Bartholomäus Coppen, latinisiert Coppenius, (* 6. Januar 1565 in Rostock, Mecklenburg; † 24. Mai 1617 in Heidelberg, Kurpfalz) war ein reformierter Theologe, der als Schulrektor in Worms–Neuhausen und als Universitätsprofessor (1603 und 1615 Universitätsrektor) in Heidelberg wirkte.
Leben Herkunft und Schulbildung Bartholomäus Coppenius war ein Sohn von Wolfgang Koppen († um 1572),Akten, u. a. Streitigkeiten durch seine Absetzung seitens der Domina. 1564-1573; Landeshauptarchiv Schwerin (3.3-4 Kloster zum Heiligen Kreuz in Rostock, Nr. 94 und 95); Valentin Schacht, Rektor der Universität Rostock, gegen Wolfgang Köppen, Probst am Kloster zum Heiligen Kreuz in Rostock, wegen Verleumdung durch eine Schmähschrift. 1571; Landeshauptarchiv Schwerin (2.25-1 Konsistorium und Oberes Kirchengericht zu Rostock, Nr. 6252). der bis zur Säkularisation 1552 Mönch im Zisterzienser-Kloster Doberan gewesen, seit 1557 Klosterpropst (Verwalter) des Stiftes zum Heiligen Kreuz war,Sabine Pettke: Das Rostocker Kloster zum Heiligen Kreuz vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Kirchen- und staatsrechtliche Auseinandersetzungen im Rahmen der mecklenburgischen Kloster- und Verfassungsfrage (= Mitteldeutsche Forschungen. 106). Böhlau, Köln 1991, S. 66 und 78–80 (books.google.de – eingeschränkte Ansicht). und dessen erster Frau (⚭ I. um 1555) Margaretha Nettelbladt (⚭ I. Klaus Köhler; † 1565/66).Älteste Tochter von Jakob Nettelbladt († vor 1533) aus seiner Ehe (⚭ II.) mit Anna Godow († nach 1559; ⚭ II. Hinrich Möller); Karl Koppmann: Der Ratsherr Jakob Nettelbladt und seine nächsten Nachkommen. In: ders. (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte der Stadt Rostock. Band I, G. Nusser Rostock 1890, S. 89–100, bes. S. 91, 97 (books.google.de). Wolfgang Koppen heiratete (⚭ II. um 1566) als Witwer die ehemalige Nonne Lucia Wedemanns (* um 1535; † nach 1571),Lucia Wedemann kam etwa 1547, im Alter von 12 Jahren, ins Kloster, 1558 Teilnahme am evangelischen Abendmahl unter dem Stadtsuperintendenten Johann Draconites, nach 1566 wegen Heirat mit dem verwitweten Klosterpropst Köppen aus dem Kloster gegangen. wahrscheinlich eine Tochter des Schweriner Syndikus Joachim Wedemann d. Ä. (* um 1510/20; † nach 1597)Übersetzte als Stadtschreiber vor dem Rathausbrand 1558 das Schweriner Recht in die Niederdeutsche Sprache, ab 1560 Senator (Ratsherr). und Tante von Johannes Heinrich Wedemann.
Bartholomaeus Coppenius wurde von David Chyträus unterrichtet, der 1551 an das Pädagogium der Universität Rostock berufen worden war. Nach dem frühen Tod des Vaters kümmerte sich ein Bruder, Cousin oder eher Schwager seiner Mutter oder Stiefmutter („avunculus“) um ihn, der im Dienst des „Herzogs Karl und später des Königs von Schweden“ stand, und brachte ihn 1578Vizekanzler Zacharias Vehling war im April bis Mai 1578 mit Herzog Karl von Södermanland, Pfalzgraf Georg Johann I. von Pfalz-Veldenz (verheiratet mit Anna Gustavsdotter Wasa) und Kanzleisekretär Sven Elofsson (1534–1600) zur Brautwerbung in der Pfalz und Heidelberg;Sven Elofssons Paralipomena eller Bihandl. till K. Gust. I. Erik XIV. och Johan III. Reg. Handl. In: Handlingar rörande Skandinaviens historia, Bd. XII. Elmans und Grandbergs, Stockholm 1825, S. 91–239, bes. S. 223–226; vgl. S. 242 (books.google.de). oder 1579Auf 1583 (errechnet) verweist Coppens Aussage vom 18. Oktober 1610 „in Palatinu per annis viginti septem viventi (= nachdem ich siebenundzwanzig Jahre in der Pfalz gelebt habe)“ in der Akademischen Gedenkrede auf Kurfürst IV. von der Pfalz. Johannes Lancellot, Heidelberg 1610, S. 11. Dabei sind die im Ausland verbrachen Studienzeiten (1590 bis 1596) aber wohl nicht eingerechnet. Allerdings reisten Karl IX. und die hochschwangere Anna Maria von der Pfalz in unbekannter Begleitung zu Verhandlungen über die Auszahlung der Mitgift auch März bis Juli 1583 nach Heidelberg, wo ihr Sohn Ludwig geboren wurde und starb; Riksarkivet Stockholm (K 357; Kungliga arkiv. Svenska prinsar och prinsessor. RA/710005); Erik Petersson: Den skoningslöse. En biografi över Karl IX. Natur & Kultur, Stockholm 2008, S. 86f (books.google.de; eingeschränkte Vorschau). in die Kurpfalz nach Heidelberg. Daniel Tossanus der Ältere berichtete anlässlich der Promotionsfeier im Juni 1600, Bartholomäus Coppenius sei den Pfälzern von dem Rechtsrat Zacharias Felinus († nach 1592),Aus Küstrin bzw. Livland, promovierter Jurist. dem früheren KanzlerVello Helk: Laurentius Nicolai Norvegus S.J.: en biografi med bidrag til belysning af romerkirkens forsøg på at genvinde Danmark-Norge i tiden fra reformationen til 1622. Gad, Kopenhagen 1966, S. 157 (slaegtsbibliotek.dk PDF). Herzogs Karl von Finnland, d. h. Herzogs Karl von Södermanland (des späteren Königs Karl IX. von Schweden, 1579 in Heidelberg Hochzeit mit Anna Maria von der Pfalz) empfohlen worden.Daniel Tossanus d. Ä.: ORATIO INAVGVRALIS DE DUOBUS TESTIBUS APOC. XI. III. IN PROMOTIONE D. QVIRINI REUTERI, ET D. Barthol. Coppenii 26. Iunii 1600. In: David Pareus: Hoseas Propheta Commentariis illustratis. Voegelin, Heidelberg o. J. (ca. 1605), S. 326 (books.google.de). Der schwedische Agent (Gesandte) Zacharias Veling musste sich am 14. November 1583 in Lübeck vor einer Ratskommission (Hermann Warmboeke, Thomas Rehbein) mit Superintendent Andreas Pouchenius und fünf Pastoren (u. a. Hauptpastor Gerhard Schröder) verantworten, weil er calvinistische Bücher zu verbreiten suchte, jeden Lutheraner verächtlich nur „Lutherὄνος“ ( = „Esel“) nannte und die lutherische Abendmahlslehre bestritt.Karl Klug: Der kirchliche Streit, welcher im Jahre 1613 über ein mit den Niederlanden geschlossenes Bündnis entstand. Teil I. In: Neue lübeckische Blätter. 15, 1849, S. 303–306, bes. S. 304 (books.google.de); Caspar Heinrich Starck: Lubeca Lutherano-evangelica, das ist, Der Kayserlichen Freyen und des Heil. Römischen Reichs Hanse- und Handel-Stadt Lübeck Kirchen-Historie, Bd. V, Felginer, Hamburg 1724, Bericht S. 372 f. (books.google.de), Verhörprotokoll S. 507–521 (books.google.de) und Register, Bl.Mmmmmmm (books.google.de).
Durch Vermittlung seines Rostocker Landsmanns Nicolaus Dobbin (1536–1614) besuchte Coppen das Gymnasium Illustre Casimirianum in Neustadt an der Weinstraße, wohin bis 1583/84 vorübergehend auch der Lehrbetrieb reformierter Professoren der Universität Heidelberg ausgegliedert worden war.
Studium Nach einer ersten Immatrikulation am 18. Januar 1586 in Heidelberg disputierte Coppenius, Alumnus des Sapienzenhauses, über theologische Themen am 16. März 1588 unter dem Vorsitz von Daniel Tossanus und am 17. Januar 1590 unter dem Vorsitz von Franziscus Junius dem Älteren an der Universität Heidelberg. 1588 trug sich Coppen in Heidelberg in das Stammbuch von Johann Rudolf RebmannAm 20. September 1586 als „Johannes Rodolphus Ampelander Bernas“ immatrikuliert in Heidelberg, in November / Dezember 1586 in die Liste der Theologiestudenten eingetragen. ein.
Mit Stipendien des reformierten Kuradministrators Pfalzgraf Johann Casimir von Pfalz-Simmern-Lautern reisten Bartholomäus Coppenius und Enoch Himmel d. Ä. Pomeranus (* um 1565/70; † nach 1594),Aus Stolpe in Pommern, auch „Chanocus Uranius“, wohl Bruder von Johann Himmel (gelegentlich verwechselt mit dessen Sohn Enoch Himmel d. J. Durlacensis; 1611–1666), am 29. Mai 1584 immatrikuliert in Königsberg, am 24. Juni 1587 immatrikuliert in Heidelberg (Stolpensis Pomeranus), Alumnus im Sapienzenhaus, Eintrag in das Heidelberger Fakultätsalbum, Bl. 132, zum 28. Februar 1590 anlässlich einer Disputation De canonicae scripturae interpretatione bei Franz Junius d. Ä. (uni-heidelberg.de), (Abraham Kuyper (Hrsg.): D. Francisci Junii Opuscula theologica selecta. Muller, Amsterdam 1882, S. 312–314 books.google.de), ab 1590 in Genf, disputierte in Genf am 17. Juli 1590 bei Antonius Fayus, 1593 in Oppenheim, gab dort unter seinem latinisierten Namen „Chanocus Uranius“ Disputationen von Antonius Sadeel (1541-1593) gegen den Löwener Professor Johannes Lenseus (1541–1593) heraus (De verbo Dei scripto, libri quatuor). Eustathius Vignon, Genf 1594; e-rara.ch; gewidmet dem Oppenheimer Landschreiber Jakob Pletz († 1609 aus Rüdesheim und dessen Schwiegersohn, dem „verblichenen“ Schaffner von Kloster Mariacron Johann Melchior Meiel († 1598); Grabmale in der Katharinenkirche). im Frühjahr 1590 (zum Studienjahr 1589Suzanne Stelling-Michaud: Le Livre du recteur de l’Académie de Genève : 1559-1878. Librairie Droz, Genf 1959 S. 152, 1195 und 1873./90)Melchior Adam, ein Zeitgenosse Coppens in Heidelberg, datiert die Reise – wohl unzutreffend – auf das Jahr 1591. über BaselKein Eintrag in der Universitätsmatrikel; Nach einem Brief von Daniel Tossanus d. Ä. aus Heidelberg an Johann Jakob Grynaeus in Basel vom 26. April o. J. (wohl 1590), in dem auch der Übertritt von Samuel Huber erwähnt wird, hatten die beiden „auserlesenen Jünglinge“ Coppenius und Himmelius den Auftrag erhalten, Grynaeus auf ihrer Reise nach Genf (Genevam allegantur) im Namen des Universitätskollegiums und der Pfarrer pflichtgemäß zu grüßen und sich eine Beurteilung über den Plan ihrer Studien anzuhören. nach Genf, studierten dort an der Académie de GenèveEinträge„Enoch Himmel Stolpensis Pomeranus s. theol. st.Bartholomaeus Coppen Rostochiensis s. theol. stud.“in den Catalogue des étudiants unter dem Rektorat von Charles Perrot (1541–1608). und hörten Théodore de Bèze.
Noch zu Lebzeiten des Kurfürsten Christian I. von Sachsen (ein Schwager des Pfalzgrafen) immatrikulierte sich „Bartholomaeus Coppen Rostochiensis“ am 15. April 1591 in Wittenberg. „Enoch Himmel (d. Ä.) Stolpensis Pomeranus“ immatrikulierte sich dort am 24. April 1591.Himmel disputierte in Wittenberg am 24. September 1591 bei Urban Pierius, der des Kryptocalvinismus verdächtigt wurde. Am 29. Oktober 1591 verteidigte Coppen in Wittenberg unter dem Vorsitz von Heinrich Maius, der als Kryptocalvinist verdächtigt wurde, Disputationsthesen im Anschluss an Philipp MelanchtonResponsiones … ad impios articulos Bavaricae inquisitionis. Rau, Wittenberg 1558, bes. Bl. Bii–C (books.google.de) = Jacob Eysenberg (Übersetzer): Anleytung …, wie christlich zu antworten sei, auf die abgoettischen Artickel in Baiern gestellet. Hans Lufft, Wittenberg 1559 (books.google.de) = Melanchthon deutsch, Bd. IV. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2012, S. 185ff (books.google.de; eingeschränkte Vorschau). über den 7. Artikel (Gültigkeit von Beschlüssen Ökumenischer Konzilien) der sogenannten Artikel der bayerischen Inquisition.Katalog bayerischer Jesuiten (Jesuitenkolleg Ingolstadt) mit 31 Fragen ("Artikeln") zur Identifizierung protestantischer Ansichten, abgedruckt bei Melanchthon. Coppen schätzte in Wittenberg auch den Mediziner und Mathematiker Andreas Schato, den er in der Geometrie Jean Fernel vorzog. Im Juni 1596 brach Coppenius zur Rückreise nach Heidelberg auf.
Tätigkeiten am Sapienzenhaus Heidelberg, an der Fürstenschule Neuhausen und der Universität Heidelberg 1596–1600 war er dritter Lehrer am Sapienzenhaus„Collegium“ oder „Domus Sapientiae“ für arme, begabte Studenten (Seminar für den Pfarrernachwuchs), 1556 eröffnet; Eike Wolgast: Das Collegium Sapientiae in Heidelberg im 16. Jahrhundert. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 147 (1999), S. 303–318. im ehemaligen Augustinerkloster in Heidelberg und schließlich Rektor der Fürstenschule in Worms-NeuhausenBrief von Carolus Hugelius vom 12. März 1600 aus Kreuznach an Caspar Bauhin in Basel; Adalbert Becker: Beiträge zur Geschichte der Frei- und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen. Grossherzogliches Gymnasiums, Worms 1880, S. 104 (books.google.de). im ehemaligen Cyriakusstift.