Britta Hufeisen (* 19. April 1960 in Stade) ist eine deutsche Linguistin und Professorin für Sprachwissenschaft – Mehrsprachigkeit am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt.

Akademischer Werdegang Nach dem vorzeitigen Abitur in Fritzlar an der König-Heinrich-Schule absolvierte sie ein Lehramtsstudium für die Mittel- und Oberstufe an der Universität Kassel in den Fächern Germanistik, Anglistik und Erziehungswissenschaften und schloss es mit dem Ersten Staatsexamen 1984 ab. Nach dem Referendariat an der Albert-Schweitzer-Gymnasium in Alsfeld und am Studienseminar Fulda schloss sie ein Erweiterungsstudium Deutsch als Fremdsprache an der Universität Kassel an. Dort wurde ihr eine Promotionsstelle angeboten. Sie schrieb eine Dissertation zum Thema Deutsch als zweite Fremdsprache und wurde 1990 promoviert. Während ihrer knapp vier Jahre als Assistant Professor an der University of Alberta in Edmonton bereitete sie ihre Habilitationsschrift vor. Sie habilitierte sich 1999 an der Technischen Universität Darmstadt mit einer Arbeit zur Kulturspezifik von Textsorten. Dieses Thema wird mit der Internationalisierung von Studiengängen wieder relevant: Es werden zwar Arbeiten auf Englisch geschrieben, die Textsorten sind aber oft typisch deutsch.

Beruflicher Werdegang Von 1987 bis 1992 arbeitete Hufeisen als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Kassel im Fernstudienprojekt im Fachbereich Germanistik. Von 1993 bis 1996 war sie Assistant Professor im Department of Germanic Languages für Germanistische Angewandte Linguistik und Deutsch als Fremdsprache an der University of Alberta, Edmonton/AB (Kanada). An der Technischen Universität Darmstadt leitete sie von 1996 bis 2024 das Sprachenzentrum der TU Darmstadt und wurde 2006 zur W3-Professorin für Sprachwissenschaft – Mehrsprachigkeit am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft an der TU Darmstadt ernannt.

Längere Forschungsaufgaben an Universitäten außerhalb Deutschlands führten sie u. a. als Adjunct Professor an das Department of Linguistics an der University of Alberta, Edmonton/AB (Kanada), als Gastprofessorin an die Högskola Dalarna in Falun/Schweden und an die Universiti Kuala Lumpur/Malaysia.

Forschungsinteressen Ihre Forschungsinteressen konzentrieren sich auf Mehrsprachenlernen, Schreibkompetenzen in Fremdsprachen und Sprachenpolitik. Sie entwickelte ein viel beforschtes Sprachenlernmodell (Faktorenmodell), arbeitete später an einem Gesamtsprachencurriculum, welches mittlerweile an zahlreichen Schulen und in regionale wie nationale Curricula implementiert ist und weiter beforscht wird. Ein großes Anwendungsprojekt am Europäischen Fremdsprachenzentrum in Graz (PlurCur®) erbrachte zugleich einige Begleitforschungsarbeiten, die den Mehrwert von Gesamtsprachencurricula nachwiesen.

Für die Technische Universität Darmstadt erarbeitete sie zusammen mit Kolleginnen eine forschungsbasierte Sprachenpolitik, die im Rahmen der Internationalisierungsstrategie der TU wirksam werden soll. Diese Sprachenpolitik basiert auf dem theoretischen Konzept der funktionalen Mehrsprachigkeit, eine konzeptionelle Weiterentwicklung des Gesamtsprachencurriculums. Zur Entwicklung von Sprachenpolitiken und Sprachenkonzepten wird sie vermehrt auch an andere europäische Universitäten eingeladen.

Derzeit beschäftigt Hufeisen sich – zusammen mit Kolleginnen – mit Forschungsfragen zu überindividuellen/supraindividual Dominant Language Constellations® als einem noch unerforschten Raum zwischen individuellen DLC nach Aronin und institutionellen DLC, wie Björklund und Björklund sie beschreiben. Damit kann die funktionale Mehrsprachigkeit an Universitäten und Hochschulen auf ihre Wirkmächtigkeit untersucht werden.

Zusammen mit der Präsidentin der Gesellschaft für Angewandte Linguistik Karin Birkner (Universität Bayreuth) und Peter Rosenberg (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder) verantwortet sie seit einigen Jahren den GAL-Forschungsfokus Geflüchtete mit jährlichen ArbeitstreffenZweites Arbeitstreffen GAL-Forschungsfokus Geflüchtete im Februar 2017 (PDF; 0,2 MB), auf daf.tu-darmstadt.de und folgenden Veröffentlichungen bzw. Impulsen für die weitere Forschung.

2005–2009 war Hufeisen Gründungspräsidentin der International Association of Multilingualism, die alle zwei Jahre eine Konferenz veranstaltet. Sie ist seit der Gründung der Zeitschrift International Journal of Multilingualism Review Editor.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Hufeisen, Britta (1991), Englisch als erste und Deutsch als zweite Fremdsprache – Empirische Untersuchung zur zwischensprachlichen Interaktion, Frankfurt et al., Peter Lang (Reihe 21: Linguistik, Bd. 95, zugl. Dissertation, Kassel 1990). Hufeisen, Britta (2003), L1, L2, L3, L4, Lx – alle gleich? Linguistische, lernerinterne und lernerexterne Faktoren in Modellen zum multiplen Spracherwerb. In: Baumgarten, Nicole/Böttger, Claudia/Motz, Markus/Probst, Julia (Hg.) (2003), Übersetzen, Interkulturelle Kommunikation, Spracherwerb und Sprachvermittlung – das Leben mit mehreren Sprachen. Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht 8: 2/3, 97–109. Hufeisen, Britta / Lutjeharms, Madeline (Hg.) (2005), Gesamtsprachencurriculum – Integrierte Sprachendidaktik – Common Curriculum. Theoretische Überlegungen und Beispiele der Umsetzung. Tübingen, Gunter Narr (Giessener Beiträge zur Fremdsprachenforschung). Hufeisen, Britta / Marx, Nicole (Hg.) (2014), EuroComGerm – Die Sieben Siebe. Germanische Sprachen lesen lernen. (2. Auflage). Aachen, Shaker. Hufeisen, Britta (2010), Theoretische Fundierung multiplen Sprachenlernens – Faktorenmodell 2.0. Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache 36, 200–207.

Mitgliedschaften Gesellschaft für Angewandte Linguistik e.V. International Association of Multilingualism

Weblinks Britta Hufeisen, Profil TU Darmstadt Aktuelle Publikationsliste von Britta Hufeisen

Einzelnachweise

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