Peter Gwiasda (* 1959 in Köln) ist ein Verkehrsplaner und -forscher, der seit 1987 seine Arbeitsschwerpunkte auf Radverkehr und Verkehrssicherheit gelegt hat. Er ist als Projektleiter im Planungsbüro Via eG in Köln tätig, das als Genossenschaft organisiert ist und in dem er Gründungsmitglied ist.
In dieser Funktion hat er etliche kommunale Radverkehrskonzepte erstellt und somit in zahlreichen Kommunen Maßnahmen zur Verbesserung der Situation und Verkehrssicherheit des Radverkehrs angeregt oder geplant. Er war außerdem an einigen Forschungsprojekten und zahlreichen Machbarkeitsstudien für Radschnellverbindungen in mehreren Bundesländern federführend beteiligt. Gwiasda ist sehr häufig im Einsatz als Vortragender bei Fortbildungen, Seminaren, Tagungen, Konferenzen und Webinaren.
Peter Gwiasda hat nach dem Abitur am Albertus-Magnus-Gymnasium in Köln Geographie an der Universität Bonn studiert. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Berufliche Tätigkeit und Werk Gwiasda hat sich vor allem mit Planung und Forschung zu Radverkehr und Verkehrssicherheit beschäftigt, daneben auch mit Fußverkehr und Intermodalität mit dem ÖPNV sowie übergreifend mit kommunaler Verkehrsentwicklungsplanung insgesamt. Er bearbeitete maßgeblich mehrere kommunale Mobilitätskonzepte, so bereits 1992 den damals ersten kreisweiten Verkehrsentwicklungsplan in Nordrhein-Westfalen („Regionaler VEP“ des Rheinisch-Bergischer Kreises).
Er war von Anfang an an der Einführung der Fahrrad-Wegweisung in Nordrhein-Westfalen beteiligt, u. a. mit einem Projekt schon 1987 in Leverkusen, wo erstmals in Deutschland eine flächendeckende Wegweisung für den Radverkehr aufgebaut wurde. In der Folge der von ihm bearbeiteten Projekte kam es zu bundesweiten Empfehlungen für die Fahrrad-Wegweisung, die 1998 etwa zeitgleich herausgegeben wurden von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) als Merkblatt für die wegweisende Beschilderung des Radverkehrs, FGSV Nr. 245 und dem ADFC als FAF 3: Fahrradwegweisung.ADFC Bundesverband und Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL): Fakten Argumente Forderungen FAF 3 – Fahrradwegweisung (PDF; 0,5 MB). Die Empfehlungen unterschieden sich im Wesentlichen bei der empfohlenen Farbe (die FGSV empfahl rot, ADFC grün). Seit 2000 mit eigener Software seines Büros (VP-Info) unterstützt, wurden ausgehend von Rheinland-Pfalz zahlreiche regionale Fahrradwegweisungssysteme und touristische Route umgesetzt, kontrolliert und weiterentwickelt.
Radverkehrskonzepte Gwiasda bearbeitete seit 1990 städtische Radverkehrskonzepte (RVK) und -planungen, so in Frankfurt am Main für die gesamte Stadt und speziell für den Frankfurter Grüngürtel, später bezirkliche Radverkehrskonzepte für Großstädte wie Düsseldorf und Köln, u. a. in den Kölner Bezirken InnenstadtStadt Köln: Vorlage 1171/2016: Gutachten zum Radverkehrskonzept für den Stadtbezirk Innenstadt, auf ratsinformation.stadt-koeln.de und Ehrenfeld.
Er erstellte regionale Radnetzpläne und Maßnahmenlisten fürs Münsterland und fürs Verbandsgebiet des Regionalverband Ruhr im Ruhrgebiet und für mehrere Landkreise wie z. B. den Kreis Euskirchen, den Landkreis Miltenberg oder den Landkreis Grafschaft Bentheim. Damit hat er dazu beigetragen, das Thema Radverkehr im ländlichen Raum, das zuvor oft nur auf touristischen Radverkehr und den Bau von Radwegen an Landstraßen reduziert wurde, stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt.Referenzen auf viakoeln.de
Auch in kleineren Städten war er aktiv, so mit einem Radverkehrskonzept in Nordhorn 2016. Nordhorn war in der Folge beim ADFC-Fahrradklima-Test 2020 mit einer Gesamtnote von 2,64 und 2022 mit 2,8 (auf einer Skala von 1,0 bis 6,0, etwa entsprechend Schulnoten) jeweils die best-bewertete Stadt bei Einwohnerzahlen zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern, nachdem die Stadt in den Jahren zuvor jeweils den zweiten Platz belegt hatte. Er bearbeitet aber auch nicht selten Städte mit weniger guter Ausgangsbasis beim Radverkehr, so u. a. Stadtallendorf.RVK Stadtallendorf
Planung von Radschnellwegen Gwiasda war, mehrfach innerhalb größerer Konsortien mit anderen Planungsbüros, an folgenden Machbarkeitsstudien und teilweise auch an späteren Planungsschritten an Radschnellwegen beteiligt:
2012 Radschnellweg RuhrMachbarkeitsstudie Radschnellweg Ruhr, auf rvr.ruhr, eine der beiden ersten konkreten Studien in Deutschland (die andere gab es in der Metropolregion Hannover – Braunschweig – Wolfsburg – Göttingen) zu einem Radschnellweg (inzwischen: RS 1), der auf inzwischen 115 km Länge zwischen Moers, Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Essen, Bochum, Dortmund und Hamm führen soll und in einigen Teilabschnitten bereits fertig gestellt worden ist. 2015 die Detaillierte Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg Frankfurt – Darmstadt. Sie war das Pilotprojekt in Hessen, erarbeitet im Auftrag des Regionalverband FrankfurtRheinMain. Dieser Radschnellweg wird inzwischen als FRM 1 benannt. Er ist seit Sommer 2019 im 1. Bauabschnitt in Betrieb und inzwischen in mehreren weiteren Bauabschnitten fertig gestellt. 2017 Machbarkeitsstudie Radschnellverbindungen Nürnberg – Fürth – Erlangen – Herzogenaurach – Schwabach und umgebende Landkreise im Auftrag der Metropolregion NürnbergEndbericht auf nuernberg.de, als erstes derartiges Projekt in Bayern. Machbarkeitsstudien zu Radschnellverbindungen (RSV) in und um Köln und Düsseldorf sowie im Osten von München nach Markt Schwaben (derzeit planerisch vertieft in Arbeit) sowie im Süden und Südwesten von München nach Starnberg und Oberhaching.
Entwicklung von Standards und Musterblättern 2017 hat Gwiasda für das Land Baden-Württemberg die Musterblätter und Standards für das Landes-Radverkehrsnetz entwickelt, dem 2019 auch Standards für Radschnellverbindungen folgten. Diese Gestaltung von jeweils einseitigen Musterblättern für diverse typische Planungssituationen an Strecken und Knotenpunkten mit speziellem Blick auf den Radverkehr gab es zuvor in Deutschland nicht in breit öffentlich verfügbarer Form. Gwiasda und sein Büro Via e.G. hatten derartige Musterblätter zuvor bereits für Rheinland-Pfalz entwickelt, wo sie aber nicht veröffentlicht wurden (angekündigt als Hinweise zur Anwendung der ERA in Rheinland-Pfalz, HAnwERA)Radschnellwege Rheinland-Pfalz. Standards für Pendler-Radrouten und Radschnellverbindungen Version 1.0, Stand 05.04.2019, Seite 10. Die Einhaltung der Standards ist in Baden-Württemberg inzwischen Grundlage der finanziellen Förderung durch das Land. Ohne derartige Förderungen gibt es überhaupt nur noch wenige kommunale Verkehrsprojekte, die zur Umsetzung kommen. 2020 hat Gwiasda auch in Hessen Musterblätter und Standards mitentwickelt. Im Rahmen der Entwicklung des Rad-Hauptnetz Hessen hat er wesentliche Beiträge zu den Musterblättern HessenHessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum. Qualitätsstandards und Musterlösungen. Wiesbaden 2019 geliefertHessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum: Rad-Hauptnetz Hessen. Aktuelle Entwicklungen und Planungen. Webinar 24. Juni 2020, Folie 21. Auch in Hessen ist die Einhaltung der Standards und Musterblätter inzwischen Fördervoraussetzung.
Bike and Ride Gwiasda hat sich auch mit Fahrradparken beschäftigt, in besonderer Weise Fahrradparken an Bahnhöfen und Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs (Bike and ride). 2019 erstellte er mit sechs anderen für das Land Baden-Württemberg einen Leitfaden zum Thema.Leitfaden Bike+Ride. Für eine erfolgreiche Verknüpfung von Öffentlichem Verkehr und Fahrrad
Forschungsprojekte Für die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat er 2016 mit einem Team aus zwei Büros Fahrradstraßen und die Öffnung von Einbahnstraßen für Radverkehr entgegen der Einbahnrichtung untersucht und bewertet.Norbert Schläger et al. 2016: Sicherheitsbewertung von Fahrradstraßen und der Öffnung von Einbahnstraßen. Forschungsbericht Nr. 13 der Unfallforschung der Versicherer In der Folge ist 2021 die hier maßgebliche Verwaltungsvorschrift zur StVO (VwV-StVO) so geändert worden, dass die Öffnung für den Rad-Gegenverkehr von einer Kann- in eine Soll-Vorschrift geändert wurde und damit zu einem Regelfall wurde. Inzwischen muss die Nicht-Öffnung einer Einbahnstraße begründet werden.Bundesrat erleichtert Freigabe von Einbahnstraßen und Fahrradstraßen. auf sazbike.de, 2. Juli 2021 Auch Fahrradstraßen werden seitdem vermehrt entsprechend der dort abgeleiteten Empfehlungen umgesetzt.
2017 hat sein Büro zusammen mit der Universität Frankfurt am Main einen Überblick zu neueren Entwicklungen bei der Integration von Fahrradverkehr und öffentlichem Verkehr erstellt.Neuere Entwicklungen zur Integration von Fahrrad und Öffentlichem Verkehr in Deutschland: Überblick zum Stand des Wissens und der Praxis, mit Andrea Fromberg u.a. Arbeitspapiere zur Mobilitätsforschung Nr. 15. Goethe Universität Frankfurt am Main 2017. ISSN 2363-8133
Für die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat er 2019 mit anderen Einsatzbereiche und Entwurfselemente von Radschnellverbindungen untersucht und empfohlen. Die Erkenntnisse zu empfohlenen Breiten und Querungsstellen sind in die Hinweise für Radschnellverbindungen und Radvorrangrouten (H RSV 21) eingeflossen und damit Grundlage der heutigen Planungsanforderungen an stark belasteten Radverkehrsanlagen, Radschnellverbindungen und Radvorrangrouten.
Für das Land Baden-Württemberg hat er mehrfach, zuletzt 2023 Schutzstreifen außerorts und Schutzstreifen auf engen Fahrbahnen innerorts untersucht und Empfehlungen abgeleitet.Präsentation Schutzstreifen Ergebnisse, zusammen mit Gunter Bendias In der Folge wurden in Baden-Württemberg als damals einzigem Bundesland bei Erfüllung entsprechender Kriterien innerorts Schutzstreifen mit engen Kernfahrbahnen (die ein Begegnen zweier Pkw nicht mehr zulassen) und Schutzstreifen außerorts zulässig. Auf Grundlage entsprechender Erlasse ist damit in Baden-Württemberg derzeit ein größeres Maßnahmenrepertoire für die Führung des Radverkehrs auf sonst nicht durch das Maßnahmenrepertoire der ERA 2010 abgedeckten Straßen zulässig als in anderen Bundesländern. Schutzstreifen außerorts sind inzwischen auch in Nordrhein-Westfalen zulässig.Einrichtung von Schutzstreifen außerorts. MUNV veröffentlicht Erlass zu Schutzstreifen außerhalb geschlossener Ortschaften auf agfk-nrw.de, Bezug: Erlass vom 10.Januar 2024 Im Forschungsprojekt INFRASense, Entwicklung einer Softwareanwendung zur Qualitätsbestimmung kommunaler Radverkehrsanlagen auf Basis von Crowdsourcing-Daten war Gwiasda als Verkehrsplaner beteiligt. Ein Konsortium mit Hard- und Softwareentwicklern, einem Fahrradleasingunternehmen und der Universität Oldenburg hat das Projekt durchgeführt. Mit einer eigenen entwickelten Sensorik und Daten von Smartphones wurden Erschütterungen, Bremsungen, Fahrgeschwindigkeiten sowie Wartezeiten erfasst, dargestellt und bewertet. Von über 700 Radfahrern aus Oldenburg (Oldb) und Osnabrück wurden über Monate Daten auf Alltagswegen gesammelt. Teilnehmer konnten auch subjektive Einschätzungen abgeben. Angestrebt und für diese beiden Städte erreicht wurde eine flächenhafte Erfassung der Radverkehrsqualität, auch anderswo, wo diese Radfahrer unterwegs waren, sind Ergebnisse zu sehen, aber mit geringerer Datengrundlage. Ergebnisse für die Strecken und Knotenpunkte werden ausgewertet und im Biquemonitotr dargestellt. Verlustzeiten des Radverkehrs sind für jeden Verkehrsstrom dargestellt und entsprechen den in der Verkehrsplanung üblichen Stufen der Verkehrsqualität A bis F (sehr hoch bis sehr niedrig). Über den Biqemonitor sind diese Bewertungen allgemein zugänglich.
Tätigkeit in Verbänden Seit den 1980er Jahren war Gwiasda ehrenamtlich beteiligt am Aufbau des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Köln und später auch bundesweit aktiv. Er war lange Zeit Mitglied im gemeinsamen Fachausschuss Radverkehr von ADFC und SRL auf Bundesebene.