Agnese Grieco (* 1960 in Mailand) ist eine italienische Schriftstellerin, Dramaturgin, Theaterregisseurin, Filmemacherin und literarische Übersetzerin. Sie lebt seit 1996 in Berlin und publiziert in italienischer, wie deutscher Sprache.

Leben und Wirken Agnese Grieco besuchte in Mailand das klassische Gymnasium Giovanni Berchet.

Nach der Matura entschied sie sich, ein Studium der Philosophie an der Universität Mailand aufzunehmen. Mit einem Auslandsstipendium des italienischen Staates wechselte sie zur Promotion an die Freie Universität Berlin. In dieser Zeit begann sie, literarische wie philosophische Texte vom Deutschen ins Italienische zu übersetzen, darunter Texte von Thomas Bernhard, Wolfgang Hilbig, Ernst Jünger, Botho Strauß, Birgit Vanderbeke und Anne Weber.

1995 beendete sie ihre Studien mit einer Dissertation zu Ludwig Wittgenstein und Sokrates. Forschungsanliegen der Arbeit war es, den ethischen Intellektualismus Wittgensteins auf die Relevanz der sokratischen These, Tugend sei Erkenntnis, zu überprüfen.Agnese Grieco 1995 (2010), S. 11 Die daraus resultierende Frage, ob das Erkennen des Guten zu gutem Handeln verpflichte, führt zu einer Positionierung von Philosophie und Ethik. Dass Philosophie keine Ethik im Sinne einer Lehre sein kann, aber als eine andauernde ethische Übung möglichen Sinn hat, ist eine der auf Wittgenstein gestützten Kernsentenzen ihres Nachwortes.Agnese Grieco 1995 (2010), S. 137–142

Vielseitige Tätigkeiten im Grenzbereich von Wissenschaft und Kunst, Philosophie und Literatur schlossen sich an: Agnese Grieco lehrte als Philosophiedozentin an der Universität Mailand, unterrichtete Dramaturgie an der Universität Ferrara, wie am Teatro Stabile di Torino. Sie schrieb, moderierte, führte Theaterregie und übersetzte weiterhin.

Mit Texten zu Phaidra, die sie Euripides, Seneca und Ovid entlieh und in spannungsvolle Beziehung zueinander setzte, debütierte sie 1998 in Deutschland als Dramaturgin und Regisseurin am Stuttgarter Theater Rampe. Weitere Inszenierungen eigener Texten und zeitgenössischer Autoren folgten in Mailand (Elfo Puccini), Rom (Teatro Vascello), Turin (Teatro Carignano und Museo Egizio) , Bielefeld und Berlin. Die Vergegenwärtigung antiker, mythischer Gestalten, die Untersuchung ihrer Rezeptionsgeschichten in westlichen Kulturen, wie die experimentelle Aneignung und Gegenüberstellung zu Denkern der Moderne, zu aktuellen Lebenshaltungen, öffentlichen Diskursen und Politiken bleibt prägend. Ihre intensive Beschäftigung mit der antiken Heroine Phädra, die in einem Dilemma zwischen Einsicht und Handeln gefangen ist, fasste sie später in dem 2022 erschienenen philosophischen Essay Phädras Ehre zusammen und ließ dabei auch eine persönliche Identifikation erkennen:„Ich habe mich in Phädra verliebt, als ich ein Mädchen war. Eine Gymnasiastin. In Phädra, nicht in Antigone oder Kassandra. Keine Weltverbesserin, keine Heroine, Phädra. Eine verliebte Frau. Eine dark lady, die dem Geliebten den Tod gibt. Eine Verliebte, Unheil bringende, intellektuelle Selbstmörderin und Mörderin.“Agnese Grieco 2022, S. 5 Die Publikation wurde mit einer ausführlichen Rezension in der F.A.Z (24. Februar 2023) durch Jürgen Kaube gewürdigt, der folgendes Résumé zog:„Für Agnese Grieco ist die Geschichte der Phädra eine über die Rolle des Eros in der griechischen Gesellschaft, ihres Begriffs des Hauses, das unter männlicher Vorherrschaft steht, und ihrer Begründungen für diese Überlegenheit der Männer. Athen hat seinen Namen nach einer Göttin, die aber nicht von einer Mutter geboren wurde. Die Zeugung selbst wurde nicht als etwas Gemeinschaftliches, Geteiltes verstanden, sondern als Gabe, die Frauen von Männern erhalten. Ein Blick in Platons schreckliche Vorstellungen von der Sexualordnung in der perfekten Polis und in die gynäkokratische Komödie des Aristophanes, Frauenvolksversammlung, in der radikale sexuelle Gerechtigkeit durchgesetzt werden soll, bilden das vorletzte Kapitel des Buches.“2006 nahm das Berliner Institute for Cultural Inquiry (ICI), Agnese Grieco als assoziiertes Mitglied auf.

2018 wurde sie mit Who I am zu den Internationalen Hofer Filmtagen eingeladen: Der 2017 in enger Zusammenarbeit mit Lucia Chiarla produzierte Dokumentarfilm, begleitet über sechs Monate eine Gruppe minderjähriger Migranten, die sich in Berlin in einem neuen Alltag einrichten. In einer Art Bühnenraum führt Agnese Grieco mit den Protagonisten Gespräche zu Themen wie Identität, Krieg, Religion, Verlust, Gewalt, Kapitalismus und vieles mehr.

Im September 2025 hatte ihr Stück „Phädras Ehre – nach Euripides, Seneca und Ovid Sophie Rois und Campbell Caspary sprechen alte Texte“ im Kleist Forum Premiere.

Preise, Stipendien und Auszeichnungen 2018: Literaturpreis Premio Procida Mare Isola di Arturo Elsa Morante für Atlante delle Sirene. 2021: Sonderstipendium INITIAL der Akademie der Künste Berlin in der Sparte Literatur 2021: Nominierung bei dem Deutsch-Italienischer Übersetzerpreis Premio Strega Europeo für die Übertragung von Anne Webers 2020 erschienenen Roman Annette, ein Heldinnenepos ins Italienische: Annette, un poema eroico. 2022 Deutsch-Italienischer Übersetzerpreis Mazzucchetti-Gschwend ebenfalls für : Annette, un poema eroico. 2022/2023: Kurzzeitstipendium an der Villa Massimo

Publikationen

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Übersetzungen

Im Jahr 2001 hat Agnese Grieco aus der neapolitanischen Sprache ins Deutsche das Drama Die Zehn Gebote von Raffaele Viviani übersetzt (Kiepenheuer Theaterverlag Berlin). Uraufführung Volksbühne Berlin, 2001.

Weblinks Website Agnese Grieco Agnese Grieco auf der Website der Villa Massimo Agnese Grieco auf der Website des Premio Strega Agnese Grieco auf der Website der deutschen digitalen Bibliothek Agnese Grieco auf der Website von ICI-Berlin Agnese Grieco zu Atlante delle Sirene youtube Agnese Grieco als Moderatorin der Buchvorstellung: Dacia Maraini: Trio auf dem internationalen Literaturfestival Berlin 2022, youtube Agnese Grieco, Pier Pasolini, Eine verzweifelte Vitalität. Deutschlandfunk vom 3. März 2012 s. a. Fachblog-Archiv ULB Münster

Einzelnachweise

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