts über die osmanische Grenze ins Mutesarriflik Jerusalem.
Bis September 1918 waren die Kampfhandlungen fern Haifas, doch waren die Folgen des Krieges (Rekrutionen, Requisitionen, Mangel, Hunger und Tod) zu spüren, wenn auch nicht politisch extra verschärft wie die Hungersnot im nahen Libanongebirge, wo die Hohe Pforte christliche Minderheiten durch Hunger vernichten ließ. Britisch-indische Streitkräfte, die Sherwood Forester Yeomanry und die Brigaden Jodhpur Lancers und Mysore Lancers, eroberten Haifa am 23. September 1918. Das deutsche Asien-Korps und die osmanische Armee hatten die Stadt verteidigt, während ihnen österreichisch-ungarische Truppen vom Karmel aus den Rücken deckten. Am Tag der Einnahme Haifas sprach der britische Brigadegeneral A D A King, der die Entente-Streitkräfte nach Haifa angeführt hatte, vom Uhrturm der Moschee al-Ǧurainah zu den auf der Dschuraina versammelten Haifanern, um zu verkünden, dass er für die Entente die Verantwortung in Haifa übernommen habe. Der Bürgermeister Haifas, Hassan Schukri, dem der abrückende osmanische Kaymakam tags zuvor Amtsgewalt und Dienstwaffe übergeben hatte, übergab symbolisch dieses Schwert als Zeichen des Übergangs der Amtsgewalt der Stadt an King. Die Entente-Mächte Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland und Dritte Französische Republik gliederten gemäß ihren gemeinsamen Plänen (Sykes-Picot-Abkommen von 1916) die Levante neu, Haifa kam vom osmanischen Libanon an die britische südliche Besatzungszone osmanischen Gebiets unter der britischen Militärregierung Occupied Enemy Territory Administration South (OETA South).