Das FFH-Gebiet Parco Nazionale d’Abruzzo ist ein NATURA-2000-Schutzgebiet in der italienischen Provinz L’Aquila. Das über 588 km² große Schutzgebiet dehnt sich im Südwesten der Provinz in den Gemeindegebieten von Alfedena, Balsorano, Barrea, Bisegna, Civita d’Antino, Civitella Alfedena, Collelongo, Gioia dei Marsi, Lecce nei Marsi, Opi, Ortucchio, Pescasseroli, Rocca Pia, San Vincenzo Valle Roveto, Scanno, Scontrone, Trasacco, Villalago, Villavallelonga und Villetta Barrea aus. Das FFH-Gebiet ist seit 1995 ausgewiesen und überschneidet sich in Teilen mit dem 1923 eingerichteten und 496,8 km² großen Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise.
Bedeutung Das Schutzgebiet ist durch ausgedehnte Buchenwälder mit großen Lichtungen und Gebirgskämmen aus Kalkstein gekennzeichnet. Es treten häufig Karstphänomene auf. Des Weiteren sind hochgelegene Sumpfgebiete ebenso vorhanden, wie Schwarzkieferwälder. Aufgrund der vielseitigen Habitate und der damit verbundenen Flora und Fauna kommt dem Schutzgebiet eine besondere ökologische Bedeutung zu, die auch von besonderem wissenschaftlichen, pädagogischen und landschaftlichen Wert ist. Das Vorhandensein von mediterranen, kontinentalen und subatlantischen Elementen unterstreicht die Komplexität des FFH-Gebietes Parco Nazionale d’Abruzzo.
FFH-Lebensraumtypen Im FFH-Gebiet Parco Nazionale d’Abruzzo sind nach Anhang I der FFH-Richtlinie 33 schützenswerte Lebensraumtypen verzeichnet:
Oligo- bis mesotrophe kalkhaltige Gewässer mit benthischer Vegetation aus Armleuchteralgen Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions Temporäre mediterrane Flachgewässer Alpine Flüsse mit krautiger Ufervegetation Alpine Flüsse mit Ufergehölzen von Salix elaeagnos Permanente mediterrane Flüsse mit Glaucium flavum Flüsse der planaren bis montanen Stufe mit Vegetation des Ranunculion fluitantis und des Callitricho-Batrachion Permanente mediterrane Flüsse: Paspalo-Agrostidion und Galeriewälder aus Salix und Populus alba Alpine und boreale Heiden Buschvegetation mit Pinus mugo und Rhododendron hirsutum (Mugo-Rhododendretum hirsuti) Stabile xerothermophile Formationen von Buxus sempervirens an Felsabhängen (Berberidion p.p.) Formationen von Juniperus communis auf Kalkheiden und -rasen Lückige basophile oder Kalk-Pionierrasen (Alysso-Sedion albi) Alpine und subalpine Kalkrasen Naturnahe Kalktrockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia) (* besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen) Mediterrane Trockenrasen der Thero-Brachypodietea Artenreiche montane Borstgrasrasen (und submontan auf dem europäischen Festland) auf Silikatböden Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe Magere Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis) Kalkreiche Niedermoore Kalk- und Kalkschieferschutthalden der montanen bis alpinen Stufe (Thlaspietea rotundifolii) Thermophile Schutthalden im westlichen Mittelmeerraum Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation Silikatfelsen mit Pioniervegetation des Sedo-Scleranthion oder des Sedo albi-Veronicion dillenii Kalk-Felspflaster Nicht touristisch erschlossene Höhlen Östliche Flaumeichenwälder Illyrische Eichen-Hainbuchenwälder (Erythronio-Carpinion) Buchenwald der Apenninen mit Taxus und Ilex Galeriewald mit Salix alba und Populus alba Wälder mit Quercus ilex und Quercus rotundifolia Sub-mediterrane Kiefernwälder mit endemischen Schwarzkiefern
Arten Besonders schützenswerte Arten Vögel Das Schutzgebiet weist zahlreiche Vogelarten auf, darunter auch einige die gemäß Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie besonders geschützt sind, weil deren Bestand stark gefährdet ist oder sie nur in einem sehr begrenzten Bereich wie im Apennin vorkommen. Folgende Arten, die im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie der EU gelistet sind, sind im FFH-Gebiet Parco Nazionale d’Abruzzo anzutreffen. Einige Arten rasten oder überwintern nur in dem Schutzgebiet. Alpenkrähe Brachpieper Halsbandschnäpper Heidelerche Lannerfalke Mittelspecht Neuntöter Ortolan Schwarzmilan Steinadler Steinhuhn Uhu Wanderfalke Weißrückenspecht Ziegenmelker
Arten von gemeinschaftlichem Interesse Des Weiteren kommen folgende Arten vor, die gemäß Anhang II oder Anhang IV der FFH-Richtlinie als von gemeinschaftlichem Interesse gelistet:
Amphibien & Reptilien Alpen-Kammmolch Apennin-Gelbbauchunke Nördlicher Kammmolch Südlicher Brillensalamander Vierstreifennatter Wiesenotter
Fische & Krebse Dohlenkrebs Mittelmeer-Bachforelle Südeuropäische Plötze
Insekten Alpenbock Eremit Skabiosen-Scheckenfalter
Säugetiere Abruzzen-Gämse Bechsteinfledermaus Europäische Wildkatze Große Hufeisennase Großes Mausohr Kleine Hufeisennase Langflügelfledermaus Marsischer Braunbär Mopsfledermaus Wolf
Flora Unter den Pflanzen sind gemäß Anhang II oder Anhang IV der FFH-Richtlinie folgende Arten als besonders schützenswert verzeichnet: Adria-Riemenzunge Astragalus aquilanus, eine Tragant-Art Gelber Frauenschuh Iris marsica, eine Schwertlilien-Art
Weitere gelistete Arten Vögel Alpenbraunelle Alpendohle Blässhuhn Braunkehlchen Haubentaucher Krickente Mauerläufer Pfeifente Ringdrossel Schneesperling Steinrötel Steinsperling Stockente Tafelente
Insekten Amara samnitica Asiorestia peirolerii melanothorax Barinotus solarii Calathus fracasii Capnis nigra Carabus cavernosus variolatus Ceutorhynchus osellai Cychrus attenuatus latialis Dichotrachelus variegatus Harpalus luteicornis Hypera oblonga Laemostenus magellensis Liparus interruptus Longitarsus springerii Lucinus italicus Meira baudii Nebria postuma Nemonyx lepturoides Neocoenorrhinus abeillei Neoplinthus tigratus Ocydromus alticola Ocys tasii Omphalapion laevigatum Orthochaetes setiger Otiorhynchus cribrirostris Otiorhynchus porcellus Otiorhynchus sirentensis Otiorhyncus luigionii Parafoucartia squamulata Percus bilineatus Percus dejeani Phrissotrichum osellai Protonemura praecox Pterostichus morio samniticus Schwarzbeiniger Borstenrüssler Synapion falzoni Taeniopterux kuehtreiberi Trachysoma alpinum italocentralis Trechus cerrutii Troglorhynchus microphthalmus Zabrus costai
Säugetiere Schneemaus
Flora Verzeichnet sind weiters über 130 Pflanzen, die im Schutzgebiet heimisch sind.
Siehe auch Liste der FFH-Gebiete in den Abruzzen
Weblinks Parco Nazionale d’Abruzzo in der Datenbank der European Environment Agency (EEA) (englisch) ZSC IT7110205 Parco Nazionale d’Abruzzo auf parcoabruzzo.it (italienisch)
Einzelnachweise
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