Bruche ist der größte Stadtteil von Betzdorf in Rheinland-Pfalz. Mundartlich wird der Ort „Brooch“; dessen Bewohner werden „Brööjer“ genannt ().
Geographische Lage Der Ort liegt im Westen des Stadtkerns von Betzdorf; der Stadtteil grenzt im Westen an Scheuerfeld. Flankiert wird Bruche im Norden und Osten von der Siegstrecke und der Sieg, auf der anderen Seite der Sieg liegt Wallmenroth und im Süden der Scheuerberg. Nach Osten hin grenzt Bruche unmittelbar an die Stadt Betzdorf und wird dort durch die Straßen (von Süden nach Norden) Kolpingplatz, den Hellseifen (dort durch den namensgebenden, heute versickerten Bach „Hellseifen“), die Friedrich-Ebert-Straße und die Burggasse begrenzt.
Zur Gemarkung Bruche gehören auch die historischen Gemarkungen „Hellseifen“ und „Lasdorf“.
Geschichte Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert Es wird vermutet, dass Bruche anfangs aus nur einem Gehöft bestand, an das der Straßenname Im Höfgen erinnert. In Richtung der Sieg besteht eine große Abbruchkante im Gelände, die eine Besiedelung von Osten her zunächst verhinderte. Zudem ist seit jeher das Haubergswesen in der Region verbreitet, das sich aber in Bruche nicht lohnte. Hinzu kommt, dass sich viele Hauberge in der näheren Umgebung, vornehmlich am Scheuerberg, in Privatbesitz befanden. Nur im Zusammenschluss mit Scheuerfeld war ein gewisser Ertrag möglich. Wer sich im Hauberg verdingen wollte, musste sich auf einen Handel mit den jeweiligen Besitzern einlassen. Im Gegenzug durfte man sich im heutigen Bruche niederlassen,Dr. August Wolf: Geschichte von Betzdorf. S. 114 – 115. 1951. wo maximal Viehtrieb oder Obstanbau auf den dortigen Feldern möglich war. Wald, und damit potentielle Hauberge, gab es dort nicht. An den „letzten Hirten Bruches“ erinnert die Johannes-Krell-Straße; „Vater Krell“, wie er genannt wurde, zog mit seinen Ziegen durch das heute bebaute Gebiet des Oberdorfs an der „Kreuzeiche“. Darunter befanden sich einige Obstbaumplantagen, wie auch im heutigen Hellseifen, der erst nach dem Zweiten Weltkrieg vollständig bebaut wurde.Verlag der Buchhandlung Rob. Wingendorf: Fremdenführer. Ein Handbüchlein für Touristen, Badegäste und Einheimische., S. 4, 1891, auf betzdorf-sieg.de (*.pdf-Datei)
Der Ort war zu jener Zeit also als „Ausweichsiedlung“ für Scheuerfeld anzusehen. Älter als das „Höfgen“ dürfte allerdings der „Hof Lasthorff“ sein, der ab dem Mittelalter bewirtschaftet und erwähnt wird und im 19. Jahrhundert zerfiel. Die Lasdorfer Straße erinnert an das Gebiet um den Hof.Hanns Göbel: Betzdorfer Geschichte(n) Nr. 3: Die von Bruche... 100 Jahre Betzdorfs Verstärkung. S. 17 – 28, 2007
rechts|hochkant=1.5|mini|Auf einer Landkarte der Grafschaft Sayn-Altenkirchen aus dem Jahre 1805 wird Lasdorf noch als „Lahndorf“ (gelb markiert) erwähnt; Bruche noch gar nicht
Nach dem Wiener Kongress 1815 fiel die Grafschaft Sayn-Altenkirchen an Preußen und den entstehenden Kreis Altenkirchen. Die Gemeinde Bruche gehörte dann zur Bürgermeisterei Kirchen. Ab 1. April 1886 gehörte Bruche dem neu eingerichteten Bürgermeisteramt Betzdorf an.
Einwohnerentwicklung bis 1905
Jahr Einwohner 1845 124 1864 146 1867 166 1885 514 1905 803Michael Schütz/Ernst-Helmut Zöllner: Die von Bruche... 100 Jahre Betzdorfs Verstärkung. 2007.
Von der Eingemeindung 1907 bis heute Am 1. April 1907 wurde Bruche nach Betzdorf eingemeindet.„Die von Bruche...100 Jahre Betzdorfs Verstärkung“, auf betzdorf-geschichte.de, vom 7. März 2007, abgerufen am 21. Juli 2025
mini|rechts|Blick vom Ottoturm auf Bruche (links der Drosselweg und – deutlich erkennbar – die Scheuerfelder Straße, rechts die Kirche „Maria Königin“)
Forciert wurde die Eingemeindung der zuvor eigenständigen Gemeinde insbesondere durch den Gemeindeverordneten Karl Stangier (1844 – 1913). Ihm ist es auch zu verdanken, dass die Moltkestraße, die sich auf Betzdorfer Gebiet befindet, zum Bayersberg hin verlängert wurde und Bruche so eine bessere Anbindung an Betzdorf erlangte. Bis dahin war Bruche von Betzdorf nur über die Eberhardystraße und den Gäulenwald erreichbar. Seine Bemühungen stehen auch unter dem Gesichtspunkt, dass er sein Haus zum Bau des Rangierbahnhofs verkaufte und im Lasdorf ein neues Haus errichtete, das heute noch steht.
Stangier hatte dabei mit großem Widerstand zu kämpfen. Allerdings war ihm bewusst, dass Bruche zwar durch den Rangierbahnhof, der auf Brucher Gebiet lag, hohe Steuereinnahmen erzielen konnte (so zahlte die Königlich preußisch-hessische Staatseisenbahnverwaltung 30.000 RM an Bruche, wohingegen Betzdorf nur 15.000 RM erhieltAndreas Goebel/Ernst-Helmut Zöllner: Betzdorf – Wie es früher einmal war (Band 2). S. 102 – 103. 2009.) sah aber auch die Notwendigkeit von Versorgungsleitungen (Wasser und Abwasser), die sich nur im Zusammenschluss errichten ließen. Zudem ahnte er, dass Betzdorf neues Bauland benötigen würde. Bereits Bruche verzeichnete durch den Bau der Deutz-Gießener Eisenbahn ab 1855 und deren Eröffnung im Jahr 1861 einen enormen Zuwachs an Einwohnern. Zum Vergleich: Betzdorf hatte 1845 251 Einwohner; Bruche kam zur selben Zeit auf 124 Einwohner.
So gab es zwar viele Bewohner und damit auch potentielle Steuerzahler, jedoch nur eine Bäckerei und zwei Gastwirtschaften im Ort. Und so ließen die Brucher ihr Geld eher in Betzdorf, als in Bruche. Das Gros der Brucher ging auch nach Betzdorf zur Arbeit, was auf der Hand lag, denn die Siedlungen in der Gäulenwaldstraße und ebenso am Kolpingplatz (früher Neue Siedlung genannt) wurden eigens für die Eisenbahner errichtet, die ihre Arbeitsstätte in Betzdorf hatten; nicht in Bruche. Diese Häuser wurden genossenschaftlich errichtet und konnten günstig erworben werden. Der genossenschaftliche Aspekt blieb lange erhalten und die letzten Häuser, die Teil der Genossenschaft waren, gingen im Zuge der Stadtwerdung Betzdorfs in private Hände über.
Der Einwohnerzuwachs war auch an der Dorfschule zu spüren, die nur durch Erweiterungen genug Platz für die Vielzahl an Schülern bieten konnte (sie stand dort, wo seit 1967 die Kirche „Maria Königin“ steht). Ab 1964 wurde ein neues Schulgebäude an der Johannes-Krell-Straße gebaut, in dem seit 1983 die Christophorus Schule beheimatet ist.
Stangiers Schaffen fand erst mehr als 30 Jahre später in der Betzdorfer Zeitung Würdigung und damit erst mehr als 20 Jahre nach seinem Tod.Karl Stangier: Bahn-Bremser mit Visionen in Betzdorf-Bruche, auf rhein-zeitung.de, vom 8. Januar 2013, abgerufen am 21. Juli 2025
Mit der Eingemeindung verpflichtete Betzdorf sich im Gegenzug bis zum Ende des Jahres 1908 zur Sanierung der Wege und Straßen sowie zum Anschluss der Wasserleitungen an das Betzdorfer Netz.
Das heute bebaute Gebiet am Scheuerberg (zu Zeiten der Eingemeindung wurde der Weg nach Dauersberg noch „Fuchslocherweg“ genannt) wurde erst nach der Eingemeindung zu Bauland erklärt und der Friedhof erst 1956 – also drei Jahre nach der Stadtwerdung Betzdorfs – eingerichtet. Über die Ausweisung neuen Baulandes des noch bewaldeten Gebietes am Scheuerberg wurde zwischen 2019 und 2023 diskutiert.Scheuerberg: Wohngebiet sorgt für Diskussionen im Stadtrat Betzdorf, auf rhein-zeitung.de, vom 3. Januar 2023, abgerufen am 21. Juli 2025
Die Bebauung des Gebietes um die „Kreuzeiche“ und an der Scheuerfelder Straße steht exemplarisch für die Nachkriegszeit. Wie andere Städte und Gemeinden war Betzdorf gezwungen, Flüchtlinge aus den vormals deutschen Ostgebieten aufzunehmen. Dazu wurde weiteres Bauland ausgewiesen und der Ort vergrößerte sich zusehends. So verschwanden beispielsweise nahezu sämtliche Streuobstwiesen und Felder, die jahrhundertelang das Ortsbild prägten. Die letzte genossenschaftliche Obstplantage, wie sie in Bruche bis in die 1970er Jahre üblich war, liegt am Bayersberg, direkt am Brucher Ei.
Bruche wäre als eigenständige Gemeinde die zweitgrößte Gemeinde in der am 1. Januar 2017 neu gegründeten Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain.Strukturdaten, auf betzdorf-gebhardshain.com
Der Ortsverband Betzdorf des THW verlegte am 21. Juni 2025 offiziell mit einem Tag der offenen Tür seinen Sitz von Scheuerfeld nach Bruche an die Straße Fahrendrieschen, Ecke Industriestraße.Die moderne Unterkunft für das THW Betzdorf ist fertig, auf rhein-zeitung.de, vom 15. Juni 2025, abgerufen am 21. Juli 2025
Bildungswesen Von 1819 an bestand zwischen Scheuerfeld und Bruche eine Schulgemeinschaft, welche erst 1883 wegen wachsender Schülerzahlen aufgegeben wurde. Ab 1889 gab es in Bruche eine eigene Dorfschule. Nachdem diese aber nach mehr als 70 Jahren im Betrieb und mehreren Erweiterungen baufällig war, wurde ab 1964 an der Johannes-Krell-Straße ein neues Gebäude errichtet, welches seit 1983 den Namen Christophorus Grundschule trägt. Das Grundstück erhielt man im Tausch von Geländestücken vom Kloster.Hanns Göbel: Betzdorfer Geschichte(n) Nr. 3: Die von Bruche... 100 Jahre Betzdorfs Verstärkung. S. 19 & 20, 2007Gerd Bäumer: Betzdorfer Geschichte(n) Nr. 3: Die von Bruche... 100 Jahre Betzdorfs Verstärkung. S. 47 – 53, 2007
Die Arrenbrechtstraße, die das Unterdorf zwischen Lasdorf und Theresenstraße quert, ist nach dem Lehrer Arrenbrecht, der Anfang des 20. Jahrhunderts, bis spätestens zur Machtergreifung der Nazis in der Dorfschule unterrichtete, benannt.
mini|Christophorus Grundschule
Der Kindergarten, ehemals „Haus Nazareth“, seit 2025 „Kita Blumenwiese“ wurde ab 1956 erbautMichael Kraus: Betzdorfer Geschichte(n) Nr. 3: Die von Bruche... 100 Jahre Betzdorfs Verstärkung. S. 94, 2007 und unter der Trägerschaft des Bistums Trier betrieben. Nach einem langwierigen Streit zwischen Bistum, Stadt und Eltern aufgrund gesundheitsgefährdenden Schimmelbefalls in den 2010er und 2020er Jahren, wurde das Gebäude im Jahr 2021 durch das Gesundheitsamt des Landkreises Altenkirchen gesperrt und 2022 an die Kommune übertragen, die den Betrieb nach erfolgter Kernsanierung unter neuem Namen seit Juni 2025 sicherstellt.
Einzelhandel Bis in die 1990er-Jahre gab es noch kleinere Geschäfte im Ort (Tante-Emma-Läden), die aber dem Marktdruck der großen Einzelhandelsketten nicht standhalten konnten. Daher ist Bruche mittlerweile ein nahezu reines Wohngebiet.
Seit einigen Jahren befindet sich an der Ortsgrenze zu Scheuerfeld ein großer Supermarkt mit Bäckerei, der optisch zu Bruche zugehörig wahrgenommen wird, jedoch knapp auf Scheuerfelder Gemeindegebiet liegt.
Sehenswürdigkeiten In Bruche steht die Kirche „Maria Königin“, Betzdorfs zweite katholische Pfarrkirche, die 1967 konsekriert wurde. Das Geläut, bestehend aus vier Glocken, erhielt die Kirche erst im folgenden Jahr, 1968, durch die Glockengießerei von Friedrich Wilhelm Schilling und die Orgel im Jahr 1975 von Franz Breil. Die Kirche wurde mit Genehmigung des Bistums als Erweiterung zur nahe liegenden Klosterkapelle errichtetWo Kirche mitten unter den Menschen war, auf siegener-zeitung.de, vom 4. Januar 2021, abgerufen am 14. August 2025. Sie bildete daher zunächst auch eine eigene Gemeinde (die Gemeinde „Heilige Familie“), gehört jedoch mittlerweile zur Gemeinde St. Ignatius.Pfarrbezirk Hl. Familie - Betzdorf-Bruche, auf pr-betzdorf.de
Gleich neben der Kirche befindet sich das 1926 gegründete Kloster Bruche der Missionare von der Heiligen Familie, das kurz vor dem hundertjährigen Jubiläum, ab 2022, zu einem Pflegeheim umgebaut wurde und nun in private Hand übergegangen ist.Kloster Bruche wird ein Ort der Pflege, auf ak-kurier.de, vom 18. November 2021, abgerufen am 21. Juli 2025 Kolportiert wurde ein Verkaufspreis von 2,8 Millionen Euro.Kloster Bruche steht für 2,8 Millionen Euro zum Verkauf, auf siegener-zeitung.de, vom 7. September 2021, abgerufen am 21. Juli 2025 Es ist das erste Hospiz seiner Art im Landkreis Altenkirchen.Erstes Hospiz im Kreis Altenkirchen öffnet im April, auf siegener-zeitung.de, vom 6. Februar 2023, abgerufen am 21. Juli 2025