Lindenfels ist eine Stadt im Odenwald im südhessischen Landkreis Bergstraße.

Geografie Lage und Geologie mini|links|Blick aus nördlicher Richtung auf Burg, katholische und evangelische Kirche Der heilklimatische Kurort Lindenfels ist im Süden Hessens unter vielen Dörfern das einzige Städtchen im Vorderen Odenwald. Die Altstadt liegt in 350 Metern Höhe auf der Sattelfläche zwischen dem bewaldeten Schenkenberg (479,6 m ü. NN) im Nordosten und einem Bergsporn mit der Burg Lindenfels (410,4 m ü. NN) im Südwesten. Die Kernstadt Lindenfels ist rundum in eine waldreiche Berglandschaft eingebettet, ihre höchste Erhebung ist das Buch () im Norden. Bei Seidenbuch im Südwesten des Stadtgebiets ragt der 576 Meter hohe Krehberg als markanter Odenwaldgipfel auf und im Norden liegt an der Stadtgrenze oberhalb des Stadtteils Winterkasten die Neunkircher Höhe, mit 605 Meter der höchste Gipfel im Vorderen Odenwald. Mit Ausnahme von Winterkasten, das an einem der beiden Quellbäche der Gersprenz liegt, die dem Main zufließt, entwässern alle anderen Stadtteile über das Talsystem der Weschnitz nach Süden in den Rhein. mini|Burg Lindenfels aus Nordwesten, ca. 300 m nordwestlich Breitenwiesen Geologisch liegt Lindenfels im Kristallinen Odenwald, in dem überwiegend aus Magma auskristallisierte Tiefengesteine den Untergrund bilden. Auf der Gemarkung von Lindenfels stehen dabei unterschiedliche kristalline Gesteine an: Altstadt, Burgberg und Schenkenberg liegen auf Älterem Biotitgranit, das Massiv des Buchs auf einer Einheit aus Diorit und Gabbro; dazwischen liegt eine schmale, aber langgestreckte (bis nach Heppenheim reichende) Zone aus kontaktmetamorphen Quarzbiotitschiefern, d. h. einer Gesteinsformation, die im Zuge der Variskischen Gebirgsbildung metamorphisiert wurdeAdalbert Schraft: Geologischer Rundgang Lindenfels, Lk. Bergstraße. In: Adalbert Schraft: GeoTouren in Hessen. Geologische Streifzüge durch die schönsten Regionen Hessens. Band 1: Odenwald, Oberrheingraben und Taunus. Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, 2017, ISBN 978-3-89026-379-3, S. 46–52. Das Geotop des Jahres 2019 des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald an der Lindenfelser Bismarckwarte besteht deshalb auch aus drei Einzelgeotopen: der Gabbrohalde am Buch, dem Glimmerschieferaufschluss an der Bismarckwarte und einem Aufschluss des Schenkenberg-Granits.

Klima Durch die nahe Lage zur Bergstraße herrscht in Lindenfels ein mildes Klima, das häufig in einer für Deutschland frühen Mandelbaumblüte sichtbar wird.

Klimadiagramm Lindenfels

Kommunale Nachbarschaft Lindenfels liegt im nordöstlichen Landkreis Bergstraße und teilt seine Stadtgrenze mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und dem Odenwaldkreis. Lindenfels hat sechs kommunale Grenz-Nachbarn. Die Lage von Lindenfels prägt die Mitte des geografischen Polygons Darmstadt, Groß-Umstadt, Michelstadt/Erbach, Weinheim, Heppenheim und Bensheim im kristallinen Odenwald. Im Nordwesten schließt die Gemeinde Lautertal (Gadernheim) an, im Süden die Gemeinde Fürth (beide Landkreis Bergstraße). Im Norden sind die Gemeinden Modautal (Brandau) und Fischbachtal (Lützelbach) (beide Landkreis Darmstadt-Dieburg) die Nachbarn. Im Nordosten grenzt das Gemeindegebiet an Fränkisch-Crumbach und im Osten ist Reichelsheim (beide Odenwaldkreis) der Nachbar.

Stadtgliederung Zu Lindenfels gehören die Stadtteile Eulsbach, Glattbach, Kolmbach, Schlierbach, Seidenbuch, Winkel und Winterkasten. In der Gemarkung Lindenfels gelegen und damit Teile der Kernstadt sind im Norden die Siedlung Litzelröder und im Süden ein Teil des Weilers Faustenbach, dessen übriger Teil zur Gemarkung Ellenbach der Gemeinde Fürth zählt. Die beiden Anwesen auf dem Lindenfelser Anteil befinden sich bereits seit historischer Zeit im Besitz der Burg bzw. Stadt Lindenfels.

Geschichte Anfänge bis 18. Jahrhundert Im Jahr 1123 wurde Lindenfels in der Chronik des Klosters Lorsch erstmals urkundlich erwähnt. Die Burg von Lindenfels findet sich bereits als „Schlierburg“ bzw. „Slirburc“ (ein alter Name des heutigen Schlierbach) zwischen 1077 und 1088 in dieser Chronik. 1123 wurde die Burg das erste Mal als Burg Lindenfels bezeichnet. Graf Berthold der Jüngere nannte sich „Graf von Lindenfels“. Etwa in die gleiche Zeit ist die Erbauung der namentlich unbekannten Burg Altes Köpfchen zu sehen, unterhalb des Schenkenberges an dessen südlichem Ausläufer. Ob sie als Wegstelle und östliche Sicherungsburg oder kleine Gegenburg zur Burg Lindenfels gedacht war, ist bis heute ungeklärt. Im 12. und 13. Jahrhundert wechselten die Besitzer der gegenüberstehenden und erheblich größeren Burg Lindenfels mehrfach, darunter waren die Staufer und die Welfen. 1277 kaufte Pfalzgraf Ludwig II. die Burg und den zugehörigen Ort. Seitdem gehörten Burg und Ort nahezu 600 Jahre lang zur Kurpfalz und waren Sitz eines Oberamtes.

1336 verlieh Kaiser Ludwig IV. auf dem Reichstag in Frankfurt Lindenfels die Stadt- und Marktrechte. Dadurch erwuchsen Lindenfels Freiheiten und Vergünstigungen wie die Befreiung der Bürger von Frondiensten und später von Bede und Schatzungen. Angelockt durch diese Vergünstigungen ließen sich viele Handwerker in der Stadt nieder.

Die Burg Lindenfels überstand den Dreißigjährigen Krieg weitgehend unbeschadet, verlor aber schon mit dem ausgehenden 16. Jahrhundert stark an Bedeutung. 1728 zwangen leere Kassen die Pfälzer Verwaltung, den Bergfried abzureißen und das Material zu verkaufen. 1779 wurden weitere Teile der Burg abgerissen.

In den Anfängen der Reformation sympathisierten die pfälzischen Herrscher offen mit der Lehre Luthers, wenig später wendeten sie sich selbst dem reformierten Bekenntnis zu, ohne jedoch die Kurpfalz den Glauben annehmen zu lassen. Unter Ottheinrich, Kurfürst von 1556 bis 1559, erfolgte der offizielle Übergang zur lutherischen Lehre, 1564 wurde unter Friedrich III., Kurfürst von 1559 bis 1576, der Heidelberger Katechismus eingeführt und die reformierte Pfarrstelle dauerhaft eingerichtet. In der Heidelberger Heiliggeistkirche war am 3. Januar 1544 der erste protestantische Gottesdienst abgehalten worden. 1563 zerstörte ein großer Brand etliche Häuser in Lindenfels; ein Teil des Baumaterials für den Wiederaufbau wurde von der verfallenden Kapelle in Lichtenklingen herangeschafft.

Wie sehr Lindenfels unter dem Dreißigjährigen Krieg zu leiden hatte, zeigt eine Meldung der Bürgerschaft an den Kurfürsten kurz nach dem Friedensschluss von 1648, dass vor dem Krieg 50 bis 60 Bürger in Lindenfels gelebt hätten, es jetzt aber nurmehr 10 seien. Noch 1732 hatte der Ort nur 82 Einwohner. Auch von den nachfolgenden Konflikten war Lindenfels betroffen mit hohen Schäden an Gut und Vieh sowie erpressten Geldzahlungen.

19. Jahrhundert bis heute mini|Eine Motoromnibus 1911 auf der Strecke Lindenfels–Bensheim. Während der kurpfälzischen Zeit wurde die Stadt Lindenfels zunächst zum Sitz des Amt Lindenfels und später zum Oberamt Lindenfels berufen. Jahrhunderte später ordnete man als Folge der Napoleonischen Kriege das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) neu, indem man den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 umsetzte, der die Bestimmungen des Frieden zu Lunéville festhielt. Die Kurpfalz wurde damit aufgelöst und die bisherige Oberamtsstadt Lindenfels kam zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Diese hat die Bergstadt dem Fürstentum Starkenburg zugeordnet und zur hessischen Amtsvogtei erklärt. Am 14. August 1806 erhob Napoleon die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt dann zum Großherzogtum.

Im Rahmen einer umfassenden Gebiets-, Justiz- und Verwaltungsreform löste man 1821 die Ämter im Großherzogtum auf und führte Landratsbezirke ein, wobei Lindenfels Sitz des „Landratsbezirks Lindenfels“ wurde. Elf Jahre später hat man Lindenfels dem neugegründeten Kreis Heppenheim (1832–1848) zugeordnet. Weitere Gebiets- und Verwaltungsreformen führten die Bergstadt zum Regierungsbezirk Heppenheim (1848–1852), erklärten es zum Sitz des Kreis Lindenfels (1852–1874), schlugen es 22 Jahre später dem Kreis Bensheim (1874–1938) zu, der 1938 im Kreis Bergstraße aufging und seit 1939 „Landkreis Bergstraße“ heißt.

Sehr vorteilhaft für die Entwicklung von Lindenfels, seine Hartsteinindustrie und seine Anziehungskraft als Reisedestination war die ab 1839 erbaute Staatsstraße von Worms über Bensheim durch das Lautertal nach Lindenfels und über das Gumpener Kreuz weiter bis Michelstadt. Später erhielt diese günstige Reiseroute den auf die Nibelungensage hinweisenden Namen Nibelungenstraße. Die Straße war ein entscheidender Beitrag zur attraktiven Erschließung des Vorderen Odenwaldes. Eine weitere Verbesserung der Anbindung an den Rhein-Main- und Rhein-Neckar-Raum wurde durch die Eröffnung der Main-Neckar-Bahn 1846 erreicht, die Bensheim zunächst mit Langen, Darmstadt und Heppenheim verband und wenig später bis Frankfurt und Mannheim reichte. Eine Zählung vom 3. Dezember 1858 ergab für Lindenfels 111 Häuser und 826 Einwohner, davon waren 546 Protestanten und 280 Katholiken.

Ab dem 16. September 1861 verkehrte mit dem Namen „Postexpedition mit einer Carrioalpostverbindung zwischen Fürth und Lindenfels“ die erste Postkutsche nach Lindenfels. Sie beförderte sowohl Reisende als auch Gepäck. Die großherzogliche Generalpostdirektion verfügte aber die Einstellung dieser Verbindung zum 24. März 1863. Gleichzeitig wurde die Aufnahme des Postkutschenverkehrs zwischen Lindenfels und Bensheim zum 1. April 1863 angeordnet. Anfangs gab es täglich nur eine Verbindung, morgens ab Lindenfels und abends ab Bensheim. Die Postkutschen verkehrten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Am 6. Januar 1906 nahm die erste „Motor-Omnibusgesellschaft“ auf der Strecke Lindenfels – Reichenbach – Bensheim mit täglich drei Verbindungen und einer Fahrzeit von einer Stunde ihren Betrieb auf.Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007: „In einer Stunde durch das Tal“, S. 76

1862 gab es erste Pläne für eine Bahnstrecke von Bensheim nach Lindenfels. Besonders der Landtagsabgeordnete und Papierfabrikant Wilhelm Euler und der Zigarettenfabrikant Louis Auler, beide aus Bensheim, machten sich dafür stark. Unterstützt wurde das Projekt auch von Bürgermeistern der Region und Vertretern der Steinindustrie, den Pappenfabriken in Wilmshausen und Elmshausen sowie dem Ultramarinfarbwerk in Lautern. Nach konkreten Trassenplanungen von Bensheim durch das Lautertal über den Panorama-Scheitelpunkt an der 'Schönen Aussicht' bis in die Kur- und Bergstadt Lindenfels, erfolgten 1897 Vermessungsarbeiten, die die Volkskammer genehmigt hatte. Uneinigkeit über einige Streckendetails verzögerten aber das Projekt und der Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte den Bemühungen ein vorläufiges Ende. Eine erneute Initiative im Jahre 1925 scheiterte an der fortschreitenden Entwicklung des Kraftfahrzeugverkehrs, die den Streckenbau überflüssig machte.Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007: „Bahnlinie auf totem Gleis“, S. 77

Die ersten Gäste, die Lindenfels als Destination zur Erholung und Zerstreuung entdeckten, lassen sich bis in die 1830er Jahre zurückverfolgen. Besonders förderlich war dafür die Fertigstellung der Nibelungenstraße. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Herbergen und Gasthöfe, später namhafte Hotels wie das 'Odenwald-Hotel', das 'Hotel Bitzebuckel', das Hotel 'Hessisches Haus' sowie die Bellevue-Hotels 'Auguste Viktoria' und 'Darmstädter Hof'. Zunächst reisten die Gäste mit ihrer Dienerschaft an und kamen meist aus den Städten Frankfurt, Heidelberg, Darmstadt und Koblenz.