Rimavská Sobota ( Großsteffelsdorf, Rimaszombat) ist eine Stadt im Landesbezirk Banská Bystrica ( Neusohl) im Süden der Slowakei nahe der ungarischen Grenze. Die Stadt war von 1850 bis 1918 Hauptstadt der Gemerer Gespanschaft, ist heute die größte Stadt des gleichnamigen Okres (deutsch Landkreis) Rimavská Sobota und zählt rund 24.000 Einwohner.

Der Name kommt aus dem Ungarischen und bedeutet so viel wie Samstagsmarkt an der Rimau. Das ungarische Rima sowie slowakische Rimava weisen auf den durchfließenden Fluss hin und das szombat bzw. sobota auf den Markttag. mini|Blick auf die Stadt

Geographie Die Stadt und der Landkreis liegen in der Landschaft Malohont (ungarisch Kishont, deutsch Kleinhont) und im Tal des Flusses Rimava (deutsch Rimau, ungarisch Rima) zwischen dem Slowakischen Erzgebirge und dem Bergland Cerová vrchovina. Geomorphologisch ist die Stadt Teil des Talkessels Juhoslovenská kotlina oder noch genauer dessen Untereinheit Rimavská kotlina. Das Stadtzentrum liegt auf einer Höhe von und ist 105 Kilometer von Banská Bystrica, 125 Kilometer von Košice sowie 275 Kilometer von der Hauptstadt Bratislava entfernt.

Nachbargemeinden sind, im Uhrzeigersinn und beginnend im Norden: Horné Zahorany, Dražice, Zacharovce, Veľký Blh, Uzovská Panica, Tomášovce, Sútor, Rimavské Janovce, Gemerček, Čierny Potok, Husiná, Ožďany, Kružno, Čerenčany und Veľké Teriakovce.

Stadtgliederung Die Stadt Rimavská Sobota besteht aus insgesamt zehn Stadtteilen (Stand 2014), wobei die eigentliche Altstadt links der Rimava liegt; links des Flusses liegt Tomašová.

Name AnmerkungAltstadt und Chrenovisto Altstadt auf Slowakisch Staré mestoBakta 1973 eingemeindet; ungarisch BaktiDúžava 1975 eingemeindet; ungarisch DúsaMojín 1975 eingemeindet; ungarisch MezőtelkesNižná Pokoradz 1975 eingemeindet; ungarisch AlsópokorágyTomašová – Včelinec – Kurinec Tomašová wurde 1948 eingemeindet; ungarisch Rimatamásfalva, Včelinec auf Ungarisch Méhes; Kurinec auf Ungarisch KurincRožňavská – Šibeničný vrch – Sabová – Vinice Šibeničný vrch auf Ungarisch Akasztófa hegyi, deutsch Galgenberg; Sabová auf Ungarisch Szabópuszta; Vinice auf Ungarisch SzölösSídlisko Rimava – Malohontská Malohontská auf Ungarisch Kis-Hont, deutsch KleinhontVyšná Pokoradz 1975 eingemeindet; ungarisch FelsőpokorágyZápad – Sobôtka – Kláčany Sobôtka auf Ungarisch Szabadka mini|Glockenturm in Tomašová 1976–1990 war auch die Gemeinde Zacharovce, ungarisch Zeherje, Teil von Rimavská Sobota, Von 1926 bis 1973 war Bakta vorübergehend eine selbständige Gemeinde.

Einwohner Entwicklung der Einwohnerzahlen +JahrBevölkerung201124 640200125 088199124 771198019 699197014 556196110 50619489 16019407 02319308 04419217 09619106 91219005 84918905 67518804 95618694 90318574 09818307 467

Zusammensetzung der Bevölkerung 201120011991 Nationalität Anzahl in ProzentAnzahlin ProzentAnzahlin ProzentSlowaken 13 301 53,98 %14 87259,28 %14 25657,55 %Ungarn 7 298 29,62 %8 84635,26 %9 85439,78 %Roma 247 1,00 %7553,01 %3541,43 %Ruthenen50,02 %50,02 %20,01 %Ukrainer160,06 %250,10 %160,06 %Tschechen 102 0,41 %1760,70 %2090,84 %Deutsche120,05 %130,05 %110,04 %Polen90,04 %130,05 %70,03 %Kroaten00 %00 %00 %Serben00 %00 %00 %Russen80,03 %00 %00 %Juden40,02 %00 %00 %Mährer50,02 %20,01 %110,04 %Bulgaren60,02 %00 %00 %Sonstige300,12 %00 %00 %keine Angaben3 59714,60 %3811,52 %510,20 %Gesamt24 640100 %25 088100 %24 771100 %

Religion mini|Rimavská Sobota – Holocaust-Mahnmal Nach der Volkszählung 2001 waren 47,84 % der Bevölkerung römisch-katholisch, 25,44 % ohne Bekenntnis, 10,33 % evangelisch. 5,26 % machten keine Angaben. Das ehemals blühende jüdische Gemeindeleben wurde 1944 durch den Holocaust vernichtet. Die Synagoge wurde 1988 abgerissen. Ein Denkmal erinnert seit 2005 an die jüdischen Mitbürger.

Geschichte Anfänge bis zum Mittelalter Der Ort ist ein alter Siedlungsplatz, die archäologischen Funde, die heute im Gemer-Malohont-Museum der Stadt sind, stammen aus der späten Bronzezeit und der Hallstattzeit. Auch römische Siedlungsspuren wurden gesichert. Im 3. und 4. Jahrhundert nach Christus war das Gebiet von den Wandalen bewohnt; im Zuge der Völkerwanderung siedelten hier im 5. und 6. Jahrhundert die Langobarden, welche um 567 von den Awaren vertrieben wurden. Ab dem 6. Jahrhundert wanderten, von Osten kommend, slawische Stämme in dieses Gebiet ein. Ab 895 kam es zu den Ungarneinfällen, ab dieser Zeit kam es zur Einwanderung ungarischer Hirten, die im Laufe des nächsten Jahrhunderts sesshaft wurden. Ein genaues Gründungsdatum von Rimavská Sobota gibt es nicht, die Gemeinde entwickelte sich aus der alten Siedlung villa stephani, die wahrscheinlich bereits im 12. Jahrhundert eine Marktsiedlung war. Um 1150 gelangte die Siedlung durch Erzbischof Miko zum Erzbistum von Kalocsa. Rimaszombat wurde erstmals 1268 (laut Web-Seite der Stadtverwaltung 1271) als Rymoa Zumbota erwähnt; darin wird in einem Schreiben an den Erzbischof Stephanus II., dem Kanzler von Ungarn, bereits von einem Markt mit überregionaler Bedeutung berichtet.

Tamás Széchenyi, ein siebenbürger Adeliger und Herr über Szolnok erwarb am 24. Juni 1334 das Gebiet. Der ungarische König Karl I. gewährte auf sein Einwirken hin der Stadt 1335 die Budaer Stadtrechte. Damit waren wichtige Privilegien verbunden, wie die mautfreie Benutzung aller ungarischer Straßen sowie die Befreiung von allen Zöllen innerhalb Ungarns. Im Jahre 1387 hielt sich der spätere römisch-deutsche Kaiser Sigismund von Luxemburg in der Stadt auf und verlieh ihr am 16. Oktober das Stadtwappen: Auf silbernen Schild ein rot bewehrter und bezungter schwarzer Adler. Für die Stadt war das eine große Auszeichnung, da eine Wappenverleihung zu dieser Zeit nicht nur aufwändig, sondern auch mit hohen Kosten verbunden war.

Im Kampf zwischen Wladislaw III. und Ladislaus Postumus war Rimaszombat mehrmals der Gastgeber für Friedensverhandlungen. Während die Abkommen 1447 und 1452 ergebnislos verliefen, wurde 1451 in Rimaszombat ein Friedensvertrag zwischen Johann Jiskra und Johann Hunyadi geschlossen, nachdem letzterer die Schlacht bei Losonc verloren hatte. 1447 griff im Rahmen dieser Kämpfe Hunyadi erneut an, besetzte die Stadt und Rimaszombat musste als Brandschatzung 16.000 Gulden zahlen.

1460 starb mit Ladislaus II. die Familie Széchenyi im Mannesstamme aus und die Stadt fiel an die ungarische Krone. Im Jahre 1506 zerstörte eine gewaltige Feuersbrunst die ganze Stadt. Damit sie wieder schnell wiederaufgebaut werden konnte, wurde sie von König Wladislav II. für acht Jahre von allen Steuern befreit und die Privilegien der Stadt bestätigt. Im Zuge des Wiederaufbaus der Stadt wurde das Straßennetz von italienischen Architekten planmäßig in Form eines Rechtecks angelegt, was bis heute in der Altstadt zu sehen ist.

Von den Türkenkriegen bis ins 19. Jahrhundert Die schnelle Entwicklung Rimaszombats nahm mit dem Türkeneinfall 1553 ein jähes Ende. Zum zweiten Mal wurde die Stadt 1596 von den Türken besetzt. In dieser Zeit gehörte sie zum Sandschak Fülek, ( Fileck in der Provinz Buda; osmanisch: Eyālet-i Būdīn). Ab 1596 war die Stadt Teil der Provinz Erlau (osmanisch: Eyālet-i Egīr), bis sie 1686 im Rahmen des Großen Türkenkriegs unter König Leopold I. wieder ungarisch wurde. mini|Rimaszombat im Jahre 1769

Nachdem die Stadt unter türkischer Besatzung schwer litt, kam es im 17. Jahrhundert zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, der jedoch durch den Kuruzenkrieg 1710/11 jäh unterbrochen wurde, als die Truppen von Franz II. Rákóczi in der Stadt lagerten und einen antihabsburgischen Aufstand anführten. Als Folge der Kriegswirren wütete 1710 in der Stadt eine schwere Choleraepidemie.

Im Jahre 1769 kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den örtlichen Calvinisten und den Katholiken. Die Calvinisten hatten eine katholische Prozession gestört, da sie den Katholiken vorwarfen, ihre Kirche übernehmen zu wollen. Dies stieß im katholisch geprägten Habsburgerreich auf Empörung, so dass Maria Theresia 1771 die Kirche der Calvinisten abreißen und an deren Stelle eine katholische errichten ließ. Zur Zeit des Josephinismus wurde Rimaszombat erstmals Hauptstadt der Gemerer Gespanschaft, und zwar von 1786 bis 1790. 1805 verbrachte der russische General Michael Kutusow auf dem Rückzug nach der Schlacht bei Austerlitz eine Nacht in Rimaszombat. 1831 verursachte eine erneute Cholera-Epidemie 231 Tote in der Stadt. Während der ungarischen Revolution 1848 waren 250 Soldaten der königlichen ungarischen Landwehr in Rimaszombat untergebracht. Am 21. und 22. Juli 1849 verhandelte hier der Oberbefehlshaber der ungarischen Revolutionsarmee, Artúr Görgey, mit der russischen Armee. Als sich jedoch die österreichischen Truppen unter General Schlik der Stadt näherten, musste Görgey abziehen und russische Truppen besetzten die Stadt. Mitte August, nach der Niederlage der Ungarn in Világos, besetzten im Rahmen des slowakischen Aufstands slowakische Freiwilligenverbände unter Oberst Henrik Lewartowski Rimaszombat. Mit dem Ende des Aufstands Ende Oktober 1849 lösten sich die Verbände auf und verließen die Stadt. Ab 1850 und bis 1922 war Rimaszombat wieder Hauptstadt des Komitats Gemer und Kleinhont.

20. und 21. Jahrhundert 1918 brachen im Mai (12./13.) und Oktober (15.–20.) zum Ende des Ersten Weltkrieges Arbeiter- und Soldatenaufstände in Rimaszombat aus. Im Rahmen des Vertrags von Saint-Germain am 10. September 1919 kam die Stadt zur neu gegründeten Tschechoslowakei, obwohl bei der letzten Volkszählung 1910 90 % der Bevölkerung Ungarn waren. Schon im Januar 1919 besetzte das 32. Bataillon der tschechoslowakischen italienischen Legionäre Rimaszombat. Sie wurden jedoch im Mai 1919 von der ungarischen Roten Armee vertrieben, die eine Arbeiter- und Bauernregierung ausrief. Von 31. Mai bis 5. Juli 1919 war Rimaszombat das Hauptquartier der ungarischen Roten Armee, danach besetzte die tschechoslowakische Armee die Gegend erneut und vertrieb die ungarischen Soldaten. 1919 wurde die Stadt offiziell in Rimavská Sobota umbenannt und der Landkreis Rimavská Sobota gebildet, der bis 1922 noch unverändert zum Komitat Gemer und Kleinhont gehörte. Ab 1923 gehörte die Stadt nach einer Gebietsreform zur Sohler (Groß)-Gespanschaft (slowakisch Zvolenská (veľ)župa). mini|Hauptplatz in Rimaszombat am 10. November 1938 Im Rahmen des Ersten Wiener Schiedsspruchs kam die Stadt am 10. November 1938 wegen ihrer ungarischen Bevölkerungsmehrheit (Volkszählung 1941: 93 % Ungarn) wieder zu Ungarn und wurde in das Komitat Gemer eingegliedert.

Im Juni 1944 wurden die 546 jüdischen Einwohner von Rimaszombat ghettoisiert und über Salgótarján in das KZ Auschwitz deportiert.

Am 21. Dezember 1944 wurde Rimavská Sobota von der 240. motorisierten sowjetischen Schützendivision der 12. Armee unter Generalmajor Ponedelin besetzt. Auf der Pariser Friedenskonferenz 1946 wurde der Wiener Schiedsspruch annulliert und Rimavská Sobota kam wieder zur Tschechoslowakei. Im Zuge der Beneš-Dekrete 1945/46 verließen viele Ungarn ihre Heimatstadt und siedelten sich südlich der Donau an, so dass der ungarische Bevölkerungsanteil stark sank.

Politik Der jeweils auf vier Jahre gewählte Stadtrat von Rimavská Sobota besteht aus 19 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Bei der letzten Kommunalwahl 2014 kam es zu folgendem Ergebnis: Die konservativ-liberale Partei NOVA errang sieben Sitze, die sozialdemokratische SMER drei Sitze, unabhängige Kandidaten zwei Sitze, die Partei der ungarischen Koalition MOST zwei Sitze und die liberal-konservative SDKU zwei Sitze. Jeweils einen Sitz errangen die demokratische Linke SDL, die Partei „Moderne Slowakei“ und die rechtskonservative KDH.

Der amtierende Bürgermeister (slowakisch primátor) ist seit 2010 der parteifreie Jozef Šimko.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft