mini|Wappen der Grafen von Zierotin, Freiherren von Lilgenau 1740 Die Grafen von Zierotin, Freiherren von Lilgenau (auch Zerotein, oder Žerotínové) waren ein reich begütertes Mährisches Adelsgeschlecht, das auch in Böhmen und Schlesien ansässig wurde. Der größte Teil ihrer Besitzungen lag in der Markgrafschaft Mähren.
Sie waren nicht verwandt oder identisch mit der gleichnamigen böhmischen Adelsfamilie Žírotín oder Žerotín (Wappen: in Silber ein schwarzer Adler).
Geschichte mini|Schloss Žerotín Die Zierotiner entstammten vermutlich dem Adelsgeschlecht Blud z Bludova, eines Angestellten des Burggrafen, der seinen Sitz in Bludov hatte, etwa fünf Kilometer von Mährisch Schönberg entfernt. Ende des 12. Jahrhunderts erhielten sie das Dorf Žerotín und daraufhin auch den Zusatztitel „von Zierotin“.
Die Adelsfamilie verzweigte sich und gewann an Einfluss und Ansehen. 1478 wurden sie in den Herrenstand erhoben. Im 16. Jahrhundert besetzten mehrere Familienmitglieder wichtige Positionen. Im 17. Jahrhundert erfolgte die Erhebung in den Grafenstand, eine Wappenmehrung im Jahr 1740.
Persönlichkeiten Blud von Blauda (erwähnt 1195 bis 1215) war 1213 bis 1215 Burggraf in Prerau. Onesch (nachgewiesen 1209–1249), Sohn des Blud von Blauda, war von 1222 bis 1233 Burggraf in Olmütz und nannte sich seit 1249 von Kniebitz (ze Pňovic). Viktor ein weiterer Sohn von Blud (nachgewiesen 1215 bis 1239) war 1236 Burggraf von Prerau, 1237 von Olmütz und 1238 Unterkämmerer. Bluda (1232 bis 1288), Sohn des Onesch war 1238 stellvertretender Truchsess, bezeichnete sich von 1278 bis 1288 von Jitschin. Sein Sohn Blud (1302 bis 1311) nannte sich auch von Koschitz.
Zu diesem Zeitpunkt verästelte sich bereits das Geschlecht so sehr, dass teilweise keine Verbindungen mehr nachzuweisen sind. Nur dem Erbe nach geht man davon aus, dass zur mährischen Familie folgende Nachkommen zählen: Předbor von Cítova (erwähnt 1204, 1215), Onesch, Sohn von Onesch (von 1275 bis 1295 Olmützer Kämmerer), der sich seit 1287 von Schönwald (z Šumvaldu) nannte. Drslav z Čistého Slemene (erwähnt 1280) Militsch von Cítov († 1305) und sein Sohn Albert (nachgewiesen 1305) Předbor von Bolelautz (nachgewiesen 1286 bis 1297) Brüder Fráněk von Sokolom (Dolní Sukolom, nachgewiesen 1311, 1318) und Adam von Schönwald (nachgewiesen 1311 bis 1329). Deren Nachkommen hielten Sokolom und Schönwald Brüder Hynek und Půta von Buzova (nachgewiesen 1353) Zbinko von Wrahowitz (nachgewiesen 1368 bis 1415)
In Böhmen gab es einen Zweig, dessen Urahne Jeschek von Wesselitz war und der im 16. Jahrhundert ausstarb.
Eine ununterbrochene Linie beginnt mit den Brüdern Djetoch, Viktor, Onesch und Zbor von Sokolom (nachgewiesen 1326 bis 1352). Viktor und Djetoch hatten keine männliche Nachfolger. Zbor hinterließ Söhne Nikolaus, Franjek, Bartholomäus, Jeschek und Vitek (erwähnt 1391). Nikolaus wurde 1382 Vogt in Litovel und verkaufte seinen Anteil an Zierotin an Nikolaus von Schönwald. Jeschek hatte mit seiner Frau Anna von Troubky Jeschek (II.), Herr auf Troubky. Vítek hatte drei Söhne Franjek († nach 1438), Bernhardt (erwähnt 1415 bis 1457) gehörte neben Zierotin auch Hluboká. Verheiratet war er mit Dorothee von Rechenberg. Franjek hinterließ den Sohn Hoschek (nachgewiesen 1438 bis 1466), der 1457 seinen Cousins seine Anteile an Zierotin verkaufte und Herr auf Bladowitz wurde und 1466 Tilmitschau hinzukaufte. Die Söhne Bernhardts hießen Peter (auch Přemek genannt, erwähnt 1447), Nikolaus (erwähnt 1447), Bernhardt und Johann. Peter erbte 1463 Zierotin und Herdborschitz, Johann die Burg Edlštein und Zuckmantel. Deren Nachkommen trennten sich in die Äste Napajedl und Fulneck.
Linie Napajedl Bernhard († vor 1480) verkaufte Zerotein 1468 an das Kloster in Sternberg und erwarb dafür andere Dörfer. Er hatte drei Söhne, Johann den Jüngeren, Bernhard den Jüngeren, Wenzel und Heinrich. Bernhard war mit Elisabeth von Füllstein verheiratet, sie hatten jedoch keine männlichen Nachkommen. Wenzel bekam als Mitgift durch seine Vermählung mit Anna ze Zahrádky Buchlau und Napajedl. Paul († 1550), Sohn des Wenzels wurde auf dem Hof des Königs Ferdinand erzogen. Mit seinen Brüdern Wenzel und Johann erteilte er 1540 den Bürgern von Napajedl Freiheiten und kaufte 1548 Milotitz. Er war mit Elisabeth von Kunowitz verheiratet. Mit ihr hatte er die Söhne Friedrich, Bertholomäus, Johann Jetřich, Wenzel und Friedrich. Friedrich von Zierotin († 31. Mai 1598) Johann Jetřich († vor 1595) kaiserlicher Rat, Rat des Kammergerichts und Hauptmann des Bezirks Chrudim, war mit Barbara von Biberstein verheiratet, nach ihrem Tod 1579 das zweite Mal mit Lidmila Libstein von Kolowrat. Sein Vermögen vermachte er seiner Frau und seinem Bruder Friedrich, die es später Johanns Tochter übergeben sollten. Diese heiratete 1604 gegen den Willen ihrer Onkel Ladislaus Berka von Dauba.
Die Linie von Napajedl starb 1611 aus.
Linie Fulnek Johann der Ältere († vor 1500), der zweite Sohn Bernhards, war ein Getreuer des Königs Georg von Podiebrad, was ihm den Verlust der Burg Edelstein einbrachte. Dafür erwarb er von Peter von Rosenberg Straßnitz, des Weiteren Fulnek (mit Kunín und später auch Zauchtel), Schönberg, Wenzelsburg und Blauda. In Schlesien hielt er Svrchlenec und Bytom. 1478 wurde er in den Herrenstand aufgenommen, war von 1480 bis 1482 Höchster Richter in Olmütz. Aus einer Ehe mit Machna von Neuzerekwe gingen die Söhne Peter, Johann der Jüngere, Viktorim († 1552), Georg († 1507), Bartholomäus († vor 1510) und Bernhard hervor. Lediglich Peter und Johann hatten Nachkommen. Die Nachkommen von Johann gründeten die Linie Schönberg und Wiesenberg, die des Peter die Linie von Straßnitz und Kolín. Bernhard († 1531), Sohn des Johann des Älteren gehörte zusammen mit seinen Brüdern Johann und Viktorim zur Gefolgschaft von Königin Maria bei ihrer Fahrt zur Krönungszeremonie nach Prag. 1526 führte er ein Heer gegen die Türken, bei seiner Ankunft in Pressburg war die Schlacht jedoch schon entschieden. 1529 ernannte man ihm zum Hauptmann von Titschein, das er gegen Türken verteidigen sollte. Bernhard gehörten Wiegstein bei Troppau, Strahlenberg, Kamenec, Špičky, Zámrsky und Kunzendorf.
Linie Schönberg und Wiesenberg mini|Schloss Mährisch-Schönberg (Šumperk) mini|Innenhof von Schloss Wiesenberg (Loučná nad Desnou) Petr von Zierotin wählte im 14. Jahrhundert Mährisch-Schönberg zum neuen Sitz der Familie. Die Stadt hielt er bis zu ihrer Ernennung als Königsstadt 1562. Nachdem sich Mährisch Schönberg freigekauft hatte, verlegte Johann von Zierotin den Sitz der Familie auf die Feste Bad Groß-Ullersdorf und ließ sie 1589 in ein Schloss umbauen. Erst 1812 wurde das Schloss von Ludwig Anton von Zierotin an die Liechtensteiner verkauft. 1500 kam zu den Ländereien der Familie Zwole hinzu, welches sie bis 1561 behielten. Schmole wurde ihnen vom Olmützer Bischof abgekauft und mit Mürau vereinigt. Peter (1458 bis 1528) erbte 1504 Schönberg, daneben gehörte ihm die Burg Rabenstein, diese ließen sie jedoch verfallen. Sie wurde ab 1535 nicht mehr bewohnt. Weiterhin Schmole, Hangenstein und Römerstadt mit allen Gold-, Silber- und Bleigruben, für die er am 24. Juni 1528 eine Bergbauordnung erließ. 1527 kaufte Peter von Zierotin den Hof Třemešek, die Dörfer Rabersdorf, Schönbrunn, später auch Horní Olešna und erneuerte dadurch das Dominium von Třemeš, welches er jedoch bald an die Familie Bukůvka verkaufte. Er war gleichzeitig Mitbegründer der Herrschaft Wiesenberg. Peter war seit 1488 mit Markete von Pernstein verheiratet. Nach seinem Tod erbten seine Söhne Wilhelm, Sigmund († 1537), Přemek und Friedrich alle Güter. Alle, bis auf Sigmund hatten männliche Nachkommen. Wilhelm (der Ältere), war Landrichter. Ihm gehörte neben Altjitschin, Kladrau, Špičky, Kunzendorf, von Johann von Pernstein erhielt er als Pfand Rosenau, Wallachisch Meseritsch und weitere kleine Höfe. Mit seiner Frau Jitka von Sternberg hatte er zwei Söhne Johann Karl und Bernhard. Johann starb ohne Erben. Karl († 1600), seit 1592 Landrichter, übernahm den größten Teil des Erbes und erwarb Koldštýn und Holeschau hinzu. Mit seiner ersten Frau Markéta Berkovna hatte er keine Kinder, mit seiner zweiten Frau Johanna Cernčická z Kácova die Erben Viktorin, Vratislav († 29. Januar 1598 in Padua während seiner Studienreise) und Wilhelm Friedrich. Viktorin († 1611), Landrichter begleitete Erzherzog Maximilian auf seiner Reise nach Polen. Sein Erbe erhielt seine Tochter Alena. Wilhelm Friedrich († 1622) erhielt neben seinem Erbe auch den Anteil seiner Schwester und kaufte Morschitz hinzu. Wegen seiner Teilnahme am Ständeaufstand wurden vier Fünftel seines Vermögens konfisziert. Das restliche Erbe erhielt seine katholische Tochter und seine Witwe Anna Hofmanc von Grünpichl. Seine restlichen Höfe und Ländereien gingen an das Bistum. mini|Schloss Wallachisch MeseritschBernhard (der Jüngere) hielt einen Teil von Rosenau später auch Wallachisch Meseritsch, in dem er 1581 eine Kirche erbauen ließ. Seine ersten zwei Ehen mit Johankou Kropáčkou z Nevědomí und Alena von Würben bleiben kinderlos, aus der dritten Ehe mit Esther von Kunowitz stammten drei Töchter und die Söhne Johann († 1608), er hinterließ Bernhard und Balthasar und Jetřich (der Ältere). Jetřich (der Ältere) († 1628) kehrte 1608 von seiner Reise durch Frankreich zurück, um das Erbe des Vaters und Vormundschaft für die Kinder seines Bruders anzutreten. 1617 wechselte er zum Katholizismus. Ein Jahr später wurde er zum Rittmeister unter Ladislaus Velen von Zierotin ernannt, später zum Landrichter. 1589 erbte der Vertreter des Widerstandes gegen die Habsburger, die Herrschaften Hohenstadt und Eisenberg ad March. Nach der Schlacht am Weißen Berg wurden die Ländereien konfisziert und an Karl von Liechtenstein übergeben. 1621 flüchtete er und wurde 1623 Stallmeister beim Gábor Bethlen. 1626 verzieh man seine Teilnahme auf Aufstand, das Vermögen blieb jedoch konfisziert. Er hinterließ eine Tochter. Bernhard († 1659), Sohn des Johann († 1608), kaiserlicher Ratgeber und Höchster Richter der Markgrafschaft Mähren, trat während der Reformation zum katholischen Glauben über und gewann damit die Gunst des Kaisers und des Kardinals. Neben seinem Erbe an Wallachisch Meseritsch; erhielt er die zweite Hälfte aus dem konfiszierten Vermögen und bekam von der Familie die Herrschaft Prerau übertragen. 1631 heiratete er Kuna von Pruskov (Kunigunde Pruskowsky von Proskau). Er hinterließ drei Söhne Karl Heinrich, Franz Ludwig (starb ohne Nachkommen) und Bernhard Ferdinand. Karl Heinrich († 1689), kaiserlicher Rat, Landrichter und Hauptmann in Prerau, kaufte Eibenschütz hinzu, verlor jedoch nach seinem Tod Prerau. Mit seiner Frau Sylvia Polyxenia von Waldstein hatte er eine Tochter Susanna Karolina († 1733), die Ferdinand Rudolf Graf von Waldstein und spätere den Freiherrn von Pötting heiratete. mini|Schloss HustopečBernhard († 1694), der jüngste Sohn Balthasars, war mit Franziska Eleonora Podstatská verheiratet, von der er Hustopeč erbte. Als gläubiger Mensch und Anhänger der Kirche förderte er den Bau mehrerer Kapellen, legte Höfe und Dörfer an und kaufte Cazov hinzu. Seine Kinder starben jung. Einen Teil des Erbes konnte als einzige Überlebende Elisabeth Sidonie übernehmen, die einen gewissen Reder heiratete. Der Rest ging an ihren Onkel Max. Anton, Herr auf Viesenberg, der seinem Onkel Žibřid Erdman aus der Linie der Falkenberger einsetzte. Přemek († vor 1555), hielt Schönberg und Blauda und schenkte ein Teil seiner Frau Katharina von Ossegg. Seine Söhne waren Peter der Jüngere, Johann der Jüngere, Boresch (starb jung) Sigmund und Friedrich (auch Jetřich). Sie verkauften einige der Güter, darunter Zvol, überschrieben Blauda 1568 dem Olmützer Bischof Wilhelm Prusinovský von Víckov, entließen 1562 die Bürger von Schönberg aus der Knechtschaft.