Die britische Monarchie ist die parlamentarische Monarchie des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Monarch ist seit dem 8. September 2022 König Charles III. Er und seine engeren Familienangehörigen nehmen verschiedene offizielle, zeremonielle und repräsentative Funktionen wahr. Der König besitzt zwar theoretisch die Befugnisse eines konstitutionellen Monarchen, übt seine Hoheitsrechte aber aufgrund eines jahrhundertealten Gewohnheitsrechts nicht mehr selbstständig aus, sondern ausschließlich gemäß den Vorgaben von Parlament und Regierung. Aus diesem Grund ist er de facto ein parlamentarischer Monarch. Auch die Existenz der Kronbesitzungen Isle of Man und Kanalinseln ändert nichts an diesem Status, weil diese rechtlich kein Teil des Vereinigten Königreichs sind. Der britische Monarch ist zugleich Staatsoberhaupt der Commonwealth Realms und Oberster Gouverneur der Kirche von England.
Um das Jahr 1000 hatten sich die Königreiche England und Schottland aus mehreren kleinen frühmittelalterlichen Königreichen entwickelt. Die Herrschaft der Angelsachsen in dem nach ihnen benannten England endete 1066 während der normannischen Eroberung Englands. Der Normanne Wilhelm I., „der Eroberer“, errang sich den Thron auf dem Schlachtfeld bei Hastings. Diese „Heldentat“ wird offiziell als Grundstein der bis heute währenden Königsherrschaft in England angesehen. Die Thronfolge in England und Großbritannien erfolgte seither zwar immer im Kreis der Nachfahren des Eroberers, aber keineswegs stets geradlinig und auf legitime Weise. Bereits im Jahr 1100 kam es unter den Söhnen des Eroberers zur Usurpation der Krone durch den Jüngsten. Mit seinem Tod erlosch das Haus Normandie, dem das Haus Plantagenet folgte, das den Thron aber erst in einem Erbfolgekrieg („The Anarchy“) gegen das konkurrierende Haus Blois verteidigen musste. Im 13. Jahrhundert absorbierte England das Fürstentum Wales und mit der Magna Carta begann 1215 der Prozess der schrittweisen Entmachtung des Monarchen. Die letzten Plantagenets spalteten sich in zwei konkurrierende Linien auf, das Haus York (weiße Rose im Wappen) und das Haus Lancaster (rote Rose), die sich in den Rosenkriegen (1455–1485) bekämpften. Der letzte Plantagenet-König aus der York-Linie, Richard III., hatte den Thron 1483 usurpiert, indem er seine beiden Neffen, die Prinzen im Tower, zunächst für illegitim erklären und später umbringen ließ. 1485 fiel er auf dem Schlachtfeld und der militärische Anführer der Lancaster-Partei, der Ritter Heinrich Tudor, ließ sich vom Parlament als Heinrich VII. zum König proklamieren und heiratete eine Schwester der Tower-Prinzen. Den letzten Plantagenet, Edward, ließ er enthaupten.
Nach dem Tod der letzten englischen Königin aus dem Haus Tudor, Elisabeth I., im Jahre 1603 folgte der schottische König Jakob I. aus dem Haus Stewart auf den englischen Thron, weil eine seiner Urgroßmütter eine Schwester von Elisabeths Vater, dem berühmten Tudor-König Heinrich VIII., gewesen war. Damit entstand eine Personalunion beider Kronen. Die Stuarts waren ihrerseits 1371 durch Einheirat in den regierenden Clan Bruce auf den schottischen Thron gekommen, den zuvor Robert Bruce als einer von 14 Thronanwärtern in einem Unabhängigkeitskampf gegen England an sich gerissen hatte. Von 1649 bis 1660 gab es mit dem Commonwealth of England eine kurze republikanische Phase unter dem puritanischen Revolutionär Oliver Cromwell. 1707 schlossen sich England und Schottland mit dem Act of Union zum Königreich Großbritannien zusammen.
Die letzten männlichen Nachfahren des Hauses Stuart wurden, weil katholisch geworden, 1701 durch den Act of Settlement von der Thronfolge ausgeschlossen, sodass 1714 das protestantische Haus Hannover auf den britischen Thron folgen konnte, das – ähnlich wie die Tudors und Stuarts – nur entfernt verwandt war mit seinen Vorgängern. Katholiken oder mit Katholiken verheiratete Personen waren seither von der Thronfolge ausgeschlossen.
Durch den Zusammenschluss mit dem Königreich Irland entstand 1801 das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland. Der britische Monarch war auch nominelles Oberhaupt des Britischen Weltreichs, das zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung ein Viertel der Landfläche der Erde umfasste. 1876 wurde die letzte „Hannoveranerin“ auf dem britischen Thron, Queen Victoria, zur Kaiserin von Indien ausgerufen. Mit ihrem Sohn Eduard VII. kam ein Zweig des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha auf den britischen Thron, das mit anderen Zweigen damals auch im Königreich Portugal sowie im Königreich Bulgarien und – bis heute – im Königreich Belgien regierte. Im Ersten Weltkrieg sah sich sein Sohn, König Georg V., durch innenpolitischen Druck aufgrund wachsender antideutscher Stimmung veranlasst, 1917 den Dynastienamen in Haus Windsor umzubenennen und auf alle deutschen Titel und Würden zu verzichten. Windsor Castle war von Wilhelm dem Eroberer 1078 gegründet und danach, neben dem Palace of Westminster, über Jahrhunderte zur zweitwichtigsten englischen Königsresidenz geworden.
1922 spaltete sich der Irische Freistaat ab, in welchem der britische Monarch noch bis 1949 Staatsoberhaupt blieb. Seit dem Ende des Britischen Weltreichs nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Monarchen stets zu zeremoniellen „Oberhäuptern“ des Commonwealth of Nations gewählt, einer losen Verbindung des Vereinigten Königreichs und der ehemaligen Kolonien. 14 weitere unabhängige Staaten, die so genannten Commonwealth Realms, teilen sich weiterhin in Personalunion dasselbe Staatsoberhaupt mit dem Vereinigten Königreich. Jeder dieser Staaten bildet aber ein rechtlich eigenständiges Königreich und entscheidet selbst über seine Staatsform.
Mit Charles III. kam 2022 ein König auf den Thron, der väterlicherseits dem griechischen Zweig des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, einer Nebenlinie des dänischen Königshauses entstammt, das seinerseits auf das deutsche Haus Oldenburg zurückgeht. Charles’ Vater Prinz Philip hatte bei seiner Einbürgerung in Großbritannien, noch vor seiner Heirat, seine griechischen und dänischen Titel abgelegt und den Namen seiner Mutter, die aus dem Haus Battenberg stammte, in anglisierter Form als Mountbatten angenommen. Um die deutsche Abstammung nicht allzu sehr zu betonen, lautet der Dynastiename auch unter Charles III. weiterhin House of Windsor, wobei die Abkömmlinge den Familiennamen Mountbatten-Windsor führen.
Das Amt und seine Bedeutung Konstitutionelle und politische Rolle Der Monarch besitzt einen hohen symbolischen Stellenwert als „Zeichen der nationalen Einheit“ und ist gemäß der ungeschriebenen britischen Verfassung das Staatsoberhaupt. Treueide werden auf ihn und seine rechtmäßigen Nachkommen abgelegt, nicht etwa auf das Parlament oder die Nation. God Save the King (bzw. God Save the Queen bei einer Monarchin) ist die britische Nationalhymne. Darüber hinaus erscheint das Porträt des Monarchen auf Briefmarken, Münzen und Banknoten.
Die politischen Machtbefugnisse des Monarchen sind in der Praxis durch Gesetze, Gewohnheitsrechte und Präzedenzfälle stark eingeschränkt. War der Monarch früher noch befugt, auch ohne Rücksicht auf das Parlament eigene Dekrete zu erlassen, völkerrechtliche Verträge abzuschließen oder Krieg zu erklären, so darf er diese Hoheitsrechte heutzutage nur noch gemäß dem Rat und mit Zustimmung des Premierministers oder anderer Minister ausüben. Somit sind Staatsakte im Namen der Krone, selbst wenn sie vom Monarchen persönlich vorgenommen werden, abhängig von Entscheidungen, die von anderen getroffen wurden. Dieses Recht wird von der Regierung häufig genutzt, um Gesetze am Parlament vorbei zu erlassen, wie etwa beim Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft oder der Kriegserklärung im Falklandkrieg. Wie weit diese Rechte reichen dürfen, ist umstritten – und war etwa beim Brexit Gegenstand politischer Debatten.
Die eigenständigen konstitutionellen Befugnisse des Monarchen sind somit seit dem 19. Jahrhundert zum größten Teil auf unparteiische Funktionen wie Ehrungen beschränkt. Der Verfassungstheoretiker Walter Bagehot bezeichnete 1867 in seinem Werk The English Constitution die Monarchie als den „würdevollen Teil“ des Staates, die Regierung und das Parlament hingegen als den „arbeitenden Teil“.Walter Bagehot: The English Constitution. S. 9. Ob und in welchem Umfang der Monarch in außergewöhnlichen Umständen seine Herrschaftsrechte tatsächlich ausüben kann oder soll, ist umstritten. Jegliche nicht abgesprochene Handlung dieser Art hat das Potenzial, eine Verfassungskrise auszulösen.
Wann immer nötig, ist der Monarch verantwortlich für die Ernennung eines neuen Premierministers und sämtlicher anderen Minister. Letzteres geschieht auf Vorschlag des Premierministers, der somit die Regierung kontrolliert. In Übereinstimmung mit ungeschriebenem Gewohnheitsrecht mit Verfassungscharakter muss der Monarch diejenige Person ernennen, welche über die Unterstützung des House of Commons verfügt, üblicherweise den führenden Politiker der Mehrheitspartei. Der Premierminister übernimmt sein Amt im Rahmen einer Privataudienz beim Monarchen; dieser Vorgang wird auch als Kissing Hands („Händeküssen“) bezeichnet.Rodney Brazier: Ministers of the Crown. S. 312.
Erreicht keine Partei die absolute Mehrheit, was beim britischen Mehrheitswahlrecht selten vorkommt, bilden zwei oder mehr Parteien eine Koalition, die sich dann auf einen Kandidaten für das Amt des Premierministers einigen. Kommt keine Einigung zustande, erhöhen sich theoretisch die Auswahlmöglichkeiten für den Monarchen. Dennoch ist es üblich, einen Angehörigen der größten Partei auszuwählen. Der Monarch kann theoretisch den Premierminister entlassen, doch in der Praxis endet dessen Amtszeit nur durch Wahlniederlage, Verlust der Mehrheit im Parlament, Rücktritt oder Tod.
Hoheitsrechte mini|Die englische Bill of Rights von 1689 schränkte die Macht des Monarchen ein Die exekutive Macht der Krone wird mit dem Sammelbegriff Royal Prerogative (Hoheitsrecht) umschrieben. Aufgrund der zahlreichen Einschränkungen übt der Monarch seine Hoheitsrechte ausschließlich auf Anraten von Ministern aus, die dem Parlament gegenüber verantwortlich sind. In den meisten Fällen ist es der Premierminister oder der Privy Council, wobei letzterer heute vom Kabinett kontrolliert wird. Der Monarch trifft sich wöchentlich zu Sitzungen mit dem Premierminister. Es steht ihm zu, seine Meinung zu äußern, er muss aber letztlich die Entscheidungen des Premierministers und des Kabinetts akzeptieren (unter der Voraussetzung, dass sie im Unterhaus über die Mehrheit verfügen). Gemäß Walter Bagehot besitzt der Monarch in einer konstitutionellen Monarchie drei Rechte, „das Recht angehört zu werden, das Recht zu ermutigen und das Recht zu warnen.“Walter Bagehot: The English Constitution. S. 75.
Obschon die Hoheitsrechte weitreichend sind und für deren Ausübung die Zustimmung des Parlaments nicht erforderlich ist, sind sie dennoch begrenzt. Zahlreiche Hoheitsrechte werden nicht mehr angewendet, sind faktisch auf den Premierminister übergegangen oder wurden dauerhaft an das Parlament übertragen. Beispielsweise ist es dem Monarchen nicht gestattet, neue Steuern zu erheben und einzutreiben. Eine solche Aktion benötigt zwingend die Genehmigung des Parlaments. Gemäß einem parlamentarischen Bericht aus dem Jahr 2002 „kann die Krone keine neuen Hoheitsrechte einführen“ und das Parlament kann durch Beschluss eines Gesetzes jegliche Hoheitsrechte aufheben.