mini|Stadtansicht von Westen mini|Stadtansicht von Norden mini|Häuser in der Ludwigstraße

Kelheim ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Niederbayern und mit rund 17.000 Einwohnern zugleich die bevölkerungsreichste Stadt im Landkreis. Überragt wird Kelheim von der Befreiungshalle, die auf einem Bergsporn zwischen Donau- und Altmühltal liegt.

Geographie Lage Die Stadt liegt am Ausgang des Donaudurchbruchs unterhalb des Michelsberges an der Mündung der Altmühl in die Donau, demnach kurz hinter der Stelle, an der die Donau die Fränkische Alb durchquert. Die Stadt liegt an Donau und Altmühl bzw. Main-Donau-Kanal zwischen Ingolstadt und Regensburg. Westlich der Stadt liegt mit dem Naturwald Buchenwälder in der südlichen Frankenalb eines der größten Waldschutzgebiete Bayerns.

Gemeindegliederung Es gibt 27 Gemeindeteile (in Klammern ist der Ortstyp angegeben):

Auf dem Gemeindegebiet gibt es 13 Gemarkungen:

Geschichte Frühe Geschichte mini|Der Schleiferturm (Römerturm)

mini|Das Wittelsbacher Schloss mini|Das Donautor Durch Ausgrabungen kann eine Besiedelung der Umgebung seit dem Neandertaler nachgewiesen werden. Im Stadtgebiet befinden sich bronzezeitliche Grab- und Siedlungsfunde (etwa 2000 v. Chr.), ein bedeutendes Urnengräberfeld (etwa 800 v. Chr.) und hallstattzeitliche Gräberfelder. Zwischen dem dritten und ersten vorchristlichen Jahrhundert befand sich auf dem Michelsberg ein spätkeltisches Oppidum namens Alkimoennis. Mit einer Fläche von 650 Hektar war es das zweitgrößte im Süden Deutschlands. Ebenso gibt es Funde aus der Römerzeit und Ausgrabungen einer bajuwarischen Siedlung (etwa 600 n. Chr.). Der Krieger von Kelheim ist ein Fund aus der Merowingerzeit.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 866. 879 war Kelheim Sitz der Kelsgaugrafen. Im 11. Jahrhundert kam es in den Besitz der Wittelsbacher. Die Stadtrechte wurden Kelheim (Cheleheim) 1181 durch den Bayernherzog Otto I. verliehen. Sein Sohn und Nachfolger, Herzog Ludwig der Kelheimer, machte die Stadt zu einer seiner bevorzugten Residenzen und soll hier auch geboren worden sein. Nach seiner Ermordung auf der Kelheimer Brücke 1231 verlegten die Wittelsbacher die Residenz nach Landshut, wo Ludwig die Burg Trausnitz erbaut hatte. 1476 wurde die alte Burg Kelheim abgebrochen und an ihrer Stelle ein schlichtes Amtsschloss erbaut. Steine der Burg wurden auch für den Neubau des Herzogskastens und des Schleiferturms der äußeren Stadtbefestigung verwendet. Auch nach der Verlegung des Regierungssitzes erfuhr die Stadt an dem wichtigen Donauübergang eine bevorzugte Förderung durch die Wittelsbacher. Sie entwickelte sich zu einem wichtigen Warenumschlagsplatz für Wein, Salz, Fisch, Vieh, Steine und Holz.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt am 3. November 1633 vom schwedischen Heer des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar besetzt und zu einer wichtigen Durchgangsstation beim Versuch der Schweden, Regensburg zu erobern. Hier fanden die Schweden nicht nur eine große Menge Proviant vor, hier wurde auch die Teilung des Heeres vollzogen in zwei Teilheere, die dann bei den Kämpfen um Regensburg die Reichsstadt auf beiden Ufern der Donau von Süden und von Norden her erreichen konnten. Das Übersetzen eines Teilheeres und später auch das Übersetzen der Kanonen und des Nachschubs auf das östliche (in Regensburg südliche) Donauufer konnte hier deshalb gut vollzogen werden, weil eine Fähre vorgefunden wurde, mit der man 60 Pferde gleichzeitig übersetzen konnte. Am 26. Juni 1634 wurde die Stadt von bayerischen Truppen wieder zurückerobert.Peter Engerisser, Pavel Hrnčiří: Nördlingen 1634. Die Schlacht bei Nördlingen – Wendepunkt des Dreißigjährigen Krieges. Verlag Späthling, Weißenstadt 2009, ISBN 978-3-926621-78-8, S. 33, 74

19. bis 21. Jahrhundert Kelheim verlor im Zuge der Reformen von Graf Montgelas 1803/4 seine magistratischen Eigenrechte. Erst mit dem bayerischen Gemeindeedikt von 1818 kann man wieder von Selbstverwaltungsrechten der Kommune sprechen. In Kelheim befand sich die Einfahrt des 1846 eröffneten Ludwig-Donau-Main-Kanals und der Handelshafen. Ein Werksteinbetrieb leitete 1850 frühzeitig die Industrialisierung der Stadt ein. 1882 folgte die Niederlassung eines Zweigwerkes der späteren Zellstofffabrik Waldhof; 1927 ließ sich hier die Parkettfabrik AG nieder. Im Jahre 1935 siedelte sich die Süddeutsche Chemiefaser AG an und 1938 die Süd-Chemie AG, Werk Kelheim.

Im Jahre 2011 wurde der Fund des Raubsauriers von Kelheim bekannt.

Eingemeindungen Am 1. Oktober 1937 wurde die Gemeinde Affecking eingegliedert. Im Jahr 1945 oder 1946 kam Gronsdorf hinzu. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern folgte am 1. Januar 1972 Stausacker. Weltenburg kam am 1. Januar 1975, Staubing am 1. Januar 1976 hinzu. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung der Gemeinden Herrnsaal, Kapfelberg, Lohstadt und Thaldorf am 1. Januar 1978 sowie Kelheimwinzer am 1. Mai 1978 abgeschlossen. Zum 1. Januar 2022 wurde das gemeindefreie Gebiet Hienheimer Forst aufgelöst und alle 126 Grundstücke des gemeindefreien Gebiets mit einer Fläche von insgesamt 2354,0096 Hektar wurden in das Gemeindegebiet der Stadt Kelheim eingegliedert, zum 1. Januar 2026 folgte das gemeindefreie Gebiet Frauenforst mit 19,85 km².Amtsblatt Niederbayern vom 28. November 2025, abgerufen am 1. Januar 2026

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 14.676 auf 16.714 um 2.038 Einwohner bzw. um 13,9 %.

Stadt Kelheim nach dem jeweiligen Gebietsstand Datum/Jahr Einwohner 1880 3.004 1925 3.954 1939 6.346 1950 10.879Volkszählung am 6. Juni 1961 11.935 Volkszählung am 27. Mai 1970 12.183

Heutiges Gebiet der Stadt Kelheim Datum/Jahr Einwohner 1961 15.044 1970 15.419 1980 14.165 Volkszählung am 25. Mai 1987 14.701 1991 15.383 1995 15.760 2001 15.662 2005 15.667 2010 15.488 Volkszählung am 9. Mai 2011 15.339 2015 16.270 2022 17.044

Politik mini|Das Neue (rechts) und das Alte Rathaus (links) Bürgermeister Im Mai 2026 wurde Dennis Diermeier (FW) zum Ersten Bürgermeister gewählt. Dessen Vorgänger war Christian Schweiger (CSU), der die Stichwahl gegen Diermeier verloren hatte.SPD-Chef Horst Hartmann tritt zurück, mittelbayerische.de, abgerufen am 11. Oktober 2020.

Stadtrat Der Stadtrat umfasst (ohne Ersten Bürgermeister) 24 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 8. März 2026 führte zu folgendem Ergebnis: Partei / Liste CSU SPD Grüne FWG Junge Liste Kelheim (JL) Kelheimer Mitte (KM)AfD Sitze 6 3 3 6 1 23 Stimmenanteil 23,70 % 12,40 % 13,20 % 28,0 % 4,0 % 7,60 %11,0 %

Verwaltung Kelheim ist Sitz der Kreisverwaltung des gleichnamigen Landkreises.

Wappen

Städtepartnerschaften : Freundschaftsbund mit Sulzfeld am Main seit 1989 : Städtepartnerschaft mit Ambarès-et-Lagrave seit 1989 : Freundschaftsbund mit Kuźnia Raciborska (Ratiborhammer) seit 1994 : Städtepartnerschaft mit Soave seit 2006

Öffentliche Einrichtungen

Gerichte In Kelheim befindet sich ein Amtsgericht. Es gehört zum Landgerichtsbezirk Regensburg und zum OLG-Bezirk Nürnberg.

Krankenhäuser Am Goldberg befindet sich das Caritas-Krankenhaus St. Lukas.

Schulen Drei Grundschulen (GS Kelheimwinzer, GS Kelheim-Nord, GS Kelheim-Hohenpfahl) Wittelsbacher Mittelschule (früher eine Hauptschule) Donau-Gymnasium Kelheim, gegr. 1948 (Naturwissenschaftlich-technologisches und neusprachliches Gymnasium) Staatliche Berufsschule Staatliche Berufsoberschule Staatliche Fachoberschule (Technischer, wirtschaftlicher und sozialer Zweig) Bayerische Waldbauernschule der Bayerischen Forstverwaltung in Goldberg, zur Schulung von Waldbesitzern und Forstarbeitern Musikschule Förderzentrum (ehem. Sonderschule) Thaldorf Berufsfachschule für Krankenpflege Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung im Gesundheitswesen vhs Weiterbildungsakademie Kelheim e. V.

Ansässige Unternehmen Weisses Bräuhaus G. Schneider & Sohn, größter Bierbrauer in Kelheim und überregional bekannt durch die Schneider Weisse H. von Gimborn, Hersteller von Heimtierprodukten Heidrive GmbH, Entwicklung und Produktion von Elektromotoren und Getrieben Pasotec GmbH, Hersteller und Entwickler kompletter Systemtechnikeinheiten für die Medizintechnik Kelheim Fibres GmbH, Produktion von Viskosefasern. Ist seit den 1930er Jahren einer der größten Arbeitgeber in Kelheim. PCO AG, Entwicklung und Produktion von Kamerasystemen für wissenschaftliche und industrielle Anwendungen. BLG, das Bremer Logistikunternehmen betreibt in Kelheim eine Niederlassung für Fahrzeuglogistik. Donaupark Wirtschafts GmbH A. & C. Kosik GmbH

Ehemalige Unternehmen Früher wurde in Kelheim auch Zellstoff produziert. Die Bayerische Zellstoff GmbH wurde 1884 gegründet. 1989 begann der Bau einer Zellstoffabrik für 530 Millionen DM. Mit ihrem Organocell-Verfahren galt sie als die umweltfreundlichste Zellstoffabrik der Welt. Mehrere Havarien in der Anlaufphase und ein dramatischer Verfall des Zellstoff-Weltmarktpreises führten 1993 zur Insolvenz.Die Zeit: Kahlschlag in Kelheim, vom 5. November 1993, geladen am 19. August 2020 Auf dem ehemaligen Werkgelände befindet sich heute das Gewerbegebiet Donau Park. Vorher mussten rund 66.000 m² verunreinigter Boden ausgehoben werden, da das Gelände erheblich mit Arsen, Blei, Thallium, Zink und PAK belastet war.Bayerisches Landesamt für Umwelt: Bodenbelastungen: eine Übersicht (2005), geladen am 19. August 2020

Verkehr Schifffahrt Im Hafen Kelheim wurden 2012 wasserseitig 542.000 Tonnen und bahnseitig 103.000 Tonnen Güter umgeschlagen.Website des Hafens Kelheim-Saal, aufgerufen am 19. Januar 2014 In Kelheim mündet die Altmühl und damit der Main-Donau-Kanal in die Donau, von Kelheim abwärts ist die Donau Bundeswasserstraße. Beide Gewässer werden kurz vor ihrem Zusammenfluss von der Europabrücke überspannt.

Fahrten der Personenschifffahrt werden durch den Donaudurchbruch nach Weltenburg sowie auf dem Main-Donau-Kanal nach Riedenburg und Dietfurt angeboten.

Der ehemalige Ludwigskanal, der über Neumarkt in der Oberpfalz und Nürnberg nach Bamberg führte und damit ebenfalls Main und Donau verband, wurde 1950 aufgegeben.

Straße An den überregionalen Straßenverkehr ist Kelheim durch die B 16 (Roding–Füssen) und die Autobahn A 93 (Autobahndreieck Hochfranken (A 72) – Autobahndreieck Holledau (A 9) ) angebunden.

Durch Kelheim führt auch die „Straße der Kaiser und Könige“. Diese verläuft von Frankfurt am Main bis Budapest.

Radfernwege Durch das Stadtgebiet führen mehrere Radwanderwege: Der Deutsche Limes-Radweg folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau. Der internationale Donauradweg führt vom Ursprung der Donau in Donaueschingen bis zu dessen Mündung ins Schwarze Meer. Er ist ca. 2845 km lang und berührt dabei die Länder Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien und Rumänien. Der bekannte Altmühltalradweg. Beginnend in Rothenburg ob der Tauber führt dieser Radfernweg entlang der Altmühl ca. 250 km nach Kelheim.

Bahn und Bus Der öffentliche Personennahverkehr wird durch die Buslinien der Verkehrsgemeinschaft Landkreis Kelheim bedient. Diese binden auch den Bahnhof Saal an, wo stündlich Anschlüsse zur Donautalbahn mit den Fernverkehrsknoten Regensburg und Ingolstadt bestehen.

Seit der Schienenpersonenverkehr auf der 5,5 Kilometer langen Bahnstrecke Saal–Kelheim im Jahre 1988 eingestellt wurde, ist Kelheim neben Tirschenreuth eine der beiden bayerischen Kreisstädte ohne Bahnanschluss. Die Donautalbahn umgeht Kelheim östlich, weil eine Führung über Kelheim den Bau eines Tunnels erfordert hätte.

Im Sommer verbindet das Straßen-Touristenbähnchen Kelheimer Ludwigsbahn den Schiffsanleger über die Altstadt mit der Befreiungshalle.

Seit Juli 2020 bietet der Landkreis Kelheim im Stadtgebiet Kelheim (einschließlich Kelheimwinzer) und dem Bahnhof in Saal a.d. Donau den On-Demand-Verkehr Kexi an.

Kultur und Sehenswürdigkeiten