Dieser Artikel beschreibt Fachbegriffe und Abkürzungen der britischen Streitkräften für Waffen und Munition, die in der Vergangenheit verwendet wurden bzw. derzeit noch verwendet werden. Diese Begriffe weisen in Systematik und Inhalt Unterschiede zu den in deutschen Streitkräften verwendeten Begriffen auf.

Einführung Ursprünglich wurden Geschütze im Vereinigten Königreich, wie fast überall, nach dem Geschossgewicht bezeichnet. Dies war möglich, weil Geschütze damals im Regelfall Vollkugeln verschossen, aus deren Gewicht sich das Kaliber ergab. Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts handelte es sich bei Kanonen immer um Vorderlader mit glattem Rohr, so dass eine Unterscheidung nach konstruktiven Merkmalen nicht notwendig war.

Ab 1859, nach Einführung der ersten Hinterladergeschütze mit gezogenem Rohr, entwickelte sich ein neues Bezeichnungssystem, bei dem die Waffen nach konstruktiven Merkmalen eingeordnet wurden. Diese Merkmale waren einerseits das Rohr – mit Zügen oder als Glattrohr – und andererseits die Art und Weise, wie die Waffe geladen wurde – von vorn über die Rohrmündung oder von hinten durch den Verschluss.

Zu beachten ist, dass die Geschütze ständig weiterentwickelt und in unterschiedlichen Ausführungen gebaut wurden, die sich in Rohrlänge, Gewicht der Waffe, Geschossgewicht und ballistischen Leistungen unterschieden. Auch kamen je nach Verwendungszweck unterschiedliche Lafetten zum Einsatz. Der Grundtyp und das Kaliber blieben in der Bezeichnung gleich, geändert wurde der Teil, der das Gesamtgewicht der Waffe bezeichnete. Wenn bei Modifikationen das Gesamtgewicht ungefähr gleich blieb, wurde der Suffix Mk I usw. eingefügt.

Das Gesamtgewicht der Waffe war das Gewicht des Rohres mit, soweit vorhanden, Verschluss. Das Gewicht der Lafette und von Anbauteilen ging nicht in das Gesamtgewicht ein.

Wenn im Namen der Waffe das Geschossgewicht benannt wurde, bedeutete dies nicht zwangsläufig, dass nur derartige Geschosse genutzt werden konnten. Auch die Verwendung leichterer und schwererer Geschosse war möglich, so verschoss beispielsweise die RML 64-pounder 64 cwt gun auch die Geschosse der 32-Pfünder-Glattrohrkanonen. Spätestens mit der Einführung unterschiedlicher Typen von Granaten, wie Brisanzgranaten, panzerbrechenden Granaten und Schrapnells wurde die Angabe des Geschossgewichtes in der Bezeichnung der Waffe obsolet und nicht weiter verwendet. Stattdessen wurde das Kaliber in die Bezeichnung der Waffe aufgenommen. Solange jedoch Vollgeschosse oder nur ein Typ von Granaten verwendet wurde, ließ sich aus dem Geschossgewicht das Kaliber – das entscheidend für die Fertigung war – ungefähr ableiten. Es konnte jedoch vorkommen, dass unterschiedliche Geschossgewichte einem Kaliber zugeordnet waren. Dabei ergaben sich ab 1919 folgende Zuordnungen:mini|Das QF 12 pounder common pointed shell konnte sowohl von 12-pounder, als auch von 14-pounder-Geschützen verschossen werden, da beide ein identisches Kaliber hatten NameKaliberMetrischImperial 1 pounder 37 mm1.457 inch2 pounder40 mm1.575 inch3 pounder47 mm1.85 inch6 pounder57 mm2.244 inch10 pounder 69.8 mm2.75 inch12 pounder76.2 mm3 inch13 pounder76.2 mm3 inch14 pounder76.2 mm3 inch15 pounder 76.2 mm3 inch17 pounder76.2 mm3 inch18 pounder83.8 mm3.3 inch20 pounder83.8 mm3.3 inch25 pounder87.6 mm3.45 inch32 pounder 94 mm3.7 inch40 pounder120,6 mm4.75 inch60 pounder127 mm5 inch

Diese Tabelle trifft nicht für die Vorderladergeschütze mit glattem Rohr und die aus ihnen entwickelten Waffen zu, dort waren die Kaliber im Vergleich deutlich größer. So hatten beispielsweise die 32-Pfünder ein Kaliber von 160 bis 164 mm - was später die Verwendung der Geschosse für die RML 64-pounder ermöglichte.

Mit der Erhöhung der Reichweite stellte sich das Problem des Richtens der Waffe, da ein direktes Richten bei Entfernungen von mehreren Kilometern praktisch unmöglich war. Geschütze, die ein indirektes Richten ermöglichten, wurden als howitzer (Haubitze) klassifiziert. Zur Unterscheidung wurde der Typ gun für Kanone und howitzer in die Bezeichnung aufgenommen. Im Laufe der Zeit wurde bei Notwendigkeit der Verwendungszweck weiter präzisiert und durch Angaben wie beispielsweise field gun (Feldkanone) oder mountain gun (Gebirgskanone) in die Bezeichnung der Waffen aufgenommen. Bei der Royal Navy setzte sich zeitweise die Bezeichnung nach dem möglichen Höhenrichtbereich durch.

Gleichzeitig ergab sich die Notwendigkeit, die Begriffe für die Aufstellung der Geschütze zu standardisieren.

In der zeitgenössischen Literatur kommen Schreibweisen mit und ohne Bindestrich vor. Die Reihenfolge der einzelnen Bestandteile der Waffen konnte variieren. Praktisch spielte dies keine Rolle, solange die Verständlichkeit gewahrt blieb.

Geschütze

SBML Unter der Bezeichnung SBML wurden nachträglich die vorhandenen Vorderladerkanonen mit glattem Rohr, also ohne Felder und Züge, zusammengefasst. Da dies im Prinzip bis in die 1850er Jahre die einzig verfügbaren Geschütztypen waren, bestand bis dahin keine Notwendigkeit einer gesonderten Klassifizierung. Die Abkürzung SBML steht dabei für Smooth bore - muzle loading (Glattrohr, laden über die Mündung). Bezeichnet wurden die Waffen durch die Angabe des Geschossgewichtes in britischen Pfund. Da hauptsächlich Vollkugeln verschossen wurden, ergab sich eine feste Zuordnung von Geschossgewicht und Kaliber. Bei Waffen gleichen Kalibers, aber unterschiedlicher Konstruktion wurde an die Bezeichnung des Geschützes dessen Gewicht in britischen Hundredweight angehängt.

Die Einteilung in 6-, 12-, 18-, 24-Pfünder war einerseits auch außerhalb der Royal Navy weit verbreitet, anderseits waren die Fertigungstoleranzen relativ groß, so dass erbeutete Geschütze meist ohne größere Probleme weiterverwendet werden konnten.

+ SBML Bezeichnung Bild Kaliber EinführungAußerdienststellung Anmerkung 6-pounder 200 px 57 mm 12-pounder 200 px120,7 mm 12-pounder 10 cwt howitzer 200 px 18-pounder 200 px 138,7 mm 24-pounder 200 px 152,2 mm 32-pounder 56 cwt 200 px 6,3–6,41 inch (160–164 mm)1790er1865 32-pounder 200 px 6,3–6,41 inch (160–164 mm)1790er1865 42-pounder 200 px 68-pounder 200 px 8.12 inch (206,2 mm)18461921

RBL Diese Waffen waren die ersten Hinterladergeschütze der British Army und der Royal Navy mit gezogenen Rohren. Eingeführt wurden diese ab 1859, nachdem William Armstrong die Konstruktion eines brauchbaren, gasdichten Verschlusses gelungen war.

Im praktischen Einsatz konnten diese Waffen jedoch nicht überzeugen. Die ballistischen Leistungen lagen nicht wesentlich über denen der damals üblichen Vorderlader und bei einer eingespielten Besatzung erreichten Vorderlader die gleiche Kadenz wie die Konstruktionen von Armstrong, deren Fertigung war jedoch wesentlich komplexer und damit teurer. Daher wurde nach einer Begutachtung durch das Ordnance Select Committee die weitere Entwicklung und Beschaffung von Hinterladern ab 1864 zunächst gestoppt. Die in großer Zahl produzierten Hinterlader verblieben aber in der Bewaffnung der britischen Streitkräfte und wurden erst nach und nach abgelöst.

Die Bezeichnung der Geschütze war wie folgt aufgebaut: RBL xx-cwt yy-pounder. In der Bezeichnung steht RBL für Rifled, Breech Loading - deutsch Rohr mit Zügen, Laden durch den Verschluss xx-cwt für das Gewicht der Waffe in britischen Hundredweight yy-pounder für das Geschossgewicht in britischen Pfund Der RBL 12-pounder 8 cwt war also eine Hinterladerkanone (RBL) mit einem Gewicht von 8 cwt, die Granaten mit einem Geschossgewicht von 12 pounds verschoss.

Bei kleineren Kalibern konnte die Angabe des Gewichtes der Waffe auch entfallen, sie wurde aber immer dann eingefügt, wenn mehrere Typen zu unterscheiden waren.

Bei der RBL-7 inch wurde vom obigen Schema abgewichen, statt des Geschossgewichtes wurde das Kaliber in die Bezeichnung der Waffe aufgenommen. + RBL Bezeichnung Bild Kaliber EinführungAußerdienststellung Anmerkung RBL 9-pounder RBL 12-pounder 8 cwt 200 px 3 inch (76,2 mm) 1859? RBL 20-pounder 200 px 3.75 inch (95,2 mm) 1859? RBL 40-pounder 200 px 4.75 inch (120,6 mm) 1859?32 cwt35 cwt RBL 7-inch 200 px 7 inch (177,8 mm) 1859?32 cwt35 cwt

RML mini|Bei dieser Granate wurde die Führung im Rohr durch die seitlich angebrachten Stollen sichergestellt. Diese Konstruktion erforderte Rohre mit Zügen und Feldern. mini|Bei dieser Granate dagegen wurde die Führung im Rohr durch das speziell geformte Bodenstück sichergestellt. Dies erforderte die Verwendung polygonaler Rohre. Zwar sah man ab 1864 von der Entwicklung neuer Hinterlader ab, wollte aber aufgrund der höheren Wirkung im Ziel den Verschuss von Sprenggranaten beibehalten. Dies erforderte Rohre mit Feldern und Zügen. Die ab 1864 neu entwickelten und beschafften Vorderlader litten unter einigen konzeptionellen Problemen. Zwar ging man auch hier zur Verwendung gezogener Rohre über, lud die Waffe aber von vorn über die Mündung. Damit die Geschosse überhaupt in das Rohr mit Feldern und Zügen eingeführt werden konnten, besaßen sie Stollen, die in den Zügen der Waffe glitten. Eine andere Lösung war ein speziell geformtes Bodenstück aus Kupfer, dass die Führung der Granate übernahm. Diese Lösung ermöglichte die Nutzung polygonaler Rohre, die von den Briten aufgrund der höheren Gasdichtigkeit bevorzugt wurde. Das Bodenstück konnte dabei entweder fest mit der Granate verbunden sein oder zwischen Granate und Treibladung eingelegt werden. Die Probleme mit der Abdichtung der Geschosse mit dem Rohr verringerten Reichweite und Präzision. Da zum damaligen Zeitpunkt langsam abbrennende Treibladungen noch nicht verfügbar waren, kam es im Rohr zu hohen Gasdrücken. Dies begrenzte die Länge der Rohre – was wieder Durchschlagsleistung und Reichweite limitierte – und erforderte beim damaligen Stand der Technik sehr dicke und schwere Waffen. Die einzige Möglichkeit zur Steigerung der ballistischen Waffen bestand in der Vergrößerung des Kalibers, und tatsächlich wuchs das Kaliber von 6,3 inch bei der RML 64 pounder 64 cwt Gun im Jahr 1865 auf 17,72 inch bei der RML 17.72 inch gun im Jahr 1874, dennoch lag die effektive Reichweite der letztgenannten Kanonen nur bei ungefähr 6.000 m. Derartig große Kaliber waren aber für eine mobile Nutzung nicht mehr geeignet. Auch erforderten Geschossgewichte von bis zu 900 kg zwingend mechanisierte Ladevorrichtungen.

Die Bezeichnung der Geschütze war für kleinere Kaliber wie folgt aufgebaut: RML xx-pounder yy-cwt. In der Bezeichnung steht RML für Rifled, Muzzle Loading - deutsch Rohr mit Zügen, Laden durch die Mündung xx-pounder für das Geschossgewicht in britischen Pfund yy-cwt für das Gewicht der Waffe in britischen Hundredweight Die RML 64-pounder 64 cwt gun war also ein Vorderladergeschütz mit gezogenem Rohr, das Geschosse mit einem Gewicht von 64 pounds verschoss und ein Gewicht von 64 cwt hatte.

Bei größeren Kalibern lautete die Bezeichnung wie folgt: RML xx-inch yy-ton Verwendung. In der Bezeichnung steht RML für Rifled, Muzzle Loading - deutsch Rohr mit Zügen, Laden durch die Mündung xx-inch für das Kaliber der Waffe in britischen inch yy-ton für das Gewicht der Waffe in britischen Tonnen Der Einsatzzweck der Waffe wurde zur Unterscheidung von Waffen gleichen Kalibers angegeben, dabei steht

gun für Kanone howitzer für Haubitze mountain gun für Gebirgskanone field gun für Feldkanone

Die RML 12-inch 25-ton gun war also eine Vorderladerkanone mit gezogenem Rohr, einem Kaliber von 12 inch und einem Gewicht von 25 tons.

Die Angabe des Gewichtes der Waffe konnte auch entfallen, sie wurde aber immer dann eingefügt, wenn mehrere Typen zu unterscheiden waren.

Konstruktiv bedingt konnten die meisten damaligen Haubitzen nicht in der oberen Winkelgruppe schießen, ausschlaggebend für die Einordnung war die Möglichkeit zum indirekten Richten der Waffe.