Tao Zhongwen (auch Tao Chung-wen, Tchao Čung-wen ; ca. * 1481; † 1560 in Peking) war ein Han-Chinese, Daoist und enger Vertrauter des Ming-Kaisers Jiajing.

Namen Tao Zhongwen verwendete den Volljährigkeitsname Tien-čen (; nach Pinyin Diǎn Zhēn oder Diǎnzhēn).

Leben Tao stammte aus der historischen Präfektur Huanggang (heute die Stadt Huanggang) in der nordchinesischen Provinz Hubei, und wurde um 1481 geboren. Er diente als Hilfsbeamter und Lagerverwalter in Huangmei in Hubei sowie in Liaoyang in Liaodong. Dort lernte er Shao Yuanjie kennen, einen daoistischen Priester und wichtigsten Vertrauten des Ming-Kaiser Jiajing in Angelegenheiten des Daoismus. Um 1538 empfahl Shao Yuanjie ihn dem Kaiser als Experten für Talismane, Beschwörungsrituale und die Austreibung böser Geister. Tao gewann nach und nach das Vertrauen und die Unterstützung des Herrschers.

Im Jahr 1539 reiste der Kaiser durch Zentralchina. Shao Yuanjie war zu krank, um den Herrscher zu begleiten, und empfahl stattdessen Tao Zhongwen als seinen Vertreter. Während der Reise sagte Tao einen Brand in der vorübergehenden Residenz des Kaisers voraus, was ihm die Anerkennung des Herrschers und dessen Vertrauen in seine Fähigkeiten einbrachte. Kurz darauf starb Shao Yuanjie. Tao Zhongwen rückte daraufhin zum wichtigsten daoistischen Vertrauten des Kaisers auf und übernahm Shao Yuanjies Stellung. Er wurde zum daoistischen Patriarchen ernannt, zum Vorsteher aller daoistischen Klöster bestellt und mit der Führung der Register daoistischer Priester und Mönche betraut. Im folgenden Jahr erhielt er den (ehrenhalber verliehenen) Titel eines Ministers für Riten; auch seine Ehefrau wurde mit einem hohen Rang ausgezeichnet. Nach und nach erhielt er alle drei Würden der „Drei Exzellenzen“ (, San Gong), den Ehrentitel „Stütze des Landes“ sowie im Jahr 1550 den Titel eines Grafen von Gongcheng (). Taos Befugnis reichte gar soweit, die Absetzung eines Ministers zu bewirken, der sich zunächst geweigert hatte, ihn zu empfangen. Seine Stellung festigte er durch ein langjähriges Bündnis mit dem Großsekretär Yan Song ().

Besonders nach dem Tod des Thronfolgers Zhu Zairui () im Jahr 1549 suchte der Kaiser bei Tao Zhongwen Unterstützung und vertraute auf die Wirksamkeit seiner Gebete und Rituale. Die Gunst des Herrschers gewann Tao Zhongwen auch durch seinen Rat, den dritten Sohn des Kaisers und ältesten noch lebenden Prinzen Zhu Zaiji () – der nach dem Tod des Kaisers Jiajing im Jahr 1567 als Kaiser Longqing den Thron bestieg – nicht zum Thronfolger zu ernennen. Tao begründete dies damit, dass die Ernennung die Aufmerksamkeit böser Geister auf den Prinzen lenken könnte. Dieser Rat kam Jiajing entgegen, da er durch die Ernennung eines Thronfolgers keine Aufmerksamkeit auf seinen angeschlagenen Gesundheitszustand lenken wollte. Zudem bevorzugte er seinen vierten Sohn Zhu Zaizhen ().

Nach 1545 begann sich der Kaiser in Angelegenheiten des Reiches auf die von Tao Zhongwen organisierten Weissagungen zu verlassen. Auch Taos Verbündeter Yan Song beteiligte sich an den Orakeln, da er in ihnen eine Möglichkeit sah, die Politik in die gewünschte Richtung zu lenken. Für den Kaiser stellte Tao lebensverlängernde Elixiere (; Yuanxing Chunhong Dan) her, unter anderem aus dem Blut der ersten Menstruation jungfräulicher Mädchen. Zu diesem Zweck versammelte er im Westpark Hunderte junger Jungfrauen sowie Zinnober und weitere Zutaten. Beamte kritisierten die Aphrodisiaka und Unsterblichkeitselixiere, die außerdem Mennige und Arsenik enthielten, als giftig, jedoch ohne Erfolg.

Tao Zhongwen verfügte über zahlreiche Schüler und Anhänger. Auch seine Söhne wurden mit Ehren und Ämtern bedacht. Tao Shitong (), vermutlich der älteste Sohn, wurde Stellvertreter des Ministers für die kaiserlichen Opferzeremonie. Tao Shi’en (), vermutlich der zweitälteste, wurde zunächst stellvertretender Leiter des Amtes für die kaiserlichen Siegel und später ebenfalls Stellvertreter des Ministers für die kaiserlichen Opferzeremonie. Ein weiterer Sohn, Tao Shichang (), studierte an der Kuo-ts’-tien-Universität, während ein anderer Sohn als Kompaniekommandeur der Kaiserlichen Brokatgarde () diente. Auch entferntere Verwandte Tao Zhongwens erhielten Amtsposten im kaiserlichen Dienst.

Im Jahr 1559 legte Tao Zhongwen seine Ämter nieder. Im November 1560 starb er in Peking. Danach fand der Kaiser keinen daoistischen Adepten mehr, der seinen Vorstellungen entsprach. Vor seinem Tod gab Tao dem Kaiser bescheiden zahlreiche Geschenke zurück: Wertgegenstände aus Jade und Gold sowie 10.000 Liang Silber (, etwa 373 Kilogramm Silber). Der Herrscher betrauerte seinen Tod sehr, ließ ihn mit großen Ehren bestatten und verlieh ihm ein besonders ehrenvolles vierzeicheniges posthumes Ehrenname – ebenso wie zuvor Shao Yuanjie – anstelle des üblichen zweizeichenigen Namens.

Nach dem Tod des Jiajing-Kaisers entzog der neue Kaiser Longqing gemeinsam mit seinen Ministern den beiden Daoisten Tao Zhongwen und Shao Yuanjie sämtliche posthumen Ehrungen. Zudem ließ er die kaiserlichen Hofärzte inhaftieren, die die lebensverlängernden Elixiere für den verstorbenen Kaiser hergestellt hatten, welche dessen Leben vermutlich eher verkürzt als verlängert hatten. Unter den Verhafteten befand sich auch Tao Shi’en – der zweite Sohn Tao Zhongwens. Die Angeklagten wurden zunächst zum Tode verurteilt, doch wurde das Urteil im Jahr 1570 in die Verbannung jenseits der Großen Mauer umgewandelt. Der Großsekretär Gao Gong () erinnerte nämlich daran, dass Tao Zhongwen dem späteren Kaiser Longqing zu Beginn der 1560er Jahre geholfen hatte, als dieser die Auszahlung seiner Apanage eingefordert hatte. Das gesamte Vermögen der Familie Tao Zhongwens wurde demnach vom Kaiser eingezogen.

Anmerkungen

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Einzelnachweise

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