mini|Getötete Entenwale auf den Färöern mini|Harpunierung mini|Die Nisshin Maru des Japanischen Walforschungsinstitut Institute of Cetacean Research zieht 2008 ein getötetes Muttertier mit etwa einjährigem Jungtier an Bord mini|Indigene Völker, wie die Eskimos machten bereits vor Beginn des kommerziellen Walfangs traditionell Jagd auf Wale und nutzten sämtliche Bestandteile ihrer Beutetiere. Eine 1899 aus Walknochen gebaute Hütte.

Walfang ist die Jagd auf Wale, meist von Schiffen aus, die als Walfänger bezeichnet wurden. Walfleisch wurde gegessen, z. B. als Grindadráp auf den Färöer-Inseln. In den Anfangszeiten stand vor allem die Gewinnung von Tran im Mittelpunkt, der als Brennstoff und industrieller Rohstoff diente.

Industrieller Walfang ließ bis Ende der 1980er Jahre die Bestände großer Wale dramatisch schrumpfen. Viele Arten waren oder sind vom Aussterben bedroht.

Wale gelten wegen ihrer großen Gehirne und ihres komplexen Sozialverhaltens als besonders intelligente Tiere. Vor diesem Hintergrund ist der Walfang international umstritten. Er wird heute nur noch von wenigen Ländern betrieben.

Zahlreiche Länder traten mittlerweile dem Internationalen Übereinkommen zur Regelung des Walfangs bei, einem völkerrechtlichen Vertrag der bereits 1946 initiiert wurde. Deutschland trat 1982 bei.

Geschichte mini|Durch Walfang getötete Wale (Quelle: OWID)

Die Jagd auf Wale erreichte in den Jahren zwischen 1860 und 1986 ihren Höhepunkt – zwischen 1945 und dem Ende der 1970er Jahre war die Anzahl der getöteten Tiere pro Jahr am höchsten (siehe Grafik). In dieser Zeit wurde die Walpopulation so stark reduziert, dass sich die Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem Meer noch immer nachweisen lassen.Q. Li, Y. Liu, G. Li et al.: Corrigendum: Review of the impact of whale fall on biodiversity in deep-sea ecosystems. Front. Ecol. Evol. 2022, doi:10.3389/fevo.2022.885572 Durch die Bejagung ging nicht nur der Bestand der Wale um 90 bis 95 Prozent zurück, sondern auch die Verfügbarkeit von Walstürzen und Walkot, die zahlreichen Spezies als Nahrungsgrundlage dienen, nahm rapide ab.

Vorgeschichte Felszeichnungen und Knochenfunde im Süden der Koreanischen Halbinsel Bangu-Dae (in der Nähe von Ulsan) belegen, dass schon vor 7000 Jahren Wale gejagt wurden. Bei einer Ausgrabung auf der Tschuktschen-Halbinsel wurde ein 3000 Jahre altes Stück Walross-Elfenbein mit der Darstellung einer Waljagd gefunden sowie Überreste mehrerer Wale sowie Steinklingen, die möglicherweise für das Erlegen der Tiere genutzt wurden.

Höhlenmalereien in Skandinavien belegen eine jahrtausendealte Praxis des Walfangs in Europa.

Auch die Eskimos im nördlichen Polargebiet jagen traditionell Wale, etwa mit aus Kajaks geworfenen Speeren.

Antike In römerzeitlichen Siedlungen beiderseits der Straße von Gibraltar und in anderen Regionen am Mittelmeer gefundene Walknochen zeigen, dass Wale hier vor 2000 Jahren genutzt wurden. Es handelte sich dabei vor allem um den Nordkaper und den heute ausgestorbenen atlantischen Grauwal, die zum Kalben wahrscheinlich ins Mittelmeer schwammen. Außerdem wurden Knochen von Grindwal, Finnwal, Pottwal und des Cuvier-Schnabelwals gefunden.Ana S. L. Rodrigues, Anne Charpentier, Dario Bernal-Casasola, Armelle Gardeisen: Forgotten Mediterranean calving grounds of Grey and North Atlantic Right whales: Evidence from Roman archaeological records. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences 285(1882):20180961, 2018 doi:10.1098/rspb.2018.0961

Mittelalter mini|Wikingerzeitliches Bügelbrett aus Walknochen aus dem Bootsgrab von Scar

Während der Wikingerzeit war es üblich, gestrandete oder verletzte Tiere zu töten und zu verwerten. Die Wikinger trieben Wale mit Booten und Harpunen ins Flachwasser, um sie dort zu erlegen. Sämtliche Teile wurden verwendet; das Fleisch wurde getrocknet oder durch Räuchern haltbar gemacht, der Tran wurde ausgekocht zu Brennstoff und Lampenöl verarbeitet und aus der Haut wurden Seile gedreht. Manche Knochen wurden zu Gebrauchsgegenständen wie Schalen, Messergriffen, Spielfiguren und Haarnadeln verarbeitet. Die Zähne von Zahnwalen wurden zu Werkzeuggriffen und Schmuck verarbeitet, die Barten der Bartenwale unter anderem zu Körben.Wikinger. Wale – Was die Tiere den Wikingern alles gaben Geolino, abgerufen am 17. Februar 2023.

Im 12. Jahrhundert bejagten die Basken den kleinen Grindwal und den Atlantischen Nordkaper so intensiv, dass der Nordkaper in ihrer Region ausstarb.

Neuzeit Als 1596 Willem Barents und 1610 Jonas Poole – auf der Suche nach der Nordost-Passage nördlich von Sibirien – bei Spitzbergen ein reiches Vorkommen an Grönlandwalen feststellten, begannen 1611 Engländer und 1612 Niederländer eine umfangreiche Jagd auf Wale, der sich 1644 deutsche Schiffe aus Hamburg und Altona und 1650 die englischen Kolonisten in Nordamerika anschlossen.

Der Tran des Wals war ein wichtiger Rohstoff für künstliche Beleuchtung. Daneben wurden aus ihm Seifen, Salben, Suppen, Farben, Gelatine oder Speisefette (z. B. Margarine) sowie Schuh- und Lederpflegemittel produziert. Walöl war ursprünglich nötig, um Nitroglycerin herzustellen.

Noch nach dem Ersten Weltkrieg meinte die britische Armeeführung: „Ohne das Walöl wäre die Regierung nicht in der Lage gewesen, sowohl die Ernährungsschlacht als auch die Munitionsschlacht zu schlagen.“

mini|Walfang im 18. Jahrhundert; Illustration zu einem Reisebericht über James Cooks Fahrten

Der Pottwal wurde wegen des Walrats im 19. Jahrhundert besonders von amerikanischen Walfängern aus Nantucket gejagt und dezimiert. Der Walrat eignet sich zur Herstellung von besonders hell brennenden Kerzen, Kosmetika und als Schmiermittel. Aus den Barten der Bartenwale, bevorzugt des Blauwals, wurde vom 17. Jahrhundert an Fischbein hergestellt, bis im 20. Jahrhundert steife, aber elastische Kunststoffe (z. B. Nylon) sowie leichte Federedelstähle den tierischen Werkstoff ersetzten.

Anfangs jagte man den Wal mit kleinen Ruderbooten, die sechs bis acht Mann Besatzung hatten, und erlegte ihn mit Handharpunen und Lanzen. Der Wal wurde dann längsseits des Walfangschiffes geschleppt und dort abgespeckt („flensen“). Alles Übrige überließ man den Möwen und Raubfischen.

mini|Es wurden auch Jungtiere harpuniert, um die Alttiere anzulocken mini|Eine Tranbrennerei im 18. Jahrhundert mini|Walfänger um 1900, kleines Dampfschiff mit Harpunenkanone im Sankt-Lorenz-Strom

Um 1840 waren etwa 900 Fangschiffe unterwegs, die in fangstarken Jahren bis zu 10.000 Wale erlegten. Auf einem durchschnittlichen amerikanischen Walfänger im 19. Jahrhundert fuhren etwa 20 bis 30 Mann. Die Schiffe führten einschließlich Reserven bis zu sechs Boote mit sich. Normalerweise wurden bei der Jagd drei bis vier Boote gleichzeitig eingesetzt, die mit je sechs Seeleuten bemannt waren. Als Schiffswache ließ man bei der Jagd nur ein bis zwei Mann zurück. Auch „Facharbeiter“ wie Schiffskoch oder -zimmermann mussten zur Jagd in die Boote steigen und rudern. Der Speck der Wale wurde im 17. und frühen 18. Jahrhundert vorwiegend in Tranbrennereien an den Küsten Grönlands und Spitzbergens abgekocht und in Fässer abgefüllt. Eine normale Fangreise dauerte etwa zwei bis vier Jahre, je nach Ertrag und Haltbarkeit der Vorräte.

Durch die Harpunenkanone, die um 1863 auf einem norwegischen Walfangdampfer eingebaut wurde, wurde es möglich, auch die schnelleren Blau- und Finnwale zu jagen. Die Harpune trug an der Spitze einen Granatkopf. Die explodierende Granate tötete den Wal. Um 1935 verbesserte man dieses Gerät, die Harpunenleine leitete Strom, der das Tier betäubte. Infolge der Herstellung von Petroleum seit 1855, das über ähnliche Eigenschaften wie Waltran verfügt, kam der Fang in den Folgejahren fast zum Erliegen. Die Überbeanspruchung der Walpopulationen in Verbindung mit einer allgemeinen Überfischung der Nordmeere vergrößerte den massiven Rückgang der Walfangerträge, der regional bereits Anfang des 18. Jahrhunderts zu beobachten war.

Die Erfindung der Margarine führte zu einer Wiederbelebung des Walfangs, da Waltran essenzieller Bestandteil des Butter-Surrogats war. Da Waltran auch für die Herstellung des Nitroglycerins verwendet wurde, führte die Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts einsetzende Aufrüstung zu einer stark erhöhten Nachfrage und in Folge zu einem weiteren Anstieg des Walfangs. Auf dem norwegischen Walfangschiff James Clark Ross wurde 1923 die Beute direkt auf dem Schiff verkocht und abgefüllt. Das gestaltete den Walfang deutlich effizienter. Weniger als zehn Jahre später waren die befangenen Blauwale bereits erheblich kleiner als die, die in den vorangegangenen Dekaden gefangen wurden. Heute vermutet man, dass es sich zu diesem Zeitpunkt bei der Hälfte der gefangenen Tiere um noch nicht geschlechtsreife Wale handelte.Melanie Challenger: On Extinction: How We Became Estranged from Nature. Granat Publications, London 2011, ISBN 978-1-84708-392-0, S. 106. In den 1930er Jahren entstanden große Flotten, die mit Fabrikschiffen monatelang unterwegs waren, ab 1937 auch von Deutschland aus.Das Modell einer Harpunenkanone von 1937 erinnert an die Wiederaufnahme des deutschen Walfangs aus Gründen der in der NS-Zeit verfolgten Autarkiebestrebungen. Modell einer Walfangharpunenkanone (Bild: Focke-Museum Bremen)

In den 1930er-Jahren erkannte man, dass der Walbestand durch die starke Bejagung gefährdet war. 1930 und 1931 wurden 30.000 Blauwale getötet. Diese Zahl übertrifft die Anzahl der heute weltweit in den Ozeanen lebenden Blauwalpopulation. Der Völkerbund traf 1931 ein Abkommen zur Begrenzung des Walfangs, das 1935 in Kraft trat. Im gesamten 20. Jahrhundert wurden zirka drei Millionen Wale erlegt.

Der Walfang in japanischen Gewässern erreichte in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Höhepunkt, als das Fleisch zur Versorgung der Not leidenden Bevölkerung gebraucht wurde; sonderlich angesehen war es allerdings nicht. Für die Jagd bis an den Rand der Ausrottung sind allerdings vorrangig einige europäische Nationen verantwortlich, deren Walfangstationen in der Antarktis bis in die 1960er-Jahre betrieben wurden, allerdings nahezu ausschließlich zum Zweck der Rohstoffgewinnung für die Industrie. Von 1960 bis 1964 fielen den zumeist japanischen und sowjetischen Walfangflotten nicht weniger als 127.000 Pottwale zum Opfer. mini|Moderne Walfangharpune

Im Nordatlantik wurden die großen Herden der Nordkaper, einer langsam schwimmenden und daher vom Walfang besonders gefährdeten Spezies, bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts so stark dezimiert, dass sich eine Bejagung nicht mehr rentierte. Die Walfänger konzentrierten sich daraufhin auf den Pottwal und erlegten ihn in so großer Stückzahl, dass auch diese Art im Atlantik selten wurde. Nun gingen die Walfänger in den Pazifik und den Indischen Ozean. Dort fanden sie eine große Anzahl Südkaper, Pott-, Buckel- und später auch Grönlandwale.

Zu den als unjagbar geltenden Walarten gehörten die so genannten Furchenwale, darunter Blau-, Finn- und Seiwal. Aufgrund ihrer gegenüber den abgesetzten Ruderbooten größeren Geschwindigkeit konnten sie fliehen. Wenn es doch einmal gelang, einen Furchenwal zu erlegen, verlor dieser fast immer rasch seinen Auftrieb, ging unter und damit den Jägern verloren. Erst die Verwendung von mit Sprengladungen versehenen Harpunen, die den Tod des Tieres schneller herbeiführten, sowie der Einsatz von dampfbetriebenen und damit erheblich schnelleren Schiffen läuteten den Beginn des modernen Walfangs ein. Nach der Erlegung seitlich am Fangschiff verzurrt, wurde kontinuierlich Luft in den toten Körper gepumpt, um ihn am Sinken zu hindern. Um Zeit zu sparen und den Fangschiffen eine möglichst schnelle Wiederaufnahme ihrer Jagd zu ermöglichen, wurde die Weiterverarbeitung auf See zu so genannten Fabrikschiffen verlagert. Diese Spezialschiffe nahmen den Fang von den anlaufenden Jagdschiffen auf. Sie waren in der Lage, mehrere Dutzend Wale täglich zu verarbeiten.