Vaterland (internationaler englischsprachiger Titel: Fatherland) ist ein Spielfilm von Paweł Pawlikowski aus dem Jahr 2026. Das Drama in Schwarzweiß-Bildern stellt den deutschen Schriftsteller Thomas Mann und seine Tochter Erika in den Mittelpunkt, die gemeinsam ins Nachkriegsdeutschland zurückkehren. Die Hauptrollen übernahmen Hanns Zischler und Sandra Hüller. Die europäische Koproduktion zwischen Polen, Deutschland, Italien und Frankreich wurde im Mai 2026 im Hauptwettbewerb des Filmfestivals von Cannes uraufgeführt und gewann dort den Preis für die beste Regie. Der Kinostart in Deutschland war am 3. September 2026.

Handlung Im Jahr 1949, während eines frühen Höhepunktes des Kalten Krieges, plant der weltbekannte Schriftsteller Thomas Mann, gemeinsam mit seiner Tochter Erika von ihrem Wohnsitz in Kalifornien zurück nach Deutschland zu reisen. Beide hatten das Land zuletzt 1933 betreten und waren dann vor den Nationalsozialisten ins Exil geflohen. Am Telefon bittet Erika ihren in Frankreich lebenden Bruder Klaus Mann, auf die Reise mitzukommen, obwohl dessen Verhältnis mit seinem Vater angespannt ist. Erika zweifelt an dem Entschluss ihres Vaters, der noch einmal Deutschland besuchen möchte und sich dabei offenbar der Hoffnung hingibt, mit seinen Worten positive Veränderung zu bringen.

Thomas und Erika Mann treffen in dem von den Westalliierten besetzten Frankfurt am Main ein – aber nicht Klaus, er ist auch nicht zu erreichen. In Frankfurt erhält Thomas den Goethepreis der Stadt, im 200. Jahr von Goethes Geburt.Katja Nicodemus: Wie zwei Gestrandete. In: zeit.de, 14. Mai 2026 (abgerufen am 23. Mai 2026). Jedoch warten auch bereits Hassbriefe auf Thomas Mann, in denen ihm der Vorwurf, er sei ein Vaterlandsverräter, entgegenschlägt. Bei einer Pressekonferenz dient Erika ihrem Vater unter anderem als Dolmetscherin. Dabei wird bekannt, dass Thomas außerdem einen zweiten, spontan gestifteten Goethepreis im sowjetisch besetzten Weimar erhalten wird. Eine mit Erika befreundete Journalistin weist darauf hin, dass Thomas Mann nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten im Zuge des Antikommunismus der McCarthy-Ära Verfolgung drohen könnte, sollte er Ostdeutschland besuchen. Thomas entgegnet, dass Goethes Werk und die deutsche Literatur älter seien als die Teilung Deutschlands und dass Kunst keine Grenzen kenne.

Bei einem Empfang nach der Preisverleihung wird Thomas von den Enkeln Richard Wagners angesprochen. Sie bitten ihn, dabei zu helfen, das Ansehen der ausgesetzten Bayreuther Festspiele zu rehabilitieren, was Thomas ablehnt. An der Bar des Empfangs trifft Erika auf ihren Ex-Mann, den Schauspieler Gustaf Gründgens, der während der Naziherrschaft große Erfolge hatte und engere Beziehungen mit den Nazis pflegte. Zwischen den beiden kommt es zu einer kurzen Auseinandersetzung, die damit endet, dass Erika ihm vor den Augen der übrigen Gäste eine Ohrfeige gibt.

Als Erika anschließend in das Hotelzimmer ihres Vaters zurückkehrt, erfährt sie von ihrem Vater, dass ihr Bruder Klaus Suizid begangen hat. Erika versucht, Thomas dazu zu bringen, von der Reise nach Weimar abzusehen und stattdessen zu Klaus’ Begräbnis in Cannes zu fahren, was Thomas aber ablehnt, weil er die Reise und seine Rede für wichtiger hält. Er reagiert auf den Tod seines Sohnes nach außen beinahe ungerührt und verweist auf dessen jahrelange Suizidgedanken und Drogensucht.

Am nächsten Tag starten sie mit einem schwarzen Buick in der Trizone und durchqueren das vom Zweiten Weltkrieg zerstörte Land in Richtung Weimar.Zac Ntim: Paweł Pawlikowski Begins Production On ‘1949’ Starring Sandra Hüller. In: Deadline, 19. August 2025 (abgerufen am 19. August 2025).Jan Küveler: „Du hast dir eine Festung aus Worten gebaut!“ – So wurde Thomas Mann noch nie entlarvt. In: welt.de, 14. Mai 2026 (abgerufen am 14. Mai 2026). Sie werden an der Zonengrenze in ein fast leeres Restaurant dirigiert, wo sie der Schriftsteller Johannes R. Becher, Vorstand des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands (später Kulturbund der DDR) und SED-Funktionär, empfängt und nach Weimar begleitet. Dort werden sie von Oberst Sergei Iwanowitsch Tjulpanow, dem Chef der Propaganda- und Informations-Abteilung der SMAD, feierlich empfangen. Becher und Tjulpanow würden Thomas Mann gerne als Präsidenten der Akademie der Künste gewinnen. Er lehnt aber das Angebot ab und verweist auf seinen Bruder Heinrich, den überzeugten Sozialisten.

In ihrem Hotel erscheint ein Dissident an der Tür und fleht Thomas an, in seiner bevorstehenden Rede öffentlich darauf hinzuweisen, dass im ehemaligen KZ Buchenwald nun politische Gefangene der sowjetischen Besatzungsmacht festgehalten werden. Noch während er spricht, wird der Mann abgeführt. Während Thomas’ Rede im Nationaltheater verlässt Erika den Raum und besucht einen Friedhof: Wie schon in Frankfurt ist ihr Klaus während der Rede wie ein Geist erschienen. Als Thomas später nach ihr sucht, findet er Erika abgewandt und verstummt im Hotelbett vor. Thomas gesteht, von Klaus geträumt zu haben.

Am folgenden Tag fahren Erika und Thomas an einem zerstörten SchlossSławików (Slawikau) vorbei. Sie lösen sich von dem sowjetischen Begleitfahrzeug, um die Ruine näher zu erkunden. In der ehemaligen Schlosskapelle finden sie eine funktionsfähige Orgel vor, die von zwei Personen gestimmt wird. Als sie merken, dass zwei Zuschauer den Kirchenraum betreten haben, spielen sie eine Orgelversion des Chorals Wohl mir, dass ich Jesum habe bzw. Jesus bleibet meine Freude von Johann-Sebastian Bach. Erika und Thomas setzen sich auf eine Truhe, um der Musik zu lauschen. Thomas beginnt zu weinen, und Erika ergreift seine Hand.

Hintergrund Vaterland ist der siebte Spielfilm des polnischen Regisseurs Paweł Pawlikowski (Alternativtitel: Fatherland oder 1949). (abgerufen am 19. August 2025). Das Drehbuch verfasste er gemeinsam mit dem deutschen Filmemacher Hendrik Handloegten. Nach seinen preisgekrönten Werken Ida (2013) und Cold War – Der Breitengrad der Liebe (2018) nahm sich Pawlikowski wieder der Themen „Identität, Schuld, Familie und Liebe inmitten der Turbulenzen und moralischen Verwirrung des Nachkriegseuropas“ an.Alex Ritman: Sandra Hüller to Star in Paweł Pawlikowski’s Cold War Road Trip Movie ‘1949’ for Mubi and Our Films. In: Variety, 19. August 2025 (abgerufen am 19. August 2025). Die Geschichte hält sich nicht an historische Fakten – tatsächlich wurde Thomas Mann bei der dargestellten Reise von seiner Ehefrau Katia begleitet und nicht von seiner Tochter Erika,David Steinitz: Will ich ein Deutscher sein?. In: Süddeutsche Zeitung, 16. Mai 2026, S. 19. und Klaus Mann hatte sich bereits Monate vor dem Zeitraum der Filmhandlung das Leben genommen.

Die Hauptrollen als Thomas Mann und dessen Tochter Erika übernahmen die deutschen Schauspieler Hanns Zischler und Sandra Hüller. Für Hüller seien die Szenen am schwierigsten gewesen, in der es um die tiefe Trauer der Figuren ging. „Und zwar nicht nur über den Verlust des Familienmitglieds Klaus Mann, sondern auch über den Verlust der Heimat. Das ist etwas, das mich persönlich die ganze Zeit begleitet hat“, so die Schauspielerin.Große Cannes-Momente für deutsche Stars und Geschichte. In: welt.de, 17. Mai 2026 (abgerufen am 23. Mai 2026). Zum Darstellerensemble gehörten unter anderem August Diehl als Klaus Mann, Devid Striesow als Dichter und SED-Politiker Johannes R. Becher, Joachim Meyerhoff als Erikas Ex-Ehemann Gustaf Gründgens sowie die Geschwister Enno und Theo Trebs als Wieland und Wolfgang Wagner.

Die Dreharbeiten fanden ab Mitte August 2025 in Polen, Deutschland und Italien statt. Dabei vertraute Pawlikowski auf sein langjähriges polnisches Filmteam um Kameramann Łukasz Żal, Kostümbildnerin Aleksandra Staszko, Editor Piotr Wójcik, die Szenenbildner Katarzyna Sobańska und Marcel Sławiński sowie Komponist Marcin Masecki.Lily Ford: Sandra Hüller to Star in Pawel Pawlikowski’s ‘1949,’ Set at Height of the Cold War. In: The Hollywood Reporter, 19. August 2025 (abgerufen am 19. August 2025). Wie bei früheren Werken Pawlikowskis drehte Żal in schwarzweiß im „engen Academy-Format (1:1,37)“.

Produziert wurde Vaterland vom Streaminganbieter Mubi, den Italienern Mario Gianani und Lorenzo Mieli (Our Films) sowie Lorenzo Gangarossa (Circle One), der Polin Ewa Puszczyńska (Extreme Emotions), der Britin Jeanne Tremsal und dem Deutschen Edward Berger (Nine Hours) sowie dem Franzosen Dimitri Rassam (Chapter2). Die ungefähren Produktionskosten werden mit 10 Millionen Euro angegeben.Louise Tutt: How Pawel Pawlikowski’s ‘Fatherland’ shot in Poland to double for post-war Germany. In: screendaily.com (abgerufen am 14. Mai 2026).

Rezeption Veröffentlichung Die Uraufführung von Vaterland fand am 14. Mai 2026 im Hauptwettbewerb des 79. Filmfestivals von Cannes statt.The Screenings Guide of the 79th Festival de Cannes. In: festival-cannes.com, 7. Mai 2026 (abgerufen am 11. Mai 2026). Auch beim australischen Sydney Film Festival einen Monat später wurde die Produktion mit weiteren Berlinale- und Cannes-Beiträgen in den Hauptwettbewerb aufgenommen.Official Competition. In: sff.org.au (abgerufen am 11. Mai 2026).

Ein regulärer Kinostart in Polen fand ab 19. Juni 2026 statt.Jakub Tyszkowsky: Powrót mistrza. "Ojczyzna" Pawlikowskiego z datą premiery . In: film.wp.pl, 11. Mai 2026 (abgerufen am 14. Mai 2026).

Die Deutschlandpremiere erfolgte als Eröffnungsfilm des am 26. Juni 2026 gestarteten 43. Filmfests München.Christopher Steil: Thomas Mann inmitten Vaterlandsliebe und Vaterlandslosigkeit. In: filmfest-muenchen.de, 22. Mai 2026 (abgerufen am 23. Mai 2026). Ein offizieller Kinostart im Verleih von Neue Visionen folgte am 3. September 2026.Neue Visionen bringt Vaterland ins Kino. In: neuevisionen.de (abgerufen am 23. Mai 2026).

Kritiken Im zum Festival von Cannes herausgegebenen Kritikenspiegel des Branchenmagazins Screen International schnitt Pawlikowskis Regiearbeit mit 3,3 von 4 möglichen Sternen unter allen 22 gezeigten Wettbewerbsbeiträgen am besten ab. Höchstnoten erhielt der Film unter anderem von Nt Binh von der französischen Filmzeitschrift Positif und Peter Bradshaw vom britischen The Guardian.Cannes Film Festival 2026 jury grid. In: screendaily.com (abgerufen am 23. Mai 2026). Auch der amerikanische Branchendienst IndieWire zählte Vaterland zum Favoriten auf den Hauptpreis.Ryan Lattanzio: Who Will Win the Cannes Film Festival Palme d’Or?. In: indiewire.com abgerufen am 23. Mai 2025. In einem rein französischsprachigen Kritikenspiegel der Website Le film français sah mit Éric Neuhoff von der Tageszeitung Le Figaro nur einer von 15 Kritikern den Film als Palmen-Favoriten an.Les étoiles de la critique. In: lefilmfrancais.com (PDF-Datei; abgerufen am 23. Mai 2025).

Auf der Website Metacritic erhielt Vaterland eine Bewertung von 90 von 100 möglichen Punkten, basierend auf über einem Dutzend ausgewerteter englischsprachiger Kritiken. Das Echo der Rezensenten wurde mit „einhelligem Beifall“ („universal acclaim“) beurteilt und es wurde eine eindeutige Filmempfehlung („must-see“) ausgesprochen. Von den auf der Website Rotten Tomatoes nach der Premiere aufgeführten über 30 Kritiken wurden 94 Prozent als positiv („fresh“) eingeschätzt.

Maria Wiesner von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung machte „Kunst und Identität“ als Themen des Films aus und lobte das Zusammenspiel von Sandra Hüller und Hanns Zischler. Der Kritikerin blieb vor allem eine Szene mit der Schauspielerin in Erinnerung, in der Erika versucht, der Mutter per Telefon in den USA Trost zu spenden. Was „sich dabei in wenigen Sekunden“ in Hüllers „Gesicht an Gefühlskomplexität“ abspiele, böte „Stoff für ganze Schauspielseminare“. Regisseur Pawlikowski gehe aber auch der Frage nach, „was Künstler tun müssten, wenn der Faschismus an die Macht kommt“.Maria Wiesner: Trost kann es nicht geben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Mai 2026, S. 11.