Hans Helm (* 30. Juni 1909 in München; † 25. Januar 1947 in Belgrad) war ein deutscher Kriminalkommissar, Gestapo-Beamter, SS-Obersturmbannführer und Polizeiattaché in Belgrad.

Berufliche Entwicklung Sein Vater war der Kraftfahrer Hans Helm und die Mutter Katharina Helm, geborene Weber. In München besuchte Hans Helm die Oberrealschule und schloss diese 1927 mit dem Abitur ab. Gleich danach nahm er ein Studium an der Universität München auf und belegte hier die Fachgebiete Mathematik, Physik, Literatur und Geschichte. Ohne die Universität abzuschließen, wechselte er Anfang 1933 zur bayrischen politischen Polizei und wurde noch im Februar Mitglied der SS (SS-Nummer 77.179). Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.204.999).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/14680327 Nach mehreren Monaten im Polizeigrunddienst erhielt er 1935 eine Kommandierung an die Führerschule des Sicherheitsdienstes Berlin-Charlottenburg und wurde mit dem Abschluss der Ausbildung 1936 zum Kriminalkommissar ernannt. Den praktischen Teil dieser Qualifikation absolvierte er im SD-Hauptamt in Berlin. Nach relativ kurzer Einarbeitung wurde er hier dem Referat II J. (Ausländische Polizeiorganisationen) zugewiesen.

Polizeidienst Der Vorgesetzte und besonderer Förderer von Hans Helm war der stellvertretende Chef im Amt der Politischen Polizei, SS-Hauptsturmführer Heinrich Müller. Durch diese etwas herausgehobene Sonderrolle, die er hier einnahm, wurde er ab Anfang 1937 zu Beratungen mit dem jugoslawischen Ministerpräsidenten Milan Stojadinović und dem Chef der Belgrader Generalpolizei, Dragomir Jovanović, die beim Reichsführer-SS, Heinrich Himmler und dem Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes Reinhard Heydrich in Berlin stattfanden, mit hinzugezogen. Gegenstand dieser Zusammenkunft war der bereits lange vorher vorbereitete Abschluss von Vereinbarungen zwischen beiden Ländern über die Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen, zur Kooperation der polizeilichen Organisationen beider Länder sowie den gegenseitigen Austausch von Polizeiverbindungsbeamten. Das waren die als Sonderbeauftragter der Gestapo bezeichneten Verbindungsoffiziere des Gestapo-Hauptamtes, die zu besonderen Polizeieinsätzen, vornehmlich im Ausland verwendet wurden.

Auslandseinsatz Als ein solcher Sonderbeauftragter der Sicherheitspolizei wurde Hans Helm ab Januar 1938 der deutschen Gesandtschaft in Belgrad zugeteilt. Sebastian Weitkamp, SS-Diplomaten: die Polizeiattachés des Reichssicherheitshauptamtes, in: Die Polizei im NS-Staat, Frankfurt/Main, 2009, S. 393ff. Sein Einsatz in diesem noch neuen Aufgabengebiet wurde besonders vom Polizeipräsidenten Jovanović befürwortet. Deutscher Geschäftsträger in Jugoslawien war der Diplomat Viktor von Heeren. Zur gleichen Zeit befanden sich weitere militärische Attachés an der Gesandtschaft, so der Luftattaché Oberst Moritz von Faber du Faur und als Militärattaché Oberst Rudolf Toussaint. Als von Heeren zugleich als Dienstvorgesetzter während des Auslandseinsatzes von Helm. Mit ihm hatte er seine Berichterstattung, die der Abteilung Deutschland im Auswärtigen Amt, bis September 1939 dem Gestapo-Hauptamt und dann dem Amt IV im Reichssicherheitshauptamt zugeleitet wurde, abzustimmen. Während seiner Einsatzzeit hielt er engen Kontakt zum jugoslawischen Innenministerium, zur Führungsspitze der Polizeiorganisationen und den deutschfreundlichen Kräften der Belgrader Stadtverwaltung. Aus diesen Kreisen rekrutierten sich später große Teile seiner Informanten, deren Netz er bald über das ganze Land verteilt, aufgebaut hatte. Unter ihnen befand sich auch Nikolaj Gubarev, ein Beamter der Belgrader Geheimpolizei. Dabei ging es Helm insgesamt darum, für Deutschland wichtige politische und militärische Informationen zur sicheren Lagebeurteilung das Balkanraumes zu sammeln. Das schloss die Beobachtung und mögliche Infiltration der auf jugoslawischem Territorium agierenden Institutionen des britischen und französischen Geheimdienstes selbstverständlich mit ein. Als ein weiteres Segment seines Informationsbedarfs dürften vor allem Nachrichten aus Wirtschaftskreisen, hier schwerpunktmäßig aus den Bereichen Transportwesen, Rohstoff- und der Erdölindustrie, von hoher Bedeutsamkeit gewesen sein. Dabei hatte er die Order, keine Vereinbarungen mit prowesteuropäischen Unternehmen einzugehen. Im Jahr 1939 wurde Helm gleich zweimal befördert. Das erste Mal im Januar zum SS-Obersturmführer und dann am 1. September zum SS-Hauptsturmführer.

Unmittelbar nach der Bildung des Reichssicherheitshauptamtes im September 1939 wurde der bisher hauptsächlich von Hans Helm getragene Sektor der geheimdienstlichen Nachrichtenbeschaffung in Jugoslawien zusätzlich mit dem im Amt VI (Auslandsnachrichtendienst) etablierten SS-Sturmbannführer Karl Kraus (* 1908) verstärkt. Aber wegen des mit seiner Installation als Polizei-Verbindungsoffizier im diplomatischen Bereich betretenen Neulandes, standen Helm und andere bis 1939 ähnlich eingerichteten Stellen unter kritischer Beobachtung des Auswärtigen Amtes. Im Januar 1940 hatte deshalb Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop von mehreren diplomatischen Missionen eine Einschätzung über die Wirksamkeit und Zusammenarbeit der Diplomaten mit den eingesetzten Polizei-Verbindungsführern eingefordert. Entsprechende Rückantworten trafen dazu auch aus Belgrad ein. Darin hatte Geschäftsträger von Heeren eingeschätzt, dass Helm zwar innerhalb des diplomatischen Korps fest verankert sei, aber nicht einmal in den Listen für das jugoslawische Außenministerium aufgeführt war, also über keine Notifizierung verfügte. Außerdem verfolge dieser Polizist ausschließlich nur die Interessen seiner Dienstbehörde, des Reichssicherheitshauptamtes und im Speziellen des Sicherheitsdienstes der NSDAP. Das entsprach voll und ganz der in dieser Entwicklungsphase von Reinhard Heydrich verfolgten und mit dem Auswärtigen Amt ausgehandelten Positionierung der Verbindungsführer an den deutschen Gesandtschaften. Mitte 1940 war das von Helm geführte Büro in Belgrad bereits auf sechs Mitarbeiter angewachsen. Slavko Odic, Slavko Komarica, Die Gestapo in Jugoslawien. New York, New York: Oxford University Press. ISBN 978-0-19-822887-5, S. 77f.

Einsatzgruppe der Sicherheitspolizei und des SD Nach dem am 27. März 1941 in Jugoslawien vollzogenen Putsch durch serbisch-nationalistische Kreise, des damit erfolgten Sturzes der bestehenden Regierung und der Orientierung dieser neuen Kräfte auf ein Beistandsbündnis mit der Sowjetunion, löste erhebliche Irritationen in den Führungsspitzen Deutschlands aus. Fieberhaft wurde dazu übergegangen, die bisher nur gegen Griechenland geplante Invasion, nun auch auf Jugoslawien auszudehnen. Noch in der Nacht des 27. März gab Adolf Hitler Anweisungen für einen ursprünglich so nicht vorgesehenen Balkanfeldzug, bei dem Jugoslawien zu „zerschlagen“ ist. Dabei gehörte mit zur Vorbereitung des Einmarsches, dass Reinhard Heydrich wenige Tage nach Bekanntwerden der Lage den Befehl gab, in Jugoslawien sofort Listen aller am Putsch Beteiligter und der offensichtlichen Gegner des Deutschen Reichs zusammenzustellen. Daran waren sowohl Helm als auch das Amt VI des Reichssicherheitshauptamt (RSHA) aufs Intensivste beteiligt. Diese Aufstellungen umfassten 4.000 Personen, die zeitgleich mit der militärischen Aktion von einem besonderen Kommando in Gewahrsam genommen werden sollten. Stevan Pavlovitch, Hitler's New Disorder: The Second World War in Yugoslavia. New York, New York: Columbia University Press.2007, ISBN 978-1-85065-895-5, S. 10ff. Dazu wurde noch in aller Eile Ende März die Einsatzgruppe der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes (EG) für Jugoslawien zusammengestellt und auf ihren Einsatz vorbereitet. Beginnend mit einem groß angelegten dreitägigen Bombardement auf Belgrad, besetzten deutsche Truppen, gemeinsam mit Italien ab 6. April 1941 große Teile des jugoslawischen Staatsgebietes. Damit einher ging der Vormarsch der Einsatzgruppe, bestehend aus Gestapobeamten, Kriminalisten, Offizieren des Sicherheitsdienstes und Kräften der Ordnungspolizei. Sie stand unter der Führung von SS-Oberführer Wilhelm Fuchs Gleichwohl waren der Gruppe sowohl Helm als auch der SD-Offizier Karl Kraus und SS-Sturmbannführer Wilhelm Beisner, Leiter des Jugoslawien-Referates beim Amt VI des RSHA zugeordnet. Ab 8. April begannen sie mit den geplanten Verhaftungen auf der Grundlage der zusammengestellten Listen. Bei ihrem Vormarsch im Rücken der Wehrmacht nahmen sie Folterungen, standrechtliche Erschießungen, Hinrichtungen und Einweisung jüdischer Emigranten ins Konzentrationslager Šabac vor. Sebastian Weitkamp, SS-Diplomaten: die Polizeiattachés des Reichssicherheitshauptamtes, in: Die Polizei im NS-Staat, Beiträge eines internationalen Symposiums, Hochschule der Polizei 2009, S. 344 Bereits am 13. April hatte die Sondergruppe Zagreb erreicht. Dort teilte sie sich auf. Ein Teil der Gruppe, zu der Helm und Kraus gehörten, konzentrierte sich auf den serbischen Raum, der zweite Teil mit Beisner, verfolgte die Aufrichtung des Marionettenstaates in Kroatien und die dritte Gruppe wurde in Slowenien tätig. Insgesamt konnten Horn und Beisner die noch relativ offene Situation nutzen, um in diesen Gebieten für die zukünftigen politisch-strategischen Entwicklung arbeitsfähige nachrichtendienstliche Netze aufzubauen. Jugoslawien war damit in drei Regionen zerschlagen worden. Den serbischen Teil hielten deutsche Truppen besetzt, vom slowenischen Bereich waren mehrere Kreisgebiete dem Deutschen Reich angegliedert worden und in Kroatien hatte sich ein selbständiger neuer Staat etabliert, Nezavisna Država Hrvatska.

Polizeiattaché