Die Beziehungen zwischen Südafrika und den Vereinigten Staaten sind das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Südafrika und den Vereinigten Staaten. Erste Kontakte reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück, doch besonders im 20. Jahrhundert gewannen die bilateralen Beziehungen politische Bedeutung. Während der Apartheid-Ära in Südafrika (1948–1994) waren die Beziehungen von Spannungen und Widersprüchen geprägt: Die USA verurteilten offiziell die Rassentrennung, pflegten aber aus geostrategischen Interessen zunächst dennoch Kooperationen mit dem weißen Minderheitsregime, insbesondere bei der Koordinierung antikommunistischer Aktionen in Afrika. 1986 beschloss der US-Kongress einen weitreichenden Wirtschaftsboykott des Apartheid-Regimes, und die USA begannen die Übergabe der politischen Macht an die schwarze Bevölkerungsmehrheit zu unterstützen. Nach dem Ende der Apartheid entwickelten sich die USA und das demokratische Südafrika zu Partnern mit intensiven Wirtschaftsbeziehungen, kulturellem Austausch und Kooperation in Sicherheitsfragen. Aufgrund der auf den globalen Süden (z. B. durch den Beitritt zu den BRICS) ausgerichteten südafrikanischen Außenpolitik, nahmen ab den 2000er Jahren die Spannungen zwischen beiden Ländern kontinuierlich zu. In der Post-Apartheid-Ära erreichte das Verhältnis in der zweiten Amtszeit von Donald Trump ab 2025 einen neuen Tiefpunkt, als Trump weiße Südafrikaner als Flüchtlinge aufnahm, Hilfszahlungen an Südafrika einstellte und Zölle auf südafrikanische Waren erhob.

Geschichte

Frühe Kontakte Die ersten Berührungspunkte zwischen den künftigen USA und dem südlichen Afrika entstanden bereits im späten 18. Jahrhundert. 1799 eröffneten die Vereinigten Staaten ein Konsulat in Kapstadt und unterhalten seither eine offizielle Präsenz im Land. Im 19. Jahrhundert gab es jedoch nur begrenzte politische Kontakte, da Südafrika als britische Kolonie verwaltet wurde und die USA sich außenpolitisch vorwiegend auf den amerikanischen Kontinent konzentrierten. Trotzdem bestanden wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Verbindungen: Amerikanische Schiffe liefen regelmäßig südafrikanische Häfen an, und US-amerikanische Missionare (sowohl weiße als auch afroamerikanische) wirkten ab dem 19. Jahrhundert in Südafrika. Die Vereinigten Staaten blieben während des Zweiten Burenkriegs offiziell neutral. Obwohl die US-Presse und die Regierung von Präsident William McKinley das Britische Empire favorisierten, sympathisierten viele Amerikaner mit den Buren und einige reisten nach Südafrika, um als ausländische Freiwillige zu kämpfen.

Nach der Vereinigung der britischen und burischen Territorien entstand 1910 die Südafrikanische Union als britisches Dominion. Die Vereinigten Staaten nahmen 1929 formelle diplomatische Beziehungen zur Südafrikanischen Union auf, nachdem die Briten Südafrika Unabhängigkeit in den Außenbeziehungen zuerkannt hatten. Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs kämpften Südafrika und die USA auf Seiten der Alliierten, was zu einer Annäherung führte. Insbesondere Premierminister Jan Smuts, der Südafrika im Zweiten Weltkrieg geführt hatte, pflegte enge Kontakte zu US-Präsident Franklin D. Roosevelt, den er bei der Pariser Friedenskonferenz 1919 kennengelernt hatte und spielte bei der Formulierung der UN-Charta eine Rolle. Trotz der in Südafrika vorherrschenden Rassentrennungspolitik jener Zeit (die jedoch noch nicht den systematischen Charakter der späteren Apartheid hatte), betrachteten die USA Südafrika in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem als strategischen Partner innerhalb der westlich geprägten Weltordnung.

Die USA und der Apartheidstaat mini|Südafrikanisches Flugzeug im Koreakrieg (1951) 1948 übernahm die Nationale Partei die Regierung und institutionalisierte die Politik der Apartheid (Rassentrennung und Diskriminierung). International geriet Südafrika dafür früh in die Kritik – bereits 1946 prangerte Indien in den Vereinten Nationen die Diskriminierung der indischen Minderheit in Südafrika an. In den folgenden Jahren setzte die UN-Generalversammlung regelmäßig die Rassentrennung auf die Tagesordnung und verurteile diese in Resolutionen. Die westlichen Mächte, darunter die USA und Großbritannien, reagierten jedoch zunächst zögerlich: Im Kontext des entstehenden Kalten Krieges wollten sie einen antikommunistisch gesinnten Verbündeten nicht verlieren. Südafrika stellte sich als zuverlässiger anti-sowjetischer Akteur dar, etwa indem es kommunistische Organisationen verbot und 1950 dem von den USA geführten UN-Einsatz im Koreakrieg sogar ein Kontingent der Luftwaffe zur Verfügung stellte.

Diese Haltung führte zu einem Spannungsfeld zwischen moralischem Anspruch und strategischen Interessen. Einerseits verurteilten US-Regierungen rhetorisch den Rassismus am Kap, andererseits kooperierten sie weiterhin mit Pretoria. So brachen die USA in den 1960er-Jahren beispielsweise das internationale Embargo gegen Rhodesien und arbeiteten geheimdienstlich und militärisch eng mit Südafrika zusammen, während sie gleichzeitig das Apartheid-System offiziell kritisierten. Die südafrikanische Regierung stellte den inländischen Widerstand (ANC, PAC u. a.) als kommunistische Gefahr dar, was in Washington Gehör fand. In diesem Kontext kam es mutmaßlich zu verdeckten Kooperation zwischen US-Geheimdiensten und südafrikanischen Stellen. Ein bekanntes Beispiel ist die Verhaftung Nelson Mandelas 1962. Denn Jahrzehnte später wurde publik, dass ein CIA-Informant und US-Diplomat den südafrikanischen Behörden Mandelas Aufenthaltsort verriet, da man in den USA befürchtete, Mandela stehe im Dienst der Sowjetunion.

Trotz solcher Kooperation nahm der internationale Druck auf Südafrika in den 1960er Jahren zu. 1960 erschütterte das Massaker von Sharpeville (Erschießung friedlicher Demonstranten) die Weltöffentlichkeit und führte zur ersten Verurteilung Südafrikas im UN-Sicherheitsrat. Die USA unterstützten zwar Resolution 134, die Südafrika aufforderte, die Apartheid zu überprüfen, vermieden jedoch zunächst strenge Sanktionen. Erst unter Präsident John F. Kennedy wurden 1963 begrenzte Maßnahmen ergriffen, darunter ein freiwilliges Waffenembargo gegen Pretoria. Gleichwohl blieben die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen intakt und Südafrika ein wichtiger Lieferant strategischer Rohstoffe (z. B. Uran für das US-Atomprogramm und Gold) sowie ein Absatzmarkt westlicher Unternehmen.

Nach einem Referendum löste sich Südafrika 1961 von der britischen Krone und rief die Republik aus. Premierminister Hendrik Verwoerd führte Südafrika zugleich demonstrativ aus dem Commonwealth. Die USA erkannten die Republik Südafrika diplomatisch an und beließen ihren Botschafter im Land. Insgesamt zeichneten sich die 1960er und frühen 1970er Jahre durch eine Politik der Zurückhaltung seitens Washington aus, oft beschrieben als „benign neglect“ (wohlwollende Vernachlässigung).The United States and the Republic of South Africa: 'Benign Neglect' Revisited. Kritik an exzessiver Gewalt wurde, wenn überhaupt, hinter verschlossenen Türen geäußert, denn die Priorität blieb die Eindämmung des Kommunismus. So kooperierte Washington beispielsweise informell mit Pretoria bei der Niederschlagung kommunistischer Einflussnahme in Nachbarländern. Ein Beispiel war Angola: Als dort 1975 ein Bürgerkrieg zwischen rivalisierenden Befreiungsbewegungen ausbrach, unterstützten sowohl die USA (via CIA) als auch Südafrika die antikommunistischen UNITA-Rebellen. Südafrikanische Truppen (SADF und SWATF) marschierten sogar in Angola ein. Der USA konnten – nachdem der Einsatz durch kubanische Truppen zugunsten der marxistischen MPLA zurückgeschlagen wurde – Pretoria zwar zu einem taktischen Rückzug bewegen, doch international war der Schaden angerichtet: Washington hatte sich faktisch mit dem Apartheid-Regime gemein gemacht.

Ab Mitte der 1970er vollzog sich jedoch ein allmählicher Wandel. Die Carter-Administration (1977–1981) erklärte die südafrikanische Apartheid zum Testfall ihrer globalen Menschenrechtspolitik. Präsident Jimmy Carter übte öffentlichen Druck auf Pretoria aus und verschärfte – als erster US-Präsident – die diplomatische Distanz. Beispielsweise verweigerte er 1978 die Akkreditierung eines offen rassistischen südafrikanischen Botschafters. Auch international bewegte sich etwas: 1977 verhängte der UN-Sicherheitsrat ein obligatorisches Waffenembargo gegen Südafrika, das von den USA unterstützt wurde. Parallel erstarkte die Anti-Apartheid-Bewegung in der US-Zivilgesellschaft. Zahlreiche amerikanische Colleges, Städte und Bundesstaaten beschlossen in den frühen 1980ern, Investitionen aus Südafrika abzuziehen (Divestment), um ein Ende der Apartheid zu erzwingen. Zu den Fürsprechern der Anti-Apartheid-Bewegung in den USA gehörten prominente Mitglieder der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung wie Jesse Jackson. mini|New Yorks Bürgermeister David Dinkins mit Desmond Tutu auf einer Anti-Apartheid-Veranstaltung (1986) In den 1980er-Jahren erreichte der innere Konflikt in Südafrika und der internationale Druck seinen Höhepunkt. Präsident Ronald Reagan verfolgte zunächst eine Politik der „konstruktiven Einbindung“ (constructive engagement) Südafrikas. Er sah das Regime als notwendigen Partner im Kalten Krieg und lehnte Sanktionen ab. Reagan bezeichnete die Anti-Apartheid Bewegung gelegentlich als naiv und die südafrikanische Befreiungsbewegung (insbesondere den ANC) als von Kommunisten unterwandert. Diese Haltung führte zu schweren Konflikten mit dem US-Kongress und der Öffentlichkeit. 1986 beschloss der von beiden Parteien getragene Kongress gegen Reagans Willen den Comprehensive Anti-Apartheid Act. Dieses Gesetz – erlassen über Reagans Veto hinweg – verhängte weitreichende Wirtschaftssanktionen gegen Pretoria, darunter Handelsbeschränkungen, ein Verbot neuer Investitionen und die Einstellung vieler Kooperationen.

Als sich mit den Reformen von Michail Gorbatschow das Ende des Kalten Krieges abzeichnete, begann Südafrika für die USA als Verbündeten an Wert zu verlieren und zunehmend zu einer Bürde zu werden. Die Reagan-Regierung begann deshalb Ende der 1980er Jahre den Reformprozess in Südafrika zu unterstützen und wirtschaftlichen und politischen Druck auszuüben. Die zuvor widersprüchliche Politik der USA wandelte sich damit in offene Unterstützung für einen demokratischen Wandel. In Abstimmung mit den USA und anderen westlichen Partnern kündigte Präsident Frederik Willem de Klerk Anfang 1990 die Freilassung aller politischen Gefangenen (einschließlich Nelson Mandelas) sowie die Legalisierung verbotener Oppositionsparteien an. Die US-Regierung unter Präsident George H. W. Bush begrüßte diese Schritte ausdrücklich. Bush hob 1991 – nachdem Pretoria formell das Ende der Apartheid-Gesetzgebung einleitete – die meisten US-Sanktionen wieder auf.

1991 bis 1994 waren die bilateralen Beziehungen von enger Kooperation geprägt. US-Vermittler wirkten hinter den Kulissen, um eventuelle Rückschläge – etwa Episoden von politischer Gewalt – abzufedern. Gleichzeitig nahm der inoffizielle Kontakt der Amerikaner zur schwarzen Mehrheitsbevölkerung sprunghaft zu: So reisten Nelson Mandela und andere ANC-Führer mehrfach in die USA, wo sie als Freiheitsikonen gefeiert wurden. Mandela traf etwa im Juni 1990 in Washington D.C. führende Politiker beider Parteien und dankte den Amerikanern für die Unterstützung im Anti-Apartheid-Kampf. Am 27. April 1994 fanden schließlich die ersten freien Wahlen in Südafrika statt, aus denen Nelson Mandela als Präsident hervorging. Unmittelbar danach stellten die USA die vollständigen diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen wieder her. Im Oktober 1994 absolvierte Mandela einen vielbeachteten Staatsbesuch in Washington. Präsident Bill Clinton empfing ihn dort mit höchsten Ehren.

Südafrika und die USA nach 1994