mini Eduard Schönenberger (* 30. April 1843 in Herrliberg, Kanton Zürich; † 27. Februar 1898 in Zürich) war ein Schweizer Lehrer, Redaktor, Politiker (Zürcher Kantons- und Stadtzürcher Gemeinderat) sowie Autor (ganz überwiegend in Zürcher Mundart).
Leben und Schaffen Leben Schönenberger wuchs als erstgeborener Sohn (s Burischniderhansjokebeheirisbueb) des Landwirtehepaars Heinrich Schönenberger und Luise, geborener Egli, im hoch über Herrliberg und dem Zürichsee gelegenen Weiler Wetzwil auf, wo er auch die Primarschule besuchte. Nach der Sekundarschule in Meilen arbeitete er ein Jahr lang als Sekretär der Schriftstellerin Eliza Wille in Mariafeld, Meilen. Ab 1858 besuchte er das Lehrerseminar in Küsnacht, wo er von Otto Sutermeister geprägt wurde.Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 3–7.
1861 erhielt er eine Stelle als Primarlehrer in Horgen; in die Schulpraxis eingearbeitet wurde er vom Lehrerkollegen und Jugendschriftsteller Johann Jakob Bänninger.Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 7. 1869 wurde er an die Schule von Unterstrass berufen, damals noch ein Vorort der Stadt Zürich, wo er fast dreissig Jahre lang in der Regel als Lehrer der Unterstufenkinder wirkte. In dieser Zeit bildete er sich als Hörer an der Universität Zürich sowie als fleissiger Besucher des Lesesaals der Museumsgesellschaft Zürich weiter.Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 14.
Während 15 Jahren leitete er den Männerchor Unterstrass, zudem war er Mitglied des Sängervereins Harmonie.Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 15 f. Er verfasste auch mehrfach Texte von musikalischen Kompositionen von Karl Attenhofer und Ignaz Heim.Katalog der Zentralbibliothek Zürich > Eduard Schönenberger.
Schönenberger war in erster, kinderloser Ehe ab 1866 mit Karolina Kieser († 1885), Tochter eines aus Württemberg stammenden Schlossermeisters,Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 20 und 21. und in zweiter Ehe ab 1894 mit Rosalie Schönenberger († um 1895/6Nach Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898, S. 22 wurde ihm die zweite Gattin «schon nach kurzem Glücke […] durch den Tod entrissen», und «die letzten Lebensjahre», also bis 1898, verbrachte er «bei einer befreundeten Lehrersfamilie».) verheiratet. Mit nur knapp 55 Jahren starb er an einer Lungenentzündung.Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 22.
Politisches und schulisches Engagement Ein erstes politisches Engagement fand im sogenannten «Seminarkrieg» von 1864 statt, in welchem es um Übelstände in den Internatsverhältnissen am Küsnachter Lehrerseminar ging und zu denen Schönenberger in der Wochenzeitung Der Unabhängige Verbesserungsvorschläge veröffentlichte. An der «Demokratischen Bewegung» von 1867 bis 1869, die dazu führte, dass der Kanton Zürich von einer repräsentativen zu einer direkten Demokratie wurde, beteiligte er sich ebenfalls in Wort und Schrift.
Eine initiative Rolle nahm Schönenberger im «Verein jüngerer Lehrer von Zürich und Umgebung zur pädagogisch-methodischen Weiterbildung» ein, der später im «Lehrerverein der Stadt Zürich» aufging. Von 1872 bis 1879 gab er zusammen mit zwei Kollegen den Pädagogischen Beobacher heraus, und mehrere Jahre redigierte er in der Schweizerischen Lehrerzeitung die Übersicht über die Jugendliteratur. Er amtete als Präsident des Schulkapitels Zürich, als Lehrervertreter in der Bezirksschulpflege Zürich und als Vorstandsmitglied und Präsident der kantonalen Schulsynode. Letztgenannte wählte ihn 1889 in den Erziehungsrat, dem er bis zu seinem Lebensende angehörte. Schulpolitisch trat er für das Obligatorium der ersten zwei Sekundarschuljahre und für eine obligatorische Fortbildungsschule ein.Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 14 f.
Sein Credo des idealen Erziehers verkündete er in einem 1865 im Schulkapitel Horgen gehaltenen Vortrag:Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 7–10.
In diesem Sinne, das Idealistische im Menschen wachzuhalten, wirkte er zeitlebens als Lehrer.
Für die Demokratische Partei sass Schönenberger von 1874 bis 1878 im Zürcher Kantonsrat.Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 16.Kantonsratsmitglieder ab 1803 > Eduard Schönenberger Nach der ersten Eingemeindung 1893, als Unterstrass zur Stadt Zürich kam, wurde er in das städtische Parlament gewählt, den damaligen Grossen Stadtrat.Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 17.
Schriftstellerisches Schaffen mini|Buchumschlag von 1893 mini|Buchumschlag von 1915 Schönenberger war neben der Schule die Pflege und Förderung der Mundart, «unserer eigentlichen Muttersprache», ein grosses Anliegen. Sein an die Kinder und Jugendlichen gerichtetes schriftstellerisches Schaffen gründete in seinem oben genannten idealistischen Credo:Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 10.
Eng verbunden war für ihn die Pflege der Mundart:Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 11–13.
Schönenberger redigierte während vieler Jahre die Illustrirten Jugendschriftchen, das sogenannte «Silvesterbüchlein». Dabei handelte es sich um alljährlich in drei für die verschiedenen Altersstufen bestimmten Ausgaben erscheinende Hefte für Kinder (Kindergärtlein für das Alter von 7–10 Jahren, Froh und gut für das Alter von 9–12 Jahren und Kinderfreund für das Alter von 10–13 Jahren). Diese übersandte er auch der Redaktion des Schweizerischen Idiotikons,Elfter Bericht über das schweizerdeutsche Idiotikon, umfassend den Zeitraum vom 1. Weinmonat 1882 bis zum 31. Heumonat 1885, Huber, Frauenfeld 1885, S. 13 (Digitalisat) und Zwölfter Bericht über das schweizerdeutsche Idiotikon, umfassend den Zeitraum vom 1. Augstmonat 1885 bis Ende 1894, Huber, Frauenfeld 1895, S. 12 (Digitalisat). das er sehr bewunderteGiacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 13. und die sein Werk als Quelle für die Mundart der Zürichseedörfer beizog und -zieht.idiotikon.ch > Verzeichnis der Quellensiglen > ESchönenb(erger). Die in Mundart und Schriftsprache verfassten Idyllen und Kinderszenen wurden 1893 und 1897, ergänzt um weitere Schaffungen sowie mit einer Widmung an «seine[n] verehrten und geliebten Freund Herrn Professor Otto Sutermeister» versehen, in der zweibändigen Publikation Goldene Zeit in Buchform veröffentlicht. Neuauflagen sowie Neuausgaben unter verschiedenen Titeln (unter anderem herausgegeben von Ernst Eschmann, Rudolf Hägni und Ulrich Gut) erfolgten während fast des ganzen 20. Jahrhunderts (1915, 1927, 1946, 1949, 1962, 1968 und 1976).
Weiter verfasste er den poetischen Teil der Lesebücher für die Ergänzungsschule (eine damals an die Primarschule anschliessende Schulstufe für Kinder, die weder Sekundarschule noch Gymnasium besuchten).Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 17. Darüber hinaus schrieb er zahlreiche Gelegenheitswerke zu Schul- und Chorfesten.Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Winterthur-Seen 1943, S. 19 f.
Veröffentlichungen Belletristik Goldene Zeit. Kinderlieder und Idyllen. 2 Bände. Müller, Zürich 1893 und 1897. Hans im Glück. Kinderszenen, Idyllen, Geschichtlein und Gedichte in Schriftsprache und Mundart. Ausgewählt und eingeleitet von Ernst Eschmann. Müller, Werder und Co., Zürich 1915. Goldene Zeit. Gedichte, Idyllen, Geschichten und Szenen in Schriftsprache und Mundart. Ausgewählt von Ernst Eschmann 1927. Müller, Werder und Co., Zürich 1927. Goldene Zeit. Kinderlieder, Gespräche und Idyllen. Ausgewählt von Rudolf Hägni. Gut, Zürich 1949. D Kafivisite und anderi luschtigi Stückli. Uusglääse vom Ruedolf Hägni. Schweizerisches Jugendschriftenwerk, Zürich 1946. 2. Auflage 1962. Werktag und Feierstunden bei Eduard Schönenberger. Gedichte, Lieder und Idyllen aus dem Jahreslauf mit Holzschnitten aus der Originalausgabe von K. Jauslin und Zeitgenossen. Ausgewählt und eingeleitet von Ulrich Gut. Buchdruckerei Stäfa. Stäfa 1968. Die Glocken von Herrliberg. [ohne Verlagsangabe,] Herrliberg 1976.
Sachschriften Die Fortbildungskurse der Lehrer (Reflexion). In: Bericht über die Verhandlungen der Zürcherischen Schulsynode von …–1869 (= Beilage IV), S. 36–49. (mit anderen:) Lehr- und Lesebuch für die Volksschule. 7. bis 9. Schuljahr (12. bis 15. Altersjahr). Verlag der Erziehungsdirektion, Zürich 1872. 2. Auflage ebd. 1875, 3. Auflage ebd. 1882, 4. Auflage ebd. 1888.
Gelegenheitsschriften (kleine Auswahl) Zur Jubelfeier des 50jährigen Bestandes des Limmatthal-Gesangsvereins. Skizzen aus der Vereinsgeschichte. Schiller, Zürich 1878. Ignaz Heim (1818–1880). Biographische Skizze. Den Sängern am Zürichsee und im Limmatthal zur Erinnerung an ihren geliebten Direktor gewidmet. Fritschi-Zinggeler, Zürich 1881. Der Kinderzug an der Bundesfeier und Schulhausweihe in Unterstraß den 14. September 1891. Schab, Zürich 1891.
Literatur Giacomo Böckli: Eduard Schönenberger. Erzieher und Mundartdichter. 1843–1898. Veränderter Abdruck aus der Zürcher Monatschronik [Nummer 12, 1943]. Hrsg. von der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. Jäggli-Meyle, Winterthur-Seen 1943 [S. 3–24 Biographie, S. 1 und 25–48 Auswahl von Idyllen, Gedichten und «Gesprächen»].
Reinhard Müller: Schönenberger, Eduard. In: Deutsches Literatur-Lexikon. 16. Band: Schobel – Schwaiger. Hrsg. von Hubert Herkommer und Carl Ludwig Lang. Saur, Bern/München 1996, ISBN 3-907820-18-5, Sp. 64. Ulrich Utzinger: Eduard Schönenberger. Grabrede (2. März 1898). Orell Füssli, Zürich 1898.
Einzelnachweise
Kategorie:Schullehrer Kategorie:Kantonsrat (Zürich, Person) Kategorie:Kommunalpolitiker (Kanton Zürich) Kategorie:DP-Mitglied (Schweiz) Kategorie:Autor Kategorie:Sachbuchautor (Pädagogik und Psychologie)