Suitbert Siedl vom Hl. Johannes vom Kreuz OCD (lateinisch P. Suitbertus Siedl a Sancto Ioanne a Cruce; * als Heribert Siedl am 11. Februar 1923Akt Nr. AT-OeStA/AdR UWFuK BMU PA 21/047 - beim Österreichischen Staatsarchiv in Wien; † 3. April 2006 in Graz) war ein österreichischer Unbeschuhter Karmelit, UniversitätsprofessorKurzinfos bei isbn.de und Esperantist.Todesmeldung auf Facebookseite "Esperantujo"
Leben Nach der Reifeprüfung bat Siedl um Aufnahme bei den Zisterziensern im Stift Zwettl. Da sich Siedl aber mehr zu Kontemplation und Studien hingezogen fühlte, wechselte er den Orden und wurde 1940 Novize bei den Unbeschuhten Karmeliten in Graz. Nach der Aufhebung dieses Klosters durch die Nationalsozialisten kam er in die Ordensniederlassung in Linz. Es kam noch zu einem Beginn philosophischer Studien in Wien, bevor er zur Wehrmacht musste. In Frankreich kam er in US-Kriegsgefangenschaft. Die Ordensprofess war am 21. Dezember 1941 erfolgt; zum Priester geweiht wurde Siedl in Rom am 23. April 1950. Bis zum 20. Jänner 1985 war er Professor für Bibelstudien an der Universität Salzburg.
Seine Doktorarbeit (Graz) handelte über Ähnlichkeiten spiritueller Lehre im Johannesevangelium und in den Werken des Johannes vom Kreuz. Siedl verbrachte Spezialstudiensemester auch an der Universität Bonn und an der Universität Innsbruck (u. a. betreffend Archäologie und Altorientalische Philologie). Zu Studienzwecken verbrachte er geraume Zeit im Heiligen Land und durfte von 1960 bis 1962 an der Bar-Ilan-Universität Vorlesungen halten. Als junger Priester war er zudem Gymnasiallehrer für Latein und Altgriechisch. Siedl galt als polyglotte Person.Diana Licoppe: Inter eximios Latinitatis vivae fautores: Suitbertus H. Siedl - in: Melissa, Nr. 12, Juni 1986, S. 3–5 (Interview, mit eigenen Aussagen Siedls zu seiner Mehrsprachigkeit)
In Salzburg war er von 1962 bis 1975 Dozent; eine außerordentliche Professur für Altes Testament und Judaistik begann 1974.Caelestis Eichenseer: "Prof.em D.rem Suitbertum Siedl in otium concessisse". In: Vox Latina, Bd. 79 (1985), S. 111 Das zeigte sich bei Siedls theologischem Ansatz. Denn wie schon bei Wasser in der Wüste. Der Glaube als menschliche Wirklichkeit (1971) rief Siedl auch bei seinem letzten Werk David. Dichter und König zum direkten Erleben biblischer Texte auf: Was Sie hier in Händen haben, ist eigentlich ein Vielfaches. Zunächst ist es die Geschichte von Menschen, von einzelnen Menschen und den oft ergreifenden Schicksalen ihres Lebens, die wir – ich meine damit den Leser und schließe mich selber mit ein – beim Lesen der folgenden Seiten erleben und miterleben dürfen. Dieses Erleben und Miterleben dessen, was den Betroffenen widerfahren ist, halte ich zum Verständnis dessen, worum es hier geht, für besonders wichtig.Vorwort des Autors- zitiert nach dem LIT-Verlagsfachkatalog für Theologica 2023, S. 39
Engagement für Latein Am 16. Juli 1989 gründete Siedl in Clearwater (Florida) die kirchlich anerkannteListe katholischer Organisationen in der Diözese Saint Petersburg Vereinigung Familia Sancti Hieronymi, deren Mitglieder Latein als lebende Sprache pflegen und als Sprache der Kirche ehren.Statuten auf Englisch Man beruft sich dabei auch auf die apostolische Konstitution Veterum sapientia.Richard Chonak: "Latin holidays with Familia Sancti Hieronymi" - auf: newliturgicalmovement.org, 21. Mai 2014 Seit 1982Latinitas, 30/1982, S. 225–229 organisierte er oft Lateinwochen namens Feriae Latinae im Auftrag der vatikanischen Stiftung Latinitas: diese fanden in Österreich, Italien, Slowenien, Frankreich und den USA statt. Weiters arbeitete Siedl für das einsprachige Lateinwörterbuch Lexicon recentis latinitatis unter der Leitung von Karl Egger, das sich um die Modernisierung des Lateinwortschatzes (Neologismen) verdient machte. Er verarbeitete seine praktischen Erfahrungen zum Lateinsprechen u. a. im Sprachkurs Cursus linguae Latinae vivae.Online-Rezension des "Cursus linguae Latinae vivae" - auf: reddit.com
Esperanto in der Familie Siedl Seine Mutter Christine Siedl war Übersetzerin für Esperanto und schuf die Esperantoversion der österreichischen Bundeshymne Land' de montoj, katedraloj."Esperantista laŭdo al Aŭstrio" - in: Espero Katolika, 6/1965, Rubrik "Movadaj informoj""Die Bundeshymne auf Esperanto, österreichischer Beitrag zu dessen Geburtstag am 26. Juli" - in: ots.at, 24. Juli 2014Aktualisierte Version 2014 - in: Esperanto aktuell, 2014/5, S. 26 Sein Vater, der städtische Beamte Ludwig Siedl (1879–1975), hatte bereits als Soldat im Ersten Weltkrieg für die Friedenssprache Esperanto geworben und war viele Jahre aktiv tätig bei den katholischen Esperantisten AKLEInformationsblatt November 1914 bzw. bei IKUE. Heribert Siedl war ein sogenannter Esperanto-Muttersprachler"Esperanto als Muttersprache" - auf: esperantoland.org, d. h. er wurde zweisprachig erzogen und schon beim Esperanto-Weltkongress 1924 in Wien als Teilnehmer gelistet.Adressliste der Teilnehmer, S. 24
Werke (Auswahl) Qumran – Eine Mönchsgemeinde im Alten Bund, Bibliotheca Carmelitica, cura Facultatis Theologicae O. C. D. edita, Series II: Studia, Vol. 2, Rom (1963) Inhaltsverzeichnis "Malnova kaj Nova Testamentoj: pri diverseco kaj unueco de ambaŭ Testamentoj", in: Biblia Revuo, 6 (1970), S. 197–216 Gedanken zum Tempussystem im Hebräischen und Akkadischen, Harrassowitz, Wiesbaden (1971) Wasser in der Wüste, Tyrolia, Innsbruck (1971) David: Dichter und König, Verlag LIT, 2. Auflage 2019, ISBN 978-3643509710 (lateinischsprachige) Fachaufsätze und Rezensionen in den römischen "Ephemerides Carmeliticae"Inhaltsübersicht der Zeitschriftausgaben zwischen 1947 und 1974 - in: Ephemerides Carmeliticae, 26/1975 (2), S. 103–104
Weblinks Links auf DDB Biographie in lateinischer Sprache, mit Photo – auf: hieronymus.us.com Ansprache bei der Europäischen Esperantokonferenz, Wien 1965 – in: Espero Katolika, 10/1965, Rubrik "Esperanto kaj religioj" "Pater Suitbert Siedl beigesetzt" – in: Sonntagsblatt, Nr. 17, 23. April 2006 von Siedl verfasste Lehrbücher des Lateinischen
Einzelnachweise
Kategorie:Neulateinischer Philologe Kategorie:Esperantist Kategorie:Karmelit (OCD) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Salzburg) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1923 Kategorie:Gestorben 2006 Kategorie:Mann