Ein Eisen-Dextran-Komplex (genauer Eisen(III)-hydroxid-Dextran-Komplex, kurz: Eisen-Dextran) ist ein dunkelbrauner Komplex aus Eisenhydroxid und Dextran. Es wird zur Behandlung von Eisenmangelanämie verwendet.

Verwendung Humanmedizin Eisendextran ist zur Behandlung von Eisenmangelanämie bei Patienten geeignet, bei denen die orale Einnahme kontraindiziert oder nicht angezeigt ist. Eisenmangelanämien können z. B. infolge unzureichender Ernährung, intestinaler Malabsorption, Schwangerschaft oder Blutverlust auftreten.

Eisendextran gehört zu den ältesten parenteralen Eisenpräparaten (1. Generation) und wurde in den 1950er Jahren in Form von hochmolekularem Eisendextran (HMWID, high molecular weight iron dextran) zunächst in UK (Imferon) und in den USA auf den Markt gebracht. Die Umhüllung eines Eisenhydroxidoxid-Kerns mit Dextran bewirkt eine langsame Freisetzung von Eisen, sobald der Wirktoffkomplex in das retikuloendotheliale System phagozytiert ist.Michael Auerbach, Harold S. Ballard: Clinical Use of Intravenous Iron: Administration, Efficacy, and Safety. In: Hematology. 2010, Band 2010, Nummer 1, S. 338–347. .

Als nachteilig erwies sich das Risiko für schwere allergische (anaphylaktoide) Reaktionen. In der Folge wurden Präparate mit niedermolekularem Eisendextran (LMWID, low molecular weight iron dextran) eingeführt, bei denen das Nebenwirkungsprofil günstiger ist. Jedoch gewinnen in Europa dextranfreie Eisenformulierungen (2. und 3. Generation) zunehmend an Bedeutung.

Handelsnamen HMWID: Imferon (UK, a.H), Dexferrum (USA, a.H.) LMWID: INFeD (USA), CosmoFer (D)

Die Verabreichung erfolgt intravenös als Tropfinfusion oder langsame Injektion, kann aber auch intramuskulär gespritzt werden.Fachinformation CosmoFer, Pharmacosmos A/S, Stand März 2023. Abgerufen am 4. Juli 2025. Eine Gesamtdosisinfusion ist, falls erforderlich, möglich. Nach der Aufnahme in die Zellen des retikuloendothelialen Systems wird das Eisen langsam aus dem Komplex freigesetzt und dabei an körpereigene Proteine gebunden. Während der folgenden sechs bis acht Wochen kommt es zu einer verstärkten Hämatopoese. Der Eisen-Dextran-Komplex wird aufgrund seiner Größe nicht über die Nieren eliminiert. Die Plasmahalbwertszeit beträgt 5 Stunden für zirkulierendes Eisen und 20 Stunden für Gesamteisen, d. h. zirkulierendes und gebundenes. Eisen wird in kleinen Mengen über Harn und Fäzes ausgeschieden, eine Akkumulation kann toxische Schädigungen zur Folge haben. Zur Anwendung in der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Daten vor, tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt. Eisenmangelanämien im ersten Schwangerschaftstrimester können oftmals genügend mit oralen Eisenpräparaten (Einnahme) behandelt werden.

Tiermedizin Tiermedizinisch wird Eisendextran zur Behandlung und Vorbeugung einer Eisenmangelanämie, etwa bei FerkelnIsabel Hennig‐Pauka, Martin Ganter, Dirk Bornhorn, Wesley Lyons, E. Marco, Glen W. Almond, Bettina Schneider, Lothar Kreienbrock, Ken Steen Pedersen: Effect of intramuscular treatment with different iron dextran dosages and non-inferiority study to gleptoferron. In: Acta Veterinaria Scandinavica. 2025, Band 67, Nummer 1. . oder KälbernMarlene Sickinger, Jessica Joerling, Kathrin Büttner, Joachim Roth, Axel Wehrend: Influence of an iron dextran injection in various diseases on hematological blood parameters, including serum ferritin, neonatal dairy calves. In: BMC Veterinary Research. 2024, Band 20, Nummer 1, . eingesetzt. Bei Schweinen ist die Eisenmangelanämie eine häufige Mangelerkrankung in der frühen postnatalen Phase.Mateusz Szudzik, Rafał R. Starzyński, Aneta Jończy, Rafał Mazgaj, Małgorzata Lenartowicz, Paweł Lipiński: Iron Supplementation in Suckling Piglets: An Ostensibly Easy Therapy of Neonatal Iron Deficiency Anemia. In: Pharmaceuticals. 2018, Band 11, Nummer 4, S. 128. . Die Präparate werden i. d. R. intramuskulär verabreicht.https://medicines.health.europa.eu/veterinary/de/documents/download/8e4847ad-948a-422d-af40-064358301d5f

Handelsnamen Uniferon (D, USA), Belfer (D)

Eigenschaften Eisendextran besteht aus einem praktisch unlöslichen Eisen(III)-hydroxidoxid-Kern, der von Dextranen, aus Glucose-Einheiten aufgebauten verzweigten Polysacchariden, umhüllt ist. LondonE. London: The Molecular Formula and Proposed Structure of the Iron–Dextran Complex, IMFERON. Journal of Pharmaceutical Sciences, Bd. 95, Nummer 7, 2004. schlug eine Struktur vor, in der ein Teil des Dextrans den kristallinen Kern fest chelatisiert und ein weiterer Teil diesen Kern-Komplex in Form einer äußeren kolloidalen Hülle entfernbar umgibt. Die Forscher stellten fest, dass eine alkalische Behandlung des Dextrans eine gute Stabilität des Eisen-Dextran-Komplexes bewirkte. Später stellte sich heraus, dass die reduzierenden Endgruppen des Dextrans dabei weitgehend in Carboxylgruppen umgewandelt („DxCOOH“) werden. Im postulierten Strukturmodell liegen mehrere DxCOOH-Liganden um den Kern und sind mit ihm durch kovalente Bindungen an den Carboxylenden und über Wasserstoffbrückenbindungen an den anderen Enden verbunden.

Das britische Arzneibuch (British Pharmacopoeia, BP 2014) spezifiziert Eisen-Dextran-Injektionslösung als eine kolloidale Lösung, die einen Komplex aus Eisenhydroxid und Dextranen mit einer durchschnittlichen molaren Masse zwischen 5000 und 7000 Dalton enthält. Sie enthält 4,75 bis 5,25 % Eisen und 17,0 bis 23,0 % Dextrane, der pH-Wert beträgt 5,2 bis 6,5.zitiert nach: Martindale: The Complete Drug Reference, 38th Ed., London: Pharmaceutical Press; 2014. Seite 2075.

Der HMWID-Wirkstoff in Dexferrum hat eine ungefähre molare Masse von 265 kDa, für den LMWID-Wirkstoff in Cosmofer wird sie mit ca. 165 kDa angegeben, für den in INFeD mit 90 kDa.R. Lawrence: Development and comparison of iron dextran products. In: PDA journal of pharmaceutical science and technology. Band 52, Nummer 5, 1998, S. 190–197, PMID 9846066.

Regulierung Über den Safe Drinking Water and Toxic Enforcement Act of 1986 besteht in Kalifornien seit dem 1. Januar 1988 eine Kennzeichnungspflicht für Produkte, die Eisen-Dextran-Komplex enthalten.

In der Tiermedizin war ein Injektionspräparat für Pferde, Rinder und Schweine bis 15. Januar 2005 verfügbar (ATC ), seitdem ist es nicht mehr verkehrsfähig. Heute wird in der Tiermedizin nur noch Gleptoferron eingesetzt,vetidata, abgerufen am 24. Juni 2025 welches eine mehr als 4fach höhere und längere Bioverfügbarkeit aufweist.Daniel Šperling, Barbara Freudenschuss, Aruna Shrestha, Barbara Hinney, Hamadi Karembé, Anja Joachim: Comparative efficacy of two parenteral iron‐containing preparations, iron gleptoferron and iron dextran, for the prevention of anaemia in suckling piglets. In: Veterinary Record 2018, Band 5, Nummer 1 .

Einzelnachweise

Kategorie:Eisenverbindung Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Polysaccharid