Peter Lilienthal (* 27. November 1927Bei seiner Rückkehr nach Deutschland gab er 1929 als Geburtsjahr an. siehe hier in Berlin; † 28. April 2023 in MünchenFilmregisseur Peter Lilienthal mit 93 Jahren in München gestorben. kurier.at. Abgerufen am 28. April 2023.) war ein deutscher Regisseur und Drehbuchautor.
Leben und Wirken Peter Lilienthal war der Sohn von Erna Lilienthal, geborener Israel, und des Bühnenbildners Hans Lilienthal sowie ein Nachkomme des Flugpioniers Otto Lilienthal.Hanns-Georg Rodek: Der Regisseur Peter Lilienthal wird 80. Die Welt, 27. November 2009. 1939 floh seine jüdische Mutter mit ihm vor den Nationalsozialisten nach Uruguay, wo sie ein kleines Hotel eröffnete.Erlebte Geschichten mit Peter Lilienthal. WDR5, 30. November 2014. Lilienthal besuchte ein Gymnasium in Montevideo und studierte nach dem Abitur an der Universität Montevideo Kunstgeschichte, Musik und Jura. Im Universitäts-Filmclub beteiligte er sich an der Produktion von Kurzfilmen.
Von 1956 bis 1959 studierte er an der Hochschule der Künste in Berlin. 1959 konnte er seinen ersten eigenen Film fertigstellen, den Dokumentarfilm Im Handumdrehen verdient über einen Berliner Leierkastenmann. 1959 bis 1961 arbeitete er als Regie- und Produktionsassistent beim Südwestfunk, 1961 bis 1964 als Hausregisseur beim gleichen Sender in der Abteilung Fernsehspiel. 1964 zog er nach Berlin zurück und arbeitete als freier Regisseur hauptsächlich für den Sender Freies Berlin.
In einer Zeit, in der Einschaltquoten noch eine untergeordnete Bedeutung hatten, inszenierte er für das Fernsehen eine Reihe von Adaptionen des absurden Theaters, die wiederholt mit Fernsehpreisen ausgezeichnet wurden. Auch sein erster Spielfilm, Malatesta, wurde zuerst im Fernsehen gezeigt. 1971 gründete er mit anderen Autorenfilmern des Neuen Deutschen Films den Filmverlag der Autoren, aus dem er 1974 wieder ausschied.
In den siebziger Jahren wandte Lilienthal sich in seinen Filmen mehrmals den Problemen in Südamerika zu (La Victoria, Es herrscht Ruhe im Land, Der Aufstand, Das Autogramm).
Einen seiner größten Erfolge feierte er mit dem Film David, der auf der Berlinale 1979 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. In dieser Verfilmung eines autobiografischen Romans schildert er das Leben einer jüdischen Rabbinerfamilie, die zu spät die Gefahren des Nationalsozialismus erkennt. Zu Peter Lilienthals regelmäßigen Mitarbeitern gehörte unter anderen der Kameramann Michael Ballhaus. Bisweilen trat er auch als Schauspieler vor die Kamera, so ist er etwa als Gangster in Wim Wenders’ Der amerikanische Freund von 1976/77 zu sehen.
Lilienthal wurde 1984, auf Anregung von Günter Grass,Hans Helmut Prinzler: Der Traum von den fünf Sekunden. FAZ, 27. November 2009. Gründungsdirektor der Sektion Film- und Medienkunst an der West-Berliner Akademie der Künste. In den neunziger Jahren gründete er eine Sommerakademie, die zu einem begehrten Treffpunkt von Filmschaffenden wurde.
2006 drehte Lilienthal den Dokumentarfilm Camilo – Der lange Weg zum Ungehorsam, eine Produktion der Filmwerkstatt Münster. Der Film handelt von Camilo Mejia, der nach einem zweiwöchigen Heimaturlaub desertiert und zum ersten Kriegsdienstverweigerer des letzten Irakkriegs wird. Neben Camilo, der aus Nicaragua stammt und in den USA im Militärgefängnis wegen Desertion inhaftiert war, ist Fernando Suarez del Solar die zweite Hauptperson, ein gebürtiger Mexikaner, der seinen Sohn in ebendiesem Krieg verlor. In dem Verlangen, in ihrer Wahlheimat USA ein angepasstes Leben zu führen, werden sie beide zu Komplizen der Gewalt. Doch ihre Verwandlung zu aktiven Kriegsgegnern kann ihre Schuldgefühle nicht verdecken. Lilienthal geht es darum zu zeigen, dass Hoffnung besteht, solange Menschen bereit sind, sich zu verändern.
Lilienthal lehrte an der Kunsthochschule für Medien Köln und ab 1966 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Sein Archiv befindet sich im Archiv der Akademie der Künste in Berlin.Peter-Lilienthal-Archiv. Bestandsübersicht auf den Webseiten der Akademie der Künste in Berlin.
Peter Lilienthal lebte zuletzt in München. Dort starb er Ende April 2023 im Alter von 95 Jahren. Er wurde auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München beigesetzt.
Filmografie
Hörspiele
Auszeichnungen 1965: Berliner Kunstpreis (damals: Preis der Jungen Generation) 1965: Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste (Frankfurt am Main) für Seraphine oder die wundersame Geschichte der Tante Flora 1967: Adolf-Grimme-Preis in Gold für Der Beginn 1967: DAG-Fernsehpreis 1970: Bundesfilmpreis: Filmband in Gold (für Malasteta) 1973: Ehrende Anerkennung beim Adolf-Grimme-Preis für Shirley Chisholm for President 1974: Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste für La Victoria 1976: Deutscher Filmpreis für den besten Spielfilm für Es herrscht Ruhe im Land 1979: Goldener Bär auf der Berlinale 1979 für David 1983: Bundesfilmpreis: Deutscher Filmpreis für die beste Regie für Dear Mr. Wonderful 1987: Deutscher Filmpreis für die beste Regie für Das Schweigen des Dichters 2001: Orden Bernardo O’Higgins 2009: Medaille „München leuchtet – Den Freunden Münchens“ in Gold 2011: Deutscher Regiepreis METROPOLIS für das Lebenswerk, gemeinsam vergeben vom Bundesverband Regie und der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst 2012: Carl-von-Ossietzky-Medaille 2020: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
Literatur Lilienthal, Peter. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 765. Anarchismus, eine Philosophie des Friedens. Ein Gespräch mit dem Filmemacher Peter Lilienthal. In: Bernd Drücke (Hrsg.): ja! Anarchismus. Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert. Interviews und Gespräche. Karin Kramer, Berlin 2006, ISBN 978-3-87956-307-4, S. 20–31. Frederik Lang: Des Fernsehens liebstes Wunderkind macht Schule. Peter Lilienthal als Dozent an der dffb, 1966–1968. In: Filmblatt, Jg. 25 (2020), Nr. 72, S. 31–46. Johannes Dominik Hardt: Fundstück: Absurdes Frühwerk. Peter Lilienthals (1962). In: Filmblatt, Jg. 25 (2020), Nr. 72, S. 47–49. Claudia Sandberg: Peter Lilienthal. A Cinema of Exile and Resistance. Berghahn, New York 2021, ISBN 978-1-80073-091-5. Claudia Sandberg: Die frühen Fernseharbeiten von Peter Lilienthal. Ein jüdischer Remigrant im Westdeutschland der Nachkriegszeit. In: Lea Wohl von Haselberg / Lucy Alejandra Pizaña Pérez (Hrsg.): Jüdischer Film. Ein neues Forschungsfeld im deutschsprachigen Raum. edition text + kritik, München 2022, ISBN 978-3-96707-721-6, S. 207–225. Michael Töteberg (Hrsg.): Peter Lilienthal – Befragung eines Nomaden Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2002, ISBN 978-3-88661-235-2. Bernd Drücke: „Also habe ich mich für den Anarchismus entschieden“. Erinnerungen an den Regisseur, Autor und gewaltfreien Anarchisten Peter Lilienthal, Nachruf aus Graswurzelrevolution Nr. 490, Sommer 2024, (graswurzel.net).
Film Mein Leben. Peter Lilienthal. Dokumentarfilm, Deutschland, 2011, 43:20 Min., Buch und Regie: Maria Teresa Curzio, Produktion: MTC Producciones, WDR, arte, Reihe: Mein Leben, Erstsendung: 28. August 2011 bei arte, Inhaltsangabe von arte.
Weblinks . – peter-lilienthal.de. Peter Lilienthal zum Achtzigsten. Der Traum von den fünf Sekunden. In: FAZ, 27. November 2009. Peter Lilienthal erhält die Carl-von-Ossietzky-Medaille 2012, siehe Dokumentarfilm. Peter-Lilienthal-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Ordens Bernardo O’Higgins Kategorie:Träger der Carl-von-Ossietzky-Medaille Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Grimme-Preisträger Kategorie:Mitglied der Akademie der Künste (DDR) Kategorie:Mitglied der Akademie der Künste (Berlin) Kategorie:Hochschullehrer (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin) Kategorie:Hochschullehrer (KHM Köln) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1927 Kategorie:Gestorben 2023 Kategorie:Mann