Die Kirche des Heiligen Nikolaus in Migdal haʿEmeq, Israel, ist eine griechisch-orthodoxe, in eigener Nomenklatur rum-orthodoxe Pfarrkirche. Das Gotteshaus und die zugehörige Parochie gehören zur Metropolie Nazareth, die orthodox-christliche Kirchengemeinden im östlichen Galiläa umfasst. Diese Metropolie ist eine kirchliche Jurisdiktion mit etwa 18.000 Getauften“The Metropolitan of Nazareth and the new head of Nazareth Orthodox Community at the Patriarchate” (22: Februar 2014), auf: Πατριαρχεῖον Ἱεροσολύμων; abgerufen am 14. August 2025. und ist suffragan zum Griechischen Patriarchat von Jerusalem. Die Rum-Orthodoxen bilden zahlenmäßig die zweitgrößte christliche Konfession Israels, wenn man die verschiedenen katholischen Gruppierungen (katholische Melkiten, Lateiner, Maroniten) zusammennimmt.

Namen Durch Kirchweihe ist das Gotteshaus dem Patrozinium des Heiligen Nikolaus von Myra gewidmet. In den Landessprachen bzw. bevorzugten Idiomen der Kirchgänger führt die Kirche folgende Namen. Sie heißt auf Chram Swjatowo Nikolaja, auf und in der Kirchensprache . Da es die einzige rum-orthodoxe Kirche am Ort ist, wird sie auf Hebräisch auch häufig schlicht als (bzw. ) bezeichnet.

Lage 300px

Die Kirche steht etwa auf Höhe von 245 Metern über dem Meeresspiegel. Die Kirche liegt nördlich der alten Hauptstraße (, ) am nordöstlichen Rande des Parks Gan Oren im Viertel des einstigen al-Mudschaidils () am Rechov haGai 1–3 () Ecke Rechōv Pnīnat haʿEmeq (). In letzterer Straße befindet sich gleich auf dem südöstlichen Nachbargrundstück die Polizeiwache Migdal haʿEmeq.NN, “Мигдаль ха-Эмек. Церковь Николая Чудотворца” (2017), auf: Народный Каталог Православной Архитектуры; abgerufen am 12. August 2025. An der südwestlichen Seite befindet sich ein umzäunter Basketballplatz. Zugang zum umfriedeten Kirchengrundstück besteht von Westen, erschlossen durch einen befestigten Parkweg, der den Rechōv haGai über den Gan Oren mit der Kikkar haSchoter () an der Polizei verbindet.

Einige hundert Meter südlich der Nikolauskirche, fünf Gehminuten entfernt, befindet sich an der südlichen Seite der alten Hauptstraße Sderot haBanim 110 das Franziskanerinnenkloster des Erzengels Gabriel. Der Klosterkomplex aus mehreren Gebäuden ist allseits von einer hohen Mauer umgeben und erstreckt sich über eine Fläche von gut zehn metrischen Dunam.

Geschichte In den 1880er gehörte das galiläische Dorf al-Mudschaidil zum Safad Kaza (), selbst ein Teil des Sandschaks Safed, einem Sandschak (Osmanisches Reich) im Vilâyet Beirut, der Provinz des Osmanischen Reichs, die weite Teile des heutigen Libanons umfasste. Die Reislamisierung der Levante durch die Mamluken (Ende des 13. Jahrhunderts bis 1516 Herren der Levante) überstanden insbesondere in den Bergen des Libanons und Galiläas viele kleine Kirchengemeinden. Das Dorf al-Mudschaidil, das über die Zeit mehrheitlich von Muslimen bewohnt wurde, hatte gleich zwei Parochien, eine griechisch-orthodoxe (Eigennomenklatur: rum-orthodoxe) und eine römisch-katholische.

Seit den 1850er Jahren interessierten kirchlich engagierte russische Orthodoxe sich für orthodoxe arabische Christen, ihre Glaubensbrüder, und deren Situation im Osmanischen Reich. Die Kaiserliche Orthodoxe Palästina-Gesellschaft (IPPO) bezeichnete in christlicher Tradition das Heilige Land – wie ihr Name andeutet, genauso wie die meisten europäischen und nordamerikanischen Interessierten – mit dem heidnisch-römischen Begriff Palaestina (Palästina), den die Römer im Jahre 135 als neuen Landesnamen wählten, um Iudaea, auch namentlich als Ursprungsland der eben zuvor unterworfenen aufständischen Juden, auszulöschen, wie viele Christen im 19. Jahrhundert die Jüdischkeit Jesu ausblendeten (wenn nicht gar negierten), auch indem sie seine Heimat nicht unter der thematischen Bezeichnung Judäa erforschen, sondern unter der anachronistischen Bezeichnung Palästina, das es zu Jesu Zeiten noch nicht einmal gab.

Als Großfürst Sergei Alexandrowitsch Romanow 1888 als Gründungspräsident der IPPO Teile der osmanischen Provinzen Mutesarriflik Jerusalem und Vilâyet Beirut bereiste, kam er auch nach Galiläa. Wie vielerorts in ihrem Ursprungsgebiet hatten Christen unter muslimischer Herrschaft keine oder baulich und / oder räumlich unzureichende Bethäuser, weshalb der Großfürst auf Besuch in al-Mudschaidil der orthodoxen Kirchengemeinde Geld spendete, sich ein adäquates Gotteshaus zu bauen.NN, “Вандалы осквернили церковь в Мигдаль ха-Эмеке” (9. Juni 2006), auf: Народ – это мы с вами; abgerufen am 12. August 2025.Ilan Pappe, The Ethnic Cleansing of Palestine, London und New York: Oneworld, 2006, S. 153. ISBN 1-85168-467-0. Der Bau der St. Nikolauskirche begann 1894 und wurde 1896 abgeschlossen. Patriarch Gerassimos I., bemüht um Dämpfung des russischen Einflusses, öffnete die Kirche auch Christen anderer Konfessionen. Sein Nachfolger Patriarch Damianos I. von Jerusalem stellte sicher, dass das Kirchengebäude als Dorfschule bereitstand,Ilan Pappe, The Ethnic Cleansing of Palestine, London und New York: Oneworld, 2006, S. 153seq. ISBN 1-85168-467-0. zu einer Zeit als kaum galiläische Kinder zur Schule gehen konnten. Die Kapelle des Franziskanerinnenkonvents Erzengel Gabriel am Ort wurde erst 1903/1904 erbaut.

Der osmanische Versuch im Ersten Weltkrieg auf Seiten der Mittelmächte, den Suezkanal zu blockieren, um so die Verbindungen zwischen den Teilen des Britischen Imperiums auf weite Umwege zu zwingen und im Falle eines Sieges das bis 1882 osmanische Chedivat Ägypten dem britischen Einfluss wieder zu entreißen, endete schließlich mit der Niederlage und Auflösung des Osmanischen Reiches. Den osmanisch eröffneten Sinaifeldzug trieben siegreiche Gegenvorstöße der Egyptian Expeditionary Force der Triple Entente vom ägyptischen Sinai immer weiter nordostwärts über die osmanische Grenze ins Mutesarriflik Jerusalem, das westliche Pilger, Theologen, Historiker und Geographen als Teil Palästinas ansahen. Das britische Militär spiegelte die europäische Fremdbezeichnung des Heiligen Landes als Palästina im Begriff Palästinafront für die levantinische Frontlinie zwischen Entente und Mittelmächten, entsprechend nutzt auch die Militärhistoriographie den Begriff, obwohl es keine osmanische Verwaltungseinheit dieses Namens und dieser territorialen Fassung gab.Alex Carmel (), Geschichte Haifas in der türkischen Zeit 1516-1918 [תּוֹלְדֹוֹֹת חֵיפָה בִּיְמֵי הַתּוּרְכִּים, Haifa: , 1969; dt.], Clara Zellermeyer (Übs.), Wiesbaden: Harrassowitz, 1975, (=Abhandlungen des Deutschen Palästinavereins; Bd. 3), S. 149. ISBN 3-447-01636-1.

Bis September 1918 waren die Kampfhandlungen fern al-Mudschaidils, doch waren die Folgen des Krieges zu spüren. Männer wurden für den Kriegsdienst in der Osmanischen Armee gezogen, Lebensmittel und Zugtiere requiriert, teils entschädigt durch die per Notenpresse inflationierte osmanische Währung. Die Menschen hatten mit Mangel und Hunger zu kämpfen, wenn auch nicht politisch extra verschärft wie die Hungersnot im nahen Libanongebirge, wo die Hohe Pforte christliche Minderheiten durch Hunger vernichten ließ. Als feindliche Ausländer hatten die russischen Staatsangehörigen einschließlich der Vertreter der IPPO osmanisches Staatsgebiet verlassen müssen und da das Russische Reich vor Ende des Krieges unterging, weite Teile seines Gebiets dann zur neuen kommunistischen Sowjetunion wurden, wo dann die IPPO, wie so viele russisch-orthodoxe Organisationen in kommunistischer Religionsfeindlichkeit zerschlagen wurden, riss die Verbindung zwischen orthodoxen arabischen Christen und russisch-orthodoxen Wohltätigkeitsorganisationen, die der sowjetische Regierungsapparat praktisch vernichtete, ab.

Die Kirche zur Mandatszeit Im Ersten Weltkrieg eroberte die britische Egyptian Expeditionary Force (EEC) auf Seiten der Triple Entente unterstützt von Militär aus Australien, Britisch-Indien und Neuseeland 1915 bis 1918 zunächst das Mutesarriflik Jerusalem, dann ab September 1918 auch den südlichen Teil des Vilâyets Beirut, nämlich Galiläa. Ihren Vorstellungen entsprechend teilten Briten und Franzosen die Levante neu auf und gliederten 1918 die südlichen zwei Drittel Galiläas vom osmanischen Libanon um in die Occupied Enemy Territory Administration South (OETA South), die dann 1920/1922 als Völkerbundsmandat für Palästina auch amtlich diesen antijudaistisch-christlichen Namen erhielt.

Laut Zensus von 1922 lebten etwa 150 Griechisch-Orthodoxe in al-Mudschaidil, neben mehr als 40 anderen Christen und 817 Muslimen, zusammen 1.009 Menschen am Ort.J. B. Barron (Kompil.), Palestine – Report and Abstract of the Census of 1922, Datenerhebung am 23. Oktober 1922, Government of Palestine (Hrsg.), Jerusalem: Greek Convent Press, 1923, Table XI ‹Populations by Districts and Sub-districts (Northern District): Sub-district of Nazareth›, S. 40. Die stabile Wirtschaftsentwicklung Palästinas zur Mandatszeit ermöglichte erstmals den Bau einer Moschee, der Moschee al-Huda (), erbaut 1930 mit modernem Wassersammelsystem, dass Regen vom Dach in eine Zisterne leitete,Ilan Pappe, The Ethnic Cleansing of Palestine, London und New York: Oneworld, 2006, S. 153. ISBN 1-85168-467-0. und die Einrichtung von Schulen, segregiert nach Geschlechtern. Gemäß dem Zensus 1931 war die Einwohnerzahl auf 1.241 angewachsen, davon 1.044 Muslime und 197 Christen, deren Zahl kaum gewachsen war.NN, “Migdal Haʿemek” (29. April 2017), auf: BibleWalks 500+ sites; abgerufen am 15. August 2025. Bis Juli 1948 war in der Kirche reges kirchliches Leben.

mini|Luftbild al-Mu­dschaidils mit Nikolauskirche weitläufig ummauert am rechten Rand des Dorfes, 1949 Die arabischen Führer im Lande, wie die mit ihnen verbündeten arabischen Nachbarstaaten, lehnten die von der UNO im November 1947 vorgeschlagene Teilung des Mandatsgebiets ab, vereinbarten aber auch keine andere Aufteilung des Landes, sondern setzten allein auf ihr Waffenglück bei der territorialen Regelung. Gleich am 15. Mai 1948, am Tag nach Gründung Israels, rückten die Armeen der Nachbarländer ein, um den Krieg um Israels Unabhängigkeit zu eröffnen. Das ausbleibende Waffenglück beließ den arabischen Kämpfern Palästinas und ihren Verbündeten am Ende 22 % des Mandatsgebiets. Al-Mudschaidil kam an Israel.

Bewohner al-Mudschaidils standen bei Israelis im Verdacht mit der Armee des heiligen Krieges unter dem wehrmachtgeschulten Libanesen Fawzi al-Qawuqǧi zusammenzuarbeiten. Die israelischen Nachrichtendienste lieferten den kämpfenden israelischen Einheiten je Bulletins über die Orte, denen sie sich näherten, bezüglich eingetretener Ereignisse und des bisherigen Verhaltens der Einwohner gegenüber jüdischen Palästinensern, damit sie einschätzen könnten, ob sie eher mit friedlicher Haltung oder feindlich-gewalttätiger Handlung rechnen müssen. Das Bulletin zu al-Mudschaidil enthielt die Sache des vermissten Soldaten Menachem Goldstein, Motorradkurier und Verbindungsoffizier der Golani-Brigade, der am 28. Juni 1948 während einer seiner Missionen vom Hauptquartier aus auf der Landstraße (heute ) zwischen Sarid und Ginneigar verschwunden war.