Couleurkarte aus den Anfangsjahren|alternativtext=Couleurkarte aus den Anfangsjahren|mini Die Katholische Deutsche Burschenschaft (KDB) Sigfridia zu Bonn ist eine katholische, farbentragende und nicht-schlagende Studentenverbindung an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Sie ist Gründungsmitglied des Ringes Katholischer Deutscher Burschenschaften (RKDB).
Geschichte
Gründung und Farbenstreit im Unitas-Verband Die KDB Sigfridia wurde am 28. November 1910 unter dem Namen W.K.St.V. Unitas-Sigfridia als Tochter der Unitas-Salia gegründet. Anders als bei den meisten Studentenverbindungen stammt ihr Name nicht von deutschen Stämmen oder Regionen, sondern aus der Nibelungensage. Das schnell aufblühende Verbindungsleben wurde bald durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Die Wiederaufnahme des Aktivenbetriebs nach Kriegsende gelang jedoch schnell. Im Unitas-Verband (UV) kam es in den Folgejahren zu Grundsatzdiskussionen über das korporative Leben. Dem Verband traten zahlreiche Studenten bei, welche die bisherigen studentischen Gebräuche infrage stellten. Gestützt auf den Beschluss einer Unitas-Vertreterversammlung, führte Sigfridia zum Wintersemester 1924/25 das Vollcouleur ein. Über diesen Farbenstreit kam es zum Bruch mit dem Unitas-Verband. Diese Trennung war wesentlich folgenreicher als etwa der 1908 erfolgte Austritt der weiteren Salia-Tochter Alania Bonn aus dem UV. Zusammen mit anderen ehemaligen Unitas-Vereinen gründete Sigfridia im Oktober 1924 als neuen Verband den RKDB. Unter Beibehalt der unitarischen Prinzipien virtus, scientia, amicitia sowie des eucharistischen Prinzips, sollten diese durch das Farbentragen als Symbol zum öffentlichen Bekenntnis gelangen. Weiterhin wurde an die Tradition der urburschenschaftlichen Ideen angeknüpft. Die Synthese dieser Prinzipien bedeutete eine Erneuerung in der damaligen Zeit, die dem neuen Verband in kurzer Zeit viel Zulauf und Zustimmung brachte. Sigfridia war daran maßgeblich beteiligt.Studentenwohnheim Sigfridia e.V. (Hrsg.): Geschichte der Katholischen Deutschen Burschenschaft Sigfridia zu Bonn im Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften 1910–2010. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1990, S. 11–18.Ring Wissenschaftlicher Katholischer Deutscher Studentenverbindungen, 1. Jahrbuch 1925.Jochen Geinert: Katholische Deutsche Burschenschaft Sigfridia zu Bonn im RKDB, in: Kromphardt, Karl u. a. (Hrsg.): Studentenverbindungen und Verbindungsstudenten in Bonn, Haltern 1989, S. 250–252.
Auflösung und Nachkriegszeit Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Verbindungsleben unterdrückt und der RKDB im Jahr 1935 aufgelöst. Auch die KDB Sigfridia musste 1938 suspendieren. Bereits 1947 wurde die Verbindung von engagierten Alten Herren wiederbelebt und im Wintersemester 1948/49 auch die Aktivitas wiederbegründet. Im Verlauf der Nachkriegszeit wuchs die Mitgliederzahl rasant an. Zusammen mit der neuformierten KDB Rheno-Guestphalia beschloss Sigfridia 1948 die Rekonstitution des RKDB.Christian George: Studieren in Ruinen: die Studenten der Universität Bonn in der Nachkriegszeit (1945-1955), (Bonner Schriften zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte, Bd. 1). Bonn University Press, Göttingen/Bonn 2010, ISBN 978-3-89971-608-5.
1959 wurde in Zürich durch Eugen Theodor Rimli, ein Mitglied der Sigfridia, die Akademische Burschenschaft der Glanzenburger (seinerzeit noch Katholische Burschenschaft der Glanzenburger), gegründet. Zu dieser unterhält die KDB Sigfridia bis heute ein Freundschaftsverhältnis.
Ehrenbandverleihung an Papst Johannes XXIII. mini|Eine Abordnung Sigfridiae bei Papst Johannes XXIII.
Im Jahr 1960 überreichte die Sigfridia anlässlich ihres 50. Stiftungsfestes im Rahmen einer Pilgerreise nach Rom ihr Ehrenband an Papst Johannes XXIII. Die Übergabe erfolgte in einer Audienz als Ausdruck der Verbundenheit mit der römisch-katholischen Kirche. In der Folge erhielt Sigfridia über die Apostolische Nuntiatur in Deutschland ein dankendes Telegramm von Domenico Kardinal Tardini, in dem der Papst seine Anerkennung, Verbundenheit und Segenswünsche aussprach. Die Bestattungszeremonie ihres Ehrenmitglieds am 6. Juni 1963 begleitete Sigfridia mit einer Chargenabordnung, deren Bild als Großaufnahme auf der Titelseite des L’Osservatore Romano erschien.Studentenwohnheim Sigfridia e.V. (Hrsg.): Geschichte der Katholischen Deutschen Burschenschaft Sigfridia zu Bonn im Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften 1910–2010. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1990.L'Osservatore Romano, Lunedi/Martedì 17./18. Giugno 1963, S. 1.Die Trauerfeiern für Johannes XXIII. beendet, Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 183, 19. Juni 1963, S. 5. Bis heute ist Sigfridia ihrem Ehrenmitglied verbunden, was sich auch durch Pilgerfahrten zu dessen Grab im Petersdom ausdrückt.Katholisches Stadtdekanat Bonn: Apostolischer Nuntius besucht Bonn, 12.05.2014.
Neuzeit Nach einer Krise in Folge der Studentenunruhen gelang ab Mitte der 1970er Jahre ein erneuter Aufschwung. Sigfridia engagierte sich durchgehend im Vorortsamt des RKDB und übernahm durch das hohe Engagement im Verband und dem Dachverband AGV eine führende Rolle im katholischen Verbindungswesen. Insbesondere das Bildungsprogramm wurde in dieser Zeit ausgebaut. Jedes Semester hielten Professoren der Universität Bonn, Bundestagsabgeordnete, Bundesminister und weitere führende Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Kirche und Wirtschaft Vorträge auf dem Sigfridenhaus.Studentenwohnheim Sigfridia e.V. (Hrsg.): Geschichte der Katholischen Deutschen Burschenschaft Sigfridia zu Bonn im Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften 1910–2010. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1990.
Wartburggespräche
mini|Teilnehmer des Europa-Kommerses am 28.04.1990 vor dem Burschenschaftsdenkmal in Eisenach Als erste Korporation feierte Sigfridia nach dem Fall des Eisernen Vorhangs mit den Ringburschenschaften und weiteren befreundeten Verbindungen einen Europa-Kommers auf der Wartburg bei Eisenach in Reminiszenz an das Wartburgfest von 1817. Damit setzte Sigfridia in der entscheidenden Phase des deutschen Einheitsprozesses ein klares und weit vernehmbares Zeichen für die Wiedervereinigung. Diesen Impuls, verbunden mit dem Bekenntnis zur europäischen Zusammenarbeit, würdigte die damalige Bundesministerin für innerdeutsche Beziehungen, Dorothee Wilms, mit einer in der Öffentlichkeit viel beachteten Festrede, in der sie auch einen Weg zur deutschen Einheit skizzierte. In einem Grußwort übermittelte Bundeskanzler Helmut Kohl seinen Dank und seine Unterstützung für die Erinnerung an die freiheitlichen Gedanken des Wartburgfestes und das Bekenntnis zu einem geeinten Deutschland in einem freien Europa.Martin Lohmann: Farbenschau für ein freies Europa, Rheinischer Merkur/Christ und Welt Nr. 18 - 4. Mai 1990.Franz-Josef Klassen (Hrsg.): Geschichte der Katholischen Deutschen Burschenschaft Sigfridia zu Bonn im RKDB 1910–2010, Bonn 2010.Burschenschafter auf der Wartburg, Thüringer Nachrichten, 30. April 1990.Nach 173 Jahren wieder auf der Wartburg, Münchner Merkur, 31. April/1. Mai 1990.Erstmals feierten Studenten wieder einen Kommers auf der Wartburg, Die Welt, 30. April 1990.Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften auf der Wartburg, Junge Welt, 30.04.1990. Dieser außerordentlich erfolgreiche Europa-Kommers veranlasste Sigfridia unter maßgeblicher Organisation ihres Philisterseniors Franz-Josef Klassen, jährlich ein Diskussionsforum auf der Wartburg abzuhalten. Das erste dieser Wartburggespräche fand im Oktober 1990 statt. Damit prägte die KDB Sigfridia in den folgenden zwanzig Jahren die inhaltliche Arbeit des RKDB nachhaltig und strahlte weit in die politisch-gesellschaftliche Öffentlichkeit aus. Diese Gesprächsreihe hatte das Ziel, den innerdeutschen sowie europäischen Dialog auf christlicher und akademischer Grundlage zu fördern. In den ersten Jahren waren die thematischen Schwerpunkte bestimmt durch die Wiedervereinigung. So wurde zu den Themen Soziale Marktwirtschaft im geeinten Deutschland, Chancen der Wiedervereinigung und die europäische Einigung referiert. Folgend wurde das Spektrum erweitert um Tagungen über Bildung, Forschung, Globalisierung und Christentum.Gute Chancen nach 40 Jahren Leistungsstau, Die Welt, 22. Oktober 1990.Gute Wirtschaftspolitik ist Sozialpolitik, Börsen-Zeitung, 24. Oktober 1990.Wartburg: Diesmal waren die Rollen vertauscht, Die Welt, 14. Oktober 1991.Gespräche über das geeinte Deutschland auf der Wartburg bei Eisenach in Thüringen, Bonner Rundschau, 15. Oktober 1991.Neue Bundesländer Mittler zwischen Ost- und Westeuropa, Die Welt, 12. Oktober 1992.Burschenschaften treffen sich wieder - Festvortrag hält Dr. Norbert Blüm, Eisenacher Allgemeine, 29. September 1994.Der lange Weg nach Europa, Die Welt, 29. September 1997.Nach Ost-West-Annäherung jetzt Globalisierung, Kölnische Rundschau, 22. September 2004.Politische Existenz, christlicher Glaube: Ist beides noch in Einklang zu bringen?, Thüringer Allgemeine, 22. September 2000.Katholische Burschenschafter diskutierten auf Wartburg über Kaukasus-Krise, General-Anzeiger Bonn, 23. September 2008, abgerufen am 22. Juli 2025. Später unterstützte die Konrad-Adenauer-Stiftung die Wartburggespräche. Franz-Josef Klassen wurde 2010 für sein Engagement mit dem Verdienstorden des Freistaates Thüringen ausgezeichnet. Die letzten Wartburggespräche führte von 2010 bis 2014 der Cartellverband durch.Dieter Oppermann (Hrsg.): Wartburggespräche katholischer Burschenschafter 1990–1992, 1993–1995, 1996–1999, 2000–2003, 2004-2006. Vorbereitendes Komitee der Wartburggespräche katholischer Burschenschafter, Band 1-5. Eigenverlag, Bonn.Franz-Josef Klassen (Hrsg.): Geschichte der Katholischen Deutschen Burschenschaft Sigfridia zu Bonn im RKDB 1910–2010, Bonn 2010.Thüringen ehrt Bonner Mediziner, General-Anzeiger vom 18. Januar 2010. Der Tradition und dem Geist der Wartburggespräche ist die Verbindung weiterhin verpflichtet und hält diese lebendig. Den 25. Jahrestag der Deutschen Einheit beging sie mit einem Festakt auf der Godesburg.Festakt auf der Godesburg: Sigfridia feiert 25 Jahre deutsche Einheit, General-Anzeiger Bonn, 5. Oktober 2015, abgerufen am 22. Juli 2025.
Im Rahmen der Feiern des 800. Geburtstages der Heiligen Elisabeth von Thüringen feierten Sigfridia und die RKDB-Verbindungen am 15. September 2007 die erste katholische Heilige Messe auf der Wartburg seit 480 Jahren. Die Messe zelebrierte der damalige Erzbischof von Berlin, Georg Kardinal Sterzinsky.
Zwischen 2005 und 2010 veranstaltete die KDB Sigfridia jährliche Kolloquien mit dem Collegium Josephinum Bonn. Diese Veranstaltungsreihe sprach ebenfalls eine breite Öffentlichkeit an und wurde medial begleitet. Das breite Spektrum naturwissenschaftlicher, gesellschaftlicher, religiöser, politischer und ökonomischer Themen wurde durch renommierte Referenten wie Manfred Lütz und Bernhard Vogel erschlossen.Studentenwohnheim Sigfridia e.V. (Hrsg.): Geschichte der Katholischen Deutschen Burschenschaft Sigfridia zu Bonn im Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften 1910–2010. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1990, S. 179–198.
Jüngste Zeit Nach einer Phase des Niedergangs zu Beginn der 2010er Jahre wurde die Aktivitas 2015 mit Unterstützung des Bonner Ortskartells neu belebt. Maßgeblich waren hieran Kartellbrüder der Bonner Rheno-Guestphalia beteiligt. Seitdem ist die Verbindung konsolidiert und wieder mit einer stabilen Aktivitas präsent.
Im Mai 2025 konnte Sigfridia ihr 115. Stiftungsfest mit einem großen Festkommers auf der Godesburg begehen. Dieses Jubiläum wurde gewürdigt durch die Festrede des BND-Präsidenten Bruno Kahl sowie ein Grußwort des Rektors der Universität Bonn, Michael Hoch, in welchem er neben seinen Glückwünschen auch Sigfridias gemeinschaftlichen Einsatz für Universität und Gesellschaft würdigend hervorhob.
Prinzipien