mini|258x258px|Wappen der Grafen von Frontenhausen
Um das Jahr 1050 bildete sich in Niederbayern aus Teilen des Isen- und des Viehbachgaus die Grafschaft Frontenhausen. Sie bestand etwa 200 Jahre lang. Mit dem Tode des letzten Grafen, Konrad IV. von Frontenhausen Bischof von Regensburg, ging im Jahre 1226 der größte Teil der Grafschaft in den Besitz des Hochstifts Regensburg über.Diethard Schmidt: Die niederbayerischen Besitzungen des Hochstifts Regensburg, S. 20 f.
Geschichte Adelssitz im Frühmittelalter Das Gründungsdatum der Siedlung Frontenhausen ist unbekannt. Der Name Frontenhausen (früher Frantenhusen) weist auf einen bajuwarischen Adeligen mit dem Namen Franto hin, der im 8. oder 9. Jahrhundert am Übergang einer alten Salz- und Handelsstraße über die Vils eine Siedlung gründete. Diese Straße führte von Salzburg über Altötting nach Regensburg.Georg Schwarz: Historischer Atlas von Bayern. Band Vilsbiburg, S. 406 ff., München 1976.
mini|Gebiet der Grafschaft Frontenhausen zur Zeit der Staufer
Frühmittelalterliche Burganlage Eine Adelsfamilie baute die Siedlung zu ihrem Wohnsitz aus. Rund um den zentralen Ort gab es eine Vielzahl von Ministerialiensitzen, in denen Ritter und Landadelige des Grafen wohnten.Georg Schwarz: Historischer Atlas von Bayern, Band 37, S. 105 f. Eine Burg schützte den Handelsweg. Die archäologischen Überreste dieser Burg liegen noch heute in einem Wald etwas außerhalb von Frontenhausen. Der Volksmund nennt sie „Römerschanze“, die wissenschaftliche Bezeichnung ist Burgstall Schanze (Frontenhausen). Die zweigliedrige Burganlage bestand aus einer großen Vorburg und einer davon abgetrennten dreieckigen Kernanlage mit der Hauptburg. Der mit Erdhügel und Palisaden gesicherte Bereich war etwa 150 m lang und 100 m breit.Ludwig Kreiner, Kreisarchäologe: Römerschanze bei Haag, in: Jahrbuch Frontenhausen 1995.Johannes Petzold: Die vor- und frühgeschichtlichen Geländedenkmäler Niederbayerns, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.), Michael Laßleben, Kallmütz 1983, S. 105–106. mini|„Römerschanze“ in Frontenhausen-Haag
Gebiet der Grafschaft Frontenhausen Die Grafschaft Frontenhausen reichte zur Zeit der Staufer von der Isar im Norden zum Inn im Süden. Die Besitzer der Grafschaftsrechte hatten in diesem Gebiet umfangreichen Eigenbesitz.
Wappen der Grafen von Frontenhausen mini|Wappen der Grafen von Frontenhausen
Das Schildbild der Grafen Frontenhausen besitzt eine mehrfache Teilung im Kerbschnitt in den Farben rot und weiß. Es hat große Ähnlichkeit mit dem Wappen des aus dem Viehbachgau stammenden Adelsgeschlechts der Viehbach-Eppensteiner.
Das heutige Wappen des Landkreises Dingolfing-Landau weist auf die Bedeutung der Grafen von Frontenhausen im Dingolfinger Raum hin. Das dreigeteilte Wappen zeigt im unteren rechten Teil ebenfalls das Wappen der Grafen von Frontenhausen.
Inhaber der Grafschaftsrechte Zu Beginn des Hochmittelalters war Bayern in Gaue eingeteilt. Dies waren Verwaltungs- und Gerichtseinheiten, die ein Gaugraf als Beamter des Königs führte. Frontenhausen lag im Isengau, an der Grenze zum Viehbachgau. Die Adelsfamilien, aus denen die Gaugrafen dieser beiden Gaue stammten, waren auch im Besitz der Siedlung Frontenhausen.Karl Heinrich Ritter von Lang: Baierns alte Grafschaften und Gebiete, Nürnberg 1832, S. 162 ff. Eine detaillierte Genealogie dieser Familien aufzustellen ist nicht möglich, da die überlieferten Urkunden immer nur sehr begrenzte Familienzusammenhänge nennen. Historiker bezeichneten über Jahrhunderte die Gaugrafen des Viehbachgaus als „Haus Frontenhausen“.Karl Riedl: Geschichte des Marktes und der Grafschaft Kraiburg, S. 12 ff., München 1857Hund: Bayrisch Stammen-Buch, Ingolstadt 1598, S. 68 ff.Erich Frhr von Guttenberg: Zur Genealogie der älteren Grafen von Lechsgemünd-Horburg und der Grafen von Frontenhausen-Lechsgemünd, in: Jahrbuch der Fränkischen Landesforschung, Band 8/9, Erlangen 1943, S. 204. Heute werden sie nach dem österreichischen Adelsgeschlecht der Eppensteiner, das von den Viehbacher Gaugrafen abstammte, als Viehbach-Eppensteiner bezeichnet.Bernd Stadlbauer: Historischer Atlas von Bayern, Band 65, S. 105–106.Elisabeth Gäde: Eberhard von Ratzenhoven, Lappersdorf 2018, S. 63 ff.Adelheid Krah: Migration nach Südosten. Die Viehbach-Eppensteiner in Bayern und Kärnten, in: Hochmittelalterliche Adelsfamilien in Altbayern, Franken und Schwaben, München 2005. Die Gaugrafen des Isengaus stammten aus dem Adelsgeschlecht der Grafen von Megling, auch Mödling genannt, und sollen mit dem Adelsgeschlecht der Viehbacher, dem früheren Haus Frontenhausen, eng verwandt sein.
Graf Cuno und Adelheid von Frontenhausen Die erste Überlieferung, in der ein Graf mit Frontenhausen in Zusammenhang gebracht wurde, stammt aus dem Kloster Baumburg an der Alz. Ein Chorherr erstellte um das Jahr 1150 einen Bericht über die Gründung seines Klosters. Er erzählte, dass die Gründerin des Klosters, Gräfin Adelheid (* vor 1078; † 1104/05), aus Frontenhausen stammen würde. Weiterhin nannte er ihren Vater, Graf Cuno, der von erhabener Abstammung und allen Edlen seiner Provinz an Macht und Reichtum überlegen gewesen sei. Die Familie des Grafen hatte ihren Wohnsitz in Frontenhausen. Adelheids Lebensdaten lassen den Rückschluss zu, dass Graf Cuno in der Mitte des 11. Jahrhunderts lebte. mini|Baumburg St. Margaretha 731 Adelheid von Frontenhausen wird als wunderschön und sehr reich beschrieben. Dreimal war sie verheiratet. Ihr erster Ehemann, Marquand von Marquardstein, ein Gefolgsmann ihres Vaters, entführte und heiratete sie. Ihr Vater, der diese Ehe als nicht ebenbürtig betrachtete, enterbte daraufhin seine Tochter. Marquard wurde im Jahre 1085, wenige Wochen nach der Heirat, ermordet. Einige Jahre später heiratete Adelheid den Burggrafen Ulrich von Passau, der „der Vielreiche“ genannt wurde. Auch er starb nach kurzer Ehe im Jahre 1099. Ihr dritter Ehemann war Graf Berengar II von Sulzbach († 1125). Als Adelheid starb, musste Berengar ihr auf dem Totenbett in Anwesenheit von 12 adeligen Zeugen schwören, dass er mit ihrem Vermögen das Kloster Baumburg gründen würde. Zwölf Jahre nach ihrem Tod wurde Adelheid in der neuen Klosterkirche begraben. Adelheid von Frontenhausen wird seither als Gründerin des Augustiner Chorherrenstifts Baumburg verehrt. Adelheids Tochter Uta, die aus der zweiten Ehe stammte, heiratete Engelbert II. von Spannheim.Bayerische Staatsbibliothek, Monumenta Boica, Band II, München 1764, S. 173 ff.
Grafen Heinrich und Friedrich von Frontenhausen In den Dokumenten der Regensburger Klöster Weih-Sankt-Peter und Sankt Jakob sind die Grafen Heinrich und Friedrich von Frontenhausen aufgeführt. Sie spendeten Güter, um die Errichtung der Schottenklöster in Regensburg zu ermöglichen. Die Mönche verzeichneten ihre Namen im Nekrolog der Klöster. Als Stifter des Ackers, auf dem das Kloster Weih-Sankt-Peter 1086 errichtet wurde, werden Graf Heinrich von Frontenhausen († ca. 1090) und Gräfin Berta genannt. Im Nekrolog des Klosters St. Jakob ist Graf Friedrich von Frontenhausen († 28. Mai ca. 1117) aufgeführt. Er schenkte dem Kloster zwei Güter in der Nähe von Landau a.d. Isar.Georg Schwaiger: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Band 26, Regensburg 1992, S. 56 und S. 86 f.
Graf Heinrich von Frontenhausen und das Haus Lechsgemünd Aus der Zeit um 1150 wird ein weiterer Graf Heinrich von Frontenhausen († 1207) in vielen Urkunden genannt. Heinrich nannte sich seit ca. 1150 Graf von Frontenhausen. Ab dem Jahre 1175 erscheint Heinrich in Urkunden auch als Graf vom Pinzgau und Mittersill. 1180 errichtete er an der nördlichen Grenze seiner Grafschaft Frontenhausen, in Teisbach, eine Burg und verlagerte dorthin das administrative Zentrum der Grafschaft Frontenhausen. Sein Vater, der ebenfalls den Namen Heinrich († 1142) trug, war Graf von Lechsgemünd und Gründer des Klosters Kaisheim.Camille Trotter: Über die Abstammung der Grafen von Frontenhausen, in: Altbayerische Monatsschrift, Band 15, Heft 1, S. 3 ff. Verheiratet war Heinrich von Frontenhausen mit Adelheid von Plain, einer Enkelin des Markgrafen Leopold III von Österreich und dessen Gattin Uta, einer Tochter Kaiser Heinrichs IV. Heinrich von Frontenhausen stammte väterlicherseits von Irmgard von Rott († 1101) ab. Sie war die Tochter des Gaugrafen Kuno von Rott († ca. 1086) und wird als Gründerin des Klosters Berchtesgaden angesehen.
Historikerstreit um die Abstammung Heinrichs von Frontenhausen Heinrichs Großmutter Irmgard von Rott war mehrmals verheiratet, zuletzt mit Graf Gebhard von Sulzbach. Die Namen ihrer früheren Ehemänner, auch der von Heinrichs Großvater, sind in keiner Urkunde überliefert. Seit dem 16. Jahrhundert berichteten die bayerischen Historiker, dass die Gaugrafen des Isen- und Viehbachgaus aus dem Adelsgeschlecht Frontenhausen-Megling stammen würden.Johannes Turmair gen. Aventinus: Kleinere Historische und Philologische Schriften, München 1881, S. 106.J.E. Ritter von Koch-Sternfeld: Die Altgefyerte Dynastie des Babo von Abensberg, S. 87 ff.Andreas Buchner: Geschichte von Baiern, Drittes Buch, Regensburg 1857, S. 259 und 261. Heinrich Ritter von Lang: Baierns alte Grafschaften und Gebiete, Nürnberg 1831. Sie gingen davon aus, dass Graf Heinrich von Lechsgemünd ein Spross des Hauses Frontenhausen gewesen sei und eine Erbtochter der Grafen von Lechsgemünd geheiratet hätte.Erich Fahr. von Guttenberg: Zur Genealogie der älteren Grafen von Lechsgemünd-Horburg und der Grafen von Frontenhausen-Lechsgemünd, in: Jahrbuch für Fränkische Landesforschung, Band 8/9, Erlangen 1943, S. 199 ff. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts trat eine Gruppe von Historikern auf, die glaubten, dass Heinrich von Lechsgemünd ein männlicher Nachkomme der Gaugrafen des fränkischen Sualagaus gewesen sei und deshalb Graf Heinrich von Frontenhausen vom Ursprung Lechsgemünder wäre.Franz Tyroller: Die Grafen von Lechsgemünd und ihre Verwandten Um den Historikerstreit zu klären, müsste der Name des unbekannten Großvaters Heinrichs von Frontenhausen ermittelt werden. Da Urkunden dazu bis heute nicht vorliegen, wird der Streit nicht geklärt werden können. Die heutige Geschichtsschreibung nennt Heinrich von Frontenhausen auch Heinrich III. von Lechsgemünd-Frontenhausen.
Graf Konrad IV. von Frontenhausen, Bischof von Regensburg Die Nachfolge Graf Heinrichs sollte durch seinen Sohn Otto gesichert werden. Heinrichs zweiter Sohn Konrad (* 1170; † 1226) wählte die geistliche Laufbahn und wurde 1204 Bischof von Regensburg. Nachdem Otto in jungen Jahren gestorben war, wurde Konrad als Nachfolger seines Vaters auch Graf von Frontenhausen. Zugleich bedeutete dies, dass es keine weitere Nachfolge in der Grafschaft geben würde. Als letzter Graf von Frontenhausen verkaufte er die Eigengüter in den Grafschaften Pinzgau und Mittersill für 7000 Pfund Pfennige an den Erzbischof von Salzburg. Mit diesem Erlös stiftete er das Katharinenspital mit der Spitalkirche St. Katharina in Regensburg. Bischof Konrad verstarb am 8. April 1226. In seinem Testament vermachte er seine Eigengüter in der Grafschaft Frontenhausen mit den Ortschaften Frontenhausen, Teisbach, Pilsting und Ergoldsbach an das Hochstift Regensburg.
Frontenhausen unter der Hochstiftsherrschaft 160 Jahre lang stand Frontenhausen unter der Herrschaft des Hochstifts Regensburg. Während dieser Zeit versuchten die bayerischen Herzöge, das Gebiet gewaltsam in ihren Herrschaftsbereich einzubinden. Im Laufe dieser Auseinandersetzungen fielen herzogliche Soldaten in das bischöfliche Gebiet ein und zerstörten 1251 die Burg Teisbach. Schließlich verkaufte Bischof Johann von Regensburg am 26. April 1386 die Herrschaft Teisbach mit dem nun als Markt bezeichneten Ort Frontenhausen an die gemeinsam regierenden bayerischen Herzöge Stephan, Friedrich und Johann.Georg Schwab: Historischer Atlas von Bayern, Band 37, München 1976, S. 320.
Einzelnachweise
Kategorie:Frontenhausen Kategorie:Historisches Territorium (Bayern)