Der Kreis Dinslaken war von 1816 bis 1823 sowie von 1887 (bis 1909 als Kreis Ruhrort) bis 1974 ein Landkreis am rechten Niederrhein im Regierungsbezirk Düsseldorf (bis 1822: Regierungsbezirk Kleve) zunächst in Preußen und später in Nordrhein-Westfalen.
Geographie
Lage Der Kreis umfasste zuletzt ein Gebiet von der Lippe im Norden, der Grenze zur früheren Provinz Westfalen im Osten, Duisburg und Oberhausen im Süden sowie dem Rhein im Westen. Sitz des Kreises war die Stadt Dinslaken.
Nachbarkreise Der Kreis Dinslaken grenzte 1974 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Rees und Recklinghausen, an die kreisfreien Städte Oberhausen und Duisburg sowie an den Kreis Moers.
Geschichte Der Kreis Dinslaken von 1816 bis 1823 Vorläufer des ersten Kreises Dinslaken war der Kanton Dinslaken. Er wurde 1808 von den Franzosen errichtet, nachdem 1806 aus den rechtsrheinischen Resten der preußischen Rheinlande, dem zuvor im bayerischen Besitz stehenden Herzogtum Berg und einigen angrenzenden Gebieten das napoleonische Großherzogtum Berg geformt wurde. Eine Verwaltungsreform nach französischem Vorbild wurde durchgeführt. Im Jahre 1815 wurde auf dem Wiener Kongress das Gebiet des Kreises Dinslaken wieder Preußen zugeschlagen – bestehend aus einem Teil des Herzogtums Kleve aus vorrevolutionärer Zeit, das spätestens seit 1666 zu Brandenburg-Preußen gehörte.
Im Zuge der preußischen Verwaltungsorganisation wurde der Kreis Dinslaken am 23. April 1816 als einer von 29 Kreisen der Provinz Jülich-Kleve-Berg, der späteren Rheinprovinz, neugebildet. Das Kreisgebiet setzte sich aus den sieben in der Franzosenzeit gebildeten Bürgermeistereien Dinslaken, Duisburg, Gahlen, Götterswickerham, Holten, Ruhrort und Schermbeck zusammen.territorial.de: Kreis Dinslaken Bereits am 27. September 1823 wurde der Kreis wieder aufgelöst. Die Bürgermeisterei Schermbeck kam zum nördlichen Nachbarkreis Rees und die übrigen sechs Bürgermeistereien zum neuen Kreis Duisburg, in den auch der aufgelöste Kreis Essen eingegliedert wurde.
Der Kreis Dinslaken von 1909 bis 1974 Das alte Kreisgebiet gehörte bis 1873 zum Kreis Duisburg, dann bis 1887 zum Kreis Mülheim an der Ruhr und seitdem zum Kreis Ruhrort. Der Kreis Ruhrort wurde am 1. April 1909 in Kreis Dinslaken umbenannt; gleichzeitig wurde das Landratsamt aus der Stadt Ruhrort in die Stadt Dinslaken verlegt.Amtsblatt der Regierung Düsseldorf 1909, S. 83 Der Kreis Dinslaken besaß zunächst die folgende Verwaltungsgliederung: Bürgermeisterei Gemeinden (1909) Dinslaken Dinslaken (Stadt) Gahlen Bruckhausen, Bucholtwelmen, Gahlen, Gartrop-Bühl, Hünxe Götterswickerhamm Görsicker, Löhnen, Mehrum, Möllen, Spellen, Voerde Hamborn Hamborn Hiesfeld Hiesfeld Sterkrade Holten, Sterkrade Walsum Walsum In der Folgezeit kam es zu folgenden Änderungen: Die Bürgermeisterei Götterswickerhamm wurde 1911 in Bürgermeisterei Voerde (Niederrhein) umbenannt.Amtsblatt der Regierung Düsseldorf 1911, S. 143 Hamborn, das 1910 die Einwohnerzahlgrenze von 100.000 überschritten hatte und somit mehr als die Hälfte der Einwohner des Kreises dort wohnten, schied 1911 aus dem Kreis aus und bildete einen eigenen Stadtkreis. Die beiden Gemeinden Mehrum und Görsicker wurden 1913 in die Gemeinde Löhnen eingegliedert.Amtsblatt der Regierung Düsseldorf 1913, S. 177 Am 1. April 1913 erhielt Sterkrade das Stadtrecht und die Gemeinde Holten wurde eine eigene Bürgermeisterei.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1913, S. 234 Hiesfeld wurde 1917 in die Stadt Dinslaken eingemeindet. Sterkrade und Holten schieden 1917 aus dem Kreis aus und wurden zum Stadtkreis Sterkrade vereinigt. Möllen und Spellen wurde 1922 nach Voerde eingemeindet. Die aus mehreren Gemeinden bestehenden Bürgermeistereien Voerde und Gahlen wurden seit 1928 als Amt Voerde (Niederrhein) bzw. Amt Gahlen bezeichnet. Löhnen wurde am 1. April 1950 nach Voerde eingemeindet. Das Amt Voerde (Niederrhein) wurde aufgelöst. Am 1. Juli 1958 erhielt die Gemeinde Walsum das Stadtrecht. Bruckhausen und Bucholtwelmen wurden 1960 nach Hünxe eingemeindet.
Seitdem bestand der Kreis Dinslaken aus der Stadt Dinslaken der Stadt Walsum der Gemeinde Voerde (Niederrhein) und dem Amt Gahlen (Sitz in Hünxe) mit den Gemeinden Gahlen Gartrop-Bühl und Hünxe.
Den öffentlichen Personennahverkehr bediente neben der Staatsbahn und dem Postreisedienst hauptsächlich die Duisburger Verkehrsgesellschaft.
Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Dinslaken.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.
Am 1. Januar 1975 wurde der Kreis Dinslaken im Zuge des zweiten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen aufgelöst: Walsum wurde in die Stadt Duisburg eingemeindet. Gartrop-Bühl wurde ein Teil von Hünxe. Gahlen wurde bis auf den Ortsteil Östrich, der zur Stadt Dorsten kam, Teil der Gemeinde Schermbeck. Dinslaken, Hünxe und Voerde kamen zum neuen Kreis Wesel.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1816 19.827 1910 180.502 1925 61.037 1939 65.315 1950 79.813 1960 116.500 1961 118.554 1970 141.158 1973 146.000
Gemeinden
Zuletzt bestand der Kreis aus den folgenden Gemeinden:Statistisches Bundesamt: Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 27.05.1970. Gemeindekennziffer Name Fläche in km²(Gebietsstand 1.1.1971) Einwohnerzahl(Volkszählung vom 27.5.1970) amtsfreie Städte und Gemeinden 05 2 31 111 Dinslaken, Stadt 45,52 54.731 05 2 31 112 Walsum, Stadt 19,87 48.783 05 2 31 113 Voerde (Niederrhein) 57,66 27.799 Amt Gahlen 97,84 9.845 05 2 31 211 Gahlen 20,53 2.608 05 2 31 212 Gartrop-Bühl 18,33 643 05 2 31 213 Hünxe 58,98 6.594
Politik Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946 Es sind nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.
Jahr SPD CDU FDP DZP KPD 1946 35,7 38,3 3,9 11,1 11,0 1948 37,0 27,3 11,9 14,8 9,0 1952 44,1 24,2 13,1 11,5 7,1 1956 56,7 31,8 9,8 1961 53,3 38,2 8,5 1964 54,2 35,4 7,6 1969 55,4 35,8 7,8
Landräte 1816–1823: Julius Heinrich von Buggenhagen 1909–1916: Emil von Wülfing 1916–1918: Alfred Wilke 1918–1920: Walter Moll 1920–1930: Wilhelm Schluchtmann 1930–1931: Wilhelm von Nathusius 1931–1933: Günther Klein 1933–1945: Wilhelm von Werder 1945–1946: Josef Zorn 1946: Eberhard Brünen 1946–1948: Arnold Verhoeven 1948–1949: Wilhelm Eske 1949–1952: Arnold Verhoeven 1952–1958: Hermann Breymann 1958–1961: Wilhelm Eske 1961–1964: Gustav Stapp 1964–1974: Peter Bailly
Oberkreisdirektoren 1955–1967: Hans Richter 1967–1974: Horst Griese
mini|150px|Wappen des ehemaligen Kreises Dinslaken
Wappen Blasonierung: „Über einem grünen Schildfuß, darin ein goldener (gelber) Hirschkopf, in Silber (weiß) ein roter Bergarbeiter mit Helm, Hacke und Lampe. Im oberen (heraldisch) rechten Eck über einem roten Anker ein roter Fisch und im (heraldisch) linken Eck eine rote Ähre gekreuzt mit einer roten Sense.“ Das Wappen wurde am 10. Februar 1936 angenommen.
Das Wappen bezieht sich auf die wichtigsten Erwerbszweige des Kreises, den Bergbau, die Landwirtschaft und die Schifffahrt auf dem Rhein sowie die Natur mit ihren Wäldern (Hirschkopf). Wappen des Landkreises Dinslaken auf ngw.nl
Kfz-Kennzeichen
Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen DIN zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1974 ausgegeben. Seit dem 3. Dezember 2012 ist es durch die Kennzeichenliberalisierung im Kreis Wesel erhältlich.
Literatur Willi Dittgen: Bewegte Zeit. Der Kreis Dinslaken in den Jahren 1909–1959. Hrsg. vom Landkreis Dinslaken anlässlich seines 50jährigen Bestehens, Dinslaken 1959 Willi Dittgen: Stationen oder „Von den Wechselfällen in der Geschichte des Kreises Dinslaken“, in: Kreis Dinslaken Jahrbuch letzte Ausgabe Dezember 1974; Hrsg. Kreisverwaltung Dinslaken, Dinslaken 1974
Weblinks
Einzelnachweise
Dinslaken Dinslaken Kategorie:Geschichte (Kreis Wesel) Kategorie:Niederrhein Dinslaken Kategorie:Aufgelöst 1823 Dinslaken Kategorie:Aufgelöst 1975