mini|Musterbuch Neuwalzwerk um 1890 Die Neuwalzwerk Aktiengesellschaft war neben R & G Schmöle, Eisenwerk Rödinghausen und H.D. Eichelberg eines der vier bedeutenden Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie im Bereich der heutigen Stadt Menden (Sauerland).Broschüre des Industriemuseum Menden auf Gut Rödinghausen Der Betrieb war eines der ersten Drahtwalzwerke im Raum Westfalen und spezialisierte sich ab 1864 auf die Herstellung von Drahtgeflecht und -gewebe.Text Ausstellung Industriemuseum Gut Rödinghausen 1879 wurde im Neuwalzwerk die erste Drahtflechtmaschine des europäischen Kontinents aufgestellt.
Geschichte Werksgeschichte Das Walzwerk wurde 1827 im damaligen Ort Holzen, zuletzt Bösperde, von den Iserlohner Unternehmern Johann Hermann Kissing und Ferdinand Möllmann zunächst als Zweigwerk (Walzwerk) der Iserlohner Inhaberfirma Kissing & Möllmann gegründet. Am 23. Juni 1888 erfolgte aufgrund starken Wachstums die Gründung der Neuwalzwerk Aktiengesellschaft.OBO Blick – Informationen für Mitarbeiter und Geschäftsfreunde der Unternehmensgruppe Bettermann, Ausgabe 1/2001 zum Thema Augenblicke: 90 Jahre OBO – Seite 14/15Eintrag auf aktiensammler.de Ab dem 6. Juli 1898 waren die Aktien der Gesellschaft an der Berliner Börse zum Handel zugelassen. Um die Wende zum 20. Jahrhundert hatte das Unternehmen etwa 700 Beschäftigte.Jahrbuch Berliner Börse 1900/1901 Leipzig, 1899 S. 288 Von Bedeutung war seit den 1860er Jahren die Herstellung von Drahtgeweben und -geflechten. Im Betrieb wurde 1879 die erste Drahtflechtmaschine auf dem europäischen Kontinent in Betrieb genommen. Damit wurde unter anderem das Drahtgeflecht für den damals längsten Zaun der Welt, den Rabbit-Proof Fence in Australien, hergestellt.Museumsführer Industriemuseum Gut Rödinghausen. Menden, (o.J), S. 33Patent vom 6. Oktober 1890 der Aktien-Gesellschaft Neuwalzwerk in Bösperde bei Menden (Westfalen) – Maschine zur Herstellung von Drahtgelechten Daneben produzierte das Unternehmen Leuchten und Halbfertigwaren für Leuchten.Museumsführer Industriemuseum Gut Rödinghausen. Menden, (o.J), S. 37
Grund für die Wahl der Lage am Rande von Holzen in Richtung Fluss Ruhr, des Ortes Fröndenberg war die Wasserkraft der Hönne. Mit dem Bau der Bahnstrecke Bahnstrecke Letmathe–Fröndenberg erhielt das Neuwalzwerk ein eigenes Anschlussgleis in der Nähe des Haltepunktes Bösperde. Über den sogenannten Obergraben verfügte das Neuwalzwerk über eine eigene Staustufe (heute abgebaut).
1957 erfolgte der Verkauf an die Unternehmensgruppe Bettermann. Gewalzte Profile und Spezialdrähte erweiterten das OBO-Portfolio. Für OBO Bettermann war dies eine strategische Entscheidung hin zum Marktführer für Kabeltragsysteme. Treibende Kraft hinter dem Erwerb war Ernst Bettermann, der nach seinem Vater, dem Gründer Franz Bettermann, immer mehr in die Rolle eines Pioniers für die Zukunft des Unternehmens hineinwuchs.Das ist OBO – HistorieOBO Bettermann – Lange Historie kurz dargestellt: So schreiben wir Unternehmensgeschichte
Bedeutung für die Ortsentwicklung Mit Gründung des Werkes und anderer industrieller Unternehmen im Raum Menden begann die Zuwanderung protestantischer Beschäftigten und ihrer Familien in die bislang fast ausschließlich katholische Gegend.Westfalenpost vom 28. Mai 2017
Im Vorfeld des großen Metallarbeiterstreiks in Menden 1912 kam es Ende August bis Anfang Oktober 1911 zu einem Arbeitskampf beim Neuwalzwerk durch den örtlichen Christlichen Metallarbeiterverband. In diesem Zusammenhang wurde eine öffentliche Versammlung durch auswärtige Gendarmen aufgelöst. Im weiteren Verlauf des Streiks kam es zu mehreren Versammlungen und „Volksaufläufen.“ Am 8./9. September beteiligten sich daran 2000 bis 3000 Menschen, insbesondere weil das Unternehmen versuchte Streikbrecher einzusetzen.Anton Schulte: Menden im 19. und 20. Jahrhundert. Menden, 1989 S. 40–43
Im Juni 1857 wurde in der damaligen Gemeinde Holzen mit Ortsteil Bösperde der Schützenverein Holzen-Bösperde Neuwalzwerk gegründet.GBS Menden: Bauen, Wohnen, Leben, Ausgabe Juli 2019, Artikel DER SCHÜTZENVEREIN HOLZEN-BÖSPERDE STELLT SICH VOR Im Jahr 1961 kam es zu Konflikten in dem Verein als man im Verein sich skeptisch zeigte, dass ein Arbeiter Schützenkonig werden könnte. Daraufhin wurde mit dem Bürgerverein Bösperde ein eigener Schützenverein der lokalen Arbeiterbevölkerung mit vielen Mitgliedern aus dem Walzwerk gegründet. Die Firma stellte eine Festwiese sowie eine Baracke als Vereinsheim zur Verfügung.Westfalenpost vom 7. Dezember 2012
1896 wurde mit Unterstützung des Neuwalzwerkes der Turnverein Turnerbund Neuwalzwerk Bösperde gegründet.Turnerbund Bösperde 1896 e.V. - Vereinsgeschichte von 1896 bis 1996 Das Neuwalzwerk verschaffte dem Verein einen eigenen Sportplatz, der jedoch durch Enteignung verloren ging.
Nach 1900 begann das Neuwalzwerk Werkswohnungen zu bauen und prägte damit ganze Straßenzüge an der Grenze zur damalig eigenständigen Stadt Menden im Bereich Landwehr – Tannenbergstraße (ehemals Neuwalzwerkstraße) sowie direkt im Werksumfeld (Am Neuwalzwerk).Deutsche digitale Bibliothek: Archivale Märkischer Kreis – Kreisarchiv – Anlage einer Kolonie auf der Landwehr durch die Aktiengesellschaft Neuwalzwerk
Patente Das Unternehmen Neuwalzwerk nutzte etliche Innovationen für die Erzeugung von Metallwaren, die in rund sechzig Patenten Niederschlag gefunden haben. Nachfolgend werden Patent-Informationen für Erfindungen des Unternehmens beziehungsweise von verbundenen Personen genannt.
Literatur OBO Blick – Informationen für Mitarbeiter und Geschäftsfreunde der Unternehmensgruppe Bettermann, Ausgabe 1/2001 zum Thema Augenblicke: 90 Jahre OBO Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) – Neuwalzwerk AG: Geschäftsberichte und Presseartikel aus der Zeit 1905–1943
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmensgründung 1827 Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Märkischer Kreis) Kategorie:Aufgelöst 1957 Kategorie:Unternehmen (Menden (Sauerland)) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Märkischer Kreis)