mini|Rote und blaue Kapseln, wie man sie aus dem Film Matrix (1999) kennt.

Die rote Pille und die blaue Pille sind metaphorische Begriffe, die für die Wahl stehen, entweder eine beunruhigende oder lebensverändernde Wahrheit zu erfahren, indem man die rote Pille einnimmt, oder in der unhinterfragten Erfahrung einer Illusion zu verharren, die als gewöhnliche Realität erscheint, wenn man die blaue Pille einnimmt. Die Pillen wurden als Requisiten in dem Film Matrix von 1999 verwendet.

Vorgeschichte Filmhistoriker stellten fest, dass die Trope der „roten Pille“, die für die Rückkehr in die Realität entscheidend ist, zum ersten Mal im Film Die totale Erinnerung – Total Recall aus dem Jahr 1990 auftauchte, in dem der Held (gespielt von Arnold Schwarzenegger) aufgefordert wird, eine rote Pille zu schlucken, um seinen Wunsch zu symbolisieren, aus einer traumähnlichen Fantasie in die Realität zurückzukehren. S. 124; ISBN 978-0-7864-7911-5 ISBN 978-0-9752401-1-3

Im Film Matrix

In dem Film Matrix wird die Hauptfigur Neo (gespielt von Keanu Reeves) vom Rebellenführer Morpheus (gespielt von Laurence Fishburne) vor die Wahl zwischen einer roten und einer blauen Pille gestellt. Morpheus sagt: „Du nimmst die blaue Pille… die Geschichte endet, du wachst in deinem Bett auf und glaubst, was immer Du glauben willst. Du nimmst die rote Pille… du bleibst im Wunderland, und ich zeige dir, wie tief der Kaninchenbau ist.“ Es wird angedeutet, dass es sich bei der blauen Pille um ein Beruhigungsmittel handelt, das Neo glauben lässt, dass alle seine jüngsten Erlebnisse eine Halluzination waren, so dass er wieder in der simulierten Realität der Matrix leben kann. Die rote Pille hingegen dient als „Ortungsgerät“, um den Körper des Probanden in der realen Welt zu lokalisieren und ihn darauf vorzubereiten, aus der Matrix „ausgestöpselt“ zu werden.

Neo nimmt die rote Pille und erwacht in der realen Welt, wo er gewaltsam aus der mit Flüssigkeit gefüllten Kammer ausgeworfen wird, in der er ahnungslos gelebt hat. Nach seiner Rettung und Genesung an Bord von Morpheus' Schiff, der Nebuchadnezzar, zeigt Morpheus ihm die wahre Natur der Matrix: eine detaillierte Computersimulation der Erde am Ende des 20. Jahrhunderts (das tatsächliche Jahr ist zwar nicht genau bekannt, wird aber im Originalfilm auf etwa 200 Jahre später geschätzt, obwohl in den Fortsetzungen Matrix Reloaded, Matrix Revolutions und Animatrix deutlich wird, dass mindestens 700 Jahre vergangen sind). Es wurde geschaffen, um den Geist der Menschen gefügig zu halten, während ihre Körper in riesigen Kraftwerken gelagert werden und ihre Körperwärme und Bioelektrizität von den empfindungsfähigen Maschinen, die sie versklavt haben, als Energie verbraucht wird.

Spätere Matrix Filme In einem Interview aus dem Jahr 2012 sagte die Matrix-Regisseurin Lana Wachowski:

In dem Film Matrix Resurrections aus dem Jahr 2021 verwendet der Analytiker blaue Pillen, um Neos wahre Erinnerungen unter dem Deckmantel von Therapiesitzungen zu unterdrücken. Später nimmt Neo eine weitere rote Pille, bevor er von Bugs und ihrer Crew wieder aus der Matrix befreit wird. In Trinitys Fall muss sie die rote Pille nicht noch einmal nehmen, weil Sati sie aus der Matrix befreit. Die roten Pillen ermöglichen es auch befreundeten Programmen, die Matrix zu verlassen, wie bei der Programmversion von Morpheus zu sehen ist.

Analyse In einem Aufsatz von Russell Blackford geht es um die roten und blauen Pillen. Er stellt die Frage, ob ein Mensch, der umfassend informiert ist, die rote Pille nehmen und sich für die reale Welt entscheiden würde, da er der Meinung ist, dass die Entscheidung für die physische Realität und gegen eine digitale Simulation nicht so vorteilhaft ist, dass sie für alle Menschen gilt. Sowohl Neo als auch eine andere Figur, Cypher (Joe Pantoliano), nehmen die rote Pille anstelle der blauen Pille. Später im ersten Matrix-Film bedauert Cypher diese Entscheidung und sagte, wenn Morpheus ihn vollständig über die Situation aufgeklärt hätte, hätte Cypher ihm gesagt, „er solle sich die rote Pille in den Arsch schieben.“ Als Cypher anschließend einen Deal mit den Maschinen eingeht, um in die Matrix zurückzukehren und alles zu vergessen, was er gelernt hat, sagt er: „Unwissenheit ist Glück“. Blackford argumentiert, dass die Matrix-Filme so angelegt sind, dass sich das Einnehmen der roten Pille selbst dann lohnt, wenn Neo scheitert, weil er authentisch lebt und stirbt. Blackford und der Science-Fiction-Autor James Patrick Kelly sind der Meinung, dass in der Matrix die Karten gegen die Maschinen und ihre simulierte Welt auf den Tisch gelegt werden. S. 169; ISBN 978-0-8264-1588-2

Der Autor von „Matrix Warrior: Being the One“, Jake Horsley, verglich die rote Pille mit LSD und zitierte eine Szene, in der Neo seine eigene Welt außerhalb der Matrix erschafft. Als er Morpheus fragt, ob er zurückkehren könne, antwortet Morpheus mit der Frage, ob er das denn wolle. Horsley beschreibt die blaue Pille auch als süchtig machend und bezeichnet die Matrix-Serie als eine fortlaufende Serie von Entscheidungen zwischen der Einnahme und der Nichteinnahme der blauen Pille. Er fügte hinzu, dass die Gewohnheiten und Routinen der Menschen in der Matrix lediglich die Menschen sind, die sich die blaue Pille einwerfen. Während er die blaue Pille als etwas Alltägliches beschreibt, sagt er, dass die rote Pille etwas Einzigartiges ist, etwas, das jemand vielleicht gar nicht findet.

Literarische und philosophische Andeutungen mini|hochkant|Alice in einer von John Tenniels Illustrationen zu Alices Abenteuer im Wunderland. Der Film Matrix und seine Fortsetzungen enthalten zahlreiche Anspielungen auf Lewis Carrolls Roman Alice im Wunderland von 1865 und seine Fortsetzung Alice hinter den Spiegeln von 1872. Die Metapher von Alice-im-Wunderland wird in Morpheus' Rede an Neo mit den Ausdrücken „White Rabbit“ und „Down the Rabbit Hole“ sowie der Beschreibung von Neos Entdeckungsreise als „Wunderland“ deutlich. Es wurde auch spekuliert, dass das Konzept der roten und blauen Pillen eine Anspielung auf die Szene in Alice im Wunderland ist, in der Alice einen Kuchen mit der Aufschrift „Iss mich“ und einen Zaubertrank mit der Aufschrift „Trink mich“ findet: Wenn sie den Kuchen isst, wird Alice riesengroß, wenn sie den Zaubertrank trinkt, wird sie winzig klein.

Der Film Matrix nimmt auch Bezug auf historische Mythen und Philosophie, einschließlich Gnostizismus, Existenzialismus und Nihilismus. Das zentrale Konzept des Films wurde mit Platons Höhlengleichnis, S. 152; ISBN 978-1-932100-02-0 Zhuangzis „Zhuangzi träumte, er sei ein Schmetterling“, René Descartes’ Cartesischer Zweifel S. 115; ISBN 978-0-7456-3316-9 und dem bösen Geist, Kants Überlegungen zum Phänomen versus dem Ding an sich, Robert Nozicks „Experience machine“, S. 18; ISBN 978-0-19-518107-4 dem Konzept einer simulierten Realität und dem Gedankenexperiment „Gehirn im Tank“ verglichen.

Die Wachowskis baten den Hauptdarsteller Keanu Reeves, vor den Dreharbeiten drei Bücher zu lesen: Simulacres et Simulation (1981) von Jean Baudrillard, Out of Control (1992) von Kevin Kelly und Introducing Evolution (1999) von Dylan Evans.

Rote Pille als Transgender-Allegorie Fan-Theorien besagen, dass die rote Pille eine Allegorie für Transgender-Menschen oder eine Geschichte von Lana und Lilly Wachowskis Coming-out als Transgender darstellen könnte. In den 1990er Jahren war eine gängige Transgender-Hormontherapie für Transfrauen Premarin, eine kastanienbraune Tablette, während ein gängiges Antidepressivum, das damals verschlossenen Transfrauen verschrieben wurde, Prozac, blau war. Lilly Wachowski erklärte im August 2020, dass die Filmemacher absichtlich Transgender-Themen in den Film aufgenommen hätten.

In der Freudschen Psychologie In der Freudschen Psychologie sind die entsprechenden Prinzipien das Realitätsprinzip und das Lustprinzip. Robert Nozick schlägt vor, wie Keanu Reeves in „The Matrix“ die rote Pille der blauen Pille vorzuziehen, dass die meisten von uns die Realität dem Vergnügen vorziehen würden.; S. 85; ISBN 978-1-5264-8118-4 Neo muss sich zwischen der roten und der blauen Pille entscheiden; er hat die Wahl zwischen Wahrheit und Vergnügen: das Reale oder das Verharren in der Illusion [des] Lustprinzips.;S. 312; ISBN 978-0-262-26518-8 Stellen Sie sich vor, Sie säßen in der Matrix fest, wüssten, dass sie eine Fälschung ist, hätten aber keine rote Pille, die Ihnen den Zugang zum Realitätsprinzip ermöglicht.; S. 11; ISBN 978-0-244-82424-2 Matrix ist falsch, liefert der Matrix aber auch ihr „Realitätsprinzip“. [Bei] der Wahl zwischen einer roten und einer blauen Pille ... stellt die blaue Pille ein wunderschönes Gefängnis der am Lustprinzip orientierten Traumwelt dar.; S. 16; ISBN 978-1-00-065485-1

Als politische oder ideologische Metapher Das Konzept der roten und der blauen Pille ist seitdem in den Vereinigten Staaten als politische Metapher weit verbreitet, insbesondere in der Online-Kultur, wo „die rote Pille zu schlucken“ oder „eine rote Pille zu haben“ bedeutet, sich der angeblichen politischen Voreingenommenheit in der Gesellschaft, einschließlich der Mainstream-Medien, bewusst zu werden und dadurch angeblich ein unabhängiger Denker zu werden, während „die blaue Pille zu schlucken“ oder „eine blaue Pille zu haben“ bedeutet, diese angeblichen Voreingenommenheiten unhinterfragt zu akzeptieren. "Despite their tenuous coalitions and the fragmentation and fracturing that many observers of the "alt-right" have identified, digital hate culture does have a "common spirit" that is based on the tropes of the Red Pill and white genocide. ... Often used as a reference to a state of mind, the sense of being "red-pilled" in the context of digital hate culture refers to the idea that leftist political ideologies (which, for the purveyors of hate refers to the entire spectrum of feminists, Marxists, socialists, and liberals) have deluded the population and conspired to destroy Western civilization and culture." You take the blue pill, the story ends. You wake up in your bed and believe whatever you want to believe,' Laurence Fishburne’s character Morpheus tells Neo. 'You take the red pill, you stay in Wonderland and I show you how deep the rabbit hole goes.' The hero takes the red pill, which is meaningful to these groups who feel the world has mistreated them. Gathering in online echo chambers, they feel like heroes for seeing the world for what it is, for being brave enough to handle it and strong enough to show others. Little do they realise that their red pill of truth often leads them down a path of delusion, the very thing they think they are rallying the rest of the world against. … They hang out on YouTube or in internet forums and weave a web of conspiracy theory around themselves, in which they are the ultimate victims, and their scapegoats some unlikely victors in the game of life – groups typically marginalised by society: Jewish people, Black people, other people of colour, and, of course, women. Zu den vermeintlichen Wahrheiten, die denjenigen offenbart werden, die sich selbst als „red pilled“ bezeichnen, gehören häufig Verschwörungstheorien sowie antisemitische, weiß-vorherrschaftliche, homophobe und frauenfeindliche Überzeugungen. As group members are radicalized – a process they refer to as “redpilling” – their ideologies and distrust of the media feed on each other and ultimately inform a broader shift in their understanding of reality and veracity. As a result, they may view highly ideological and factually incorrect information as truthful, thus complicating understandings of disinformation. Insbesondere wurde die Metapher von der Alt-Right und Unterstützern Donald Trumps verwendet.