Trenčín (; oder Trenczin, , in der Antike beziehungsweise Trentsinium im Mittelalter und in der Neuzeit) ist ein Zentrum des mittleren Waagtals in der Westslowakei nahe an der Grenze zu Tschechien.
Die Stadt hat Einwohner (Stand ) und ist Hauptstadt des Trentschiner Landschaftsverbands sowie des Bezirks Okres Trenčín. Auf einem Felsen über der Stadt steht die mittelalterliche Burg Trenčín.
Im Dezember 2021 wurde die erfolgreiche Kandidatur von Trenčín zur Kulturhauptstadt Europas 2026, zusammen mit dem finnischen Oulu, bekannt gegeben.Trenčín bude Európskym hlavným mestom kultúry 2026 In: sme.sk vom 10. Dezember 2021, abgerufen am 31. Dezember 2021
Geographie mini|links|Luftbild auf die Burg, ein Teil des Zentrums und des Stadtparks Brezina
mini|links|Blick von der Burg auf Trenčín
Trenčín liegt im Westen der Slowakei am Mittellauf der Waag (slowakisch Váh), zwischen den Weißen Karpaten im Norden und Westen, dem Gebirge Strážovské vrchy im Osten und Považský Inovec im Süden. Geomorphologisch liegt die Mehrheit der Stadt in der Tallandschaft Považské podolie an der Grenze ihrer beiden Teile: des Kessels Trenčianska kotlina, der nach Südwesten verläuft, und des Kessels Ilavská kotlina, der nordöstlich gelegen ist. Prägend ist ein Ausläufer der Strážovské vrchy um den Berg Kozí vrch (), der heute den Stadtpark Brezina beherbergt. Er verengt im Zentrum das Tal auf wenige hundert Meter und verursacht zusammen mit der Waag eine unregelmäßige Form der Stadt. Das Ortszentrum liegt auf der Höhe von am linken Ufer der Waag.
Kurz vor dem Zentrum fließt der Kanal Kočkovský kanál mit der Waag zusammen, während weiter flussabwärts der Kanal Biskupický kanál abzweigt.
Etwa 20 km nordwestlich von Trenčin verläuft die Grenze zu Tschechien, die den Hauptkamm der Weißen Karpaten entlang läuft. Das Ortszentrum ist 120 km von der Hauptstadt Bratislava entfernt; die nächste Regionalhauptstadt Žilina liegt etwa 80 km flussaufwärts. Die Größe der Gemeindefläche beträgt etwa 82 km².
Nachbargemeinden von Trenčín sind Horná Súča, Dolná Súča, Hrabovka und Zamarovce im Norden, Skalka nad Váhom und Trenčianska Teplá im Nordosten, Trenčianske Teplice, Petrova Lehota und Motešice im Osten, Soblahov im Südosten, Trenčianska Turná im Süden, Veľké Bierovce und Opatovce im Südwesten, Kostolná-Záriečie und Drietoma im Westen.
Geschichte mini|Römische Inschrift von Trenčín Trenčín ist eine alte Siedlungsstätte und war seit der Steinzeit fast durchgehend besiedelt. Bekannt sind Siedlungen der Maďarovce-Kultur aus der Jungbronzezeit sowie der Lausitzer und der Puchauer Kultur. Der Ort lag auf einem der Äste der Bernsteinstraße. Im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. gab es eine befestigte Siedlung der Kelten, die aber gegen Anfang unserer Zeitrechnung durch germanische Stämme, insbesondere Quaden und Markomannen, vertrieben oder assimiliert wurden.História mesta Trenčín, trencin.sk, abgerufen am 27. Juni 2011 Aus der Zeit der Markomannenkriege, genauer einer Auseinandersetzung zwischen dem Römischen Reich und den Quaden in der (späteren) Slowakei, stammt eine um 179 n. Chr. in den Burgfelsen eingemeißelte Inschrift; sie ist das nördlichste Zeugnis der Anwesenheit römischer Legionen in Mitteleuropa östlich des heutigen Deutschlands. Trenčín hieß damals Laugaricium.
Nach dem Ende des römischen Einflusses gegen Ende des 4. Jahrhunderts brach die Zeit der Völkerwanderung an. Am Ende dieser Epoche im Jahr 568 verließen große Teile der germanischen Bevölkerung unter Alboin das Karpatenbecken in Richtung Italien. Um diese Zeit erreichten auch die ersten Slawen dieses Gebiet. Funde aus dem 5. und 6. Jahrhundert bestätigen ihre Anwesenheit in der Region. Im Stadtgebiet von Trenčín wurden Funde aus dem 7. bis 12. Jahrhundert gemacht.
Zur Zeit des Großmährischen Reiches war Trenčín ein wichtiger Ort. Nach dem Untergang von Großmähren wurde die Gegend schrittweise in den neuen ungarischen Staat eingegliedert; dieser Prozess soll spätestens Ende des 10. Jahrhunderts abgeschlossen worden sein.Lacika, J., „Trenčín and its environs“, S. 20 Im 11. Jahrhundert wurde der Ort zum Sitz der neuen Gespanschaft Trentschin, die sich über das mittlere Waagtal erstreckte. Wegen seiner Lage war das Gebiet zwischen den Königreichen Ungarn, Böhmen und Polen umstritten. 1067 wird in einer Urkunde ein Einfall der Böhmen erwähnt, wo auch die Burg zum ersten Mal genannt wurde.
mini|Matthäus Csák, ein bedeutender Herrscher im frühen 14. Jahrhundert Der Ort unter der Burg wurde zum ersten Mal in den Zoborer Urkunden 1111 als Treinchen schriftlich erwähnt und diente zur Wache einer Furt über die Waag. Seit dem frühen 13. Jahrhundert sollte er auch das Marktrecht besitzen.Lacika, J., „Trenčín and its environs“, S. 21 1241 wurde der Ort durch die einfallenden Mongolen zerstört, sie konnten aber die Burg nicht erobern.
Zwischen 1302 und 1321 war die Burg Sitz des ungarischen Oligarchen Matthäus Csák, der für einige Jahre von hier aus den Großteil der heutigen Slowakei politisch und militärisch beherrschte und ihr faktischer Herrscher war. Nach Csáks Tod wurden die Stadt und die Burg vom königlichen Heer besetzt. Trotz der „feindlichen“ Lage wurden der Stadt im späten Mittelalter mehrere Rechte zugesprochen: 1324 wurden die Bürger vom Bezahlen der Maut im gesamten Königreich ausgenommen. Im 1335 geschlossenen Vertrag von Trentschin zwischen Karl von Anjou, König von Ungarn, Johann von Luxemburg, König von Böhmen, sowie Kasimir dem Großen, König von Polen, verzichtete Polen „für alle Zeiten“ auf Schlesien zugunsten des Königreichs Böhmen. 1370 kam das Recht zur Veranstaltung eines Jahrmarkts, 1380 erhielten die Bürger das Recht, Bier zu brauen.Lacika, J., „Trenčín and its environs“, S. 25 Aber erst 1412 wurde Trentschin vom König Sigismund von Luxemburg zur freien königlichen Stadt erklärt. Zu Ende des 15. Jahrhunderts gab es in der Stadt 14 Zünfte, daneben auch Händler.Lacika, J., „Trenčín and its environs“, S. 27
mini|Die Stadt Trentschin mit der Burg um 1700 Nach der ungarischen Niederlage in der Schlacht bei Mohács im Jahre 1526 wurde die Stadt mit der Burg zum Schauplatz des Kampfes um den ungarischen Thron: 1528 wurde die von den Zápolyas verteidigte Burg teilweise durch Verrat von den Truppen Ferdinands I. erobert und die Stadt schwer beschädigt. In dieser Zeit verbreitete sich in der Stadt die Reformation, die nach der Schlacht am Weißen Berg im Jahre 1620 durch böhmische Flüchtlinge noch verstärkt wurde. Die Jesuiten kamen im Jahr 1647, um der Reformation entgegenzuwirken. Die Stadt wurde zwar nie von den Türken oder ihren Vasallen erobert; sie verwüsteten in den Jahren 1599 und 1663 aber das weitere Umland.História v dátach a číslach, trencin.sk, abgerufen am 27. Juni 2011 Trentschin wurde mehrmals von den ungarischen Aufständischen in Mitleidenschaft gezogen, wie 1604 von Stephan Bocskays Heer oder 1624 von den Aufständischen von Gábor Bethlen. Obwohl Emmerich Thökölys Aufstand die Stadt nicht erreichte, kam die größte Last erst 1704, als Franz II. Rákóczis aufständisches Heer das Umland kontrollierte, die Kaiserlichen jedoch die Stadt mit der Burg. Die Blockade von der Seite der Kuruzzen dauerte vier Jahre. In dieser Zeit verbreitete sich Hunger, und am 14. Mai 1708 brannten 195 Häuser nieder. Am 3. August 1708 erlitten die Aufständischen in der Schlacht bei Trentschin mit den kaiserlichen Truppen eine empfindliche Niederlage und mussten zurücktreten. Diese katastrophale Periode endete mit zwei Pestepidemien von 1710 und 1715: bei der ersten büßte die Stadt mehr als 1000 Einwohner ein, bei der zweiten kamen „lediglich“ 222 Einwohner ums Leben. Nach einem anderen Brand im Jahr 1790 brannte neben der Innenstadt auch die Burg aus. Im August 1813 kam hingegen eine große Flut, bei der 44 Einwohner ums Leben kamen.
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zur Entwicklung der Industrie in der Stadt. Zu dieser Zeit verlor sie aber den Status als freie königliche Stadt wurde lediglich zum Stadtbezirk des Komitats Trentschin. Die Waagtalbahn erreichte zuerst den Vorort Istebník an der rechtsufrigen Seite der Waag im Jahr 1879, vier Jahre später dann die Stadt selbst. Später entstanden Eisenbahnverbindungen zum Wlarapass und zum Neutratal. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden eine Brennerei, ein Möbelwerk, eine Fabrik zur Herstellung von Sprengstoff (allerdings nach dem Ersten Weltkrieg stillgelegt) und ein Werk zur Wollverarbeitung errichtet. Später entwickelte sich insbesondere Maschinenindustrie. 1907 wurde die Stadt elektrifiziert. Auch die k.u.k. Armee war in der Stadt anwesend: 1914 waren hier das Ungarische Infanterieregiment „Galgótzy“ Nr. 71 sowie das Honvéd Infanterieregiment Nr. 15 stationiert.
Nach dem Zerfall von Österreich-Ungarn wurde die Stadt Anfang November 1918 von tschechoslowakischen Truppen besetzt (völkerrechtlich durch den Vertrag von Trianon bestätigt). In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich die Nahrungsmittel- und Bekleidungsindustrie. Die militärische Tradition setzte sich auch in der ersten tschechoslowakischen Republik und der Ersten Slowakischen Republik fort. Im Zweiten Weltkrieg wurde die große jüdische Gemeinde fast völlig vertrieben, ebenso die Tschechen. Nach dem Ausbruch des Slowakischen Nationalaufstandes bis zur Eroberung durch die Rote Armee am 10. April 1945 wurden hier 69 Partisanen von der Gestapo hingerichtet.
Während der Herrschaft der Kommunistischen Partei kam es zu starkem Bevölkerungswachstum und es wurden Plattenbausiedlungen rund um die Stadt errichtet. Allerdings wurde ein Teil der Altstadt zerstört. Erst nach 1990 wurde sie saniert, und die Stadt ist seit 1996 wieder Sitz eines höheren Verwaltungsgebietes, des Trenčiansky kraj, nachdem sie seit 1923 (mit der Ausnahme 1940–45) nur Sitz eines Okres (Kreises) gewesen war.
1966 wurde das pädagogische Projekt Kinderstadt Mestečko gestartet.
Name Die ersten Quellenbelege aus dem Mittelalter stammen von 1111 (Treinchen) und 1113 (Trenciniensis – als Adjektiv). Obwohl die Etymologie umstritten ist (der Name könnte durchaus noch aus der Zeit vor der Ankunft der Slawen stammen), herrscht die Ansicht vor, dass es sich um eine Zusammensetzung aus dem Personennamen Trnka oder Trenka und der besitzanzeigenden Endung -ín handelt, wonach Trenčín so viel wie „(Burg) von Trnka/Trenka“ bedeutet.
Die deutsche und ungarische Form sind von der slowakischen abgeleitet und werden fast gleich wie diese ausgesprochen.
Stadtgliederung mini|Blick auf die Stadt
Die Stadt ist wie folgt in 4 Stadtbezirke mit 22 Stadtteilen gegliedert: Stred mit den Stadtteilen Stred mesta („Mittelstadt“), Dolné mesto („Unterstadt“), Dlhé Hony, Noviny und Biskupice (1964 eingemeindet) Juh mit den Stadtteilen Juh I. und Juh II. Sever mit den Stadtteilen Sihoť I., Sihoť II., Sihoť III., Sihoť IV., Opatová (1985 eingemeindet), Pod Sokolice, Kubrá (1971 eingemeindet) und Kubrica (1964 zu Kubrá eingemeindet) Západ mit den Stadtteilen Zámostie, Kvetná, Istebník (1960 zu Závažie eingemeindet, 1971 zu Trenčín), Orechové (1960 zu Závažie eingemeindet, 1971 zu Trenčín), Zlatovce (1976 eingemeindet), Nové Zlatovce und Záblatie (1985 eingemeindet)
Bevölkerung
+ EinwohnerzahlenHistorische demografische Daten – populstat.infoJahrEinwohnerJahrEinwohner 1548 (1.200) 1921 10.000 1696 (1.700) 1930 11.800 1787 4.222 1944 13.647 1804 2.614 1950 13.500 1837 3.326 1961 22.300 1870 3.949 1970 28.700 1880 4.400 1980 47.900 1890 5.100 1991 56.800 1900 5.800 1996 59.000 1910 7.800 2001 57.800 Nach der Volkszählung 2011 wohnten in Trenčín 55.877 Einwohner, davon 47.618 Slowaken, 816 Tschechen, 120 Mährer, 118 Magyaren, 47 Deutsche, 28 Russinen, 27 Polen, 17 Russen, 16 Roma und 10 Ukrainer. 132 Einwohner gaben eine andere Ethnie an und 6.928 Einwohner machten keine Angabe zur Ethnie.