Der Waffenstillstand im Gazastreifen 2025 sorgte für eine Pause der Kampfhandlungen und für die Freilassung von Geiseln und Gefangenen während des Kriegs in Israel und Gaza seit 2023. Die Waffenruhe begann am 19. Januar 2025 und endete am 18. März 2025, als Israel einseitig mit schweren Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen begann. Im Zuge des Waffenstillstands übergab die Hamas 33 Geiseln, 25 davon lebend. Israel entließ dafür 1.900 palästinensische Häftlinge.
Hintergrund Der Krieg in Israel und Gaza begann 2023 mit dem von der Hamas geplanten Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem auch Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. In der Folge startete Israel eine Militäroperation, die große Teile der zivilen Infrastruktur in Gaza zerstörte und zu einer katastrophalen humanitären Lage führte.
Zwischen dem 24. November und dem 1. Dezember 2023 bestand bereits für acht Tage ein erster Waffenstillstand im Gazakrieg. In dieser Zeit hatte die Hamas 105 Geiseln freigelassen, 81 Israelis, 23 Thailänder und einen Philippiner. Israel hatte im Gegenzug 240 Palästinenser aus Gefängnissen entlassen.
Verhandlungsprozess Verhandlungen im Mai 2024 Ab dem 4. Mai 2024 fand in Kairo eine Verhandlungsrunde zwischen Hamas-Vertretern und Vermittlern aus den USA, Ägypten sowie Katar statt. Diskutiert wurde ein Vorschlag Israels; er sah eine Einstellung der Kämpfe im Gazastreifen für 40 Tage vor, um israelische Geiseln gegen in Israel inhaftierte Palästinenser auszutauschen. Die israelische Regierung war nur zu einer befristeten Waffenruhe bereit; danach wollte sie den Krieg mit dem Ziel fortsetzen, die Hamas vernichtend zu schlagen. Die Hamas hingegen hatte ein Ende des Krieges sowie den Rückzug Israels aus dem Gazastreifen gefordert.
Die Vermittler waren in den Verhandlungen immer wieder an der Frage gescheitert, ob ein dauerhaftes Ende der Kämpfe im Gazastreifen vereinbart werden solle oder nur eine befristete Feuerpause. Da kein Kompromiss ausgehandelt werden konnte, seien die ägyptischen Unterhändler „gewissermaßen kreativ geworden“, berichtete der US-amerikanische Fernsehsender CNN. Ohne Israels ausdrückliche Zustimmung, hätten diese die von Israel gezogene Grenze für Verhandlungen „verwischt“, sodass die Hamas den Vorschlag der Vermittler am 6. Mai letztendlich akzeptieren konnte. Der ägyptische Vorschlag, dem die Hamas zugestimmt hatte, beinhaltete ein dreistufiges Abkommen, dessen zweite Phase eine dauerhafte Feuerpause beinhaltete. Netanjahu erklärte, der von der Hamas akzeptierte Vorschlag sei weit entfernt von Israels Vorstellungen. Zu einem Waffenstillstandsabkommen kam es zunächst nicht, die Verhandlungen wurden pausiert.
Bidens Vorschlag für ein Waffenstillstandsabkommen US-Präsident Joe Biden präsentierte daraufhin am 31. Mai 2024 einen dreistufigen Plan für eine Waffenruhe, den er ursprünglich als Initiative der israelischen Regierung vorstellte. Die Pläne beinhalteten: Phase 1 bestünde aus einer sechswöchigen Feuerpause und dem Abzug der israelischen Streitkräfte aus allen bewohnten Gebieten des Gazastreifens. Die Hamas würde einige Geiseln freilassen, darunter Frauen, ältere Menschen und Verletzte, im Austausch für die Freilassung hunderter palästinensischer Häftlinge in israelischen Gefängnissen. Auch die sterblichen Überreste einiger israelischer Geiseln würden an die Familien überführt. Palästinenser könnten an ihre Wohnorte in ganz Gaza zurückkehren. Hilfslieferungen würden auf 600 Lastwagen pro Tag angehoben werden. Währenddessen würden die Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien fortgesetzt; bei Erfolg könnte Phase 2 beginnen. Phase 2 würde mit der Freilassung aller restlichen Geiseln der Hamas einschließlich männlicher Soldaten eingeleitet werden. Die israelischen Streitkräfte würden sich dann ganz aus Gaza zurückziehen. Einer vorübergehenden Waffenruhe könnte dann „eine dauerhafte Einstellung der Feindseligkeiten“ folgen. Phase 3 wäre die Rückführung etwaiger sterblicher Überreste israelischer Geiseln, der Wiederaufbau der Wohnhäuser, Schulen und Krankenhäuser im Gazastreifen mit der Unterstützung der USA und der internationalen Gemeinschaft sowie die Bildung einer palästinensischen Regierung ohne Beteiligung der Hamas. Israels Regierung bekannte sich öffentlich nicht zu dem Plan. Ein Berater von Israels Premierminister Netanjahu sagte gegenüber der britischen Sunday Times, der Deal sei zwar „kein guter Deal“, habe aber in den Verhandlungen die Unterstützung Israels erhalten. Netanjahu selbst erteilte einem dauerhaften Waffenstillstand eine Absage, solange die militärischen Kapazitäten der Hamas und deren Fähigkeiten zum Regieren nicht zerstört seien. Die rechtsextremen Koalitionspartner Netanjahus bestanden darauf, den Krieg so lange fortzusetzen, bis die Hamas vollständig vernichtet sei und drohten damit, die Koalition andernfalls zu verlassen. Die Hamas reagierte positiv auf Bidens Vorschlag und begrüßte insbesondere die Aussicht auf einen dauerhaften Waffenstillstand.
Der UN-Sicherheitsrat unterstützte am 10. Juni 2024 mit der Resolution 2735 den Waffenstillstandsvorschlag Bidens.
Verhandlungen im August 2024 und weitere Entwicklungen In Doha, der Hauptstadt des Emirats Katar, begann am 15. August 2024 eine weitere Verhandlungsrunde über ein Waffenstillstandsabkommen. An den Gesprächen nahmen unter anderem CIA-Chef William Joseph Burns, Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, Ägyptens Geheimdienstchef Abbas Kamel sowie aus Israel Mossad-Chef David Barnea und Shin Bet-Direktor Ronen Bar teil. Die Hamas selber nahm an den Gesprächen nicht teil. Am 16. August wurden die Verhandlungen auf die kommende Woche vertagt; die Vermittler sprachen von einer „positiven Atmosphäre“.
Die Verhandlungen über einen Waffenstillstand wurden am 25./26. August in Kairo fortgesetzt, endeten aber erneut ohne Ergebnis. Insbesondere konnte keine Einigung in der Frage erzielt werden, ob Israel während einer Feuerpause den Philadelphi-Korridor und somit das Grenzgebiet Gazas zu Ägypten militärisch kontrollieren dürfe. Israels Ministerpräsident Netanjahu hatte mehrfach betont, sein Land wolle den Philadelphi-Korridor dauerhaft kontrollieren. Den Vorschlag Bidens, sich in der ersten Phase eines Waffenstillstands aus dem Korridor zurückzuziehen, lehnte er ab.
Innerhalb der israelischen Regierung herrschte Mitte August 2024 öffentlich Uneinigkeit über den Abschluss eines Abkommens mit der Hamas für eine Waffenruhe und die Freilassung der verbleibenden Geiseln. Bei einem Briefing eines Parlamentsausschusses hatte Verteidigungsminister Joaw Galant israelischen Medienberichten zufolge geäußert: „Der Grund dafür, dass ein Geisel-Abkommen ins Stocken geraten ist, liegt zum Teil an Israel“. Gallant habe gesagt, dass Israel die Wahl zwischen einem Abkommen über eine Waffenruhe, welche die Konflikte im Norden mit der libanesischen Hisbollah-Miliz und im Gazastreifen beenden könnte, oder einer Eskalation des Kriegs habe. Das israelische Militär und er als Verteidigungsminister unterstützten die erstgenannte Option. Netanjahu reagierte auf die Äußerungen Gallants mit einer Stellungnahme, in der er ihm vorwarf, dass Gallant mit der Übernahme des „Anti-Israel-Narrativs“ die Chancen auf ein „Abkommen zur Geisel-Befreiung“ schmälern würde. Er sehe im Chef der Hamas, Yahya Sinwar, das „einzige Hindernis“, das einem Waffenstillstandsabkommen entgegenstehen würde – Israels einzige Wahl bestehe darin, „den totalen Sieg [über die Hamas] zu erringen“.
Anfang September 2024 berichtete die israelische Zeitung Haaretz unter Berufung auf eine anonyme Quelle aus Regierungskreisen, Netanjahu habe sich auf Druck seiner rechtsextremen Koalitionspartner gegen den Abschluss eines Waffenstillstandsabkommens entschieden.
Auch an der Bereitschaft der Hamas zum Abschluss eines Abkommens wurden im Herbst 2024 Zweifel laut. US-Beamte vermuteten laut der New York Times, Yahya Sinwar habe stattdessen auf den Ausbruch eines größeren Krieges in der Region unter Beteiligung Irans gehofft, der militärischen Druck auf Israel ausübe.
Finale Verhandlungen Am 15. Januar 2025 wurde schließlich der Abschluss eines Waffenstillstandsabkommens zwischen der Hamas und Israel verkündet; vorausgegangen waren mehrwöchige Verhandlungen in Doha.
Das Waffenstillstandsabkommen wurde vom ehemaligen US-Präsidenten Joe Biden und dem derzeitigen Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump politisch vorangetrieben und von deren jeweiligen Nahost-Gesandten Brett McGurk bzw. Steve Witkoff vermittelt.
Bestimmungen des Waffenstillstandsabkommens Im Rahmen des Abkommens war nicht nur ein Geiselaustausch zwischen Israel und der Hamas vorgesehen, sondern es sollte internationalen Hilfsorganisationen auch möglich sein, humanitäre Hilfsgüter in den Gazastreifen zu bringen. Ziel der Waffenstillstandsverhandlungen war es gewesen, die Freilassung aller noch in den Händen der Hamas befindlichen Geiseln, einschließlich der Rückführung der noch im Gazastreifen befindlichen toten Israelis, einen dauerhaften Waffenstillstand zwischen der Hamas, den mit ihr verbündeter palästinensischer Gruppierungen und Israel sowie den kompletten Abzug der israelischen Armee (IDF) aus dem von Israel besetzten palästinensischen Autonomiegebiet Gazastreifen zu erreichen.
Zwischen den Kriegsparteien war vereinbart worden, das Waffenstillstandsabkommen in drei Phasen umzusetzen:
In der ersten Phase des Abkommens verpflichteten sich die Kriegsparteien, einen Waffenstillstand ab 19. Januar 2025 einzuhalten, der zunächst auf 42 Tage befristet war. Während des Waffenstillstands sollte ein Austausch von im Gazastreifen in Geiselhaft befindlichen Israelis gegen in Israel inhaftierte Palästinenser stattfinden. 33 der noch im Gazastreifen in Geiselhaft befindlichen 98 Israelis, sollten im Austausch gegen 1904 bisher in Israel inhaftierte Palästinenser freikommen. Außerdem war der Abzug der israelischen Armee aus den dicht besiedelten Gebieten des Gazastreifens ebenso wie aus dem Netzarim-Korridor, der den Süden vom Norden Gazas trennt, im Abkommen vorgesehen. Die in den Süden Gazas geflohenen Einwohner sollten nach Abzug der israelischen Truppen ungehindert in ihre Wohngebiete im Norden des Küstenstreifens zurückkehren können. In der zweiten Phase des Abkommens sollten am 16. Tag nach dessen Inkrafttreten weitere Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien erfolgen. Der in der ersten Phase des Abkommens in Kraft getretene Waffenstillstand sollte so lange andauern, bis diese Verhandlungen beendet wurden – auch wenn diese länger als sechs Wochen andauern sollten. Ziel der Verhandlungen sollte der Abschluss einer Vereinbarung sein, in welcher festzulegen war, unter welchen Bedingungen die nach der ersten Phase des Waffenstillstandsabkommens noch in Geiselhaft verbliebenen Israelis von der Hamas freigegeben werden sollten. Des Weiteren sollten Vereinbarungen über einen zeitlich unbefristeten Waffenstillstand getroffen werden und die Bedingungen für den vollständigen Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen verhandelt werden. In einer dritten Phase des Abkommens sollte über die Übergabe aller in den Händen der Hamas noch verbliebenen toten Israelis zwischen den Kriegsparteien verhandelt werden. Auch der Wiederaufbau des Gazastreifens sollte während dieser Phase der Waffenstillstandsvereinbarung begonnen und von Ägypten, Katar und den Vereinten Nationen (UN) überwacht werden.
Umsetzung Der Waffenstillstand trat am 19. Januar 2025 um 10:15 Uhr (MEZ) in Kraft.