Quellen zur Geschichte des Deutschen Bundes ist ein Editionsprojekt der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (HiKo), das seit 1988 eine umfangreiche Sammlung von mehreren tausend Dokumenten von der Entstehung des Deutschen Bundes ab 1813 bis zu seiner Auflösung im Jahr 1866 zusammenträgt.
Bedeutung Die Geschichte des Deutschen Bundes erscheint durch die Quellensammlung als eine zentrale politische Instanz, die im Sinne des Konzepts der „föderativen Nation“ (Dieter Langewiesche) agierte. Der Deutsche Bund wird in dem breiten Quellenfundus, der auf der Auswertung von ca. 30 Archiven beruht, als föderaler Sammelpunkt Deutschlands und „nationales Band“ sichtbar. Auf der Grundlage des Quellenmaterials wurden mehrere ausführliche Darstellungen zur Geschichte des Deutschen Bundes veröffentlicht. Die Edition wird in der Forschung als "monumentales" Werk bezeichnet, das wegweisend für die Geschichtsschreibung sei: "For the historian of diplomacy and statecraft, this monumental edition, albeit still incomplete, holds manifold new perspectives and prospective approaches in store".Michael Jonas: The German Confederation as an International Organization : a Historiographical Essay on Current Debates. In: Diplomatica 2, 2020, S. 305–323. Ähnlich: Wolfgang Burgdorf: Rezension. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 84/1, 2025, S. 232–235. doi:10.1515/mgzs-2025-0028 Als "Alleinstellungsmerkmal" der Edition hebt Manfred Hanisch die "Mischung von Quellen unterschiedlicher Provenienz" hervor: "So entsteht ein markantes Bild von den Zuständen im Deutschen Bund und deren Resonanz in der Öffentlichkeit."Manfred Hanisch: Rezension von: Jürgen Müller (Bearb.): Demagogenverfolgung, Militärpolitik und wirtschaftliche Fragen 1824–1830. De Gruyter Oldenbourg, Berlin / Boston 2023, In: sehepunkte 24, Nr. 9, 15.09.2024. (sehepunkte.de).
Entstehung und Verlauf des Editionsprojekts Das Editionsprojekt „Quellen zur Geschichte des Deutschen Bundes“ wurde im Jahr 1988 von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (HiKo) ins Leben gerufen. Die Abteilungsleitung hatte seit 1988 Lothar Gall (Frankfurt am Main) inne, seit 2017 steht das Projekt unter der Leitung von Andreas Fahrmeir (Frankfurt am Main). Als editorische Bearbeiter waren Eckhardt Treichel (1989–2020), Ralf Zerback (1989–1993) und Jürgen Müller (1989–2025) tätig. In Verbindung mit der Abteilung wurde von 2016 bis 2019 ein Forschungsprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) durchgeführt, in dem Marko Kreutzmann (Universität Jena) als wissenschaftlicher Mitarbeiter eine grundlegende Studie zur inneren Entwicklung des Deutschen Bundes zwischen 1816 und 1848 erarbeitete.
Publikationen Abt. I: Quellen zur Entstehung und Frühgeschichte des Deutschen Bundes 1813–1830:
Band 1: Die Entstehung des Deutschen Bundes 1813–1815. 2 Teilbände. Bearb. v. Eckhardt Treichel. München 2000. CLXXVI, 1671 S., ISBN 978-3-486-56417-4. Band 2: Organisation und innere Ausgestaltung des Deutschen Bundes 1815–1819. Bearb. v. Eckhardt Treichel. München 2015. CLIX, 1148 S., ISBN 978-3-486-56702-1. Band 4: „Demagogenverfolgung“, Militärpolitik und wirtschaftliche Fragen 1824–1830. Bearb. v. Jürgen Müller. München 2024, CXXXVIII, 1622 S., ISBN 978-3-111-07907-3.
Abt. II: Quellen zur Geschichte des Deutschen Bundes 1830–1848:
Band 1: Reformpläne und Repressionspolitik im Deutschen Bund 1830–1834. Bearb. v. Ralf Zerback. München 2003, LXVIII, 830 S., ISBN 978-3-486-56658-1.
Abt. III: Quellen zur Geschichte des Deutschen Bundes 1850–1866.
Band 1: Die Dresdener Konferenz und die Wiederherstellung des Deutschen Bundes 1850/51. Bearb. v. Jürgen Müller. München 1996, XCIII, 594 S., ISBN 978-3-486-56190-6. Band 2: Der Deutsche Bund zwischen Reaktion und Reform 1851–1858. Bearb. v. Jürgen Müller. München 1998, CI, 961 S., ISBN 978-3-486-56348-1. Band 3: Der Deutsche Bund in der nationalen Herausforderung 1859–1862. Bearb. v. Jürgen Müller. München 2012, LXII, 920 S., ISBN 978-3-486-70927-8. Band 4: Vom Frankfurter Fürstentag bis zur Auflösung des Deutschen Bundes 1863–1866. Bearb. v. Jürgen Müller. München 2017, CIX, 1154 S., ISBN 978-3-11-052790-2.
Offen sind noch (2025) die Zeiträume 1819–1821/1823 und 1835–1850.
Dabei wird das ganze Spektrum der Bundespolitik abgedeckt: die Organisation des deutschen Staatenbundes als föderative Ordnung, die Bestrebungen zu seiner Weiterentwicklung mit dem Ziel einer stärkeren nationalen Integration, die repressiven Maßnahmen gegen liberale und nationale Oppositionsbewegungen, die wiederholten Versuche zur grundlegenden Reform des Deutschen Bundes, die Rolle des Deutschen Bundes im Hinblick auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung, die Funktion des Deutschen Bundes im europäischen Mächtesystem.
Literatur Lothar Gall: Grundprobleme von Quelleneditionen zur Geschichte des 19. Jahrhunderts, in: Lothar Gall, Rudolf Schieffer (Hg.): Quelleneditionen und kein Ende? Symposium der Monumenta Germaniae Historica und der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften München, 22./23. Mai 1998. (Historische Zeitschrift, Beihefte, N. F. Bd. 28.), München 1999, S. 81–91. Eckhardt Treichel, Jürgen Müller, Quellen zur Geschichte des Deutschen Bundes. Ein Forschungsprojekt der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. In: Arbeitsgemeinschaft außeruniversitärer historischer Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Jahrbuch der historischen Forschung. Berichtsjahr 2000. München 2001, S. 27–37. Eckhardt Treichel, Jürgen Müller, Quellenfundus zur föderativen Tradition Deutschlands. Ein neuer Blick auf die Geschichte des Deutschen Bundes in Edition und Darstellung, in: Akademie Aktuell, Zeitschrift der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2, 2008, S. 47–49. (badw.de)
Weblinks Historische Kommission
Einzelnachweise
Kategorie:Deutscher Bund Kategorie:Quellenedition