mini|Speyrer Dom mit Bäumen des Domgartens von Nordosten mini|Blick vom Domturm auf einen Teil des Domgartens Der Domgarten (pfälzisch: Dummgaade) von Speyer ist eine denkmalgeschützte Parkanlage im Norden, Osten und Süden des Speyerer Doms.
Geschichte In der Salier-Zeit floss der Rhein nahe am Dom vorbei. durch die Rheinbegradigung des 19. Jahrhunderts fließt er heute weiter östlich, wodurch eine große Freifläche zwischen Dom und Rhein entstand.
Schon zur Zeit der Zugehörigkeit des linken Rheinufers zu Frankreich war geplant, den Bereich um den Dom in einen öffentlichen Park umzuwandeln. Vom 13. Juli 1812 liegt eine Kostenschätzung vor, doch durch die napoleonischen Kriege kam es nicht zur Umsetzung.
Nach dem Übergang der Pfalz an das Königreich Bayern wurde der den Dom umgebende Park nach Abräumung der Ruinen ab 1821 auf Veranlassung von Carl Albert Leopold von Stengel angelegt. Stengel wurde dafür am 23. Dezember 1837 – auch wegen seiner Verdienste um ein eigenständiges Bistum Speyer und das Schulwesen – das Ehrenbürgerrecht der Stadt Speyer verliehen.
Der Domgarten besteht aus zwei Teilen, die durch den Verlauf der Stadtmauer in einen östlichen und einen westlichen Teil unterschieden sind und bis zum Rhein reichen. Beide Teile zusammen haben eine Gesamtfläche von 124.300 Quadratmetern.
1956 debattierte der rheinland-pfälzische Landtag in Mainz ausführlich, um die Besitzverhältnisse im Domgarten zu klären und verwandelte sich dadurch „in ein historisches Seminar“.
Der persönliche Referent des Oberbürgermeisters erklärte 2017 auf eine Anfrage:
Diese komplexen Verhältnisse ergaben sich aus der Zugehörigkeit der Pfalz zu Frankreich, danach zu Bayern und der jeweiligen Rolle der Kirche.
Im Jahr 1990 gestaltete der Architekt Oswald Mathias Ungers den Domplatz um und befreite ihn von parkenden Autos. Ein Ziel war eine bessere Aufenthaltsqualität für Fußgänger.
Dom-Info Die Dom-Info befindet sich in einem würfelförmigen Sandsteingebäude südlich des Doms. Das Gebäude wurde nach Wettbewerben 1984/85 und 1988 vom Architekten Oswald Mathias Ungers entworfen, der auch den Domplatz gestaltet hat.
Dort erhalten Besucherinnen und Besucher Audioguides, Souvenirs und Eintrittskarten zu unterschiedlichen Sonderführungen. Das Obergeschoss dient als Bürofläche.
Das Besucherzentrum wurde 2016 eröffnet und soll als zentrale Anlaufstelle für die Dombesucher dienen.
Natur Im Domgarten stehen die ältesten Bäume Speyers. Die ersten Platanen wurden dort bereits 1816 angepflanzt. Außerdem gibt es Berg-Ahorn und Hainbuchen. Viele Bäume sind aber mittlerweile durch die Hitze so geschädigt, dass bereits über Nachpflanzungen nachgedacht wird.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hat im Park 15 Vogelarten festgestellt. Illegale Drohnenflüge scheinen aber die besonders streng geschützten Uhus, die auf den Domtürmen nisten, vom Brüten abzuhalten.
Ausstattung
Blindentastmodell 2020 wurde auf einem Sandsteinsockel an der Südseite des Doms ein Blindentastmodell im Maßstab 1:100 aufgestellt. Es hat eine Gesamtgröße von 150 mal 80 Zentimetern und eine Standhöhe von 70 Zentimetern. Die Standhöhe ist so gewählt, dass auch Rollstuhlfahrer das Modell erreichen können. Eine Inschrift in Brailleschrift und in Schwarzschrift vermittelt zudem einige grundsätzliche Informationen.
Mit einem weiteren Modell im gleichen Maßstab, das im Jahr 2023 aufgestellt wurde, ist sowohl der Grundriss als auch das aufsteigende Mauerwerk ertastbar. https://www.dom-zu-speyer.de/news/nachrichten/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=36223&cHash=aeb8880d9d022982bd4b7765dbb21ef2 Tastmodell macht Innenraum des Doms auf neue Art erfahrbar Das Modell bildet einen Schnitt durch den Dom in etwa 10 Metern Höhe ab. Sowohl für Blinde als auch für Sehende wird damit die geometrische Gliederung des Baus verdeutlicht. Auch Sehende verschaffen sich mit Hilfe des Modells einen Überblick über den Dom und lernen die Details kennen.
Hergestellt hat die beiden Modelle der Bildhauer Egbert Broerken. Finanziert wurden sie von der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer.
Ölberg Der Ölberg geht zurück auf eine Stiftung des Domkapitulars Wipert von Finsterlohe († 1503). Er stand im Zentrum des Innenhofs eines von 1505 bis 1512 durch Nikolaus Elser sowie Hans Seyfer errichteten Kreuzganges.
Seine Kunstfertigkeit bewies Seyfer an einem Kriegsknecht, bei dem er unter der zerrissenen Hose auf dem Bein ein Eiterpflaster mit einer Fliege darstellte. Die Originalfiguren stehen heute im Historischen Museum der Pfalz.
mini|Ölberg innerhalb des ehemaligen Kreuzgangs (Modell im Historischen Museum der Pfalz) Der in den Jahren 1509 – 1511 errichtete Ölberg wurde von Zeitgenossen als ein Kunstwerk gepriesen, „wie es im gesamten Deutschen Reich - und darüber hinaus – kein zweites von gleicher Qualität zu finden sei. Ohne jedes Zögern erhoben sie ihn in den Kreis der antiken Weltwunder...“https://www.pilger-speyer.de/nachrichten/nachrichten-von-organisationen/detailansicht-orga-news/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=43593&tx_ttnews%5Bpointer%5D=8&cHash=b5232a94537e7f91fbf115af24e7eaab „Ein Kunstwerk wie es im ganzen deutschen Reich kein zweites gibt.“
In einem lateinischen Gedicht berichtete der Jesuit Johannes Armbrust in der Mitte des 17. Jahrhunderts vom alten Ölberg:
Beim großen Brand 1689 wurden der Ölberg wie auch der Dom selbst stark beschädigt. Der Kreuzgang wurde nicht mehr restauriert, sondern fiel 1820 dem Bestreben zum Opfer, um den Dom herum eine freie Anlage zu schaffen. Lediglich der Ölberg blieb als Ruine erhalten. Später wurde ein Dach aufgesetzt, um den völligen Zerfall zu verhindern. Ohne Lichteinfall von oben hat die Ölberggruppe aber viel von ihrem ursprünglichen Glanz verloren. Außerdem wurden die Skulpturen ergänzt. Zum Schutz vor Vandalismus wurde, vermutlich in den 1960er Jahren, ein Zaun errichtet.
Das Innere des Ölberges birgt eine kleine Kapelle, die dem Erzengel Michael gewidmet ist. Diese ist sehr schlicht und ohne Ausstattung.
Die steinerne Figurengruppe stellt dar, wie Jesus auf dem Ölberg in Jerusalem vor seiner Gefangennahme verzweifelt betet, während seine Jünger schlafend herumliegen. Auf einem Weg empor nähert sich Judas Iskariot mit den Schergen und ein Hauptmann mit sechs Soldaten. Ganz oben befindet sich ein Engel.
Albert von Mußbach mini|Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz. Hier stand der historische Schlegelhof, in dem Albert von Mußbach wohnte. Zwischen Schlegelhof und Kreuzgang/Ölberg wurde am Karfreitag 1277 der Domdechant Albert von Mußbach grausame ermordet. Seine Leiche wies eine tiefe Brustwunde mit Verletzung des Herzens sowie mehrere Rücken- und Seitenwunden auf. Überdies war die Kehle durchgeschnitten, der Schädel eingeschlagen und die linke Hand abgetrennt. Der oder die Mörder wurden nicht gefasst, möglicherweise sogar von der Stadt gedeckt. Am Ort des Verbrechens errichtete man ein Steinkreuz, das heute nicht mehr existiert.
Hintergrund mag ein Streit um Steuern gewesen zu sein. In der bischoflosen Zeit 1276 versuchte die Freie Reichsstadt Speyer, sich Rechte des Bistums anzueignen. Hauptstreitpunkt war das Ungeld, eine Art Umsatzsteuer auf Wein, Bier und Getreide, das bisher der Bischof vereinnahmte, nunmehr aber von der Stadt beansprucht wurde. Albert von Mußbach beschwerte sich deswegen bei Papst Johannes XXI. und zog damit den Zorn der Bürger auf sich.
Friedrich Magnus Schwerd Das Denkmal mit der Büste des Lehrers Friedrich Magnus Schwerd von Ferdinand von Miller ehrt den in Speyer lehrenden Astronomen, der ein neues Messverfahren für Geodäsie entwickelte.
Schwerd revolutionierte die Landvermessung mit dem Prinzip der Triangulation. 1851 nahm er im Dom die damals präzisesten Pendelmessungen zur Erdrotation vor. Er lehnte mehrere Rufe von Universitäten ab und blieb 58 Jahre lang Lehrer. Sein berühmtester Schüler war der Polarforscher Georg von Neumayer. Während in Gesamtdeutschland das metrische System erst 1871 eingeführt wurde, war es durch Schwerds „Rechenbuch“ in „Rheinbayern“ schon seit 1828 in Gebrauch.
1861 hielt die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte ihre 36. Jahresversammlung in Speyer ab, weil der Arzt Rudolf Virchow die Stadt wegen Schwerd vorgeschlagen hatte, denn dieser hatte mit seinen Forschungen auf dem Gebiet der Erd- und Landvermessung, Physik und Astronomie hohes Ansehen erworben.
Insgesamt fanden sich 611 Persönlichkeiten für eine Woche in Speyer ein. Schwerd nutzte die Gelegenheit, um seine Entwicklungen in der Erd- und Landvermessung vorzustellen, die er als „Die kleine Speyerer Basis“ bekannt gemacht hatte. Seine Erfindung wurde bis zu der in den 1960er Jahren eingeführten Vermessung durch Satelliten angewandt.
Springbrunnen Der Brunnen im unteren Domgarten geht auf das Jahr 1883 zurück und besteht aus Porphyr-Kleinpflaster. Die Fontäne soll 23 Meter hoch gewesen sein und war vom Rhein aus sichtbar. Ab 1982 sprudelte sie 5 Meter hoch.
1994 stellte dort der Künstler Martin Mayer eine Nacktstatue mit dem Titel „Filia Rheni“ (lateinisch für „Tochter des Rheins“) auf. Mit der 330 Zentimeter langen Skulptur feierte Mayer das Ideal des durchtrainierten Körpers. Doch aufgrund der Nähe zum Dom gab es Proteste. Später kam es zum Rechtsstreit zwischen Stadt und Künstler. Die Kommune hatte es so interpretiert, dass ihr die Statue als Leihgabe auf unbestimmte Zeit überlassen worden war. Mayer hingegen behauptete jedoch, er habe mit dem Oberbürgermeister vereinbart, dass die Stadt sich um einen Käufer kümmere. Die Stadt wollte die geforderten 100.000 Euro nicht zahlen, und Mayer holte sein Kunstwerk Anfang der 2000er-Jahre wieder ab.
Weitere Versionen des gleichen Sujets befinden sich am Umweltministerium in Bonn und als Bestandteil der Heinrich-Vetter-Stiftung in Ilvesheim. Die überlebensgroße Bronzeskulptur lagert nur leicht mit dem Rücken auf einem gepflasterten Hügel und spielt mit der Schwerkraft.
Helmut-Kohl-Büste Mit einem Denkmal im Domgarten würdigte die Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer den verstorbenen Gründungsvorsitzenden ihres Kuratoriums, Bundeskanzler Helmut Kohl mit einer Büste des Speyerer Künstlers Wolf Spitzer. Die Büste ist so positioniert, dass Kohl auf den Dom blickt. Sie ist auch so positioniert, dass Kohl den Menschen auf Augenhöhe begegnet. So hat das Denkmal eine Höhe von 1,75 Meter. (Helmut Kohl war übrigens 1,93 Meter groß.) Laut Spitzer sollte ein „Wesensporträt“ entstehen. So zeige die Büste Kohl mit einem verschmitzten Lächeln auf der Höhe seiner Lebenskraft.
Gestaltet ist die Bronzeplastik mit teilweiser Kolorierung. Der Sockel aus rotem Sandstein stellt eine Verbindung zum Hauptbaumaterial des Doms her.
Zwei vertikale Bronzebänder verdeutlichen die Verdienste Kohls: Inschrift vorne: Ehrenbürger Europas Inschrift hinten: Kanzler der Einheit Auf einer Plakette steht die Widmung: Zum Andenken an Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl, Freund und Förderer des Doms
Helmut Kohl war zeit seines Lebens mit Speyer verbunden und nutzte den Speyerer Dom häufig, um Staatsgäste zu beeindrucken. Er führte dort zahlreiche prominente Persönlichkeiten, darunter George Bush, Václav Havel, Boris Jelzin, Margaret Thatcher, Michail Gorbatschow und Papst Johannes Paul II.
Als 13-Jähriger wurde Kohl 1943 aus dem zerbombten Ludwigshafen nach Speyer evakuiert wurde und besuchte dort eine Zeit lang das Gymnasium am Kaiserdom. Er erlebte den Dom sogar als Schutzraum während der Fliegerangriffe.
In seiner Lebensbeschreibung schreibt er:
Speyerer Kopf Im Unteren Domgarten steht eine Skulptur aus Cortenstahl des Künstlers Franz Bernhard aus dem Jahr 2000.
Wesentliches Gestaltungselement Bernhards ist der menschliche Körper, den er allerdings auf ein Minimum an Kernelementen reduziert. Ein immer wiederkehrendes Grundmotiv ist dabei der Kopf.
Giro Porta Gleich nebenan steht das Werk Giro Porta (italienisch: verdrehte Tür) aus Stahl des Speyerer Künstlers Franz Müller-Steinfurth.
Kletterspinne