Binaifer Nowrojee ist eine kenianische Juristin und Menschenrechtsaktivistin. Seit Juni 2024 ist sie Präsidentin der Open Society Foundations (OSF). Sie ist die erste Frau an der Spitze der Organisation. Zuvor hatte sie leitende Funktionen bei OSF inne, darunter als Direktorin der OSF-Stiftung in Ostafrika und als Regionaldirektorin für Asien-Pazifik. Frühere Stationen waren u. a. als Juristin bei Human Rights Watch und beim Lawyers’ Committee for Human Rights (heute Human Rights First). Bekanntheit erlangte sie als (Mit-)Autorin des HRW-Berichts Shattered Lives (1996) über sexualisierte Gewalt während des Völkermords in Ruanda sowie als Sachverständige vor dem Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda (ICTR).
Leben Nowrojee wuchs in Kenia auf; sie ist die Tochter des kenianischen Rechtsanwalts Pheroze Nowrojee. Sie erwarb den Juris Doctor an der Columbia Law School und einen LL.M. an der Harvard Law School. Zudem lehrte sie als Lecturer an der Harvard Law School und war Fellow am Carr Center for Human Rights Policy der Harvard University.
Wirken In den 1990er-Jahren arbeitete Nowrojee als Juristin bei Human Rights Watch sowie beim Lawyers’ Committee for Human Rights und befasste sich mit der strafrechtlichen Verfolgung sexualisierter Gewalt nach internationalem Recht. Im Jahr 1996 veröffentlichte sie gemeinsam mit Human Rights Watch und der FIDH den Bericht Shattered Lives, der die systematische sexualisierte Gewalt während des Völkermords in Ruanda dokumentierte. In Verfahren vor dem Internationalen Strafgericht für Ruanda trat sie mehrfach als Sachverständige zu sexualisierter Gewalt auf; Anhörungen des Prozesses fanden in den Jahren 2004 und 2005 statt, Verfahrensschritte 2011.
Im Jahr 2004 wechselte sie zu den Open Society Foundations, leitete zunächst das Ostafrika-Büro in Nairobi und verantwortete später als Regionaldirektorin die Arbeit in Asien und im Pazifik, bevor sie in die Spitzenführung aufrückte. Am 11. März 2024 kündigten die OSF ihre Ernennung zur Präsidentin an; im Juni 2024 trat sie das Amt an. Als Präsidentin der OSF positionierte sich Nowrojee auch in Debatten über die Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit und der internationalen Ordnung. Sie kritisierte abrupte Kürzungen von Entwicklungsgeldern als schlecht vorbereitet, sah darin zugleich aber einen Anlass zur grundlegenden Neueinordnung von Abhängigkeiten in der Entwicklungspolitik und der internationalen Wirtschaftsarchitektur. Dabei plädierte sie für eine verstärkte Behandlung afrikanischer und anderer bislang vor allem als Hilfeempfänger betrachtete Staaten als gleichberechtigte Akteure internationaler Verhandlungen. Hierbei kündigte sie an, die OSF habe 400 Millionen US-Dollar bereitgestellt, um gemeinsam mit Brasilien, Südafrika, Malaysia, Mexiko, Senegal und Oman wirtschafts- und klimapolitische Modellvorhaben zu entwickeln. Die Auswahl dieser sechs Staaten begründete sie mit deren Stellung als Länder mittleren Einkommens, vorhandener industrieller Basis und Bereitschaft, wirtschaftliches Wachstum mit Energiewende und Klimaschutz gemeinsam zu denken. Zudem erklärte sie, die Stiftung prüfe, wie Protestbewegungen der Generation Z künftig auch jenseits klassischer NGO-Förderung unterstützt werden könnten, etwa durch raschen Rechtsbeistand über das Open-Society-Netzwerk. 2024 wurde Nowrojee in die Liste der „100 Most Influential Africans“ des Magazins New African aufgenommen (Rubrik Civil Society).
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