Die Providence Company war eine private Gesellschaft, die 1630 zur Förderung der puritanischen Kolonisation der Insel Providence mit einer Charta Karls I.Alison Games 1998. ‘The sanctuarye of our Rebell Negroes’: The Atlantic context of local resistance on Providence Island, 1630–41. Slavery and Abolition 19/3, 4. DOI:10.1080/01440399808575253 in der südlichen Karibik gegründet worden war. Hauptmann Daniel Elfrith hatte dem Earl von Warwick die Insel als Siedlungsgebiet vorgeschlagen. Die Kolonialisierungsbemühungen der Gesellschaft auf Providence wurden als ein erfolgloses, unrentables und kurzlebiges Experiment beschrieben""unsuccessful, unprofitable and short-lived experiment", Alison Games 1998, 'The sanctuarye of our Rebell Negroes': The Atlantic context of local resistance on Providence Island, 1630–41. Slavery and Abolition 19/3, 1. DOI:10.1080/01440399808575253.

Gesellschafter Der volle Name der Gesellschaft war "Company of Adventurers for the Plantation of the Islands of Providence, Henrietta, and the adjacent islands, between 10 and 20 degrees of North Latitude and 290 and 310 degrees of longitude."Stanley Pargellis and Ruth Lapham Butler, Daniell Ellffryth's Guide to the Caribbean, 1631. William and Mary Quarterly 1/3, 1944, 275. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/1923731. Die Gesellschaft gab nicht mehr als 20 Anteile heraus. Die Gesellschafter rekrutierten sich aus dem Hochadel und anderen Mitgliedern der englischen Oberschicht, oft waren sie miteinander verwandt oder verschwägert.Eine Liste aller Gesellschafter findet sich in Karen Ordahl Kupperman, Providence Island, 1630-1641. Cambridge, Cambridge University Press 2009, Appendix 1 Unter den Investoren war der Puritaner Rich (Earl of Warwick). Dieser war auch an der Virginia Company, Somers Isles Company (Bermuda), Guinea Company und Plymouth Company (New England) beteiligt. Den Kampf gegen Spanien unterstützte er auch aus religiösen Gründen. In seinen Memoiren bezeichnet Hans Sloane Rich als Eigentümer von Providence Island. Weitere Gesellschafter waren Sir Thomas Barrington (1589–1644) mit einem vollen Anteil, Sir Nathaniel Rich, Francis Greville, Lord Brooke (1608–1643), Lord Saye and Sele, Sir Benjamin Rudyerd (1572–1658), John Graunt, Richard Knightley († 1639) und John Pym.Karen Ordahl Kupperman, Errand to the Indies: Puritan Colonization from Providence Island through the Western Design. The William and Mary Quarterly 45/1, 1988, 73. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/1922214. Einige der Mitglieder brachten Erfahrungen aus der Kolonisation von Bermuda und Virginia ein.Karen Ordahl Kupperman, Errand to the Indies: Puritan Colonization from Providence Island through the Western Design. The William and Mary Quarterly 45/1, 1988, 75. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/1922214.

Die Insel Providence und weitere Territorien Die vulkanische Insel Providence war mit 17 km² klein und offensichtlich als Siedlungsgebiet für größere Gruppen ungeeignet. Sie bestand aus ca. 16 km² gutem Ackerland, 16 km² hügeligem Land, das für Weidewirtschaft und Nahrungsmittelanbau geeignet war, der Rest war felsig und unfruchtbarAlison Games 1998, 'The sanctuarye of our Rebell Negroes’: The Atlantic context of local resistance on Providence Island, 1630–41. Slavery and Abolition 19/3, 4, DOI:10.1080/01440399808575253. Entweder die Fläche nach Wikipedia oder Cokes Zahlen sind also offensichtlich falsch. Nach Ansicht des Staatssekretärs Sir John Coke konnte die Insel 1000 Familien ernährenKaren Ordahl Kupperman, Errand to the Indies: Puritan Colonization from Providence Island through the Western Design. The William and Mary Quarterly 45/1, 1988, 82. Stable URL:https://www.jstor.org/stable/1922214. Heute leben hier 6411 Einzelpersonen, Cokes Schätzung scheint also hoch, aber nicht völlig unrealistisch. Die Insel besaß aber Süßwasserquellen und fruchtbare Böden, so das Proviant für vorbeifahrende Schiffe angebaut werden konnte. Da sie von Korallenriffen umgeben war, hauptsächlich Steilküsten aufwies und die Häfen hinter hohen Klippen lagen, war sie gut zu verteidigen. Der Hafen war klein und bot Platz für höchstens drei bis vier Schiffe von 300 TonnenAlison Games 1998, 'The sanctuarye of our Rebell Negroes’: The Atlantic context of local resistance on Providence Island, 1630–41. Slavery and Abolition 19/3, 4, DOI:10.1080/01440399808575253. Hauptargument für die Auswahl war vermutlich ihre Lage an den spanischen Schifffahrtslinien von Kuba zum mittelamerikanischen Festland, insbesondere die Landenge von Panama auf dem Weg zum Pazifik (Silberflotte).

Außerdem gehörte noch Henrietta (Sant Andreas) zu dem Territorium. Die Insel war jedoch unbesiedelt und wurde nur aufgesucht, um gelegentlich wilde Kartoffeln zu sammelnAlison Games 1998, 'The sanctuarye of our Rebell Negroes': The Atlantic context of local resistance on Providence Island, 1630–41. Slavery and Abolition 19/3, 6. DOI:10.1080/01440399808575253.

Tortuga Nachdem 1629 der spanische Admiral Fadrique Álvarez de Toledo y Mendoza die Inseln St. Kitts und Nevis im Rahmen des Englisch-Spanischen Krieges (1625 bis 1630) erobert und geplündert hatte, flohen viele Überlebenden nach Tortuga, darunter 80 Franzosen und über 100 Engländer unter dem Kommando von Anthony Hilton, dem ehemaligen englischen Gouverneur der InselCasey Schmitt, Pirates, Planting, and the Rights of Mankind in Seventeenth-Century Tortuga. Latin Americanist 61/4, 2017, 584. DOI:https://doi.org/10.1353/tla.2017.a703607. 1631 erbaten Hilton und 150 andere Plantagenbesitzer den Beistand und Schutz der Gesellschaft für die Ansiedlung auf TortugaAlison Games 1998, 'The sanctuarye of our Rebell Negroes': The Atlantic context of local resistance on Providence Island, 1630–41. Slavery and Abolition 19/3, 6. DOI:10.1080/01440399808575253. Die Gesellschaft ging Karl I. um eine Erweiterung ihrer Charta an und kam dem Ansinnen nach. Sie lieferte sechs Geschütze und Munition. Hilton und sechs andere Engländer wurden in den Rat der Gesellschaft aufgenommen. Damit genossen die Siedler auf Tortuga, nun Association Island genannt, den Schutz der englischen Krone, der freilich rein hypothetisch blieb. Die Siedler blieben im Besitz ihrer Plantagen, sollten aber 20 % des Ertrags an die Gesellschaft abführen. Sie durften nur mit Schiffen der Gesellschaft Handel treiben, die ihren Tabak durch Agenten in England verkaufen würde, und die Gesellschaft hatte ein Monopol auf den Farbholzeinschlag. Neu freigelassene Schuldknechte hatten die Hälfte ihres Ertrages an die Gesellschaft abzuführen. Da die Gesellschaft es nie schaffte, eine ausreichende Menge von Schuldknechten auch nur für Providence anzuwerben und Tortuga eine geringe Priorität besaß, war diese Bedingung freilich eher hypothetischCasey Schmitt, Pirates, Planting, and the Rights of Mankind in Seventeenth-Century Tortuga. Latin Americanist 61/4, 2017, 586-587. DOI:https://doi.org/10.1353/tla.2017.a703607. Statt dessen kauften die Händler der Gesellschaft Sklaven auf Tortuga auf und brachten sie nach Providence. Im Nachhinein scheint es, als habe keine der Parteien beabsichtigt, sich an die Vereinbarung zu halten. Es blieb bei den sechs Kanonen, während die Kolonisten auf Association Island weiter mit allen vorbeifahrenden Schiffen Handel trieben. Die Siedler ergänzten ihren Lebensunterhalt durch PiraterieCasey Schmitt, Pirates, Planting, and the Rights of Mankind in Seventeenth-Century Tortuga. Latin Americanist 61/4, 2017, 587. DOI:https://doi.org/10.1353/tla.2017.a703607. Einige Schuldknechte auf der Insel waren mit ihren Lebensumständen unzufrieden und entflohen. Der Ire Juan Morfa Gerladino y Burco (de Burgh) schloß sich den Spaniern auf St. Domingo anCasey Schmitt, Pirates, Planting, and the Rights of Mankind in Seventeenth-Century Tortuga. Latin Americanist 61/4, 2017, 589. DOI:https://doi.org/10.1353/tla.2017.a703607.

Zusammensetzung der Bewohner Siedler Als Siedler wurden überzeugte Puritaner ausgewählt, wie zum Beispiel Henry Halhead, der Bürgermeister von Banbury, und der Geistliche Hope Sherrard, der mit Halhead aus Banbury gekommen war. Hauptmann Philip Bell, der Schwiegersohn von Hauptmann Daniel Elfrith gab seinen Posten als Gouverneur von Bermuda auf, um Gouverneur von Providence Island zu werden.Karen Ordahl Kupperman, Errand to the Indies: Puritan Colonization from Providence Island through the Western Design. The William and Mary Quarterly 45/1, 1988, 76. Stable URL:https://www.jstor.org/stable/1922214. Zu den Engländern kamen Siedler aus Bermuda, die Philip Bell mitbrachte. Sie kannten die lokalen Verhältnisse, waren aber oft nicht so glaubensfest wie die englischen Neuankömmlinge. Man bemühte sich, unerwünschte Elemente wieder loszuwerden. Es fanden sich jedoch nicht genug überzeugte Puritaner mit gutem Leumund, die gewillt waren, sich dem Unternehmen anzuschließen. So wurden auch auf anderen karibischen Inseln Siedler angeworben. In England setzte man bezahlte Werber ein.Karen Ordahl Kupperman, Errand to the Indies: Puritan Colonization from Providence Island through the Western Design. The William and Mary Quarterly 45/1, 1988, 76 Die Kosten für die Ansiedlung eines Menschen wurden auf 20–30 Pfund geschätzt.Karen Ordahl Kupperman, Errand to the Indies: Puritan Colonization from Providence Island through the Western Design. The William and Mary Quarterly 45/1, 1988, 82 Auch Geistliche zu finden war unerwartet schwierig, man musste ihnen einen hohen Lohn und besondere Begünstigungen anbieten.

Cooke schätze, dass sich im Jahr 1635 500 weiße Männer und 30–40 Frauen auf der Insel befanden.Karen Ordahl Kupperman, Errand to the Indies: Puritan Colonization from Providence Island through the Western Design. The William and Mary Quarterly 45/1, 1988, 82 Es war klar, dass sich die Bevölkerung nicht unabhängig erhalten konnte. Von Anfang an gab es außer englischen VertragsknechtenAlison Games 1998, 'The sanctuarye of our Rebell Negroes’: The Atlantic context of local resistance on Providence Island, 1630–41. Slavery and Abolition 19/3, 6, DOI:10.1080/01440399808575253 auch Sklaven auf der Insel, die 1635 vermutlich die Hälfte der Bevölkerung bildeten.Karen Ordahl Kupperman, Errand to the Indies: Puritan Colonization from Providence Island through the Western Design. The William and Mary Quarterly 45/1, 1988, 80 Bald kam es zu Spannungen zwischen dem Militär und den Geistlichen, sowie den Kolonisten untereinander. Bell wurde beschuldigt, Nahrungsmittel ungerecht verteilt zu haben. Sein Schwiegervater Elfrith und William Rous, einer seiner Unterstützer, erhielten Kaperbriefe, um sie von der Insel zu entfernen. Währenddessen nahm der neue Gouverneur seine Ermittlungen auf, die sich jedoch hinzogen. Gouverneur Andrew Carter schickte 1640 Halhead und Pastor Sherrard schließlich in Ketten nach England zurück, um die dauernden Konflikte zu beenden.Karen Ordahl Kupperman, Errand to the Indies: Puritan Colonization from Providence Island through the Western Design. The William and Mary Quarterly 45/1, 1988, 79 Schon 1633 beklagte Rudyerd Bitterkeit und Konkurrenz zwischen den Siedlern: „wee fynde the roote of bitterness plentifullye planted amongst you, an industrious supplanting one of another, and not a man theare of Place (a straunge thinge to consider) but hee doth both accuse and is accused; these are uncomfortable fruites of Religion.“Karen Ordahl Kupperman, Errand to the Indies: Puritan Colonization from Providence Island through the Western Design. William and Mary Quarterly 45/1, 1988, 79 f. "Place" ist vermutlich ein Schreib- oder Lesefehler für Peace Zusätzlich gab es Diener auf der Insel, die von den Kolonisten aus England mitgebracht worden waren.

Schuldkneche