Cartes de Suisses ist ein Name, der manchmals an einem standarden Tarock des 18. Jahrhunderts gegeben wird, das zuerst in Rouen, später auch in der österreichische Niederlande sowie im Hochstift Lüttich hergestellt wurde.Thierry Depaulis: “Cartiers liégeois” (Liège Kartenhersteller) in The Playing-Card, Bd. 52, Nr. 5, Juli-Sept. 2024, S. 11–31. Infolgedessen werden es auch als Flämisches Tarock oder Belgisches Tarock genannt.Vandenborre Tarot auf wopc.co.uk. Abgerufen am 12. November 2023. Es werden besser als das „Rouen/Brüsseler Muster“ bezeichnet.Depaulis (1984), S. 57. Es gibt keine Beweise dafür, dass diese Art von Tarockkarten jemals in Schweiz hergestellt wurde.

Geschichte mini|Tarot de Marseille Hintergrund

Tarockkarten tauchten im frühen 15. Jahrhundert im Norditalien auf, wobei die ersten dokumentierten Tarockkarten in Mailand, Ferrara, Florenz und Bologna nachgewiesen wurden.Franco Pratesi: Studies on Giusto Giusti. Abgerufen am 4. Februar 2018. Die frühesten erhaltenen Beispiele sind die Visconti-Sforza-Trionfikarten, die Mitte des 15. Jahrhunderts für die Herzöge von Mailand hergestellt wurden.Depaulis, Decker & Dummett, 1996. S. 25. Da die frühesten Tarockkarten mit der Hand bemalt wurden, wurden sie wahrscheinlich nur in kleinen Auflagen produziert. Das Aufkommen der Druckmaschine ermöglichte jedoch die Massenproduktion von Karten und ihre Ausbreitung in anderen Ländern. Die Verbreitung des Tarocks außerhalb Italiens, zuerst nach Frankreich und der Schweiz, ereignete sich während der italienischen Kriege. Am häufigsten verbreitet war in beiden Ländern war das aus Mailand stammende Tarot de Marseille.Dummett (1980).

Entstehung und Verbreitung der „Cartes de Suisses“ Obwohl es heißt, dass „im späten 16. Jahrhundert eine hohe französische Steuer auf die Spielkartenherstellung viele Kartenmacher zur Auswanderung in die Schweiz zwang, wo sie ein neues Tarotkartendesign entwickelten, das als „Cartes de Suisses“ bekannt wurde“,Kaplan (1978), S. 192 gibt es keinerlei Beweise für eine solche Auswanderung. In der Schweiz war die Spielkartenherstellung im Niedergang begriffen und kam im frühen 17. Jahrhundert vollständig zum Erliegen. Die Schweizer mussten daher ihre Spielkarten aus Épinal (damals im Herzogtum Lothringen) und Lyon importieren.„Schweizer Spielkarten“, Zürich, 1978 (Ausstellungskatalog). Der Entwurf der sogenannten „Cartes de Suisses“ kann nicht in der Schweiz entstanden sein. Im Gegenteil, scheine diese Spielkarten ein stark italienisches Grundmuster mit deutlichen normannischen Details verstärkt zu haben. Von Rouen aus wurden sie in die Niederlande und nach Lüttich exportiert. Dieses Muster wurde von Kartenmachern in den österreichischen Niederlanden übernommen, möglicherweise aufgrund der Verbreitung eines Schweizer Tarockspiels wie Troggu im 18. Jahrhundert in diesen Weltteilen. Viele Schweizer Söldner waren in den österreichischen Niederlanden stationiert. Dieses Muster wurde dort im 18. Jahrhundert zum Standardmuster; der Name „Cartes de Suisses“ blieb erhalten.Dummett & McLeod (2004). S. 403–413.

1849 wurde beispielsweise ein Spiel „Schweizer Tarots, Cartes de Suisses“ in einem Katalog zum Verkauf angeboten. Die Beschreibung besagt, dass es in Brüssel vom Kartenmacher F. J. Vandenborre hergestellt wurde und 78 Karten umfasst. „Die Mantelkarten sind äußerst merkwürdig und stellen Bacchus, Liebe, Tod, Teufel, Blitz, Sonne, Mond, Sterne, Jüngstes Gericht, Narr usw.“ dar.Smith (1849), S. 57.

Der Name „Flämisches Tarot“ wurde gegeben, weil man annahm, dass die Karten im flämischsprachigen Teil der Österreichischen Niederlande hergestellt wurden. Dies ist jedoch ein Irrtum: die Orte, an denen sie hergestellt wurden – Brüssel, Bouvignes, Lüttich, Dinant – lagen alle außerhalb von Flandern.

Spielkarten Das Muster der Cartes de Suisses unterscheidet sich vom Tarot de Marseille. Seine wichtigsten Unterscheidungsmerkmale sind: Tarot II: Die Päpstin wird durch „L'Espagnol. Capitano Eracasse“, einen großspurigen spanischen Kapitän, ersetzt. Tarot V: Der Papst wird durch Bacchus (geschrieben „Bacus“), den Weingott, ersetzt. Tarot XII: Die Inschrift für den Gehängten („Le Pendue“) wird als „Lepen-du“ geschrieben. Tarot XVI: Das Haus Gottes („Maison Dieu“) wird durch den Blitz („La Foudre“) ersetzt. Tarot XXII: Der Narr ist ungewöhnlicherweise nummeriert, vielleicht weil er kürzlich zur obersten Karte erhoben wurde (siehe Troggu).

Die Motive vieler Tarots unterscheiden sich ebenfalls. Beispielsweise zeigt „Der Stern“ einen sitzenden Astronomen statt einer knienden Frau. Sie stammen eindeutig aus einer anderen italienischen Tradition.

Die Bilden unten zeigen die 22 Tarocke (Trümpfe) der Cartes de Suisses:

Literatur Thierry Depaulis: Tarot: Jeu et Magie. Paris: Bibliothèque Nationale, 1984. Ronald Decker, Thierry Depaulis und Sir Michael Dummett: A Wicked Pack Of Cards, 1996. ISBN 978-0-312-16294-8 Sir Michael Dummett (1980). The Game of Tarot: From Ferrara to Salt Lake City ISBN 978-0-7156-1014-5 Sir Michael Dummett und John McLeod: A History of Games Played with the Tarot Pack. Lewiston: Edwin Mellen Press, 2004. Stuart R. Kaplan: Encyclopedia of Tarot, Vol. 2. Stamford, CT: US Games Systems, 1978. ISBN 0-913866-36-9

Einzelnachweise

Kategorie:Tarockkarte Kategorie:Kultur (Belgien)