mini|Georges Seurat: Un dimanche après-midi à l'Île de la Grande Jatte, 1884 (Öl auf Leinwand; 207,5 × 308,1 cm). Art Institute of Chicago Die achte und letzte Impressionisten-Ausstellung fand vom 15. Mai bis zum 15. Juni 1886 in fünf Räumen im ersten Stock des Restaurants Maison Dorée in der Rue Laffitte 1 in Paris statt. Berthe Morisot und ihr Mann Eugène Manet finanzieren den Großteil der Ausstellung. Auf der Ausstellung stellten 18 Teilnehmer 301 Werke (246 Katalognummern) aus. Einige Teilnehmer zeigten neoimpressionistische Gemälde, wie Georges Seurat. Odilon Redon stellte 15 symbolistische Zeichnungen aus. Edgar Degas zeigte 15 Pastelle, darunter eine Serie nackter Frauen bei der Toilette. Charles Tillot, der an 6 der 8 Ausstellungen teilnahm, zeigte mehrere Blumenstillleben. Die achte Impressionisten-Ausstellung markiert das Ende der Gruppenausstellungen und spiegelt die tiefgreifenden Umbrüche innerhalb der Künstlergemeinschaft wider.

Hintergrund Zwischen der siebten (1882) und der achten Ausstellung lagen vier Jahre, die von Zerwürfnissen und Neuausrichtungen geprägt waren. 1883 starb Édouard Manet, was Paul Cézanne als „Katastrophe“ bezeichnete. Eine posthume Manet-Ausstellung im Jahr 1884 offenbarte vielen Künstlern erstmals die gesamte Bedeutung seines Werkes. Während sich Claude Monet, Camille Pissarro und Alfred Sisley in ländlichere Regionen zurückzogen – Monet nach Giverny, Pissarro nach Éragny und Sisley nach Saint-Mammès –, blieben Degas, Berthe Morisot und Mary Cassatt in Paris. Pierre-Auguste Renoir reiste weiterhin zwischen verschiedenen Orten. Paul Cézanne hielt sich zunehmend im Süden Frankreichs auf.

Gleichzeitig bot der Kunsthändler Paul Durand-Ruel in seinen neuen Räumen am Boulevard de la Madeleine Einzelausstellungen an. Dadurch entfernten sich die Maler noch weiter von Gruppenausstellungen. Die Erfolge dieser Präsentationen blieben jedoch begrenzt. Ab 1885 nahmen Monet und später auch Renoir an der prestigeträchtigen Exposition internationale des Galeristen Georges Petit teil. 1886 verkaufte Monet dort zwölf Gemälde für insgesamt 15.100 Francs. In dieser Phase kehrten viele Impressionisten zu klassischen Idealen zurück. Renoir erklärte offen, „mit dem Impressionismus abschließen“ zu wollen. Er studierte in Italien Werke von Raffael und Ingres und arbeitete von 1884 bis 1887 an dem Werk Les Grandes Baigneuses. Cézanne, Monet und auch Pissarro widmeten sich verstärkt der Darstellung der menschlichen Figur in der Natur. Diese Rückbesinnung auf das Klassische, das nach Ordnung und Zeitlosigkeit strebt, stand im Spannungsfeld zum impressionistischen Ziel, das Flüchtige und Vergängliche darzustellen.

Neoimpressionismus mini|Paul Signac: Les Modistes, entstanden zwischen 1885 und 1886. Stiftung Sammlung E. G. Bührle im Kunsthaus Zürich Ein neuer Kreis jüngerer Künstler – darunter Georges Seurat, Paul Signac, Charles Angrand und Albert Dubois-Pillet – entwickelte unter dem Einfluss wissenschaftlicher Farbtheorien und optischer Studien den Pointillismus bzw. Divisionismus, der auch als Chromoluminarismus bezeichnet wird. Dabei wurden die Farben nicht auf der Palette gemischt, sondern als reine Farbtupfen nebeneinander gesetzt, um sich erst im Auge des Betrachters zu vermischen. Den Auftakt dieser Methode markierte Seurats Werk Une baignade à Asnières (1884). 1886 übernahm Pissarro, beeinflusst durch seinen Sohn Lucien, ebenfalls den divisionistischen Stil. Dies führte zu Spannungen mit den älteren Impressionisten, da der neue Stil eine bewusste Distanz zur spontanen Malweise der klassischen Impressionisten darstellte.

Gründung des Salon des Indépendants Im Jahr 1884 gründeten Seurat, Signac, Henri Edmond Cross, Dubois-Pillet und andere die Société des Artistes Indépendants, da der Pariser Salon weiterhin viele Werke ablehnte. Der erste Salon des Indépendants fand vom 10. Dezember 1884 bis zum 17. Januar 1885 statt – ohne Jury und ohne Preise. Seurat stellte dort das Gemälde Une baignade à Asnières aus. Camille Pissarro lehnte eine Teilnahme zunächst ab, zeigte sich aber solidarisch mit den jüngeren Künstlern.

Vorbereitung der achten Ausstellung Vor dem Hintergrund eines stagnierenden Kunstmarktes entstand Ende 1885 der Wunsch nach einer letzten gemeinsamen Ausstellung. Im Dezember schrieb Paul Gauguin an seine Frau, dass man eine neue Gruppenausstellung plane, um wieder Aufmerksamkeit zu gewinnen. Im April 1886 wurde schließlich ein Ausstellungsraum gefunden. Camille Pissarro übernahm die Organisation. Berthe Morisot sicherte die Finanzierung und betätigte sich zugleich als Schlüsselfigur bei der Auswahl der Teilnehmer. Die Beteiligung von Degas war zunächst unklar, denn ohne ihn wollten Morisot und Cassatt nicht ausstellen. Letztlich sagte Degas zu, wodurch die Ausstellung gerettet wurde.

Teilnehmer Insgesamt nahmen 18 Künstler teil: Mary Cassatt, Edgar Degas, Jean-Louis Forain, Paul Gauguin, Armand Guillaumin, Berthe Morisot, Camille Pissarro (mit seinem Sohn Lucien), Odilon Redon, Henri Rouart, Émile Schuffenecker, Georges Seurat, Paul Signac, Charles Tillot, Victor Vignon, Federico Zandomeneghi sowie Marie Bracquemond (nicht ihr Mann Félix) und Jacques François (außer Katalog).

Nicht beteiligt waren Monet, Renoir, Sisley, Caillebotte und andere, die sich inzwischen anderen Ausstellungskontexten, wie der Galerie Petit, zugewandt hatten. Konflikte entstanden beim Aufbau de Ausstellung. Ein zentraler Streitpunkt war die Präsentation des großformatigen Werkes Un dimanche après-midi à l’Île de la Grande Jatte von Seurat. Aufgrund von Platzmangel und stilistischen Differenzen kam es zu Auseinandersetzungen, unter anderem zwischen Pissarro und Eugène Manet. Schließlich wurde entschieden, die Werke der Divisionisten – Seurat, Signac und die Pissarros – in einem separaten Raum zu zeigen.

Fazit Die Achte Impressionisten-Ausstellung von 1886 war die letzte ihrer Art. Einerseits dokumentierte sie die Auflösung der alten Gruppe, andererseits den Aufstieg des Neoimpressionismus. Die Ausstellung brachte nicht mehr die geschlossene Einheit der vorherigen Jahre zum Ausdruck, sondern offenbarte eine Zäsur und Übergangsphase zwischen den Generationen. Die Kluft zwischen den klassischen Impressionisten und den jüngeren Neoimpressionisten war nun nicht mehr zu überbrücken – sowohl in stilistischer als auch in organisatorischer Hinsicht.

Literatur

Ausstellungskataloge

1874: Société Anonyme Des Artistes Peintres, Sculpteurs, Graveurs, etc. Premiere Exposition 1874 1876: Catalogue de la 2e exposition de peinture 1877: Catalogue de la 3e exposition de peinture 1879: Catalogue de la 4e exposition de peinture 1880: Catalogue de la 5me exposition de peinture 1881: Catalogue de la 6me exposition de peinture 1882: Catalogue de la 7e exposition des artistes indépendants 1886: Catalogue de la 8e exposition de peinture

Deutschsprachige Literatur

Jean Selz: DuMont’s kleines Lexikon des Impressionismus. DuMont, Köln 1977, ISBN 3-7701-0860-4. Sophie Monneret: L’impressionnisme et son époque. Denoël, Paris 1978. John Rewald: Die Geschichte des Impressionismus. DuMont, Köln 1986, ISBN 3-7701-1166-4. Hans Körner: Edouard Manet, Dandy, Flaneur, Maler. Fink, München 1996, ISBN 3-7705-2931-6. Iris Schaefer, Caroline von Saint-George, Katja Lewerentz: Impressionismus, wie das Licht auf die Leinwand kam. Ausstellungskatalog Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln 2008, ISBN 978-88-6130-611-0. Norbert Wolf: Die Kunst des Salons: Malerei im 19. Jahrhundert. Prestel, München 2012, ISBN 978-3-7913-4625-0. Felix Krämer (Hrsg.): Monet und die Geburt des Impressionismus. Ausstellungskatalog Städel Museum, Prestel, München 2015, ISBN 978-3-7913-5414-9.

Französische und englischsprachige Literatur

Ruth Berson (Hrsg.): The New Painting: Impressionism 1874–1886. Documentation, 2 Bände. Band 1: Reviews, Band 2: Exhibited works. San Francisco, 1996 (eine umfassende Darstellung des Themas ist hier zu finden). Achille Segard: Mary Cassatt : un peintre des enfants et des mères, 1913 Adolphe Tabarant: Manet et ses œuvres, Paris, 1947 Adolphe Tabarant: Pissarro, Paris, 1924 Ambroise Vollard: Auguste Renoir, Paris, 1920 Ambroise Vollard: Degas, Paris, 1924 Ambroise Vollard: En écoutant Cézanne, Degas, Renoir, Paris, 1938 Ambroise Vollard: Paul Cézanne, Paris, 1914 Ambroise Vollard: Souvenirs d’un marchand de tableaux, Paris, Editions Albin-Michel, 1937 Anne Distel, Anne Dayez, Michel Hoog, Charles S. Moffett: Impressionism, a centenary exhibition. Ausstellungskatalog Metropolitan Museum of Art, New York 1974, ISBN 0-87099-097-7. Antonin Proust: Edouard Manet. Souvenirs, Paris, 1913 Arsène Alexandre: Durand-Ruel. Portrait et histoire d’un marchand, dans Pan, Berlin, novembre 1911 Berhaut Marie: Caillebotte. Sa vie et son œuvre. Catalogue raisonné des peintures et pastels, 1978 Camille Mauclair: L'impressionnisme : son histoire, son esthétique, ses maîtres, Paris, 1904 Camille Mauclair: Trois crises de l'art actuel, Paris, 1906 Carol Armstrong: Manet Manette. Yale University Press, New Haven 2002, ISBN 0-300-09658-5. Caroline Genet-Bondeville – Marianne Delafond: Berthe Morisot ou l’audace raisonnée, Paris, 1997 Claude Monet: Mon histoire, recueillie par Thiébault-Sisson, Paris, 1998 Daniel Halévy: Degas parle..., Paris-Genève, 1960 Daniel Wildenstein: Claude Monet. Biographie et catalogue raisonné, Genève, 1974–1991 Daniel Wildenstein: Monet ou le Triomphe de l’Impressionnisme, Cologne, 2003 Denys Rioult: Les Écrivains devant l’impressionnisme : Armand Silvestre, Philippe Burty, Jules-Antoine Castagnary, Ernest Chesneau, Jules Claretie, Stéphane Mallarmé, Félix Fénéon, Paris, 1995 Diego Martelli: Les impressionnistes et l’art moderne, textes réunis et annotés par Francesca Errico, Paris, 1979 Edgar Allan Poe: Poèmes, traduction de Stéphane Mallarmé, avec portrait et fleuron par Edouard Manet, Paris, 1888 Edmond Bazire: Manet, Illustrations d'après les originaux et gravures de Guérard, Paris, 1884 Edmond Duranty: La nouvelle peinture : à propos du groupe d'artistes qui expose dans les galeries Durand-Ruel, Paris, 1876 Émile Verhaeren: Sensations, Paris, 1928 Émile Zola: Éd. Manet : étude biographique et critique, Paris, 1867 Émile Zola: Exposition des œuvres de Edouard Manet : catalogue, Paris, 1884 Émile Zola: Pour Manet, Paris, 1989 Ernest Hoschedé: Brelan de salons, Paris, 1890 Ernest Hoschedé: Impressions de mon voyage au Salon de 1882, Paris, 1882 Félix Bracquemond: Du dessin et de la couleur, Paris, 1885 Félix Fénéon: Les Impressionnistes en 1886, Paris, 1886 Florence Naugretten – Gérard Gengembre – Yvan Leclerc: Impressionnisme et littérature, Mont-Saint-Aignan, 2012 Francesca Errico (Hrsg.): Diego Martelli, Les impressionnistes et l’art moderne, Paris, 1979 Gary Tinterow, Henry Loyrette: Origins of Impressionism. Abrams, New York 1994, ISBN 0-8109-6485-6. George Moore: Modern Painting, 1893 Georges Rivière: Le Maître Paul Cezanne, Paris, 1923 Georges Rivière: Mr. Degas, bourgeois de Paris, Paris, 1935 Georges Rivière: Renoir et ses amis, Paris, 1921 Georges Serret – Dominique Fabiani: Armand Guillaumin (1841–1927), Catalogue raisonné de l'œuvre peint, Paris, 1971 George T.M. Shackelford – Hayes Paul Tucker – Mary Anne Stevens: Monet au XXe siècle, Yale, 1998 Gerard Gengembre – Yvan Leclerc – Florence Naugretten: Impressionnisme et littérature, Mont-Saint-Aignan, 2012 Godfey Blundel et Maria Blundel: Journal de l’impressionnisme, Genève, 1973 Gustave Cahen: Eugène Boudin, sa vie et son œuvre, Paris, 1900 Gustave Cocquiot: Cubistes, futuristes, passéistes, Paris, 1914 Gustave Geffroy: Claude Monet, sa vie, son temps, son œuvre, Paris, 1923 Gustave Geffroy: Sisley, Paris, 1923 Gustave Gachet: Deux Amis des Impressionnistes, le Dr Gachet et Murer, Paris, 1956 Hélène Adhémar: Chronologie Impressionniste, 1863–1905, Paris, 1981