Andrzej Steinbach (* 1983 in Czarnkow, Polen) ist ein deutscher Fotografie- und Konzeptkünstler.
Leben Steinbach wuchs in Sobolewo und Chemnitz auf.
Er absolvierte von 2005 bis 2013 sein Fotografiestudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und schloss 2017 sein Meisterschülerstudium bei Heidi Specker ab. 2012 hatte Steinbach einen Studienaufenthalt in Ahmedabad in Indien. Seit 2013 ist er ein Mitglied des Künstlerkollektivs Galerie BRD. Von 2022 bis 2025 war er gemeinsam mit Steffen Zillig Leiter des Briefing Room, eines Projektraums in Brüssel. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Werk Andrzej Steinbachs Werk zeichnet sich durch eine konsequente Erforschung der Rolle von Fotografie, Objekt und Installation in der Bedeutungsproduktion aus. Sein Fokus liegt auf Serien und Wiederholungen, auf der Dekonstruktion gewohnter Darstellungsformen und auf der Infragestellung von Identität, Repräsentation und Funktion.
Arbeitsweise und Themen Steinbach nutzt Fotografie, Video, Skulptur und Installation, wobei die Fotografie den Schwerpunkt bildet. Sein künstlerisches Verfahren umfasst Modelle (Porträtreihen, Objektserien) und Verfahren (Reduktion, Wiederholung, Subtraktion, Konstruktion). Wiederholungen dienen dabei nicht als dekoratives Mittel, sondern als Methode, Zuschreibungen zu destabilisieren. Beispielsweise in Serien wie Figur I, Figur II (2015) werden Personen in minimal variierenden Posen gezeigt, um Identitätszuschreibungen offen zu lassen. In Gesellschaft beginnt mit drei (2017) untersucht er Beziehungen und Hierarchien, die zwischen Figuren entstehen – ohne sie narrativ festzulegen.
In späteren Arbeiten wendet sich Steinbach zunehmend der Objektwelt zu. In der Ausstellung Unkenntliches Metall im Leopold-Hoesch-Museum ist zu sehen, wie normierte Industrieprodukte ihrer Funktion enthoben und als fotografische, skulpturale und videografische Objekte in Szene gesetzt werden. So zeigt er z. B. die Serie Disassembling a Typewriter (2022): Teile einer Schreibmaschine werden zerlegt, isoliert fotografiert und damit in ein neues Verhältnis zur Materialität und Bedeutung gesetzt. In derselben Ausstellung finden sich Arbeiten wie ohne Titel (dreihundert Nägel) oder Serien von durchbohrten Löffeln, die das Verhältnis von Gebrauch, Funktion und ästhetischer Wahrnehmung thematisieren.
Formale Merkmale Steinbach arbeitet häufig in neutralen, sachlichen Bildräumen, die oft Studio- oder nüchtern ausgestatteten Hintergründe aufweisen. Auf ablenkende Hinweise wird verzichtet, Spuren von Raum oder Zeit (z. B. Uhrzeiten, auffällige Requisiten) werden möglichst eliminiert, um die Aufmerksamkeit auf Körperhaltungen, Objekte und deren Anordnung zu lenken. Die Größe seiner Drucke variiert; seine Porträt- und Figurenserien etwa erscheinen in Formaten, die größer wirken, wenn man auf Distanz betrachtet, wodurch Details und Variationen erst allmählich sichtbar werden.
Ein weiteres typisches Stilmerkmal ist die Arbeit mit Wiederholung und Variation: Ändern sich nur Kleidung, Pose oder Blickrichtung, so bleibt dennoch eine Spannung zwischen Individuum und Typus erhalten. Diese Strategien lenken auf Prozesse des Zuschreibens, auf Erwartungshaltungen gegenüber Geschlecht, Alter, sozio-kulturellem Status etc.
Rezeption und Positionierung Steinbachs Arbeiten werden in bedeutenden Institutionen ausgestellt: Im MoMA in New York etwa sind Arbeiten aus Gesellschaft beginnt mit drei Teil der Online-Sammlung. Ebenso wurde seine Einzelausstellung Modelle und Verfahren 2022 im Kunstverein Hamburg gezeigt, in der neue Serien und Installationen versammelt wurden, die sein Werk in Gänze repräsentieren. Die Ausstellung Unkenntliches Metall im Leopold-Hoesch-Museum (Düren) zeigt Steinbachs neuere Hinwendung zur Objektwelt und seine Erweiterung fotografischer Serien hin zu skulpturalen und videografischen Formaten.
Entwicklung und Tendenzen Steinbachs Frühwerk war stark auf das Porträt und Gruppenbild fokussiert, mit Betonung auf Identität, Rolle und sozialer Beziehung (z. B. Figur I, Figur II, Gesellschaft beginnt mit drei). Mit der Zeit verlagerte sich sein Interesse hin zu Objektwelten, Materialien und Funktionszerlegungen, die nicht allein visuell, sondern auch klanglich oder räumlich erfahrbar sind. Die Ausstellung Unkenntliches Metall markiert einen Höhepunkt dieser Entwicklung. Ebenso zeigt Tanz die Maschine in Chemnitz, wie Maschinen und Körper, Technik und kulturelle Konstruktionen in Wechselwirkung gesetzt werden.
2024 brachte Steinbach sein erstes Album "Portal" über sein Label Kinder sowie über Strzelecki Books heraus.
Seine Werke sind in folgenden Sammlungen und Museen weltweit vertreten:
Museum of Modern Art (MoMA) in New York Centre national d’art et de culture Georges-Pompidou in Paris Berlinische Galerie in Deutschland Fotomuseum Winterthur in der Schweiz Folkwang Museum in Essen Sprengel Museum in Hannover Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in Hamburg DZ Bank Art Collection in Frankfurt am Main Vontobel Art Collection in Zürich Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland Sammlung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Dresden Leopold-Hoesch-Museum, Düren Museum der bildende Künste MdbK, Leipzig Peter und Irene Ludwig Stiftung, Aachen Kunstsammlungen Chemnitz Hamburger Kunsthalle
Publikationen (Quelle:)
Andrzej Steinbach, Extensions, Spector Books Leipzig, 2025 Andrzej Steinbach, Modelle und Verfahren, Kunstverein in Hamburg, Spector Books Leipzig, 2023 Andrzej Steinbach, Mögliche Ordnung, Spector Books Leipzig, 2022 Andrzej Steinbach, Der Apparat, Spector Books Leipzig, 2019 Der graue Block, Felix Thiele, Andrzej Steinbach, Steffen Zillig, SuKuLTuR, 2018 Andrzej Steinbach, Gesellschaft beginnt mit drei, Spector Books Leipzig, 2017 Andrzej Steinbach, Bundespreis für Kunststudierende, Bundeskunsthalle Bonn, 2017 Intercity, Issue #2, in collaboration with Institut für Moderne Kunst Nürnberg, 2018 Intercity, Issue #1, in collaboration with Institut für Moderne Kunst Nürnberg, 2017 Andrzej Steinbach & Achim Szepanski, Ultrablack of Music: Feindliche Übernahme, Spector Books Leipzig, 2017 Andrzej Steinbach, Ordinary Stones, Monograph, Études Books Paris, No. 16, November 2016 Andrzej Steinbach, Figur I, Figur II, Monograph, Spector Books Leipzig, 2015 Notes On A Local Standard, Journal Of Aesthetics & Protest Issue #9, 2014 Einfache Steine, Phase 2 #48, Berlin/Leipzig, 2014 Andrzej Steinbach, Hier, Marion-Ermer-Preis, Argo Books, Berlin, 2013 Darwin Magazin #4, Darwin, London, 2013 It Was the Streets that Raised Me, Streets that Paid Me ..., Arne Schmitt and Andrzej Steinbach, Monograph, Spector Books Leipzig, 2012 Introduced by Peter Piller: Andrzej Steinbach, Camera Austria #113, 2011 Andrzej Steinbach, Even and then some, Institut für Buchkunst, 2010 Future Together Now, Institut für Buchkunst Leipzig, 2009
Ausstellungen (Auswahl) 2025: "Hier", Museum für Photographie Braunschweig 2025: "Figuren", Kunstraum Innsbruck 2025: "Hier", Kunsthalle Erfurt 2024: "Simultaneous Localization and Mapping", KIN Gallery Brüssel 2024: "Disassembling A Typewriter", CFAlive, Mailand 2024: "Figur I", Cremona Artweek, Salone Multiuso, Cremona 2024: "Unkenntliches Metall", Leopold-Hoesch-Museum, Düren 2023: "Sender Empfänger", Galerie Conradi, Hamburg 2022: "Verschont mein Haus, zündet andere an" in der Kunsthalle OsnabrückVerschont mein Haus, zündet andere an osnabrueck.de 2022: "Tanz die Maschine", Museum GunzenhauserAndrzej Steinbach - Tanz die Maschine kunstsammlungen-chemnitz.de 2022: "Modelle und Verfahren" im Kunstverein in HamburgAndrzej Steinbach. MODELLE UND VERFAHREN art-in.de 2021: "Beat the System", (Gruppenausstellung) Ludwig Forum in AachenBeat the System! ludwigforum.de 2020: "No true self", (Gruppenausstellung) Centre for Contemporary Photography in MelbourneNo True Self ccp.org.au 2020: "Der Apparat", Galerie Conradi Hamburg 2020: "Industrial Music", Various others, Fructa, München 2019: "Last Train to Cool", KV Leipzig 2019: "Klassenverhältnisse – Phantoms of Perception", (Gruppenausstellung) Kunstverein in Hamburg 2019: "Gesellschaft beginnt mit drei", ZPAF Gallery, Krakau 2018: "Äußere Unordnung", Coalmine Winterthur 2018: "Being: New Photography 2018", (Gruppenausstellung) Museum of Modern Art New York CityBeing New Photography 2018 moma.org 2018: Beteiligung an "Zerrissene Gesellschaft. Ereignisse von langer Dauer" im Centre de la Photographie Genève 2016: "The Parallax View", ASPN Gallery, Leipzig 2016: "Handlungsanweisungen", Galerie Conradi Hamburg 2016: "Instructions", Galerie Conradi, Brüssel 2015: "Funke", Spedition Bremen 2015: "Situations, Hier #16", Fotomuseum Winterthur 2015: "Figur I, Figur II", Sprengel Museum Hannover
Preise (Auswahl)
2023: Neustart plus Stipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn 2022: Arbeitsstipendium Günther-Peill-Stiftung Düren 2021: Recherchestipendien Bildende Kunst Berlin 2020: Neustart Kultur Stipendium Stiftung Kunstfonds Bonn 2017: Bundespreis für Nachwuchskünstler der Bundeskunsthalle Bonn 2016: Sächsisches Landesstipendium für Meisterschüler Dresden 2016: Les Annexes du Chateau de Bourglinster, Ministere de la Culture, Luxemburg 2015: Wüstenrot Stiftung Dokumentarfotografie Förderpreis 11 2015: Berenberg Kulturpreis für junge Kunst Hamburg 2013: Marion Ermer Preis Weimar
Weblinks Andrzej Steinbach Auszeichnungen, Ausstellungen, Monografien und Kataloge Website des Künstlers Briefing Room Projektraum des Künstlers
Einzelnachweise
Kategorie:Performancekünstler (Deutschland) Kategorie:Fotograf (Deutschland) Kategorie:Fotokünstler Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1983 Kategorie:Mann