Der Kreis Rees existierte vom 23. April 1816 bis zum 31. Dezember 1974 als Landkreis am rechten Niederrhein in Nordrhein-Westfalen. Er umfasste das Gebiet von der Lippe im Süden, dem Rhein im Westen flussabwärts bis zur deutsch-niederländischen Grenze und der Grenze zur früheren Provinz Westfalen im Osten. Sein Verwaltungssitz war zuerst die namensgebende Stadt Rees, ab dem 20. Mai 1842 hingegen die Stadt Wesel.

Geographie

Lage Der Kreis Rees war der letzte deutsche rechts des Rheins gelegene Kreis vor dem Übertritt des Flusses in die Niederlande.

Nachbarkreise Der Kreis Rees grenzte 1974 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Borken, Recklinghausen, Dinslaken, Moers und Kleve. Im Nordwesten grenzte er an die niederländische Provinz Gelderland.

Geschichte Das Gebiet des Kreises Rees gehörte zur seit 1020 bestehenden Grafschaft Kleve, die 1417 zum Herzogtum Kleve wurde. Dieses Herzogtum war spätestens seit dem Vertrag von Kleve (1666) ein Teil von Brandenburg-Preußen.

Verwaltungsgeschichte im 19. Jahrhundert Preußen, das das Gebiet seit dem Jülich-Klevischen Erbfolgestreit faktisch besessen und beherrscht hatte, trat es im Vertrag von Paris (15. Februar 1806) an das Kaiserreich Frankreich ab, das es 1806 im Großherzogtum Berg aufgehen ließ. Dort wurde es Teil des Arrondissements Wesel, das nach Abtretung der Stadt Wesel als Arrondissement Emmerich fortgeführt wurde, ehe es 1809 in das Arrondissement Essen eingegliedert wurde. 1810/1811 musste das Großherzogtum Berg das Gebiet an Frankreich abtreten, das in dem Land als Verwaltungsbezirk des Departements Lippe das Arrondissement Rees errichtete. 1813 unter das interalliierte Zentralverwaltungsdepartement und 1814 unter das preußische Generalgouvernement zwischen Weser und Rhein gefallen, wurde das Gebiet 1815 auf dem Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugeschlagen.Schlussakte des Wiener Kongresses, vom 8. Juni 1815, Artikel 23: Bestimmung der Provinzen, wovon Preussen wieder Besitz nimmt. Im Zuge der Preußischen Verwaltungsorganisation wurde am 23. April 1816 der Kreis Rees als einer von über 40 Kreisen der Provinz Jülich-Kleve-Berg im Regierungsbezirk Kleve gegründet.Constantin Schulteis: Die Karten von 1813 und 1818, Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Bonn: Behrendt, 1895, S. 170 (Online-Ausgabe bei der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf) Ab 1822 gehörte der Kreis Rees zum Regierungsbezirk Düsseldorf der Rheinprovinz.

Das Kreisgebiet setzte sich zunächst aus den acht in der Franzosenzeit gebildeten Bürgermeistereien Elten, Emmerich, Haldern, Isselburg, Rees, Ringenberg, Vrasselt und Wesel zusammen. Am 27. September 1823 wurde zusätzlich die Bürgermeisterei Schermbeck aus dem Kreis Dinslaken in den Kreis Rees umgegliedert.territorial.de: Kreis Rees Am 20. Mai 1842 wechselte der Sitz des Kreises von Rees nach Wesel, wobei der Kreisname erhalten blieb („Kreis Rees, Sitz in Wesel“). Nach dem Inkrafttreten der Gemeindeordnung für die Rheinprovinz von 1845 und der Rheinischen Städteordnung von 1856 für die Städte Emmerich, Isselburg, Rees und Wesel war der Kreis Rees wie folgt gegliedert: Städte mit der Rheinischen Städteordnung Emmerich, Isselburg, Rees, Wesel Bürgermeisterei Landgemeinden Elten Borghees, Elten, Grondstein-Steinward, Hüthum Emmerich-Land Klein-Netterden Haldern Groin, Haffen-Mehr, Haldern, Heeren-Herken, Loikum, Wertherbruch Millingen Heelden, Hurl, Millingen, Vehlingen Obrighoven Obrighoven-Lackhausen Rees-Land Bergswick, Esserden, Reesereyland, Reeserward, Speldrop Ringenberg Bislich, Diersfordt, Flüren, Hamminkeln, Ringenberg Schermbeck Bricht, Brünen, Damm, Dämmerwald, Drevenack, Krudenburg, Overbeck, Schermbeck, Weselerwald Vrasselt Bienen, Dornick, Grietherbusch, Praest, Vrasselt

Verwaltungsgeschichte im 20. Jahrhundert

Am Ende des Jahres 1927 wurde die Bezeichnung aller rheinischen Landbürgermeistereien in „Amt“ geändert.Gesetz über die Regelung verschiedener Punkte des Gemeindeverfassungsrechts vom 27. Dezember 1927: „Die Landbürgermeisterei in der Rheinprovinz führt hinfort die Bezeichnung Amt.“ Wie alle preußischen Einzelgemeindeämter wurde das Amt Obrighoven am 1. November 1934 aufgehoben.Preußische Amtsordnung von 1934 Obrighoven-Lackhausen war seitdem eine amtsfreie Gemeinde. Die Gemeinde Grondstein-Steinward wurde 1935 nach Elten eingemeindet. Am 1. April 1958 wurde aus dem rechtsrheinischen Teil der zum Kreis Kleve gehörenden Gemeinde Grieth die neue Gemeinde Grietherort gebildet und in das Amt Vrasselt des Kreises Rees eingegliedert.Gesetz zur Bildung der Gemeinde Grietherort Die Gemeinde Hurl wurde 1963 in Empel umbenannt.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1963, S. 225

Vor dem Beginn der Gebietsreformen in Nordrhein-Westfalen bestand der Kreis Rees aus der Stadt Emmerich der Stadt Isselburg der Stadt Rees der Stadt Wesel der Gemeinde Obrighoven-Lackhausen dem Amt Elten mit den Gemeinden Borghees Elten Hüthum Klein-Netterden dem Amt Haldern mit den Gemeinden Groin Haffen-Mehr Haldern Heeren-Herken Loikum Wertherbruch dem Amt Millingen mit den Gemeinden Empel Heelden Millingen Vehlingen dem Amt Rees-Land mit den Gemeinden Bergswick Esserden Reesereyland Reeserward Speldrop dem Amt Ringenberg (Sitz in Hamminkeln) mit den Gemeinden Bislich Diersfordt Flüren Hamminkeln Ringenberg dem Amt Schermbeck mit den Gemeinden Bricht Brünen Damm Dämmerwald Drevenack Krudenburg Overbeck Schermbeck Weselerwald dem Amt Vrasselt mit den Gemeinden Bienen Dornick Grietherbusch Grietherort Praest Vrasselt

Durch das Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Rees wurden am 1. Juli 1969 in der ersten Phase der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen die Ämter Elten, Rees-Land und Vrasselt aufgelöst sowie die Städte Emmerich, Rees und Wesel neu gegliedert: Borghees, Dornick, Hüthum, Klein-Netterden, Praest und Vrasselt wurden Teil der Stadt Emmerich. Bergswick, Bienen, Esserden, Grietherbusch, Grietherort, Reesereyland, Reeserward und Speldrop wurden Teil der Stadt Rees. Flüren und Obrighoven-Lackhausen wurden Teil der Stadt Wesel.

Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Rees.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.

Am 1. Januar 1975 wurden in der zweiten Neugliederungsphase durch das Niederrhein-Gesetz mehrere Gemeinden neu gegliedert und der Kreis Rees aufgelöst: Bislich und Diersfordt wurden Teil der Stadt Wesel. Drevenack und Krudenburg wurden Teil der Gemeinde Hünxe. Bricht, Damm, Dämmerwald, Overbeck und Weselerwald wurden Teil der Gemeinde Schermbeck. Brünen, Loikum, Ringenberg und Wertherbruch wurden Teil der Gemeinde Hamminkeln. Empel, Groin, Haffen-Mehr, Haldern, Heeren-Herken und Millingen wurden Teil der Stadt Rees. Elten wurde Teil der Stadt Emmerich. Heelden und Vehlingen wurden Teil der Stadt Isselburg. Die Ämter Haldern, Millingen, Ringenberg und Schermbeck wurden aufgelöst. Emmerich und Rees kamen zum Kreis Kleve. Hamminkeln, Schermbeck und Wesel kamen zum Kreis Wesel. Isselburg kam zum Kreis Borken.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1816 36.247 1835 43.876 1871 58.149 1880 63.772 1890 65.807 1900 70.893 1910 78.001 1925 81.253 1939 83.782 1950 76.868 1960 96.900 1961 100.783 1970 115.037 1973 122.300

Politik Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946

Es sind nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.

Jahr CDU SPD FDP DZP KPD 1946 59,5 20,0 11,1 5,4 1948 48,5 26,4 4,2 18,0 2,9 1952 43,6 24,6 15,6 14,0 2,2 1956 43,4 31,4 16,5 8,2 1961 49,4 32,4 15,3 2,9 1964 48,6 37,4 14,0 1969 50,4 37,9 11,7

Landräte Heinrich von Borcke (1816) Friedrich Westermann (1817) Friedrich Heinrich von Bernuth (1818–1859) Guido von Müntz (1859, auftragsweise) Alfred Dönhoff (1859–1875) Otto Ruhnke (1875–1876, auftragsweise) Eduard von Frowein (1876–1888) Walther Koenig (1888–1889, vertretungsweise) Alfred von Gescher (1889–1894) Friedrich von Bernuth (1894–1895, auftragsweise) Leopold Graf von Spee (1895–1919) Theodor Schneemann (1919–1933) Erich Müller (1933–1935) Otto von Werder (1935–1945) Reinhold Pohlmann (1940–1944, Vertretung Werders) Theodor Schneemann (1946) Erich Bohnekamp (1952–1955) Friedrich Mölleken (1955–1969) Wilhelm Breuer (1969–1974)

Wappen Blasonierung: In Rot geteilt durch einen silbernen (weißen) Wellenbalken, oben ein silberner (weißer) Wiesel und unten ein silberner (weißer) Schlüssel, dessen Bart nach rechts zeigt.

Bedeutung: Das Wappen zeigt Teile aus den Wappen der wichtigsten Städte des ehemaligen Kreises, Wesel (Wiesel), dem Kreissitz und Rees (Schlüssel) der Namensgeberin. Der Wellenbalken steht für den Rhein.Wappen des Kreises Rees in Wesel auf ngw.nl

Verkehr Den Öffentlichen Personennahverkehr bediente neben der Staatsbahn, dem Bahnbus und der Kraftpost hauptsächlich die Kreis Reeser und die Duisburger Verkehrsgesellschaft.

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen WES zugewiesen. Es leitet sich von der Kreisstadt Wesel ab. Es wird im Kreis Wesel durchgängig bis heute ausgegeben.

Weblinks

Einzelnachweise

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