mini|Stadtbrunnen in Weismain Der Stadtbrunnen auf dem Marktplatz von Weismain entstand zwischen 1572 und 1577. Der achteckige Sockel aus Kalkstein und Sandstein trägt eine runde Säule mit korinthischem Kapitell. Darauf die lebensgroße Figur eines gerüsteten Ritters aus Sandstein mit Fahne und Wappenschild. Davor ein neueres Brunnenbecken aus Sandstein in Form eines hinten abgeflachten Achtecks, im vorderen Feld die Jahreszahl 1879. Der Brunnen ist ein geschütztes Kulturdenkmal.
Den Brunnen, einschließlich der Wasserleitung, ließ der Rat der Stadt Weismain in den Jahren von 1572 bis 1577 mit einem Kostenaufwand von 400 Gulden errichten. Die Felder des ehemals die Säule umgebenden Brunnenbeckens sind nicht erhalten. Sie waren versehen mit Abbildungen und Namen der damaligen Ratsmitglieder, darunter dem des in Weismain gebürtigen Chorherrn des Bamberger Stifts St. Stefan, Otto Neydecker.Peter Ruderich: Kunst- und Architekturgeschichte Weismains vom 13. bis zum 20. Jahrhundert, S. 101.
Der Brunnen stand ursprünglich in der Mitte des Marktplatzes, etwa auf Höhe des alten Rathauses an der Einmündung der Burgkunstadter Straße.Tilmann Breuer: Bayerische Kunstdenkmale, Band XVI Landkreis Lichtenfels, S. 202. Im Jahr 1830 wurde das gesamte Ensemble abgebaut, weil der Marktplatz neu gepflastert werden musste. Am 7. Juli 1860 erfolgte die Neuaufstellung, jedoch nur des sogenannten Brunnenmannes. Das heutige, kleine Brunnenbecken wurde im Jahr 1879 angefügt.U.a. Informationstafel am Sockel der Brunnensäule.
Die Brunnenfigur: „Der Fränkische Ritter“ mini|Brunnenfigur: Ritter mit Wappenschild Die sandsteinerne Aufsatzfigur eines gerüsteten Ritters stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem für das Hochstift Bamberg wirkenden Bildhauer Pankraz Wagner, dem Erschaffer der Schönen Pforte an der Alten Hofhaltung in Bamberg.Heinrich Mayer: Die Kunst des Bamberger Umlandes, S. 286. Der Ritter ist von Kopf bis Fuß in einen repräsentativen Plattenharnisch des 16. Jahrhunderts gekleidet. Dieser zeichnet sich durch historisch korrekten Detailreichtum und feine künstlerische Ausarbeitung aus. Er besitzt typische Merkmale, die sich auch bei dem Harnisch der 1572 von Wagner gefertigten Grabmalfigur des Christoph Neustetter in der Fränkischen Galerie in Kronach und bei dem des Heiligen Georg an der Schönen Pforte der Alten Hofhaltung in Bamberg finden. Mit der linken Hand stützt sich der Ritter auf einen Zierschild, welcher die Wappen des Fürstbischofs Veit II. von Würtzburg, des Hochstifts Bamberg (Bamberger Löwe) und der Stadt Weismain trägt. Obwohl der Brunnen im Volksmund den Namen „Rolandsbrunnen“ führt, handelt es sich bei der Ritterfigur nicht um einen Roland, auch nicht um ein Symbol der Gerichtsbarkeit der Stadt, sondern um einen ritterlichen Wappenschildträger als Zeugnis der Landesherrschaft des Hochstifts Bamberg und seines damaligen Fürstbischofs Veit II. über die Stadt Weismain. Die verschiedentlich publizierte Meinung, bei der Weismainer Ritterfigur handle es sich um eine Kopie des Originals im Innenhof des Wasserschlosses Mitwitz, ist mittlerweile hinreichend widerlegt.Peter Engerisser: Der Fränkische Ritter und sein Doppelgänger, S. 4–9.
Erhaltungszustand der Aufsatzfigur Aufgrund des Alters von mittlerweile 450 Jahren und des damit verbundenen, fortschreitenden Zustands der Verwitterung des Ritters, waren in den letzten Jahrzehnten vermehrt Restaurierungsmaßnahmen notwendig – zuletzt im Jahr 2013. Im Juni 2025 wurde der Ritter vorübergehend von seinem Sockel entfernt, um ihn vor den Erschütterungen laufender Baumaßnahmen zu schützen und um erneut notwendige Restaurierungen vorzunehmen. Bei der denkmalgerechten Sanierung der Figur wurden vor allem die Risse am rechten (lanzentragenden) Arm versorgt, sowie die innenliegende Eisenarmierung durch Edelstahl ersetzt, um weiteren Schäden durch eindringendes Wasser und Korrosion vorzubeugen. Dabei traten auch alte Reparaturstellen zutage, die weit in das 19. Jahrhundert zurückreichen. In damaliger Ermangelung von Sandsteinersatzmaterial waren Fehlstellen durch massiven Sandstein aufgefüllt und die Fugen mit Blei abgedichtet worden. Die Neuaufstellung des Ritters auf dem ebenfalls restaurierten Brunnensockel erfolgte am 17. September 2026.
Literatur Tilmann Breuer: Bayerische Kunstdenkmale, Band XVI Landkreis Lichtenfels, München 1962. Heinrich Mayer: Die Kunst des Bamberger Umlandes, 2. Auflage, Bamberg 1955. Peter Ruderich: Kunst- und Architekturgeschichte Weismains vom 13. bis zum 20. Jahrhundert. In: Weismain, eine fränkische Stadt am nördlichen Jura, Band 2, hrsg. von Günther Dippold, Weismain 1996. Abgedruckt in: cranach, Magazin für das Kronacher Land (ISSN 2191-9046), Nr. 59/2025, 35. Jahrgang, S. 12–21.
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Einzelnachweise
Kategorie:Baudenkmal in Weismain Kategorie:Bauwerk in Weismain Kategorie:Versetztes Bauwerk in Bayern Weismain Kategorie:Erbaut in den 1570er Jahren Kategorie:Sandsteinskulptur Kategorie:Soldatendarstellung (Bildende Kunst)