mini|Ein Raum im Palazzo Capasso in Salerno Der Palazzo Capasso ist ein Palast aus dem 16. Jahrhundert im Zentrum der italienischen Hafenstadt Salerno in der Region Kampanien.

Geschichte und Beschreibung Der Palast liegt im botanischen Garten Giardino della Minerva und gehörte einst der Familie Silvatico, dessen bekanntestes Familienmitglied Matthaeus Silvaticus war. Der Bau wurde im 17. Jahrhundert von Don Diego del Core stark verändert, als Salerno ein Ort der Erholung für die Adligen aus Neapel war. Sein letzter Eigentümer zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Mathematiker Giovanni Capasso, der hier das von ihm gegründete Universitäts-Internat Galileo Galilei unterbrachte.

Das Viridarium des Matthaeus Silvaticus befand sich zwei Meter unter dem botanischen Garten, wie Ausgrabungen bei der Restaurierung des Gartens ergeben haben. Bei den Ausgrabungen kamen bemalte Dachschindeln aus dem 15. Jahrhundert und Bruchstücke von Fresken aus dem 16. Jahrhundert ans Licht.

mini|hochkant|Der Brunnen Im Rahmen des Restaurierungsprojektes, das zunächst nur auf den Giardino della Minerva (einen der sieben Gärten, aus denen sich die Orti Cinti zusammensetzten) beschränkt war, gelang es, den mit dem Garten verbundenen Teil des Palastes wiederherzustellen. Darin befindet sich mit der Sala Capasso der Hauptsaal des Palastes, der durch seine in Pastell gehaltene Saaldecke hervorsticht. Der Saal wird regelmäßig für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt. Daran angrenzend liegt ein Teesalon.

Der Teil aber, der den Palast am meisten kennzeichnet, ist die schöne Loggia zum Golf von Salerno hin, die durch den theatralisch gestalteten Brunnen aus dem 16. Jahrhundert bereichert wird. Dieser zeigt sich im Stil der großen Brunnen, wie man sie in Neapel oder Rom findet. Er besteht aus einer großen sternenförmigen Brunnenwanne auf der eine markante Brunnenfassade auffliegt, die mit Pilastern und Kapitellen geschmückt ist und von einem Fries und einem gemeißelten Tympanon abgeschlossen wird. Die Pilaster markieren den Hintergrund und teilen ihn in drei Teile auf: Den mittleren, gekennzeichnet von der großen Brunnenwanne und einer Nische mit gemeißelter Kuppel, und die seitlichen mit rechteckigen Nischen sowie kleinen ovalen und mittlerweile leerstehende Nischen darüber. In die rechte Nische wurde nachträglich der Eingang zum ‚‚Giardino dei Semplici‘‘ (dt. „Garten der Einfachen“) gelegt.

Die Dachziegel 2002 wurden bei der Demontage eines Teiles des Daches zahlreiche an der Unterseite bemalte Dachziegel gefunden. Nur ein Teil dieser Dachziegel wurden geborgen, weitere befinden sich auf dem noch nicht restaurierten Teil des Daches und können nicht in Sicherheit gebracht werden, solange das Dach nicht vollständig restauriert wird. Die bedeutendsten der insgesamt 12 geborgenen Dachziegel wurden 2004 restauriert.

mini|hochkant|Die ausgestellten Dachziegel Die Malereien an der Unterseite von Dachziegel diente der Verzierung vorwiegend religiöser Gebäude, an denen die Dacheindeckung von unten sichtbar blieb. Beispiele hierfür sind heute in mittelalterlichen Kirchen in Mittelitalien zu sehen (in Ostia Antica oder in Viterbo an der Kirche Santa Maria Nuova), sowie in einigen Regionen in Norditalien. Hervorzuheben ist, dass die bemalten Dachschindeln, die heute an mittelalterlichen Gebäuden zu sehen sind, fast ausnahmslos mit Hilfe von Schablonen einfarbig oder zweifarbig angefertigt wurden und sich auf ein Thema beschränken. Die im Palazzo Capasso gefundenen Ziegel sind dagegen ohne Schablonen angefertigt worden und beschäftigen sich zudem mit mehreren Themen. Es ist daher anzunehmen, dass diese Ziegel von mehreren Gebäuden stammen und hier wiederverwendet wurden. Einige bemalte Dachziegel wurden auch in der Kathedrale von Salerno gefunden.

Qualität und Präzision in der Ausführung variieren stark und in einigen Fällen könnte es sich um Farbproben oder Entwürfe handeln. Die gefundenen Exemplare gehören verschiedenen Typologien an und sind im Wesentlichen auf die folgenden vier Kategorien beschränkt: mehrfarbige geometrische Verzierungen, mehrfarbige Girlanden, Wappen und Monogramme, menschliche Profile.

Die Analyse des aufbäumenden Tieres, das mit Kamm und Krallen versehen ist (in einem graphischen Kontext, der an ein heraldisches Wappen denken lässt), lässt wegen der speziellen, länglichen Form des Schädels einen Löwen ausschließen und an ein phantastisches, zoomorphes Wesen denken, das aus einem auffällig mittelalterlichen Bestiarium entsprungen ist, z. B. einen Drache oder einen Greif (auch wenn letzterer im oberen Teil im Allgemeinen mit vogelähnlichen Merkmalen dargestellt wird). Er ist mit Finesse und Liebe zum Detail dargestellt, was den entsprechenden Dachziegel sofort von demjenigen unterscheidet, auf dem die Profile eines Mannes und einer Frau in einfachen Zügen dargestellt sind.

Vermutlich ist es zum besseren Verständnis und einer präziseren Verortung des historisch-künstlerischen Kontextes nötig, auf die Fundstücke in den anderen, noch nicht restaurierten Teilen des Palastes zu warten.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Erbaut im 16. Jahrhundert Capasso