mini|Anthea Hamilton (2018) Anthea Hamilton (* 1978 in London) ist eine britische Künstlerin, die für ihre Skulpturen, Installationen und Performances bekannt ist.

Leben Anthea Hamilton wurde als Tochter eines aus Jamaika eingewanderten Paares in London geboren und besuchte dort eine katholische Schule.

Hamilton wurde 1997 an der Wimbledon School of Art ausgebildet und studierte anschließend an der Leeds Beckett University, wo sie im Jahre 2000 ihren Bachelor-Abschluss erhielt. 2005 folgte der Master am Royal College of Art in London.

Sie lehrt in Genf und bietet Workshops für Alumni am Royal College of Art an. Zuvor hatte sie eine Stelle am Arts Council und besaß für ein Jahr eine Galerie im Osten Londons.

Hamilton lebt und arbeitet in London.

Werk Hamiltons Werke weisen Bezüge zur Pop Art auf und verbinden Elemente aus Kunst, Mode, Design und Film. Ihre Kunst ist Ergebnis einer intensiven Recherche und dient der Analyse zur Reflexion gesellschaftlicher Zusammenhänge. Hamilton selbst verweist auf den französischen Schriftsteller und Dramatiker Antonin Artaud als zentrale Inspirationsquelle, insbesondere dessen Konzept des „körperlichen Wissens von Bildern“. Ihre Werke zielen darauf ab, eine unmittelbare körperliche Reaktion bei den Betrachtenden hervorzurufen. Dies erreicht Hamilton durch den Einsatz ungewöhnlicher Materialien, überdimensionierter Formen und eines subtilen Humors.

Hamilton beschreibt Humor in ihrer Kunst nicht als Mittel zur Belustigung, sondern als ein Werkzeug zur gedanklichen Verarbeitung. Sie interessiert sich für die mechanische Funktionsweise von Humor innerhalb einer Idee, insbesondere im Kontext der Präsentation ihrer Recherchen. Der Einsatz von Humor ermögliche eine größere Offenheit und verhindere, dass ihre Arbeiten belehrend wirken.

Anthea Hamilton versteht sich weniger als Bildhauerin denn als Ausstellungsmacherin. Ihre Arbeiten entstehen stets mit Blick auf ihre spätere Inszenierung und Wirkung im Raum. Die Präsentation erfolgt dabei konsequent zu ihren eigenen Bedingungen – ein Selbstverständnis, das sie in einem Gespräch mit der Künstlerin Sylvie Fleury formulierte.

Aquarius (2010) In dieser Installation verwendete Hamilton ein über sieben Meter hohes, auf ein Baugerüst gedrucktes Bild eines männlichen Modells, das auf dem Dach eines Parkhauses präsentiert wurde. Die sichtbare Gitterstruktur des Gerüsts verlieh der Pose des Modells eine klassische Ästhetik, die Assoziationen mit Leonardo da Vincis Vitruvianischem Menschen weckt. Durch einen gezielt geschaffenen Durchgang zwischen den Beinen der Figur wurde diese Referenz humorvoll gebrochen und ins Absurde überführt. Hamilton Arbeit bietet Raum für vielfältige Interpretationen. Das Motiv wirke zugleich „komisch und sexuell“.

Project for a Door (After Gaetano Pesce) (2016) Die Skulptur war Teil von Hamiltons Installation für den Turner Prize 2016 in der Tate Britain. Das Werk basiert auf einem nie realisierten Entwurf des italienischen Designers Gaetano Pesce aus den 1970er-Jahren für den Eingang eines Apartmentgebäudes in New York: ein überdimensioniertes männliches Hinterteil, das aus einer Wand ragt, mit Händen, die die Pobacken spreizen. Hamilton übernahm diesen Entwurf und verwandelte ihn in eine großformatige Skulptur, die provokativ mit Themen wie Körperlichkeit, Architektur, Humor und Begehbarkeit spielt.

Das Werk entstand aus einer umfassenden Recherche, die Verbindungen zwischen venezianischer Gotik, dem Hyperrealismus in der Malerei und der Disco-Kultur herstellte.

Anthea Hamilton Reimagines Kettle’s Yard (2016) Im Rahmen der Ausstellung Anthea Hamilton Reimagines Kettle’s Yard interpretierte Hamilton die Sammlung von Jim Ede neu, indem sie Werke aus Kettle’s Yard mit eigenen Arbeiten sowie mit Objekten von eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern kombinierte. In Anlehnung an die häusliche Atmosphäre des Originals integrierte sie Möbel, Textilien und Alltagsgegenstände in die Präsentation und schuf so eine ortsspezifische Installation, die Malerei, Skulptur und Design in einer raumbezogenen Inszenierung verbindet. Hamiltons Interesse an Form, Körper und Alltagsästhetik zeigt sich etwa in der Verwendung handgewebter Matten oder in figurativen Referenzen wie Kimonos oder Brotlaiben. Ihre Neuordnung von Edes Objekten würdigt dessen Sammlung nicht durch Konservierung, sondern durch kreative Transformation. Dadurch betont sie die Offenheit und Wandelbarkeit kuratorischer Räume.

The Squash (2018) Mit dieser Inszenierung realisierte Hamilton eine ortsspezifische Installation für die Duveen Galleries in der Tate Britain. Die Arbeit vereint Skulptur, Performance und Rauminstallation und bestand aus einem weißen, gekachelten Ausstellungsraum, der an ein Schwimmbecken oder eine Klinik erinnerte. Täglich bewegte sich eine verkleidete Person in einem vom Modehaus Loewe entworfenen, hochstilisierten Kostüm mit einem überdimensionalen Kürbiskopf („gourd head“) durch den Raum. Diese Figur verkörperte eine stille, rätselhafte Präsenz zwischen Objekt und Subjekt und verlieh der Installation eine lebendige Dimension. Die Inszenierung thematisierte Fragen nach Identität, Körperlichkeit und Ritual sowie die Rolle der Betrachtung im musealen Kontext.

Weitere Werke (Auswahl)

1999: Over the Rainbow, Video 2006: Figaro, Skulptur 2006: Man, Skulptur 2006: Untitled (Dance), Skulptur 2006: Untitled (Odile), Skulptur 2006: Olympian 2007: The Piano Lesson 2007: Das Buschwoman, Saatchi Gallery 2008: The Waitress, Holz, Brot, Klammer, Aprikose, Farbe 2010: Brick Suit 2010: Leg Chair (John Travolta), Postkarten, Plexiglas, Gips und Messing 2011: Leg Chair (Jane Birkin), Arts Council Collection 2011: Divers, Siebdruck, Arts Council Collection 2012: faber and faber kimono, Digitaldruck auf Baumwoll-Canvas, Baumwolle, gebürsteter Stahl, Schnur und Holz 2012: John Travolta, Bust-like 2012: Kabuki Chef 2012: Karl Lagerfeld Bean Counter, Tate Britain 2012: Leg Chair (SUSHI NORI), Acryl, Messing, Gips, Wachs, Nori-Algenblätter, Reiskuchen, The Hepworth Wakefield 2012: Venice Kimono, Stoff 2012: Portrait of John (rubbernecking), maßgefertigte Tapete für einen geschwungenen Raum mit Fenstern 2012: Travolta Kimono, Digitaldruck auf Seiden-Viskose-Satin, Baumwolle, Baumwollseil, gebürsteter Stahl, Schnur und Holz 2012: Wild Food Kimono, Digitaldruck auf Shantung Dupion-Seide, Seiden-Viskose, Leder, gebürsteter Stahl und Schnur 2013: Wrestler Kimono, PVC-Kunstleder, Seidensatin-Acetat, Baumwolle und Stahl auf Holzsockel 2014: Leg Chair (Cigarettes), Acryl, Messing, Gips und Wachs, Tate Britain 2014: Vulcano Table, handgeblasenes Glas, rote Pigmentfarbe, pulverbeschichtetes Metall 2015: British grasses kimono, digital bedruckte Seide, Baumwolle, Korbgeflecht, Baumwollseil und Edelstahlrahmen 2015: Ant Farms, Acrylglas, Digitaldruck auf PVC-Tapete, lebende Ameisen, PVC-Schläuche, MDF-Platte 2015: Cigarette Kimono, digital bedruckte Seide, Seide, digital bedrucktes Lycra, Baumwolle und Frottee 2015: Project For A Door (Sculpturecenter), Polystyrol, Ölfarbe, Epoxidharz, Jesmonite 2016: Guimard Chastity Belt 2016: karasutra (after mario bellini) 2016: Wavy Thigh High Giallo Boot 2018: Gourd-headed Dancer, Performance 2018: h is for hairy leg, Acryl, Metallklammern, Sprühfarbe, Gummi, Perlen und Kunststoff 2018: t is for tax return, Holzregal, Ordner, Alabaster, Perlen, Kunststoff, Reisnudeln und Holz 2018: friends (k is for kegels), Holz, Vinyl, Reißverschlüsse, Plastikspielzeug, Stofftier und Holzsockel 2018: 4-colour wavy boot, bemaltes Holz, Spitze, Metall und Holzsockel 2018: Wavy Carbon Trap Shino Boot, glasierter Ton 2018: Wavy Concrete Boot 2018: Wavy window boot, Acryl, Schlösser und Holzsockel 2019: Mama Moth Sofa, Stoff, Polyurethanschaum und Holz 2019: Two Chefs, Serie von Schaufensterfiguren, diverse Küchengegenstände, Kleidung, rote Paprika, Zuckermais, Flechten

2020: Cabbage five four ways 2021: Extensions, Installation für das Treppenhaus im Institute of Contemporary Art Miami, Miami 2021: The Garden, permanenter Garten für das Studio Voltaire, London 2022: Cold, Cold Heart Incense (in Zusammenarbeit mit dem Parfumhersteller Ezra-Lloyd Jackson) 2022: Giant Pumpkin No. 3 2022: Metal Waves Kimono, Kaliko, gebürsteter Edelstahl, Stahlstifte 2022: Night Flowers 8, Digitaler Druck auf Linoleum 2022: Primetime, speziell für die Architektur und den Standort der Hayward Gallery in London konzipierter Film 2022: Slanted Way Boot (Double Angulation), Marmor 2022: Sleeping Kimono, digital bedruckte Seide, Baumwolle, Seide, synthetisches Material, Gummi, Beton, 12 Basaltplatten 2022: Untitled (Slanted Tartan Suit), gewebter Anzug 2025: Calzedonia (Hot Legs), Installation, digital bedruckter Bull Denim, digital bedruckter Plüschsamt, Digitaldruck auf Vinyl, Textilien, Holz, Pastellfarben, Sprühfarbe, Plexiglas, Metallblumen 2025: Leg Chair (Rankaku) 2025: Shibari Desk (in Zusammenarbeit mit dem Holzkunsthandwerker Pietroarco Franchetti) 2025: Transposed Lime Waves

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2007: Anthea Hamilton und Thomas Kratz, Mary Mary, Glasgow 2008: Art Now: Strange Solution, Tate Britain, London 2008: Martian Museum of Terrestrial Art, Barbican Center, London 2009: Small Collections, Nottingham Contemporary, Nottingham 2009: Vérité Tropicale, Circuit, Lausanne 2010: Aquarius, Bold Tendencies 4, London 2010: Newspeak: British Art Now, Saatchi Gallery, London 2011: British Art Now, Art Gallery of South Australia, Adelaide 2011: One Person’s Materialism is Another Person’s Romanticism, ReMap3, Athen 2011: Savage Messiah, Rob Tufnell Gallery, London 2011: There Are Two Sides to Every Coin, and Two Sides to Your Face, Galerie Xippas, Paris 2012: Glaze, Chez Valentin, Paris 2012: In the Belly of the Whale (Act III), Centro Culturel Montehermoso, Vitoria-Gasteiz 2012: Kabuki - Performance Year Zero, Tate Gallery of Modern Art, London 2012: LUX Biennial of Moving Images, Institute of Contemporary Arts, London 2012: One Person’s Materialism is Another Person’s Romanticism II, Glasgow International, Glasgow 2012: Phases, Wallspace Gallery, New York 2012: Space-Time Festival, Wysing Arts Centre, Cambridge 2012: Tramway Festival of Artist’s Moving Image, Tramway, Glasgow 2013: Abstract Cabinet, Roberts Institute of Arts, London 2013: Antibody, Lisa Cooley, New York 2013: Better Homes, SculptureCenter, Long Island 2013: Flatness: Cinema after the Internet, Oberhausen 2013: ICA Off-Site: A Journey Through London’s Subculture; 1980’s to now, The Old Selfridges Hotel, London 2013: Island, Frank Cohen Collection, London 2013: Notes on Neo Camp, Studio Voltaire, London 2013: Souvenir, Galerie Perrotin, Paris 2014: Assembly: A Survey of Recent Artists’ Film and Video in Britain 2008-2013, Tate Britain, London 2014: Athletic Valentin, Chez Valentin, Paris 2014: Burning Down the House, Gwangju Biennale, Gwangju 2014: Don’t You Know Who I Am? Art After Identity Politics, Museum van Hedendaagse Kunst Antwerpen, Antwerpen 2014: Period Room, Palais de Tokyo, Paris 2014: Pre-Pop to Post-Human: Collage in the Digital Age, Galway International Arts Festival, Galway 2014: That Obscure Object of Desire, Luxembourg + Co, New York 2015: The Averty Show, Le Confort Moderne, Poitiers

2015: Mon Horizontalité, Until Then, Paris 2015: Terrapolis, NEON und Whitechapel Art Gallery, Athen 2015–16: Chance Encounters, Fundación Loewe, Art Basel, Miami 2015–16: Chance Encounters, Loewe Foundation, Miami 2015–16: La Vie Moderne, 13. Biennale d’art contemporain de Lyon, Lyon35 2015–2017: British Art Show 8, Hayward Gallery, London34 2016: History of Nothing, White Cube, London 2016: 8 Femmes, Office Baroque, Brüssel 2017: Corn Smut, White Cube, London 2017: Disobedient Bodies, The Hepworth Wakefield, Wakefield 2017: Domesticity VI, Kayu-Lucie Fontaine, Bali 2017: Footnotes, Whitechapel Art Gallery, London