Hila Latifi (* 1989 in Kabul, Afghanistan) ist eine afghanisch-deutsche Aktivistin, politische Bildungsreferentin und Politikerin (Die Linke). Sie kam im Alter von zehn Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland und lebt in Hamburg.

Leben Hila Latifi wurde in Kabul geboren und floh 1996 im Alter von sechs Jahren mit ihren Eltern aus Afghanistan, kurz nach der Machtübernahme der Taliban. Die Flucht führte die Familie durch elf Länder; ihr jüngster Bruder wurde unterwegs in Moskau geboren. Im Jahr 2000 erreichten sie Deutschland und ließen sich in Bremen nieder. Latifis Eltern, die schon in Afghanistan poilitsch gearbeitet hatten, engagierten sich auch im deutschen Exil für ihr Herkunftsland, etwa durch die Gründung eines Vereins zum Wiederaufbau von Schulen in Afghanistan. Ihre Mutter unterrichtete zudem in der neuen Heimat Deutsch. Latifi selbst wuchs politisch geprägt auf und übernahm früh Verantwortung – sie war Klassen- und Schulsprecherin und trat schon in der Schulzeit engagiert für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung ein. Dennoch erlebte sie auch Phasen des Fremdseins und erkannte später, dass Alltagsrassismus hierzu beitrug.

Als junge Erwachsene zog Latifi nach Hamburg, das für seine große afghanische Gemeinde bekannt ist. In Hamburg absolvierte sie ein Studium in Kunsttherapie und schloss dieses mit einem Bachelor ab. Beruflich war sie anschließend mehrere Jahre als Kunsttherapeutin im psychosozialen Bereich tätig. Zudem qualifizierte sie sich als systemische Paar- und Familientherapeutin sowie Coach und arbeitete als Diversity-Trainerin und Bildungsreferentin für Antirassismus. Sie gründete das „Systemische Intersektionale Institut“ (SII) in Hamburg und übernahm dessen Leitung, um Beratungen und Workshops zu Diversität und Inklusion anzubieten. Darüber hinaus startete Latifi den Podcast „Opium“, in dem sie gemeinsam mit Mitgliedern der afghanischen Diaspora Tabuthemen und interne Diskriminierungen anspricht. Als Autorin verfasst sie Beiträge über die politische Lage Afghanistans, unter anderem für die Zeitschrift analyse & kritik.

Seit 2023 ist sie Mutter.

Politik In Hamburg engagierte sich Hila Latifi vielfältig zivilgesellschaftlich und politisch, insbesondere mit Bezug zu Afghanistan. Sie setzte sich für die Evakuierung gefährdeter afghanischer Ortskräfte ein, die nach dem Abzug der Bundeswehr 2021 in Lebensgefahr geraten waren. In diesem Zusammenhang begleitete sie als Expertin den Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages, der das Evakuierungsdesaster von Kabul 2021 aufarbeitet. Zudem hält sie regelmäßig Workshops und Vorträge über Afghanistan und fungiert als Sprachrohr der afghanischen Community in Hamburg.

Latifi ist seit 2023 Mitglied der Linken und seit 2024 im Vorstand des Hamburger Landesverbands.Hila Latifi linksfraktion-hamburg.de Sie kandidierte bei Bürgerschaftswahl in Hamburg 2025. Dabei gelang ihr mit einem starken persönlichen Stimmergebnis der Einzug in die Hamburgische Bürgerschaft. Zeitgleich wurde mit Mehria Ashuftah (SPD) eine weitere Deutsch-Afghanin ins Hamburger Landesparlament gewählt, was als bedeutendes Signal für die Integration von Migranten in die Politik gewertet wurde. Hila Latifi ist seit dem 26. März 2025 offiziell Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. In der Bürgerschaftsfraktion der Linken übernahm sie die Funktion der Fachsprecherin für Feminismus, Diversity, Integration und Antidiskriminierung. Sie ist Mitglied in mehreren Ausschüssen des Landesparlaments, darunter dem Ausschuss für Gleichstellung und Antidiskriminierung, dem Sozial- und Integrationsausschuss sowie dem Schulausschuss.

Positionen Latifi setzt sich insbesondere für feministische Anliegen und antirassistische Politik ein. Sie betont die globale Bedeutung des Freiheitskampfs afghanischer Frauen für den Feminismus weltweit. Als Fachsprecherin für Diversity, Integration und Antidiskriminierung in ihrer Fraktion macht sie sich für gleichberechtigte Teilhabe von Migranten stark und engagiert sich gegen strukturellen Rassismus. Sie plädiert dafür, Menschen mit Einwanderungsgeschichte stärker in politische Entscheidungsprozesse einzubeziehen und Vorurteile abzubauen.

Ein zentrales politisches Anliegen Latifis ist soziale Gerechtigkeit. Sie tritt für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen und den Ausbau sozialer Sicherungssysteme ein. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten fordert sie insbesondere Maßnahmen gegen hohe Mieten, um Wohnen bezahlbar zu halten. Darüber hinaus setzt sie sich für die Rechte von Geflüchteten ein. So initiierte Latifi im Herbst 2021 eine Petition, um in Hamburg ein erweitertes Bleiberecht und eine humanitäre Aufnahme für Schutzsuchende aus Afghanistan zu ermöglichen. Sie kritisiert in diesem Kontext eine restriktive Asylpolitik und weist darauf hin, dass Abschiebungen in Krisengebiete wie Afghanistan die Betroffenen in Lebensgefahr bringen.

Weblinks

Hila Latifi bei der Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft Abgeordnetenprofil bei der Hamburgischen Bürgerschaft Verdrängtes Leid — Hila Latifi bei Veto

Einzelnachweise

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